Brille

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Brille (Begriffsklärung) aufgeführt.
Korrektionsbrille

Eine Brille ist eine vor den Augen getragene Konstruktion, die in den überwiegenden Fällen als optisches Hilfsmittel Fehlsichtigkeiten und Stellungsfehler der Augen korrigiert und als solche Korrektionsbrille oder auch Korrekturbrille genannt wird. Zudem werden Brillen zu therapeutischen, diagnostischen und experimentellen Zwecken sowie zum Schutz vor äußeren Einwirkungen, Verletzungen oder Überreizung verwendet. Auch als modisches Accessoire ist die Brille von Bedeutung.

Eine Brille besteht aus Brillengläsern, die entweder als geschliffene Linsen eine lichtbrechende Wirkung besitzen und als Sehhilfe dienen, oder aus gegossenen Scheiben oder Gläsern unterschiedlichen Materials, die verschiedene Zwecke erfüllen können. Des Weiteren verfügt sie zur Stabilisierung und Fixierung der Brillengläser über eine Fassung, die aus unterschiedlichen Materialien, Größen und Formen bestehen kann, sowie aus einer Haltevorrichtung (Ohrbügel, Griff oder Hinter-Kopf-Halteband).

Die heutige Brillenherstellung erfolgt auf der Grundlage von Normen und Richtlinien. Meist stellen Augenoptiker das Endprodukt aus in der Regel industriell vorgefertigten Komponenten zusammen und liefern die fertige Brille an den Kunden aus. Zuvor wird die notwendige Glasstärke ermittelt, entweder beim Augenarzt oder beim Augenoptiker. In Deutschland benötigen etwa 64 % der Personen über 16 Jahre und etwa 15 % der Kinder eine Korrektionsbrille. Sehhilfen sind im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) aufgeführt.[1] Die Kosten für deren Anfertigung werden jedoch nur mit erheblichen Einschränkungen übernommen.[2]

Die Korrektionsbrille wurde Ende des 13. Jahrhunderts in Italien erfunden[3], jedoch sind vergrößernde optische Hilfsmittel bereits seit der Antike bekannt.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Bezeichnung „Brille“ leitet sich vom spätmittelhochdeutschen Wort berille ab. Dieses wiederum wird zurückgeführt auf das Mineral Beryll.[4] Man bediente sich um 1300 Linsen aus geschliffenen Halbedelsteinen. Der Name des Schmucksteins Beryll (lateinische Form beryllus; er ist auch Namensgeber für das darin enthaltene Element Beryllium) wurde im Mittelalter als Oberbegriff für alle klaren Kristalle verwendet, auch wenn sie aus anderem Material wie z. B. Bergkristall bestanden.

Albrecht von Scharfenberg verlieh dem „berillus“ im Jüngeren Titurel eine erhöhte symbolische Bedeutung. In der um 1270 entstandenen ausgedehnten Gralsdichtung ist „Parille“ der Name für einen der Söhne von Senabor. Bei der Aufzählung der „kinde und kindes kint“ vom Stamm „Kapadoze“ wird der Name erwähnt:

„Ein sin sun Parille hiez er nach dem steine, / durch daz der ougen wille da mit erget. er machet groz uz kleine. / uz cleinen tugenden machte er di grozen.“

„Einen seiner Söhne nannte er Parille nach dem Steine. Damit das Verlangen der Augen da hindurchgehe. Er macht groß aus klein. Aus kleinen Tugenden machte er die großen.“

Vers 99

Durch die Wahl des Namens wird der Lebensweg des „Parille“ verdeutlicht und seine Entwicklung aufgezeigt. Diese Strophe stellt das älteste Denkmal im deutschen Sprachraum dar, in dem die Brille (hier noch als Lesestein aus Bergkristall) genannt wird. Viele Strophen später greift Albrecht den Vergleich erneut auf:

„Sam der berillus grozet di schrift in im ze lesene, din herze dem genozet, dar inne alle tugende mit wesene wahsent hoch, breit, wit und ouch di lenge.“

„So wie der Beril die in ihm zu lesende Schrift vergrößert, gleicht ihm dein Herz, darin alle Tugenden in ihrem Wesen hoch, breit, weit und auch in die Länge wachsen.“

Das Herz ist also klar und rein wie ein „berillus“ und hat die Eigenschaft, die Tugenden wachsen zu lassen.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorläufer der Brille[Bearbeiten]

Eine erste Erwähnung von vergrößernden Sehhilfen, die als einfache Meniskenlinsen beschrieben wurden, gab es in ägyptischen Hieroglyphen im 6. Jahrhundert vor Christus. Laut Chrysippos soll bereits Archimedes († 212 v. Chr.) die Brechungsgesetze von Linsen untersucht und einen am Kopf befestigten Kristall zur Sehkorrektur getragen haben. Seine Entdeckung fand in der Antike aber offenbar keine praktische Nachahmung. Kaiser Nero soll zwar die Gladiatorenkämpfe durch Gläser betrachtet haben, diese waren jedoch ohne brechende Wirkung. Sie dienten nur dazu, seine Augen vor der Sonneneinstrahlung zu schützen.[6] Seneca der Jüngere schrieb im 1. Jahrhundert nach Christus: „Kleine und undeutliche Buchstaben erscheinen schärfer und größer, wenn man sie durch eine mit Wasser gefüllte Kugel betrachtet.“

Neue Ansätze lieferte das Buch Schatz der Optik des arabischen Mathematikers, Astronomen und Optikers Alhazen († ca. 1040), nachdem es um 1240 ins Lateinische übersetzt und in Klosterbibliotheken verfügbar wurde. Alhazen beschrieb die vergrößernde Wirkung eines Glaskugelsegments, des späteren „Lesesteins“, ohne jedoch seine Erkenntnis praktisch zu nutzen. Die Untersuchungen des Arabers, die handwerklichen Fertigkeiten schreibender Mönche und der rapide anwachsende Gebrauch der Schrift im städtischen Bereich kamen zusammen. Wohl in einem Kloster wurde der erste Lesestein aus Bergkristall geschliffen. Um die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts folgten Leseglas und Brille.

Neben dem Schatz der Optik zeigte eine Bemerkung aus Die goldene Schmiede des mittelhochdeutschen Dichters Konrad von Würzburg (* 1220/1230 in Würzburg, † 1287 in Basel) eine mögliche Entwicklungsrichtung: „Er [der Kristall] hat in sich die große und gewaltige Art, […] sofern ihn jemand dünn schliffe und auf die Schrift halten wollte, der sähe durch ihn die kleinen Buchstaben größer scheinen.“[7]

Die Erfindung der Brille[Bearbeiten]

Der „Brillenapostel“ von Conrad von Soest (1403)
Apostel mit Nietbrille (1439)

Die als Sehhilfe für beide Augen auf die Nase gesetzte Lesebrille wurde Ende des 13. Jahrhunderts in der Toskana erfunden. Der Dominikaner Giordano da Rivalto erwähnt die erst wenige Jahre zurückliegende Erfindung in einem Predigtmanuskript aus dem Jahr 1305.[3] Der Große Rat von Venedig befasste sich 1300, 1301 und 1319 mit lapides ad legendum (Lesesteinen) sowie vitreos ab oculis ad legendum (Lesegläsern). Wichtige Vorarbeiten leistete Roger Bacon, der in seinem Werk Opus maius wesentliche Erkenntnisse zur physikalischen Optik lieferte und glaubte, Kugelsegmente seien vorzügliche Hilfsmittel für Schwachsichtige.[8] Salvino degli Armati galt lange als Erfinder der Brille, bis 1920 bekannt wurde, dass er selbst eine Erfindung ist. Letztlich ist bis heute nicht geklärt, wer die Brille erfunden hat.

Die ersten Brillen, die in Europa vor 1300 aufkamen, hatten noch keine Bügel und besaßen konvex geschliffene Linsen, die sie nur für weit- oder alterssichtige Menschen geeignet machten. „Für das erste Auftreten und die weitere Verbreitung der Kenntnis, daß ein besonders geschliffener Bergkristall Schrift vergrößern kann, sind weit weniger theoretische mit wenigen berühmten Namen verbundene Erklärungen verantwortlich; viel mehr sind es die konkreten und praktischen Erfahrungen derjenigen, die in Werkstätten damit beschäftigt waren, Schreine, Vortragekreuze, Reliquiare und dergleichen mehr herzustellen. […] Es gibt […viele] Beispiele, bei denen sich ein solcher Stein mit vergrößernder Wirkung vor besonders kleinteiligen Reliquien befindet.“[9] „In den mittelalterlichen Schmuckwerkstätten wurden bei der Herstellung von Schreinen, Vortragskreuzen und Reliquiaren häufig plankonvex geschliffene Edelsteine verwendet. Diese dienten nicht nur zum Schmuck, sondern fungierten als vergrößernde Schaugläser, wenn sie vor besonders kleinteilige Reliquien gesetzt wurden“.[10] Deren Vergrößerungseffekt wurde – zunächst allerdings nicht zum Lesen – schon lange ausgenutzt. Der Übergang zum Vergrößern von Schrift gilt als sehr naheliegend.

Die älteste Darstellung einer Brille findet sich auf den Fresken des italienischen Malers Tommaso da Modena im Kapitelsaal von San Niccolo in Treviso. Sie sind um das Jahr 1352 entstanden. Mit viel Sinn für das Gegenständliche und für physiognomische Besonderheiten hat Tommaso da Modena auf vierzig Fresken die Hauptvertreter des Dominikanerordens dargestellt. Bei dem Porträt des Kardinals von Rouen wird ein Einglas gezeigt, das der Dargestellte dicht an sein Auge geführt hat. Er liest damit in einem Buch, das er aufgeschlagen in seinen Händen hält. Auf dem Porträt des Kardinals Hugo von Provence ist eine Nietbrille dargestellt, die diesem fest auf der Nase sitzt.[11]

Der sogenannte „Brillenapostel“ des Altars der Stadtkirche von Bad Wildungen, der 1403 von Conrad von Soest gemalt wurde, stellt die früheste Darstellung einer Brille nördlich der Alpen dar.[12] Der Brillenapostel ist zu einem Symbol der evangelischen Kirchengemeinde Bad Wildungens geworden und findet sich heute in ihrem Siegel wieder.

Im Chor des Aachener Domes sind auch zwei frühe „Brillenapostel” zu sehen. Neben den beiden zentralen Statuen von Maria und Karl dem Großen an den inneren Chorpfeilern sind auf Konsolen unter Baldachinen die zwölf Apostel aufgestellt. Nach Vollendung der Aachener Chorhalle wurden die Sandsteinfiguren, deren Künstler uns heute nicht mehr bekannt sind, in der Zeit von 1414 bis 1430 angebracht. Auf der Südseite befindet sich Thomas. Mit der rechten Hand hält er ein offenes Buch. Sein Attribut, das Winkelmaß, hängt in der Armbeuge und ist zwischen Brust und linken Unterarm geklemmt. Am Ledergürtel trägt Thomas ein Messer und ein Brillenetui. An der Nordseite des Chores steht Matthias. Seine Linke umfasst den langen Stiel der auf dem Boden abgestellten Hellebarde. Er blickt in ein aufgeschlagenes Buch. Die rechte Hand ist unter dem Tuch seines Mantels verborgen. Nur der Daumen ragt hervor und drückt von unten eine halb geöffnete Nietbrille gegen den Bucheinband.[13]

Brillenträger finden sich ebenfalls auf dem Altar von Friedrich Herlin in der Jakobskirche von Rothenburg ob der Tauber. Um 1466 geschaffen, zeigt er in der Predella Petrus mit Schlüsselbund und Buch. Seine Nietbrille hält der Apostel zum Lesen vor die Augen. In der Beschneidungsszene auf einem Seitenflügel des Altars hat der Maler dem Hohen Priester eine Brille auf die Nase gesetzt.[14]

Die ältesten erhaltenen Brillen wurden 1953 im Kloster Wienhausen bei Celle gefunden. Die beiden Nietbrillen stammen aus dem 14. Jahrhundert und werden im Kloster aufbewahrt.

Weiterentwicklung[Bearbeiten]

Französische Scherenbrille im Empire-Stil um 1805

Die Möglichkeit, eine Kurzsichtigkeit mittels konkaven bzw. bikonkaven Zerstreuungslinsen zu korrigieren, ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt.[15] Ein weiterer Schritt ist die Entwicklung der Bifokalbrille, als deren Erfinder Benjamin Franklin gilt. Ihm war es lästig, ständig seine Fernbrille gegen die Lesebrille auszutauschen. Um 1784 kam er auf die Idee, für das jeweils rechte und linke Auge zwei Brillenlinsen mit entsprechender optischer Wirkung zu montieren, eine Konstruktion, die man Franklinglas nannte. Das erste Patent wurde 1909 dem Amerikaner Orford zuerkannt.[16]

Die ersten Korrektionsgläser für einen Astigmatismus erfand 1825 der Britische Astronom George Airy.[17]

Die Schauspielerin Ruth Gordon mit Monokel, 1919

Auch die Entwicklung der Brillenfassungen machte Fortschritte. Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren Brillenhalterungen bekannt, die über und unter dem Ohr verliefen (siehe: Fernando Niño de Guevara). Der englische Optiker Edward Scarlett schließlich baute 1727 die erste Brillenfassung, deren Bügel ausschließlich über den Ohren verliefen. Diese waren anfangs jedoch nicht sonderlich erfolgreich, so dass Alternativen in Form von Lorgnon, Monokel oder Zwicker teils bis ins 20. Jahrhundert ebenso verbreitet waren.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Moritz von Rohr von der Firma Carl Zeiss AG entwickelte zusammen mit H. Boegehold und A. Sonnefeld[18] 1912 die asphärische Punktual-Linse, die den Markt der Brillengläser für viele Jahre dominierte. Das erste Gleitsichtglas wurde im Jahr 1959 in Frankreich von der Société des Lunetiers auf den Markt gebracht und trug die Bezeichnung Varilux. Die ständigen Weiterentwicklungen, die bis heute von unterschiedlichen Unternehmen erbracht werden, dienen in erster Linie der Verbesserung der Abbildungsqualität bei gleichzeitiger Reduzierung optischer und kosmetischer Nebenwirkungen sowie der Sicherheit und dem Tragekomfort; nicht alle Firmen stellen sowohl Gläser als auch Fassungen her.

Noch in den 1920er Jahren war in Großbritannien strittig, ob die Brille zu den „optischen Instrumenten“ (wie das Mikroskop) zählte oder ob die Spectacles, zusammen mit dem Monokel, eine eigene Kategorie bildeten. Es ging dabei um die im Finance Act[19] von 1926 festgelegten Importzölle für optische Instrumente. Am 6. Oktober 1927 entschied der Handelsausschuss der britischen Regierung, dass „Sehhilfen in der Umgangssprache wie auch in der normalen Diktion des Handels keine optischen Instrumente [sind] und deshalb auch nicht in die gleiche Klasse wie optische Instrument fallen.“ Sie unterlagen damit weiterhin nicht den Zollbestimmungen für optische Geräte.[20]

In Deutschland gab es bis Anfang der 1980er Jahre lediglich sechs Kunststoff-Fassungen für Erwachsene und zwei für Kinder, deren Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wurden. Man nannte sie deshalb „Kassengestelle“. 1972 gründete der Augenoptiker Günther Fielmann in Cuxhaven ein Augenoptikfachgeschäft. Er erkannte eine Marktlücke im Geschäft mit Kassenbrillen, die wenig beliebt waren. 1981 schloss das Brillenunternehmen mit der AOK Esens einen Sondervertrag und schuf 90 Modelle aus Metall und Kunststoff in 640 Varianten.[21] Damit endete in Deutschland die Ära der Einheitskassenbrille.

Gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung[Bearbeiten]

Der gesellschaftliche und ökonomische Aspekt der Brille als ein Hilfsmittel, Produktivität und Leistungsvermögen zu steigern, wurde bereits früh diskutiert. So hatte schon der Philosoph René Descartes (1596–1650) bemerkt:

„Unsere gesamte Lebensführung hängt von unseren Sinnen ab, und weil der Sehsinn der umfassendste und edelste von ihnen ist, gehören zweifellos alle Erfindungen, die seine Leistung steigern, zu den nützlichsten, die man sich denken kann.“

– René Descartes[22]

Die Brille gehört zu jenen Schlüsselerfindungen, die bereits im Mittelalter die spätere Überlegenheit Europas begründeten. Der Wirtschaftshistoriker David S. Landes weist in seinem Buch Wohlstand und Armut der Nationen darauf hin, dass die Erfindung der Brille die Lebensarbeitszeit in Berufen, bei denen es auf ein gutes Auge ankommt, mehr als verdoppelt hat. Das war zum Beispiel bedeutsam für Schreiber und Lektoren, Instrumenten- und Werkzeugmacher, Weber und Metallarbeiter. Eine Verdoppelung der Lebensarbeitszeit in spezialisierten technischen Berufen entsprach einer Verdoppelung der Facharbeiter, wobei der Zugewinn wegen der größeren Erfahrung der älteren Fachkräfte in Wirklichkeit noch größer ausfiel. Außerdem ermöglichten Brillen auch die Herstellung genauerer Werkzeuge – die Grundlage für die Entwicklung komplizierter Maschinen und den technischen Fortschritt. Nach Landes hatte Europa bei der Linsenherstellung fast 400 Jahre lang ein Monopol.[23]

„Katzenbrille“, um 1958

Man hat bereits sehr früh damit begonnen, den rein funktionellen Eigenschaften eines optischen Hilfsmittels einen Aspekt der Verzierung und Ornamentik hinzuzufügen. Da die Brille an sehr prominenter Stelle getragen werden musste, sollte sie wenigstens schön und teils auch wertvoll aussehen. Mittlerweile ist die Brille als modisches Accessoire ein fester Bestandteil des persönlichen Erscheinungsbildes vieler Menschen. Dies geht so weit, dass selbst Brillen ohne jegliche Korrektionswirkung lediglich wegen ihrer auffälligen und schmückenden Fassungen getragen werden. Häufig betrifft dies Sonnen- und Lichtschutzbrillen.

Typische „Markenzeichen“ von Groucho Marx als Icon dargestellt – die Brille gehört dazu

Für viele prominente Persönlichkeiten ist die Brille nicht nur Mittel zum Zweck, sondern sie prägte in erheblichem Umfang ihr Auftreten und Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit, wurde so zu ihrem „Markenzeichen“ oder sorgte doch zumindest für einen gewissen Wiedererkennungswert. Fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens wie Politik, Gesellschaft, Musik-, Film- und Modeindustrie haben bekannte Brillenträger hervorgebracht. Zu ihnen zählen unter anderem Elton John, Buddy Holly, Ray Charles, Heino, Karl Lagerfeld, Groucho Marx, Woody Allen, der 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho oder Gandhi.

Selbst seriöse Institutionen fördern diese Entwicklung. So kürt in Deutschland das Kuratorium Gutes Sehen seit dem Jahr 2000 regelmäßig den Brillenträger des Jahres, um bekannte Persönlichkeiten für ihre Vorbildfunktion in puncto Brille auszuzeichnen.[24][25]

Brillen gelten zum Teil auch heute noch als Zeichen von Intelligenz und Intellektualität, im positiven wie im negativen Sinne. Diese Vorurteile entstammen vermutlich einer Zeit, in der sich nur wirtschaftlich Bessergestellte eine Brille leisten konnten. Diese hatten die finanziellen Möglichkeiten zu höherer Bildung. Noch in den 1970er Jahren führte dies beispielsweise in Kambodscha dazu, dass Brillenträger unter der Herrschaft der Roten Khmer als vermeintlich Intellektuelle und somit potenzielle Feinde des kommunistischen Bauernstaates verfolgt und in vielen Fällen getötet wurden.[26][27][28][29][30]

Weiterhin tauchen Brillen als Symbol für eine bestimmte Sichtweise auf, was sich auch im Sprachgebrauch spiegelt. Die „rosarote Brille“ steht dabei für eine idealisierende und teils irreale Bewertung, wie sie für Träumer und Romantiker typisch ist. Ein ganz anderes Beispiel aus der Literatur ist die Figur Beckmann aus Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür, deren Gasmaskenbrille eigentlich ein dringend benötigtes Hilfsmittel ist, jedoch immer wieder für Aversionen sorgt und als Symbol für eine durch die Kriegserfahrungen bestimmte Wahrnehmung der Welt gilt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Zahl der Brillenträger ist seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen kontinuierlich gestiegen. Nach einer vom Kuratorium Gutes Sehen in Auftrag gegebenen Studie des Allensbach-Institutes aus dem Jahr 2008 tragen oder benötigen in Deutschland 62 % der Personen über 16 Jahre eine Korrektionsbrille, davon 8 % mehr Frauen als Männer. Zum Zeitpunkt der ersten Erhebung 1952 trugen nur 43 % der Bevölkerung eine Brille.

Besonders in der Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ein Zuwachs von 13 % auf 26 % zu verzeichnen. Durch intensivierte Aufklärung, Vorsorge, Früherkennung und verbesserte Diagnoseverfahren gibt es eine Tendenz zum frühen Tragen einer Brille. Die Zahl der Brille tragenden Kinder wurde 2010 mit 15 % bei steigender Tendenz angegeben. In den 1970er Jahren lag sie noch bei 8 %, Anfang der 1990er-Jahre bereits bei 11 %. Auch bei Kindern und Jugendlichen ist neben der generellen Zunahme an Brillenträgern ein Trend zum früheren Tragebeginn erkennbar, obgleich 70 % der in der Studie Befragten sicher waren, dass Kinder wegen ihrer Brille gehänselt würden. Laut Aussage des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) und der Deutschen ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) benötigen etwa 20 % aller Kinder eine Brille.[31] Andere Quellen sprechen von über 30 %.[32]

Die Akzeptanz der Brille ist in Deutschland hoch, so dass nach dieser Studie 91 % der Brillenträger und 82 % der Nicht-Brillenträger der Meinung sind, eine Brille beeinflusse die Attraktivität des Trägers nicht negativ. Die Brille hat in den 2000er Jahren als modisches Accessoire deutlich an Bedeutung gewonnen.[33]

Die weltweite Verbreitung von Korrektionsbrillen sinkt mit der wirtschaftlichen und infrastrukturellen Ausstattung der Länder und ihrer Bevölkerungen. Einwohnern von Staaten der Dritten Welt mangelt es oft nicht nur an den finanziellen Mitteln, sich benötigte Brillen zu beschaffen, sondern bereits an deren regionaler Verfügbarkeit.

Korrektionsbrillen[Bearbeiten]

Korrektionsgläser haben eine optische Wirkung, verändern damit den Strahlengang des in das Auge einfallenden Lichts und somit die Lage des Brennpunkts. Sie dienen der Korrektur von optischen Fehlsichtigkeiten – auch Brechungsfehler oder Ametropien genannt – und sorgen damit für eine Verbesserung der häufig reduzierten Sehschärfe. Die optische Wirkung eines Brillenglases wird auch Glasstärke genannt und kann mit einem speziellen Gerät, dem Scheitelbrechwertmesser, am Glas gemessen werden. Die Brillengröße steht meist auf der Innenseite am Bügel beziehungsweise am Steg, zum Beispiel 52–17–135 (52 mm Brillenglasgröße, 17 mm Stegweite, 135 mm Bügellänge). Diese Werte stehen im Brillenpass, der mit der Brille ausgehändigt wird. Art und Größe der Brillenkorrektur hängen von den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen des Benutzers ab.

Die erste Brille ist in der Regel mit einer gewissen Zeit der Eingewöhnung verbunden. Ursache neben dem ungewohnten „Fremdkörper“ sind vor allem die veränderten visuellen Eindrücke. Diese können auch eintreten, wenn sich neue Glasstärken deutlich von den zuvor getragenen unterscheiden. Da mit einer Brille in erster Linie Fehlsichtigkeiten korrigiert werden, steigt mit ihnen in gewissem Maße auch die Sehschärfe. Es besteht also eine unmittelbar erkennbare Verbesserung, die eine regelmäßige Nutzung der Korrektur erleichtert. Die Akzeptanz kann zwar aus unterschiedlichen Gründen sinken, insbesondere bei Kindern.[31][34] Kinder sind jedoch in der Regel selten abgeneigt, eine Brille zu tragen, wenn sie ihren Bedürfnissen entspricht. Es hat sich deshalb als vorteilhaft erwiesen, wenn sie im Rahmen der Empfehlungen ihre Brillen selbst aussuchen dürfen. Hinzu kommt eine Assoziation zum Erwachsenwerden, was sich in Verbindung mit einer positiven Einstellung der Eltern gegenüber einer Brille als weiteres Akzeptanzkriterium erwiesen hat.[31]

Nicht jede Korrektur führt automatisch zu einer unmittelbaren Verbesserung der Sehschärfe. Es gibt Fälle, bei denen ihre Träger mit einer neuen Brille anfangs nicht viel besser sehen, in einigen seltenen Fällen sogar schlechter als ohne die neue Korrektur. Dies liegt daran, dass sich die Augen in bestimmter Hinsicht erst an die Brille gewöhnen müssen[31] und bedeutet in keinem Falle, dass die Korrektur falsch angepasst oder gar überflüssig oder wenig nützlich sei.

Refraktionsbestimmung[Bearbeiten]

Phoropter zur Bestimmung der subjektiven Refraktionswerte
Hauptartikel: Refraktion

Zur Ermittlung des Ausmaßes einer Ametropie (Fehlsichtigkeit) und der späteren Gläserstärken sind bestimmte Untersuchungen (objektive und subjektive Refraktionsbestimmung) notwendig, die vor einer Erstversorgung von einem Augenarzt durchgeführt werden sollten.

Insbesondere bei Kindern muss bei der erstmaligen Durchführung der objektiven Refraktionsmessung diese mit speziellen Augentropfen zur kurzfristigen Erweiterung der Pupille (Mydriasis) und Ausschaltung der Akkommodation (Zykloplegie) vorbereitet werden.[35] Nur so können die tatsächlichen Werte einer Fehlsichtigkeit (Ametropie) exakt bestimmt werden, da ansonsten der unwillkürlich einsetzende Akkommodationsimpuls die Messung in erheblichem Maße verfälschen könnte. In der Praxis wird bei Erwachsenen jedoch häufig auf dieses Verfahren verzichtet.

In der Regel ist danach eine weitere Untersuchung der subjektiven Refraktion notwendig, um die endgültigen Brillenwerte zu bestimmen. Dies geschieht mit einem Phoropter, seltener mit den früher üblichen Probiergestellen. Sollte zudem eine Prismenverordnung notwendig sein, werden für die Ermittlung der Prismenstärke und Basislage weitere spezielle Untersuchungen durchgeführt.[36]

Brillenverordnung[Bearbeiten]

Sehhilfenverordnung („Brillenrezept“; eine Erklärung der Bereiche ist auf der Dateibeschreibungsseite verfügbar)

In vielen Fällen werden Korrektionsbrillen durch einen Augenarzt verordnet. Die Stärke von Brillengläsern ist dabei das Ergebnis von zuvor durchgeführten Messungen der sogenannten objektiven und subjektiven Refraktion. Die ermittelten Werte werden in ein spezielles Sehhilfenrezept übertragen, das dem Augenoptiker zur Anfertigung der Gläser übergeben wird. Der Optiker kann zur Dokumentation einen Brillenpass ausstellen.

Kurz- und Weitsichtigkeit werden mit sphärischen Gläsern korrigiert, eine Stabsichtigkeit mit zylindrischen Gläsern, die ihre Wirkung nur in einer bestimmten Achse haben (Hauptschnitt). Der Wert eines Brillenglases besteht demnach aus einem sphärischen und gegebenenfalls einem zylindrischen Anteil mit Bezeichnung seiner Achslage. Ist die Einarbeitung von Prismen in ein oder beide Brillengläser notwendig, so werden die entsprechenden Werte (Stärke in Prismendioptrien, Basislage in Grad) ebenfalls in die dafür vorgesehenen Felder eingetragen.

Bei besonders starken Gläsern kommt es auf einen sehr exakten Sitz der Korrektur an, um ein optimales Ergebnis zu erhalten. Dabei spielt der Abstand der Brillengläser vom Auge eine entscheidende Rolle. Diesen Wert nennt man Hornhautscheitelabstand oder einfach nur Scheitelabstand. Auch der Abstand der Augen zueinander ist von Bedeutung. Man nennt ihn Pupillardistanz (PD). Beide Werte werden bei Bedarf in das Sehhilfenrezept eingetragen und in Millimetern angegeben.

Zur visuellen Dokumentation der Hauptschnittangabe eines Zylinderwertes kann dieser in das halbkreisförmige TABO-Schema eingezeichnet werden.

Herstellung[Bearbeiten]

Korrektionsbrillen werden in der Regel industriell angefertigt. In unterschiedlichen Produktionsprozessen werden die Hauptkomponenten Brillengläser und Brillenfassungen hergestellt, die dann meist vom Augenoptiker zum fertigen Endprodukt verarbeitet und an den Kunden ausgeliefert werden.

Die Ausstattung und Qualität von Brillen ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Allgemein erfüllen sie jedoch die Grundanforderungen hinsichtlich ihrer Verwendung in allen Belangen der Haltbarkeit, Funktionalität und Sicherheit. Ihre Herstellung unterliegt Normen und Güteregeln, die in Deutschland durch den Normenausschuss Feinmechanik und Optik (NAFuO) festgelegt werden.[37]

Gläser[Bearbeiten]

Die Gläser einer Korrektionsbrille sind Linsen unterschiedlichen Materials, die eine optische (refraktive) Wirkung zur Korrektur von Brechungsfehlern besitzen.

Optische Eigenschaften[Bearbeiten]

Abmessungen eines ungeschliffenen Brillenglases, eines sog. Rohlings

Mineralisches Glas, aus dem handelsübliche Brillengläser oft gefertigt werden, besitzt unterschiedliche Lichtbrechungen, die in der sogenannten Brechzahl oder dem Brechungsindex ausgedrückt werden. Für gängige Brillengläser gibt es fünf verschiedene Brechungsindizes. Ähnlich verhält es sich mit den Kunststoffen, aus denen in Deutschland etwa vier von fünf verkauften Brillengläsern gefertigt werden (Stand 2009).[38]

Die Brechkraft (auch: Brechwert, sogenannte „Stärke“) eines Brillenglases wird in der Einheit Dioptrie (dpt) angegeben.[39] Da die Korrekturgläser vor dem Auge positioniert sind, verursachen sie in bestimmten Bereichen Abbildungsfehler, an die sich ein Brillenträger jedoch in der Regel gewöhnt.

Man unterscheidet Gläser hinsichtlich ihrer Form (Flächengeometrie) nach sphärischen, asphärischen, biasphärischen und torischen Gläsern. Zudem gibt es sogenannte vorder- und rückflächenprogressive Freiformen für Einstärken- und Gleitsichtgläser. Diese Begriffe beschreiben die optisch wirksame Gestaltung der beiden Glasoberflächen durch die das Licht ins Auge fällt, also den Verlauf ihrer Wölbungen.

Zur Korrektur einer Weitsichtigkeit werden sphärische positive Gläser (Plusgläser) verwendet. Da bei diesem Brechungsfehler der Brennpunkt hinter der Netzhaut liegt, besitzen sie eine die Lichtstrahlen sammelnde Wirkung (Sammellinsen oder Konvexlinsen). Ihr Wert wird mit einem Plus (z. B. +0,75 dpt) als Vorzeichen versehen. Das betrachtete Objekt wird vergrößert. Bewegt man Pluslinsen horizontal oder vertikal vor den Augen hin und her, so erkennt man, dass sich das durch das Glas betrachtete Objekt entgegengesetzt zur Bewegungsrichtung verschiebt (gegenläufig). Als Abbildungsfehler tritt eine kissenförmige Verzeichnung auf.

Unterschiedliche Linsentypen

Minusgläser sind negative sphärische Gläser, die eine streuende Wirkung haben (Streulinsen oder Konkavlinsen) und das betrachtete Objekt verkleinern. Sie korrigieren eine Kurzsichtigkeit, bei der der Brennpunkt vor der Netzhaut liegt. Ihr Wert erhält als Vorzeichen ein Minus (z. B. −1,25 dpt). Im Gegensatz zu Plusgläsern verschieben sich durch eine Minuslinse betrachtete Objekte in die gleiche Richtung, in der ein Glas vor den Augen hin und her bewegt wird (mitläufig). Als Abbildungsfehler tritt eine tonnenförmige Verzeichnung auf.

Mit Zylindergläsern wird ein Astigmatismus (Stabsichtigkeit, Hornhautverkrümmung) korrigiert. Hierbei handelt es sich um ein torisches Glas, welches seine optische Wirkung lediglich in einer Achse (Hauptschnitt) des Glases hat und folglich keinen Brennpunkt, sondern eine Brennlinie besitzt.[40] Da die Korrektur aus einer Kombination von sphärischem und torischem Glas besteht, nennt man diese auch sphäro-torisches Brillenglas. Es besitzt zwei senkrecht zueinander liegende Hauptschnitte, wobei das arithmetische Mittel deren Refraktion als sphärisches Äquivalent bezeichnet wird.[36] Diese Kombination gestattet es zudem, den Wert eines Zylinders mit Hilfe einer Umrechnungsformel sowohl positiv als auch negativ darzustellen. Hierbei ändert sich an der refraktiven Wirkung jedoch nichts. Folgende Brillenwerte haben beispielsweise eine identische Wirkung: +1,00 −0,50/0° und +0,50 +0,50/90°. Die Lesart für diese beiden Werte lautet:

  • +1,0 Sphäre kombiniert mit −0,5 Zylinder in Achse 0 Grad bzw.
  • +0,5 Sphäre kombiniert mit +0,5 Zylinder in Achse 90 Grad.[41]

Während in der optometrischen Terminologie der Augenoptiker bevorzugt die Notation mit Pluszylindern erfolgt und auch die Rechnungen an den Kunden entsprechend formuliert werden, verwenden die Augenärzte meist die Schreibweise mit Minuszylindern – auch in den Rezepten, was beim Patienten beziehungsweise Kunden regelmäßig zu entsprechender Verunsicherung hinsichtlich ihrer tatsächlichen Brillenstärke führt und immer wieder Erklärungsbedarf verursacht.

Einstärkengläser[Bearbeiten]

Brillenkorrekturen, deren Gläser lediglich einen Brennpunkt aufweisen und dementsprechend nur für einen bestimmten Entfernungsbereich eingesetzt werden, nennt man zusammenfassend Einstärkenbrille. Hierzu gehören beispielsweise die Fernbrille für eine gute Sicht in maximaler Entfernung sowie die Lesebrille für nahe Distanzen (bis in der Regel etwa 40 Zentimeter). Aber auch für alle Zwischendistanzen können Korrekturen angefertigt werden, zum Beispiel für die Bildschirmtätigkeit in etwa 60 Zentimetern Entfernung.

Einstärkenbrillen bieten sich an, wenn über einen gewissen Zeitraum hinweg und innerhalb einer etwa gleichbleibenden Entfernung eine Sehhilfe notwendig ist. Vorteilhaft dabei ist, dass die Brillengläser leichter sind und über ihre gesamte Größe ein klares Bild ermöglichen. Von Nachteil kann dagegen sein, dass man für unterschiedliche Entfernungen unter Umständen jedes Mal die Brille wechseln muss.

Mehrstärkengläser[Bearbeiten]

Bifoklabrille fcm.jpg
Bifokalbrille
20100105 MultifocalGlass.jpg
Gleitsichtbrille

Korrektionsbrillen, deren Gläser mehr als einen Brennpunkt besitzen, werden zusammenfassend Mehrstärken- oder Multifokalbrillen genannt. Zu ihnen zählen die Bifokalbrille als Sehhilfe für zwei feste Entfernungsbereiche (in der Regel Ferne und Nähe) und die Gleitsichtbrille zur übergangslosen Korrektur für alle Bereiche zwischen Ferne und Nähe bzw. als sogenanntes Nahkomfortglas für den erweiterten Nahbereich zwischen 40 und 100 cm. Für besondere Einsatzbereiche gibt es spezielle Trifokalbrillen mit optischen Wirkungen für drei unterschiedliche Entfernungen.

Mehrstärkenbrillen bieten sich an, wenn neben einem Brechungsfehler auch eine Alterssichtigkeit (Presbyopie) korrigiert werden soll, sowie bei Tätigkeiten, die verschiedene Entfernung betreffen und für die jeweils ein unterschiedlicher Korrekturwert notwendig ist. Der Vorteil liegt darin, dass man beim Wechsel zwischen den einzelnen Distanzen nicht jedes Mal die Brille tauschen muss. Nachteilig kann sich auswirken, dass für die gewünschte optische Wirkung nur ein Teil des Brillenglases zur Verfügung steht. Zudem kann es bei Brillengläsern mit einer optischen Wirkung für den Nahbereich in der unteren Hälfte des Glases dazu kommen, dass bei Blicksenkung entferntere Dinge am Boden etc. verschwimmen (Treppensteigen).

Materialien[Bearbeiten]

Die moderne augenoptische Industrie stellt Brillengläser in der Regel aus Mineralglas oder Kunststoff her. Vom Augenoptiker werden die Gläser unter Zuhilfenahme von Brillenglasrandschleifautomaten mit CNC-Frästechnik gerandet und in die Brillenfassungen unter Berücksichtigung individueller Zentrieranforderungen aufgrund verschiedener Augenabstände u. ä. eingesetzt (DIN EN ISO 21987[37]). Standardisierte Musterschablonen zur Anfertigung der Korrektionsgläser, wie sie früher Verwendung fanden, kommen kaum noch zum Einsatz.

Neben Mineralglas-Standardausführungen gibt es Brillengläser aus verschiedenen Kunststoffen, je nach Bedarf mit bestimmten Eigenschaften:

  • Kunststoffgläser (CR-39)[42] sind leichter als herkömmliche Mineralgläser, sie reduzieren das Gewicht einer Brille somit deutlich und sind dabei vergleichsweise dicker. Kunststoff hat den Vorteil der Bruchsicherheit, verkratzt jedoch schneller als Glas. Abhilfe schaffen bis zu einem gewissen Ausmaß spezielle Lackhärtungen, die von den Krankenkassen jedoch nicht bezahlt werden.
  • Hochbrechende Gläser aus mineralischem Material sind bei gleicher Stärke dünner, aber nicht leichter als normale Standardgläser. Sie erzielen bei höhergradigen Fehlsichtigkeiten einen kosmetisch positiveren Effekt beim seitlichen Blick auf die Brille. Aus medizinischer Sicht bieten sie jedoch keine Vorteile. Zudem ist durch einen entsprechenden Bleianteil das Material spröder und weniger bruchsicher. Diese Gläser erreichen Brechungsindices bis 1,9.
  • Hochbrechende Gläser aus organischem Material (Kunststoff) erreichen Brechungsindices bis 1,74.[43]
  • Polycarbonat ist ein besonders leichter, hochbrechender Kunststoff, der dünn verarbeitet werden kann und dabei extrem bruchsicher ist. Deshalb eignet sich Polycarbonat besonders für die Brillenglasfertigung bei Kinder- und Sportbrillen. Als Nachteil wird genannt, dass das Material keine genügende Verzerrungsfreiheit bietet und deshalb die Sehschärfe beeinträchtigen kann.[44]

Weitere Eigenschaften[Bearbeiten]

Links nicht entspiegeltes, rechts entspiegeltes Brillenglas

Die Größe der Brillengläser wird in erster Linie durch die Brillenfassung vorgegeben. Durchmesser von etwa 23 bis 35 Millimetern sind bei Kindern ausreichend;[31] bei Erwachsenen können sie auch deutlich größer ausfallen, insbesondere bei Mehrstärkengläsern.

Je kleiner die Brillengläser sind, desto geringer fällt ihr Gewicht aus, und die gesamte Brille wird leichter. Werden zur Fertigung von Plusgläsern größere Rohlinge verwendet als erforderlich ist, steigt die Dicke und das Gewicht der späteren Brillengläser unnötigerweise. Bei allen Gläsern haben zudem Glasstärke, Material und Flächengeometrie Einfluss auf das Gewicht.

Tönungen reduzieren den Lichteinfall und können dadurch die Sehschärfe verschlechtern. Deshalb sind sie nur in bestimmten Situationen vermehrter Lichteinstrahlung oder bei erhöhter Blendungsempfindlichkeit sinnvoll. Man kann sie mit einer speziellen Eigenschaft ausstatten, so dass sie ihren Tönungsgrad automatisch in Abhängigkeit von den aktuellen Lichtverhältnissen ändern (selbsttönend, phototrop). Wegen der langsamen Reaktionszeit gelten sie als nur bedingt geeignet zum Autofahren (siehe auch: Sonnenbrille).

Entspiegelungen verringern störende Lichtreflexe auf dem Brillenglas durch eine Antireflexbeschichtung und sorgen für ein angenehmeres Sehen ohne störende Spiegelbilder, insbesondere unter künstlichen Beleuchtungsverhältnissen. Je nach Grad der Entspiegelungswirkung können verschiedene Entspiegelungsgrade genutzt werden: Einfach-, Mehrfach- oder „Superentspiegelungen“. Sie werden in Kombination mit Mineral- und Kunststoffgläsern verwendet. Entspiegelungen bieten sich zum Beispiel an für Autofahrten bei Nacht wegen der möglichen Blendung durch entgegenkommende Fahrzeuge.

Fassung[Bearbeiten]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Zwei Brillenfassungen, links mit und rechts ohne Scharnier als Bügelgelenk

An die Fassung einer Korrektionsbrille werden besondere Anforderungen an Material und Aussehen gestellt. Eine optimale Brille ist leicht und flexibel, dabei aber auch sehr stabil und haltbar.[33] Sie sitzt gut und fest, ohne zu drücken, und erfüllt die Ansprüche hinsichtlich ihres Designs und ihrer Form.

Heute ist die Auswahl an Brillenfassungen sehr vielfältig, zum Beispiel sogenannte Vollrandfassungen, Tragrandfassungen, Rimfassungen oder randlose Fassungen. Es gibt sie in unterschiedlichsten Größen, Formen, Farben und deren Kombinationen. Historische Fassungen wie Lorgnon, Monokel oder Zwicker finden nur noch selten Anwendung.

Das Material der Fassung ist ein wichtiges Kriterium für Verträglichkeit und Haltbarkeit, wobei manche Brillen sogar danach benannt sind, zum Beispiel die Hornbrille oder die Nickelbrille. Üblicherweise werden unterschiedliche Metalle und Metalllegierungen, beispielsweise Neusilber, Federbronze, Edelstahl, Titan oder Gold verwendet, ebenso Kunststoffe wie Zelluloseacetat oder verschiedene Spritzgussmaterialien. Kommt es beim Tragen zu allergischen Reaktionen oder sind bereits vorher Allergien gegen bestimmte Substanzen bekannt, muss dem durch eine entsprechende Materialwahl oder spezielle Beschichtungen entgegengewirkt werden.[31] Hier bieten die Hersteller eine Reihe von Lösungen. Besonders flexible und haltbare Fassungen, die fast nach Belieben problemlos verbogen werden können und durch die Materialeigenschaften wieder selbstständig in ihre ursprüngliche Form zurückfedern, werden aus einer Kombination aus Titan und Stahl hergestellt.

Die Größe der Fassung richtet sich nach der Gesichtsgröße, der Größe der Augenhöhle (Orbita) und dem bestehenden Augenabstand. Die äußeren Begrenzungen sollten nach oben hin unter den Augenbrauen enden und diese noch sichtbar lassen, was wichtig für den mimischen Gesichtsausdruck ist. Nach unten befinden sie sich im Grenzbereich zwischen Lid- und Wangenhaut, ohne auf den Wangenknochen aufzuliegen.[33] Zur Seite reichen sie maximal bis zum Rand der Schläfen. Je kleiner die Fassung gewählt wird, umso geringer sind die damit verbundenen Einschränkungen. Besonders das Auftreten von Gesichtsfeldeinschränkungen bei höheren Kurz- und Weitsichtigkeiten kann durch eine kleinere Fassung und nah an den Augen liegenden Gläsern auf ein Minimum reduziert werden. Sie muss jedoch groß genug sein, um ggf. ein Darüberschauen beim Aufblick zu verhindern.[31]

Die Fassung wird unter Einhaltung strenger Zentriervorschriften (RAL-RG 915[45]) exakt gearbeitet, damit die Glasmitte und somit die Lage des optischen Mittelpunkts der Brillengläser genau dem Pupillenmittelpunkt entspricht (Hauptdurchblickspunkt). Der Mittenabstand (MA) der Brillengläser muss dabei genau dem Abstand der Augen entsprechen, also der sogenannten Pupillardistanz (PD).[31]

Bügel[Bearbeiten]

Sitz von Brillenbügeln

Brillenbügel müssen lang genug sein, um keine Druckstellen hervorzurufen, dabei jedoch einen festen Sitz gewährleisten. Auf Metallbügel wird an den Enden oft ein Kunststoffüberwurf, das sogenannte „Zellende“ oder „Bügelende“, aufgezogen. Manche Brillenfassungen verfügen über Wechselbügel mit unterschiedlichen Farben und Mustern.

Die Bügel sind im Allgemeinen mit kleinen Scharnieren an der Fassung befestigt. Das sich hier bietende Potential an Verletzungsgefahr können Kunststoffkappen reduzieren, die über die Scharniere gezogen werden. Zudem ist es möglich, die ab einer Öffnungsweite von etwa 90 Grad meistens steifen Bügel mit Federscharnieren auszustatten, die eine Bewegung über den rechten Winkel hinaus möglich machen und so für mehr Haltbarkeit und Flexibilität sorgen.[33]

Spezielle Bügel, die hinter dem Ohr bis fast zum Ohrläppchen reichen und mit einem elastischen Anteil für einen sicheren Halt sorgen, werden Gespinst-, Glieder- oder Sportbügel genannt und finden sich an Kinder- und Sportbrillenfassungen. Gegen mögliche Druckstellen oder allergische Reaktion hilft oft ein Kunststoffüberzug an dem flexiblen Teil, der hinter dem Ohr verläuft.[31]

Eine weitere Variante, die einen festen Sitz gewährleistet, ist ein elastisches Gummiband, das an zwei geraden, nicht gebogenen Bügeln befestigt ist und hinter dem Kopf entlangführt. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es die Möglichkeit, eine solche Befestigung in ein Häubchen einzuarbeiten, damit das Kind die Brille nicht herunterreißen kann.[31]

Nasensteg / Nasenpads[Bearbeiten]

Die Nase trägt einen großen Teil des Brillengewichts, was durch die umgangssprachliche Bezeichnung „Nasenfahrrad“[46] veranschaulicht wird. Um ein Rutschen oder die Entstehung von Druckstellen zu vermeiden, ist die Auflagefläche des Nasenstegs deshalb entsprechend groß.

Eine gute individuelle Anpassung an den Nasenrücken bieten Seitenstege oder Nasenpads aus unterschiedlichen Materialien. Sie können sich allerdings relativ leicht verbiegen.[32] Seitenstege und insbesondere die Nasenpads sind Verschleißteile und können in der Regel bei Bedarf ausgetauscht werden.

Bei Kindern ist der Nasenrücken noch nicht voll ausgebildet (Epikanthus).[31] Um diesem anatomischen Umstand Rechnung zu tragen, gibt es spezielle, aus Kunststoff gefertigte Sattelstege oder Schlaufenstege, die eine größere Auflagefläche haben und das Gewicht gleichmäßig verteilen.[33] Zudem können sie vom Augenoptiker in gewissen Grenzen geformt und angepasst werden.

Versorgungskriterien[Bearbeiten]

Jeder Erstversorgung mit einer Brille sollte eine augenärztliche Untersuchung vorausgehen. Bei einer Alterssichtigkeit (Presbyopie) kann die Erstversorgung auch von einem Optiker vorgenommen werden, wenn keine anderen Beschwerden vorliegen.

Kinder und Jugendliche[Bearbeiten]

Kleinkind mit Brille aus Vollkunststoff
Hauptartikel: Kinderbrille

Die Verordnung einer Brille im Säuglings- oder Kindesalter hat fast immer einen medizinisch-therapeutischen Hintergrund. Höhergradige Fehlsichtigkeiten wie Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit oder Stabsichtigkeit können die normale Entwicklung des Sehens in frühster Kindheit beeinträchtigen und müssen rechtzeitig mit einer entsprechenden Brille korrigiert werden.[34] Ansonsten droht eine irreversible Schwachsichtigkeit (Amblyopie), die später auch mit einer optimalen Brillen- oder Kontaktlinsenkorrektur nicht mehr zu heilen ist.[36][47]

Ein weiteres Kriterium für die umgehende Versorgung mit einer Brille ist eine drohende oder bereits vorhandene Schielerkrankung.[33] Hier ist die Gefahr einer Amblyopie wegen des Nichtgebrauchs des schielenden Auges (Supression) noch höher. Dieses Risiko besteht selbst bei voll entwickelter Sehschärfe noch bis zum Beginn der Pubertät. Zudem kann die Brille in manchen Fällen die Stellung der Augen und somit das beidäugige Sehen beeinflussen, weshalb eine möglichst frühzeitige Korrektur erforderlich ist.[36] Hierfür besitzen Brillengläser in bestimmten Fällen eine prismatische Wirkung, die den Strahlengang des Lichts durch das Brillenglas verändert. Diese Eigenschaft kann erreicht werden, indem man ein Prisma direkt in ein Glas einarbeitet oder es mittels einer jederzeit entfernbaren Folie auf das Glas aufklebt.[33][31][48][49]

Erwachsene[Bearbeiten]

Erwachsene benötigen eine Brille aus den gleichen Gründen wie Kinder, nämlich um eine bessere Sehschärfe zu erreichen, eine Schielstellung zu korrigieren oder asthenopische Beschwerden zu beseitigen. Im Gegensatz zu Kindern bleiben jedoch keine ernsthaften Schäden zurück, sollte eine notwendige Korrektur nicht getragen werden. Das Erfordernis des Brilletragens ergibt sich auch aus anderen Aspekten. So ist in bestimmten Situationen das Tragen einer notwendigen Brille gesetzlich vorgeschrieben, beispielsweise beim Bedienen von Maschinen oder Führen eines Kraftfahrzeugs. 62 % aller Autofahrer benötigen eine Brille, lediglich 34 % benutzen sie ständig.

Auch das Tragen der Brille am Arbeitsplatz kann bestimmten Richtlinien unterliegen. Beschäftigte, die gewöhnlich bei einem nicht unwesentlichen Teil ihrer normalen Arbeit ein Bildschirmgerät benutzen, unterliegen der EG-Richtlinie 90/270/EWG vom 29. Mai 1990 über Mindestvorschriften bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit an Bildschirmgeräten.[50][51] In Deutschland wurden mehrere EG-Richtlinien, darunter die EG-Richtlinie 90/270/EWG aufgrund der Ermächtigung nach § 19 Arbeitsschutzgesetz durch die Bundesregierung eine Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten (BildScharbV) vom 4. Dezember 1996 erlassen. Der Arbeitgeber kann ein augenärztliches Gutachten über die Eignung zur Arbeit an Bildschirmgeräten fordern, in dem gegebenenfalls dokumentiert ist, ob eine Bildschirmbrille verbindlich getragen werden muss.[52]

Weitere Aspekte der Brillenkorrektur[Bearbeiten]

Funktionelle und therapeutische Bedeutung der Brille[Bearbeiten]

Prinzipiell erfüllt eine Brille nur dann ihre Funktion, wenn sie getragen wird. Setzt man sie ab, ist ihre Wirkung nicht mehr vorhanden. Brillen, die zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten verwendet werden, nehmen auf deren Ausmaß jedoch keinerlei Einfluss und verbessern diese objektiv nicht. Umgekehrt verschlechtern sich Fehlsichtigkeiten auch nicht durch das Nichttragen einer Brille. Die Veränderungen, denen die Augen über die Lebensjahre hinweg ausgesetzt sind, werden also unabhängig davon stattfinden, ob eine notwendige Brille getragen wird oder nicht.

Die Beseitigung von Beschwerden und einer schlechten Sehschärfe allerdings, die ohne Brille vorhanden sind, ist nur unter Benutzung einer entsprechenden Korrektur zu erzielen. Zudem kann es in manchen Fällen von Weitsichtigkeit (Hyperopie) zu einem Akkommodationskrampf kommen, wenn eine notwendige Korrektur nicht benutzt wird.[39]

Kontrollen[Bearbeiten]

Die Augen unterliegen gewissen Veränderungen. Insbesondere bei Kinderbrillen sind regelmäßige Kontrollen aus zweierlei Gründen erforderlich. Zum Einen werden durch eine intensive Nutzung öfter die Fassung verbogen oder die Gläser zerkratzt. Da ein optimaler Sitz und eine bestmögliche Abbildungsqualität unerlässlich sind, werden entsprechende Kontrollen nicht zu vermeiden sein. Zum Anderen ändern sich durch die Entwicklung und das Wachstum der Kinder die optischen Brechungsverhältnisse der Augen.[33][36] Dies führt dazu, dass die einmal ermittelte Glasstärke nach einem bestimmten Zeitraum nicht mehr den aktuellen Erfordernissen entspricht und angepasst werden muss. Die zeitlichen Abstände, in welchen dies geschieht, sind individuell verschieden und hängen mit anderen Befunden zusammen. Wenn der Augenarzt nichts anderes empfiehlt, ist sechs bis acht Wochen nach der Erstverordnung eine Kontrolle notwendig, ob die medizinischen und funktionellen Erwartungen erfüllt sind.[49] Weitere Kontrollen sind in regelmäßigen Abständen nach Absprache vorzunehmen. Liegt eine Amblyopie oder Schielerkrankung vor, werden Brillenkontrollen im Rahmen der augenärztlichen Untersuchungen durchgeführt werden können. Ansonsten ist für die Prüfung der Brille und Sehschärfe der regelmäßige Besuch bei einem Augenoptiker empfehlenswert. Wird festgestellt, dass sich die Augen in deutlichem Maße verändert haben, sollte eine erneute Brillenglasbestimmung, ggf. wieder unter Verwendung von Augentropfen, bei einem Augenarzt erfolgen.

Bei Erwachsenen ist eine Kontrolle der Glasstärken alle zwei bis drei Jahre empfehlenswert, bei subjektiven Beschwerden oder Nachlassen der Sehschärfe früher.

Qualitätsgrenzen[Bearbeiten]

Eine Brille kann durchaus Probleme mit sich bringen. Dies ist möglicherweise der Fall, wenn die zu korrigierende Fehlsichtigkeit sehr hoch ist und die Brillengläser entsprechend stark ausfallen müssen. Neben dem Gewichtsproblem der Gläser, dem man heutzutage mit geeigneten Materialien und Herstellungsverfahren begegnen kann, gibt es in vielen Fällen Unverträglichkeiten hinsichtlich der Abbildungsgröße auf der Netzhaut, der Kissenverzeichnungen und Gesichtsfeldeinschränkungen bei hohen Plusgläsern (Beispiel: Starbrille), prismatischen Nebenwirkungen bei Dezentrierung und allgemein Glaszonen unterschiedlicher Bildqualität. Ebenso sind sehr unterschiedliche Brechungsverhältnisse von rechtem und linkem Auge (Anisometropie) mit Brillengläsern nur bis zu einem bestimmten Ausmaß einigermaßen zufriedenstellend zu korrigieren. Der Grund für diese Schwierigkeiten liegt nicht zuletzt in dem Abstand der Brillengläser zum Auge. Deshalb sind in den entsprechenden Fällen gegebenenfalls Kontaktlinsen den Brillen vorzuziehen.

Risiken[Bearbeiten]

Das Tragen einer Brille geht nicht mit einem erhöhten Verletzungsrisiko einher, auch nicht bei Kinderbrillen. Hingegen kann eine Brille ernsthafte Verletzungen am Auge eher noch verhindern.[33][36] Gleichwohl kann es bei Einwirkungen von außen, beispielsweise durch Faustschlag, zu Prellungen, Blutergüssen und einem sogenannten Brillenhämatom kommen, das aber auch unabhängig vom Tragen einer Brille auftreten kann.[53]

Alternativen[Bearbeiten]

Alternative: Kontaktlinse

Zur Korrektur von Ametropien mittels einer Korrektionsbrille gibt es Alternativen. Eine davon ist die Anpassung von Kontaktlinsen, bei der jedoch bestimmte Voraussetzungen, beispielsweise hinsichtlich der Verträglichkeit, erfüllt sein müssen. Die Kosten hierfür werden in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen übernommen. Ein deutlicher Vorteil gegenüber Brillenkorrekturen liegt neben der größeren Bewegungsfreiheit und dem kosmetischen Aspekt in der Möglichkeit, bei sehr geringen optischen und funktionalen Nebenwirkungen sehr hohe Fehlsichtigkeiten zufriedenstellend korrigieren zu können.

Eine weitere Alternative besteht in der Durchführung sogenannter refraktiver Eingriffe, d. h. operativer Interventionen am Auge zur Reduzierung bestehender Brechungsfehler. Solche Operationen sind nicht ohne ein gewisses Risiko; zudem gibt es Einschränkungen hinsichtlich der Dosierbarkeit mit dem Ergebnis von Über- oder Unterkorrekturen. Langzeitstudien liegen noch nicht vor. Die Kosten müssen vom Patienten selbst getragen werden. Eine solche Behandlung kann sich jedoch bei sehr hochgradigen Ametropien anbieten, bei denen weder eine Brillen-, noch eine Kontaktlinsenanpassung sinnvoll bzw. möglich ist.

Kosten und Versorgungsleistungen der Krankenkassen[Bearbeiten]

Die Leistungen von gesetzlichen Krankenkassen sind in Hilfsmittelrichtlinien geregelt. Davon unbenommen ist generell die Möglichkeit, private Zusatzversicherungen abzuschließen, die unterschiedliche Leistungen anbieten können (siehe auch: Krankenversicherung).

Deutschland[Bearbeiten]

Obgleich Sehhilfen im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) aufgeführt sind,[1] besteht ein Anspruch auf Kostenübernahme lediglich für Kinder und Jugendliche im Rahmen unterschiedlicher pauschaler Festbeträge. Eine Ausnahme hiervon bilden stark sehbehinderte Menschen.[2]

Die Endverbraucherpreise einer Brille richten sich im Allgemeinen nach Qualität und Ausstattung, unterliegen jedoch wegen einer Zunahme des Wettbewerbs auch einer deutlichen Preispolitik der Unternehmen. Es gibt gewisse Standards, die sich mit geringerem finanziellen Aufwand realisieren lassen, wohingegen aufwändige Verarbeitung oder spezielle Materialien höhere Ausgaben nach sich ziehen. Die Kosten für Entspiegelungen und Tönungen beispielsweise müssen in der Regel von den Kunden selbst getragen werden. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland unterscheidet in der Kostenfrage nach Gläsern und Fassungen. Die Kosten für die Fassung werden von ihr nicht übernommen, die von Gläsern bis längstens zur Vollendung des 18. Lebensjahres lediglich im Rahmen eines pauschalen Festbetrags, der sich am Alter des Kindes und den Glasstärken orientiert. Handelt es sich nicht um eine erstmalige Versorgung, sondern um eine Wiederverordnung, besteht nach Vollendung des 14. Lebensjahres nur ein Anspruch auf Kostenübernahme, wenn sich die Glasstärke gegenüber der letzten Verordnung um mindestens 0,5 Dioptrien verändert hat.[2] Reparaturkosten werden von den Krankenkassen übernommen.[2][32]

Die Kosten für Kunststoffgläser wurden eine Zeit lang nur bei Vorschulkindern getragen. Mit Beschluss vom 16. Oktober 2008 hat jedoch der Gemeinsame Bundesausschuss, das höchste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, durch eine Überarbeitung der Hilfsmittel-Richtlinie für eine allgemein bessere Versorgung mit Sehhilfen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung gesorgt. In dem Beschluss wurde zum Einen der Verordnungsausschluss von Trifokalbrillen, Gleitsichtbrillen und hochbrechenden Gläsern weitgehend abgeschafft und den Markterfordernissen angepasst. Zudem können bei geringgradigen Fehlsichtigkeiten Kunststoffgläser über das Vorschulalter hinaus rezeptiert werden.[54]

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz wurden die Kosten für Brillengläser in Höhe eines festgelegten Einheitsbetrages von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung bis zum Jahr 2010 übernommen. Nachdem mit Inkrafttreten der Mittel- und Gegenstände-Liste (MiGeL) vom 1. Januar 2011 das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Kostenübernahme ersatzlos gestrichen hatte,[55] werden ab dem Juli 2012 für Patienten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr Brillengläser und Kontaktlinsen wieder bis zu einer Höhe von 180,00 CHF jährlich übernommen.[56] Diese Regelung gilt vorerst bis zum 31. Dezember 2013.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich fallen Brillen unter die sogenannten Heilbehelfe. Zuzahlungen für Brillen werden in bestimmter Höhe von den Gebietskrankenkassen (GKK) übernommen, wenn diese höher sind als 60 % der Höchstbeitragsgrundlage für den Kalendertag (2005: Euro 72,60). Dabei fällt für Kinder bis zum 15. Lebensjahr keine Kostenbeteiligungen an, für Kinder über 15 Jahre die Mindestkostenbeteiligung von 20 % der Höchstbeitragsgrundlage. Trifokal- und Gleitsichtbrillen dürfen von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden.[57]

Brillen mit besonderen optischen Eigenschaften[Bearbeiten]

Neben den Korrektionsbrillen gibt es eine Reihe weiterer Brillentypen, deren Form und Beschaffenheit entsprechend ihrer Funktionalität sehr unterschiedlich ausfallen kann. Neben medizinischen, technischen und wissenschaftlichen Einsatzbereichen gewinnt hierbei auch die Unterhaltungselektronik an Bedeutung.

Lupenbrille[Bearbeiten]

Eine Lupenbrille für den technischen Einsatz.
Hauptartikel: Lupenbrille

Eine Lupenbrille ist eine Kombination aus Korrektionsbrille und Lupe. Sie wird in Medizin und Technik für Tätigkeiten im Nahbereich genutzt, bei denen eine vergrößernde Darstellung notwendig ist. Sie dient zudem als vergrößernde Sehhilfe bei entsprechenden Erkrankungen des Auges. Hierzu gehört auch die Starbrille, die man früher nach der operativen Entfernung einer trüben Augenlinse, des Grauen Stars, als Korrektur und Ersatz für die entfernte Linse verordnet hat. Das hohe Gewicht, sowie die optischen und kosmetischen Nebenwirkungen waren jedoch von erheblichem Nachteil, so dass solche Korrekturen heute nur noch in besonderen Ausnahmefällen verwendet werden.

Eine gute Lupenbrille besitzt ein großes Sichtfeld, welches bis in die Randzone ein scharfes Bild ermöglicht, frei von farblichen Verzerrungen. Diese Merkmale sind nur durch qualitativ hochwertige optische Systeme zu erreichen. Dabei können die Gläser selbst bereits eine entsprechende Stärke aufweisen, oder es werden Lupenaufsätze auf die herkömmlichen Brillengläser aufgebracht.

Prismenbrille[Bearbeiten]

Kletterer mit Sicherungsbrille, welche spezielle Prismengläser verwendet
Hauptartikel: Prismenbrille

Prismenbrillen werden in der Regel zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken bei latenten oder manifesten Schielerkrankungen eingesetzt. Sie sind zwar prinzipiell keine Korrektionsgläser, werden aber mit diesen kombiniert. Die in das Auge einfallenden Lichtstrahlen werden in die Richtung der Augenfehlstellung abgelenkt und reduzieren so besonders bei Augenmuskellähmungen das Auftreten von Doppelbildern. Ihre Anwendung stellt in der Regel einen massiven Eingriff in die Motorik und Sensorik des beidäugigen Sehens dar und sollte deshalb nur unter augenärztlicher Kontrolle erfolgen. Auch Korrektionsgläser ohne prismatische Wirkung sind ein wesentlicher Bestandteil der Schielbehandlung und können erheblichen Einfluss auf die Stellung der Augen nehmen.

Prismengläser finden zudem bei experimentellen Untersuchungen der optischen Wahrnehmung in Umkehrbrillen Verwendung. Zunehmend macht man sich auch im privaten Bereich Umlenkprismen zu Nutze, bspw. in Form von Sicherungsbrillen bei der Sportkletterei.

Frenzelbrille[Bearbeiten]

Hauptartikel: Frenzelbrille

Eine spezielle medizinische Anwendung stellt die Untersuchung eines Nystagmus dar, die mit einer Frenzelbrille durchgeführt wird, benannt nach dem Göttinger Otologen Hermann Frenzel (1895–1967). Sie ist eine Leuchtbrille mit stark brechenden Linsen von +15,00 Dioptrien und ermöglicht eine genaue Beobachtung der Augenbewegungen, während eine von unten einstrahlende Beleuchtung jegliche Fixationsmöglichkeit des Probanden ausschaltet.[36][58]

3D-Brille[Bearbeiten]

Shutterbrille
Hauptartikel: 3D-Brille

3D-Brillen basieren auf dem Prinzip der Bildtrennung und sollen ein zweidimensionales, flaches Bild dreidimensional erscheinen lassen. Durch unterschiedliche Verfahren werden dabei dem rechten und linken Auge jeweils ein eigenes Bild dargeboten, was in der Regel einen räumlichen Seheindruck auslöst. In der Augenheilkunde werden damit zudem spezielle Untersuchungen des Binokularsehens durchgeführt. Zu den 3D-Brillen zählen zum Beispiel Polarisations-, Rot-Grün- oder Shutterbrillen.

Videobrille[Bearbeiten]

Hauptartikel: Head-Mounted Display

Videobrillen sind Konstruktionen, die über keine Gläser oder sonstige Öffnungen zum Durchsehen verfügen, sondern mittels zweier sehr kleiner Monitore visuelle Informationen darbieten. Ihre Einsatzgebiete sind zum Beispiel experimentelle Bereiche, die Medizin, das Militär und vor allem die Unterhaltungsindustrie.[59]

Brillengläser mit verstellbarer Brennweite[Bearbeiten]

Veränderung der Brennweite (nach J. D. Silver)

Joshua D. Silver entwickelte im Jahre 2008 für die Verwendung in Entwicklungsländern eine mit Flüssigkeit gefüllte Brille mit verstellbarer Brennweite, deren Funktion auf der Verformung von durchsichtigen Kunststoffmembranen beruht.[60]

Brillen für besondere Einsatzbereiche[Bearbeiten]

Sonnenbrille[Bearbeiten]

Sonnenbrille
Hauptartikel: Sonnenbrille

Sonnenbrillen sind Lichtschutzbrillen und dienen dem Schutz der Augen vor den Auswirkungen übermäßig heller Sonneneinstrahlung und Reflexionen, sowie schädlicher UV-Strahlen und werden dementsprechend in der Regel nur im Freien getragen. Die Gläser weisen dabei unterschiedliche Grade der Lichtdurchlässigkeit (Tönung) auf, die sich in bestimmten Fällen automatisch an die jeweiligen Helligkeitsverhältnisse anpassen können (phototrop). Üblich sind Filtertönungen von 25 %, 50 %, 65 %, 75 %, 80 %, und 85 %, sowie Verlaufstönungen, die oben dunkel und unten hell sind. Solche Lichtschutzgläser können auch mittels einer speziellen Konstruktion bei Bedarf zusätzlich von vorne auf eine „normale“ Brille aufgesteckt und wieder abgenommen werden.

Eine weitere Möglichkeit, Lichtreflexionen unterschiedlichster Flächen (zum Beispiel Wasseroberflächen oder Glasscheiben) zu absorbieren, stellen Polarisationsfolien dar. Hierbei macht man sich den Umstand zu Nutze, dass Licht auf eine bestimmte Art und Weise „schwingt“. Die Folien werden in der Regel zwischen zwei dünne Trägerschichten geklebt und sorgen dafür, dass eine Lichtblendung nicht mehr gedämpft, sondern durch Reduzierung auf lediglich eine Schwingungsachse eliminiert wird (siehe: Wellenoptik).[61] Bei einem anderen Verfahren (Infusion Molding) werden hierfür spezielle Polymere in die Brillengläser eingearbeitet.

Der UV-Schutz ist weltweit durch unterschiedliche Normen und Richtlinien festgelegt, in Deutschland durch die Norm DIN EN 1836.[62]

Insbesondere in entsprechend disponierten Umgebungen, zum Beispiel im Hochgebirge, ist das Tragen von Lichtschutzbrillen (Schneebrille) zum Schutz vor erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wie Verblitzungen oder Schneeblindheit, unbedingt angeraten. Es gibt zudem Krankheiten, die mit einer erhöhten Licht- und Blendungsempfindlichkeit einhergehen und deshalb das regelmäßige Tragen einer Lichtschutzbrille auch in geschlossenen Räumen notwendig machen können. Hierzu zählt beispielsweise der Albinismus.

Schminkbrille[Bearbeiten]

Eine Schminkbrille ist eine besonders konstruierte Korrektionsbrille für den Nahbereich, die durch einzeln klappbare Gläser bei Weitsichtigkeit oder Alterssichtigkeit ein scharfes Sehen gewährleistet und gleichzeitig ein ungehindertes Schminken desjenigen Auges ermöglicht, dessen Korrekturglas nach unten (seltener oben) geklappt ist. Mit einer „normalen“ Brille würden die fest montierten Gläser den Zugang zu den gewünschten Augenpartien behindern, ohne sie wäre die Sehschärfe signifikant eingeschränkt. Die Gläserstärken einer Schminkbrille sollten etwa denen der individuellen Nahkorrektur entsprechen.

Schutzbrillen[Bearbeiten]

Schutzbrille für das metallverarbeitende Gewerbe
Eine Schwimmbrille schützt die Augen vor dem Kontakt mit dem Wasser
Hauptartikel: Schutzbrille

Schutzbrillen werden in unterschiedlichen Lebensbereichen verwendet und sollen die Augen vor Verletzungen und schädlichen Einwirkungen, wie Chemikalien, Strahlung, Verblitzung, Funkenflug oder Fremdkörper schützen. Je nach Einsatzbereich können Schutzbrillen mit refraktiven Wirkungen ausgestattet werden (Korrektionsschutzbrille) und unterliegen bestimmten funktionalen und qualitativen Anforderungen, die teils von festgelegten Gütekriterien und Normen bestimmt werden. So schreiben neben der Europäische Norm EN 166 in Deutschland auch die in der BGR 192 (Berufsgenossenschaftliche Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit)[63] enthaltenen Grundsätze die Ausstattung und Beschaffenheit von Schutzbrillen im Arbeitsumfeld verbindlich vor.[64]

Im militärischen Bereich gibt es verschiedene Schutzklassen, nach denen die Beschaffenheit von Schutzbrillen definiert ist, und die zum Beispiel in der gebräuchlichen ANSI-Norm der Vereinigten Staaten oder dem NATO-Standard STANAG festgelegt sind.

Zu den Schutzbrillen gehören auch verschiedene Sportbrillen, zum Beispiel Schwimmbrillen, Fahrradbrillen oder die sogenannten Paukbrillen, die beim akademischen Fechten mit scharfen Waffen getragen werden.

In ihrer Funktion als Lichtschutzbrillen zählen auch Sonnenbrillen und insbesondere Schneebrillen zu den Schutzbrillen (siehe Abschnitt oben).

Bei den umstrittenen Rasterbrillen steht eine Schutzwirkung nicht im Vordergrund.

Tauchmaske[Bearbeiten]

Eine Tauchmaske. Von solchen brillenähnlichen Modellen mit zweigeteilter Sichtscheibe leitet sich die Bezeichnung „Taucherbrille“ ab.
Hauptartikel: Tauchmaske

Die Tauchmaske ist ein Teil der Tauchausrüstung und gehört zur Grundausstattung eines Tauchers. Sie wird umgangssprachlich oft als Tauchbrille oder Taucherbrille bezeichnet, was in Bezug auf die Form eigentlich nicht korrekt ist. Tauchmasken haben jedoch dieselbe Funktion wie Korrektionsbrillen. Wegen der höheren Brechzahl des Wassers kann ein Taucher ohne Tauchmaske unter Wasser nur verschwommen sehen.

Eine Tauchmaske besteht aus einem weichen Gummi- oder Silikonkörper, in dem vorn eine plane Sichtscheibe eingesetzt ist. Es gibt Modelle mit einer einzigen Sichtscheibe und solche mit einer Sichtscheibe vor jedem Auge. Die Tauchmaske besitzt zum Gesicht des Tauchers hin weiche Dichtlippen, die das Eindringen von Wasser verhindern sollen. Die Dichtlippen bestehen meist aus Silikon, da Silikon keinerlei allergische Reaktionen der Haut auslöst, wenn es mit dieser in Berührung kommt. Ein verstellbares Gummiband hält die Tauchmaske am Kopf.[65]

Es wird zwischen Tauchermaske und Schwimmbrillen unterschieden.

Maskenbrille[Bearbeiten]

Brillen mit Bügeln oder Haltebändern können nicht getragen werden, wenn eine Atemschutz-Vollmaske benutzt werden soll, da die Haltevorrichtungen Undichtigkeiten am Dichtrahmen der Maske verursachen. Deswegen werden spezielle Maskenbrillen verwendet, bei welchen die Gläser durch ein Gestell gehalten werden, das direkt in die Atemschutzmaske eingesetzt wird.[66][67]

Schießbrille[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schießbrille

Schießbrillen sind spezielle Korrektionsbrillen, die ausschließlich beim Schießsport mit Schusswaffen Verwendung finden. Sie weisen gegenüber normalen Brillen einige Besonderheiten auf, sind dabei auch als Augenschutz zulässig.[68].[69]

Hersteller, Handel und Bezugsquellen[Bearbeiten]

Das französische Unternehmen Essilor mit seiner Marke Varilux ist der weltweit größte Hersteller von Brillengläsern, vor der deutschen Carl Zeiss Vision, einem Tochterunternehmen von Carl Zeiss. Das Unternehmen Rodenstock ist ein bedeutender Hersteller von Brillenfassungen und -gläsern in Deutschland.

Der Vertrieb der Korrektionsbrillen erfolgt meist über Fachhandelsgeschäfte von Augenoptikern mit ausgebildetem Personal.[70] Dort stehen den häufig hohen Preisen qualifizierte Beratungs- und Dienstleistungen gegenüber, die für eine optimale Anpassung und Handhabung von Brillen erforderlich sind. Es gibt mittlerweile Fertigbrillen, industriell hergestellte Korrekturen von einfacher Ausstattung und Qualität, die in Kaufhäusern oder anderen Verkaufsstellen als Massenware erhältlich sind und lediglich als preiswerte Ersatz- oder Notlösung oder als einfache Lesehilfen dienen sollen. Mit der Verbreitung des Internet haben sich in jüngster Vergangenheit Online-Shops etabliert, die Ein- und Mehrstärkengläser hochwertiger Qualität, sowie Fassungen bekannter Marken und Hersteller teils deutlich günstiger anbieten, als viele Fachgeschäfte, und hinsichtlich der Produktqualität und des Preis-Leistungs-Verhältnisses einen starken Wettbewerb ausgelöst haben. Nachteilig ist jedoch auch hier der Mangel an notwendiger, qualitätsgesicherter Beratung und anderer Leistungen, wie Messung der benötigten Glasstärke, Überprüfung der Brillengröße hinsichtlich korrektem und komfortablen Sitz usw.

Gleichwohl haben in den frühen 1980er Jahren unter anderem neue Filialketten durch die Abkehr von den bis dahin festgefügten Preisstrukturen und durch massiven Wettbewerb für eine deutliche Kostenreduktion gesorgt, die seitdem die teils drastischen Gewinnspannen der Augenoptiker[71] erheblich unter Druck bringen. Der Einzelhandel reagiert seit dem immer wieder mit temporär günstigen Angeboten oder Sonderaktionen.

Korrektionslose Sport- und andere Spezialbrillen jedweder Art sind in der Regel über den entsprechenden Fachhandel oder Spezialanbieter erhältlich.

Brillenpflege, Entsorgung und Weiterverwertung[Bearbeiten]

Die Pflege von Brillengläsern, Fassungen und anderen Bestandteilen ergibt sich in der Regel aus deren Materialien, wobei man auf aggressive Reinigungslösungen oder chemische Bestandteile wegen einer erhöhten Empfindlichkeit der Oberflächen verzichten sollte. Gläser sollten mit feuchten oder trockenen Brillenputztüchern gereinigt werden, bei gröberen Verschmutzungen oder Ablagerungen ggf. in einem Ultraschallreinigungsgerät.[72]

Die Nutzungsdauer einer Brille ist begrenzt. Solche, die nicht mehr getragen werden, können mit dem Hausmüll entsorgt werden, da die verwendeten Materialien in der Regel keinerlei belastende Stoffe enthalten. Alternativ kann man sie bei einem Augenoptiker abgeben, der sie beispielsweise als Spende weiterleitet. Jährlich werden in Deutschland allein vom Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) etwa 35.000 bis 40.000 nicht mehr benutzte Brillen für Länder der Dritten Welt gesammelt, darunter zahlreiche Kinderbrillen.[73] Viele nationale und internationale Hilfsorganisationen haben entsprechende Projekte initiiert, um eine bessere Versorgung armer und bedürftiger Bevölkerungskreise auf der Welt zu ermöglichen.[74][75]

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Axenfeld, Hans Pau: Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1980. ISBN 3-437-00255-4
  • Susanne Buck: Der geschärfte Blick. Eine Kulturgeschichte der Brille seit 1850. Diss. Philipps-Universität Marburg 2002. Anabas, Frankfurt 2006. ISBN 3-87038-347-X
  • Ulrich Faure (Hrsg.): Die Brille des Autors. Anthologie (28 bekannte Autoren mit Auszügen aus ihren Werken). Axel Dielmann, Frankfurt 1997, ISBN 3-929232-30-8
  • Pamela F. Gallin (Hrsg.): Pediatric Ophthalmology. Thieme, New York 200., ISBN 0-86577-768-3
  • Herbert Kaufmann (Hrsg.): Strabismus. Unter Mitarbeit von W. de Decker u. a., 3. überarbeitete Auflage. Georg Thieme, 2003. ISBN 3-13-129723-9
  • Kerstin Kruschinski, Petra Waldminghaus: Lebensgefühl Brille. DOZ-Verlag Heidelberg, 2014. ISBN 978-3-942873-27-7
  • Bernhard Lachenmayr, Dieter Friedburg, Erwin Hartmann, Annemarie Buser: Auge – Brille – Refraktion: Schoberkurs: verstehen – lernen – anwenden. 4. Auflage. Georg Thieme, Stuttgart 2006. ISBN 3-13-139554-0
  • Heinz Herbert Mann: Augenglas und Perspektiv. Studien zur Ikonographie zweier Bildmotive. (= Studien zur Profanen Ikonographie, Band 1) Gebr. Mann, Berlin 1992. ISBN 3-7861-1570-2
  • Sabine Walter, Henry Hagenfall: Die Brille im Film. Buch über die Symbolik der Brille im Film. Lulu.de. ISBN 978-1-4467-8754-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brillen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Schutzbrillen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Brille – Zitate
 Wiktionary: Brille – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b aktuelles Hilfsmittelverzeichnis GKV
  2. a b c d Krankenkassen direkt – Gesetzlicher Leistungskatalog
  3. a b Karl-Heinz Ludwig, Volker Schmidtchen: Propyläen Technikgeschichte. Metalle und Macht 1000–1600. Unveränderte Neuausgabe, Berlin 1997, ISBN 3-549-05633-8, S. 23
  4. Wortherkunft Brille. In: etymologie.info
  5. Heinz Herbert Mann: Augenglas und Perspektiv. Studien zur Ikonographie zweier Bildmotive. Gebr. Mann, Berlin 1992. (= Studien zur Profanen Ikonographie, Bd. 1) S. 26 f.
  6. Plinius der Ältere: Natural History. Abgerufen am 27. April 2008.
  7. Wilhelm Grimm (Hrsg.): Konrads von Würzburg Goldene Schmiede. Berlin 1840, S. 54, Z. 1800–1805.
  8. Art. Brille, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 2, Sp. 692, hier: Sp. 690.
  9. Heinz Herbert Mann: Augenglas und Perspektiv. Studien zur Ikonographie zweier Bildmotive. Gebr. Mann, Berlin 1992. (= Studien zur Profanen Ikonographie, Bd. 1) S. 24 f.
  10. Susanne Buck: Der geschärfte Blick. Eine Kulturgeschichte der Brille seit 1850. Diss. Philipps-Universität Marburg 2002, Frankfurt am Main, Anabas Verlag 2006, S. 21.
  11. Heinz Herbert Mann: Augenglas und Perspektiv. Studien zur Ikonographie zweier Bildmotive. Gebr. Mann, Berlin 1992. (= Studien zur Profanen Ikonographie, Bd. 1) S. 31 f.
  12. Wolfgang Keller: Der Altar des Conrad von Soest, BadWildungen.de, abgerufen am 23. März 2014.
  13. Heinz Herbert Mann: Augenglas und Perspektiv. Studien zur Ikonographie zweier Bildmotive. Gebr. Mann, Berlin 1992. (= Studien zur Profanen Ikonographie, Bd. 1) S. 61.
  14. Petrus mit Brille, in: Monumente Online 1.2013
  15. Susanne Buck: Der geschärfte Blick – Zur Geschichte der Brille und ihrer Verwendung in Deutschland seit 1850. (PDF; 9,0 MB) Inauguraldissertation
  16. Fachbeitrag In: Deutsche Optikerzeitung, 2005
  17. Mary Bellis: The Inventions and Scientific Achievements of Benjamin Franklin. Abgerufen am 1. September 2007.
  18. Eyeglass Lenses and Visual Aids from Industrial Production. Zeiss.com. Abgerufen am 2. September 2007.
  19. Finance Act 1926 in der englischsprachigen Wikipedia (Staatshaushalt)
  20. Safeguarding Duty on Spectacles. In: The Times, 6. Oktober 1927
  21. Fielmann macht mit Weitsicht Kasse. In: Handelsblatt, 13. Januar 2002
  22. Alberto Manguel: A history of reading. Viking, 1996, ISBN 0-670-84302-4, S. 294, dort in der englischen Übersetzung: “All the management of our lives depends on the senses, and since that of sight is the most comprehensive and the noblest of these, there is no doubt that the inventions which serve to augment its power are amongst the most useful that there can be.”
  23. David S. Landes: The Wealth and Poverty of Nations. Abacus, London 1999, S. 46 f.
  24. Presseinformationen des Kuratorium Gutes Sehen
  25. Informationen zum Titel Brillenträger des Jahres. (MS Word)
  26. Die schwierige Suche nach den Massenmördern in Kambodscha. In: Die Welt
  27. Andreas Lorenz: Wer Brille trug, hatte kaum eine Überlebenschance. In: Berliner Zeitung, 17. April 1998
  28. Die Schreckensherrschaft der „neuen Menschen. In: STERN, 19. April 2005
  29. Lieber tot als lebendig. In: FOCUS, 30. Juni 1997.
  30. Das Kambodscha-Desaster. (PDF) – Menschenrechte Köln
  31. a b c d e f g h i j k l Kinderbrillen. (PDF; 315 kB) Informationsbroschüre des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands, BVA
  32. a b c Patienteninformation (Version vom 28. Oktober 2006 im Internet Archive) der Universitäts Augenklinik Giessen
  33. a b c d e f g h i Kuratorium Gutes Sehen
  34. a b Baby- und Kinderbrillen Kuratorium Gutes Sehen
  35. Pamela F. Gallin: Pediatric Ophthalmology. Thieme, New York 2000, ISBN 0-86577-768-3
  36. a b c d e f g Herbert Kaufmann: Strabismus. Unter Mitarbeit von W. de Decker u. a. Georg Thieme Verlag, Ausgabe 3, 2003, ISBN 3-13-129723-9
  37. a b Normenausschuss Feinmechanik und Optik (NAFuO)
  38. Mineral: Ein Material von Gestern? In: Focus (Optikerzeitschrift), 02/2009
  39. a b Axenfeld, Pau: Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-437-00255-4
  40. Bernhard Lachenmayr, Annemarie Buser: Auge- Brille- Refraktion: Schoberkurs: verstehen- lernen- anwenden.
  41. Josef Reiner: Grundlagen der Ophthalmologischen Optik. ISBN 978-3-8311-2767-2
  42. Bernhard Lachenmayr, Annemarie Buser: Auge- Brille- Refraktion: Schoberkurs: verstehen- lernen- anwenden, Ausgabe 4. Georg Thieme Verlag, 2005, Seite 118, ISBN 3-13-139554-0, books.google.de
  43. Zeiss Kompendium
  44. Polycarbonat-Brillengläser. In: Online-Optiklexikon
  45. Gütebestimmungen im Augenoptikerhandwerk. Ausgabe 1961-12 Beuth-Verlag (DIN)
  46. Nasenfahrrad. In: Duden – Deutsches Universalwörterbuch
  47. Sehstörung und Risiken im Kindesalter Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
  48. Leitlinien (Version vom 21. Oktober 2012 im Internet Archive) des Bundesverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA), Anhang: Empfehlung zur Optischen Korrektur von Refraktionsfehlern (PDF; 83 kB)
  49. a b Leitlinien 26b (Version vom 19. Oktober 2010 im Internet Archive) des Bundesverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA), Nichtparetisches Schielen
  50. Bildschirmarbeitsverordnung bei juris.de
  51. Informationen zu Bildschirmbrillen
  52. Berufsgenossenschaftlicher Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen bei Bildschirmarbeitsplätzen – G 37 (mit Kommentar) (PDF)
  53. Brillenhämatom. In: enzyklo.de, abgerufen am 14. Juni 2012
  54. Gemeinsamer Bundesausschuss beschließt Neufassung der Hilfsmittel-Richtlinie
  55. Mittel- und Gegenstände-Liste (MiGeL), Stand: 1. Januar 2011 Schweizer Bundesamt für Gesundheit BAG.
  56. Mittel- und Gegenstände-Liste (MiGeL), Stand: 1. Juli 2012 Schweizer Bundesamt für Gesundheit BAG.
  57. Information zur Gesundheitsreform 2005 (PDF; 72 kB) Wiener Arbeiterkammer
  58. Bild einer Frenzelbrille/Nystagmusbrille
  59. Spiegel-Online über 3D-Videobrille
  60. Esther Addley: Inventor’s 2020 vision. In: The Guardian, 22. Dezember 2008
  61. Physik 2000 Universität Bonn
  62. DIN EN 1836 Persönlicher Augenschutz – Sonnenbrillen und Sonnenschutzfilter im Beuth-Verlag
  63. Berufsgenossenschaftliche Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz (PDF; 549 kB)
  64. DIN EN 166 Persönlicher Augenschutz – Anforderungen im Beuth Verlag
  65. Ehm, Hahn, Hoffmann, Wenzel: Tauchen noch sicherer. Verlag Müller Rüschlikon, 1999, ISBN 978-3-275-01216-9
  66. Atemschutzlexikon Stichwort "Maskenbrille
  67. Maskenbrillen für Atemschutzgeräteträger Unfallkasse Rheinland-Pfalz
  68. Sportordnung des Deutschen Schützenbundes e. V., Grundwerk vom 01. Januar 2014
  69. Bund der Militär- und Polizeischützen e.V.: Brillenpflicht.
  70. siehe auch Kategorie:Augenoptikunternehmen
  71.  Ostfriesisches Beispiel. In: Der Spiegel. Nr. 37, 1981 (online).
  72. Christoph Drösser: Ultrasauber. Beitrag in Die Zeit. Nr. 16, 2002 (abgerufen 5. Februar 2013)
  73. Information des Zentralverbandes der Augenoptiker Deutschlands
  74. Brillensammelaktion „Lunettes sans Frontiere“ – Brillen ohne Grenzen
  75. Information des Deutschen Blindenhilfswerks
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!
Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 19. Juni 2010 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.