Brita (Unternehmen)

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Brita GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1966
Sitz Taunusstein
Leitung Markus Hankammer
Mitarbeiter 1182 (weltweit, 2013)[1]
Umsatz 332,5 Mio. Euro (2013)[1]
Branche Trinkwasserfilter
Produkte Trinkwasserfilter, WasserspenderVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.brita.de

Die Brita GmbH ist ein deutscher Hersteller von Trinkwasserfiltern mit Sitz in Taunusstein-Neuhof im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen.

Unternehmen[Bearbeiten]

Das Familienunternehmen entwickelt, produziert und vermarktet Trinkwasserfilter für den privaten und gewerblichen Gebrauch. Über Partnerschaften mit Herstellern von Haushaltsgeräten werden Filterkartuschen auch in fremde Geräte eingebaut. Dabei handelt es sich beispielsweise um Kühlschränke, Wasserfilterkocher oder Kaffeemaschinen.

Das Unternehmen ist in etwa 60 Ländern mit Tochterfirmen oder Partnerunternehmen vertreten und beschäftigt weltweit 1182 Mitarbeiter, davon 647 Mitarbeiter in Deutschland.[1] Brita erwirtschaftete im Jahr 2013 einen Gesamtumsatz von 332,5 Mio. Euro, davon 80 Prozent außerhalb von Deutschland.[1][2] Produziert wird in Deutschland, Großbritannien, Italien und der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten]

Heinz Hankammer gründete das Unternehmen 1966 mit der Idee, herkömmliches Leitungswasser zu optimieren. Brita wurde nach der Tochter Hankammers benannt. Mit dem „AquaDeMat“ brachte das Unternehmen Brita erstmals ein Produkt auf den Markt, das Wasser für den Einsatz in Autobatterien entsalzte und zunächst an Tankstellen vertrieben wurde. Es folgte der erste Tischwasserfilter für den Haushalt, dessen Produktion 1970 im Garten des Unternehmers aufgenommen wurde. Für diesen Tischwasserfilter meldete Heinz Hankammer ein Patent an[3] und legte den Grundstein für die Expansion des Unternehmens. 1979 bot Brita die ersten austauschbaren Kartuschen an.

1980 begann Brita die Ausweitung des Produktportfolios für gewerbliche Nutzung sowie die ersten internationalen Vertriebsaktivitäten. In Großbritannien gründete Brita die erste ausländische Tochtergesellschaft „Brita Water Filter Systems Ltd.“ In den Folgejahren gründete Brita weitere Tochterfirmen.

Seit 1992 werden austauschbare Kartuschen recyclet. 2004 begann Brita Partnerschaften mit Herstellern von Wasserfilterkochern, Espresso- und Kaffeemaschinen, Haushaltswasserspendern, Kühlschränken und fest in die Wasserleitung integrierten Wasserfiltern, um den Anwendungsbereich der Filterkartusche zu erweitern. Anfang 1999 übernahm die zweite Generation der Familie das Unternehmen. Seitdem ist Markus Hankammer Geschäftsführer der Brita GmbH. Heinz Hankammer wechselte als Vorsitzender in den damals neu gegründeten Aufsichtsrat der „Brita GmbH“. Ende 2013 gab Heinz Hankammer den Vorsitz des Aufsichtsrats an Moss Kadey ab.

Trinkwasserfilter[Bearbeiten]

geöffnete, verbrauchte MAXTRA-Filterkartusche

Das als Filterkartusche bezeichnete Produkt filtert Trinkwasser und besteht aus Ionenaustauschern und Aktivkohle. Der Aufbereitungsvorgang mit dieser Technik umfasst vier Schritte: Vorfiltration, Ionenaustausch, Aktivkohlefiltration und Partikelfiltration. Im ersten Schritt fließt das Wasser durch ein feines Filtergewebe. Beim Ionenaustausch werden Kalkgehalt und eventuell vorkommende Blei- oder Kupferbestandteile reduziert. Die Aktivkohlefiltration verringert geruchs- und geschmacksstörende Stoffe. Dies können bspw. Chlor und Chlorverbindungen sein. Im letzten Schritt, der Trapfiltration, nimmt ein Feingewebefilter Mischungspartikel heraus.

Aktuell gibt es zwei Kartuschensysteme, das ältere mit dem Namen „Classic“ und das neuere „Maxtra“. Bei normalem Gebrauch halten die Kartuschen bei beiden Systemen etwa 30 Tage. Für beide Filtersysteme gibt es mittlerweile auch günstigere Nachbauten von Fremdherstellern.

Einsatz im Haushalt[Bearbeiten]

Durch die Reduktion des Kalk- und Chlorgehalts erzielt der Trinkwasserfilter angeblich einen besseren Geschmack bei Heißgetränken. Dadurch sollen Kaffee und Tee ihr volles Aroma entfalten und die Schlieren auf Tee verschwinden. Um diesen Effekt zu demonstrieren, zeigte Firmengründer Heinz Hankammer den „Teetest“. Dazu verglich er Tees, die mit gefiltertem und ungefiltertem Wasser gekocht wurden und eine Weile abgekühlt waren. Tee, der mit gefiltertem Wasser gekocht wird, bildet keine Schlieren.

Kalkreduziertes Wasser soll dafür sorgen, dass Geräte wie Heißwasserbereiter, Tee- und Kaffeemaschinen, Eierkocher oder Dampfbügeleisen weniger schnell verkalken. Gastronomiebetriebe und Betreiber von Selbstbedienungsautomaten verwenden die Filterkartuschen beispielsweise zwischen der Wasserleitung und ihren Geräten (z.B. Kaffee-, Espresso-, Spülmaschine, Kombidämpfer).

Kritik[Bearbeiten]

Kritik am Unternehmen[Bearbeiten]

Am 13. April 2012 wurde die Firma für die Kommerzialisierung der Trinkwasserversorgung von Schülern mit gleichzeitiger Erstellung von Nutzungsprofilen mit dem Big Brother Award in der Kategorie „Wirtschaft“[4] bedacht. Das Unternehmen hatte das so genannten Projekt Schoolwater in manchen öffentlichen Schulen eingeführt. Hierbei konnten Schüler in den jeweiligen Schulen Leitungswasser nur noch mit speziellen RFID-Flaschen zapfen, nachdem eine monatliche Gebühr für die Benutzung entrichtet wurde.[5] Das Unternehmen bezeichnete die 'Auszeichnung' in einer Stellungnahme als „nicht nachvollziehbar[6], da keine personenbezogenen Daten erhoben würden".[7]

Kritik an der Technologie des Trinkwasserfilters[Bearbeiten]

Die Kartusche entzieht dem Wasser viele ernährungsphysiologisch wichtige Calcium- und Magnesiumionen. Lebensmittelhersteller, die eine gesundheitsbewusste Klientel ansprechen wollen, werben mit einem hohen Gehalt gerade dieser Mineralstoffe in ihren Produkten. Andererseits hat die WHO festgestellt, dass das meiste Calcium und Magnesium über feste Nahrung aufgenommen wird.

Weiter neigen die Kartuschen auch bei sachgemäßem Gebrauch zur Verkeimung.[8] Der Hersteller versucht, diese Verkeimung zu reduzieren; dazu setzt er bei der Herstellung des in den Kartuschen enthaltenen Ionenaustauschers eine Silberverbindung ein. Eine Kontamination des Leitungswassers mit Silber kann daher nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die WHO in ihren „Guidelines for Drinking Water Quality“ feststellt, dass es bei der maximal zu erwartenden Silberaufnahme über Wasser und Essen nicht zu kritischen Werten kommen kann. In deutschen Wasserwerken darf nach der Trinkwasserverordnung Silber nicht zur Desinfektion eingesetzt werden. Da das aufbereitete Wasser jedoch nicht mehr der Trinkwasserverordnung, sondern lediglich dem Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch unterliegt, gelten hier andere gesetzliche Grundlagen. Nach einer Veröffentlichung des Umweltbundesamtes werden von Brita 140 kg Silber pro Jahr verarbeitet, „davon werden je nach Kartuschentyp jährlich zwischen 26 und 43 kg ausgewaschen, es gelangt Silber in Konzentrationen von 0,019 bis 0,05 mg/l in das gefilterte Wasser. Der Rest verbleibt in den Kartuschen und wird nach der Rücknahme durch Brita in der firmeneigenen Anlage recycelt“.[9]

Der Hersteller verspricht auch Reduzierung des Bleigehaltes im Leitungswasser. Das ist jedoch nur dort von Bedeutung, wo noch Bleirohre verlegt sind, was zumindest in Deutschland mittlerweile die Ausnahme ist.

Zollstreit[Bearbeiten]

Der Europäischen Gerichtshof (EuGH) entschied am 25. Februar 2010, dass auf den Import von in der Siedlung Ma'ale Adumim im Westjordanland hergestellten SodaStream-Waren Zoll zu erheben ist.[10] Im vom Finanzgericht Hamburg vorgelegten Fall hatte der Hersteller SodaStream die in Ma'ale Adumim gefertigten Flaschen als israelische Produkte deklariert und Brita wollte sie so zollfrei einführen. Das Zollamt Hamburg verweigerte dies, Brita zog dagegen vor Gericht. Das Finanzgericht Hamburg legte einige Fragen dem EuGH vor. Aus dem Urteil des EuGH können Rückschlüsse auf die völkerrechtliche Bewertung der israelischen Siedlungspolitik durch die Europäische Union gezogen werden.[11][12] Eine darauf folgende Entscheidung des Finanzgerichts Hamburgs lehnte entsprechend die Gewährung einer Zollpräferenz ab.[13] Der Bundesfinanzhof hat eine Revision als unbegründet zurückgewiesen.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Unternehmensinformationen
  2. Nachhaltigkeitsbericht 2012 (PDF; 1,1 MB) BRITA Gruppe
  3. VORRICHTUNG ZUR WASSERREINIGUNG (DE7017889 (U) ― 1970-08-06) EP Register Datenbank Patentamt
  4. Kategorie Wirtschaft http://www.bigbrotherawards.de/2012/.biz/
  5. Heise.de (25. August 2012):, BigBrotherAwards 2012 online nachschauen Zugriff am 26. August 2012.
  6. http://www.brita.de/brita/de-de/cms/rfid-technologie-in-trinkwasserspendern-von-brita-ionox/pressrelease_28.grid?nid=gcc_6_1_1
  7. http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/meldungen/11863537.htm
  8. Ökotest, Sonderheft 21: Essen, Trinken 1997 (S9621) vom 11. November 1996: http://www.oekotest.de/cgi/ot/otgs.cgi?doc=3550
  9. Beurteilung der Gesamtumweltexposition von Silberionen aus Biozid-Produkten, Studie des Umweltbundesamtes von 2008, Forschungsbericht 360 04 020 UBA-FB 001212 http://opus.kobv.de/zlb/volltexte/2008/7096/pdf/3673.pdf
  10. Streit um Siedlungsgebiete. Soda-Club-Urteil stellt Israel bloß Der Spiegel, 25. Februar 2010
  11. Außenpolitik. Schwindel mit dem Etikett Der Spiegel, 13. Juli 2009
  12. Julia Amalia Heyer, Nicolas Richter: Beim Sprudel zählt der Druck. in: Süddeutsche Zeitung - Nr.157, Samstag, den 11. Juli 2009 , Seite 3
  13. Zollrecht: Präferenzbehandlung für Waren aus dem Westjordanland (Az.: VII R 6/12) FG Hamburg 4. Senat, Urteil vom 30. November 2011, 4 K 61/10
  14. BFH Verfahren, VII R 6/12 (Aufnahme in die Datenbank am 20. März 2012), BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.3.2013, VII R 6/12

Weblinks[Bearbeiten]

50.1665368.213804Koordinaten: 50° 10′ 0″ N, 8° 12′ 50″ O