British Parachute Regiment

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Parachute Regiment
− PARA −
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Badge des Parachute Regiment
Aufstellung 1942
Land Vereinigtes Königreich
Streitkräfte Streitkräfte des Vereinigten Königreichs
United Kingdom Special Forces British Army
Typ Fallschirmjäger
Grobgliederung 4 Bataillone (davon eins Reserve)
4th Battalion— Pudsey Colchester, England
Spitzname Red Devils, The Paras, "Maroon Machine"
Motto Utrinque Paratus (bereit für alles)
Marsch Langsam — Pomp and Circumstance Marches
Maskottchen Shetlandpony (Pegasus IV)
Colonel-Commandant
Regimentschef Charles Mountbatten-Windsor, Prince of Wales
Colonel Commandant General Sir John Reith
Wichtige
Kommandeure

General Anthony Farrar-Hockley

Das Parachute Regiment stellt das wesentliche Infanterieelement der Luftlandetruppen der British Army. Der Brigade ist im weiteren noch jeweils ein leichtes Infanteriebataillon unterstellt. Wie viele Luftlandeeinheiten anderer Nationen werden sie als Elite-Einheit angesehen, was durch den harten Dienst und die strenge Auswahl bedingt ist.

Organisation[Bearbeiten]

Das Regiment ist momentan in drei reguläre und ein Reservebataillon eingeteilt.

  • 1st Battalion, The Parachute Regiment (1 PARA)
  • 2nd Battalion, The Parachute Regiment (2 PARA)
  • 3rd Battalion, The Parachute Regiment (3 PARA)
  • 4th (Reserve) Battalion, The Parachute Regiment (4 PARA(R)).

Im Dezember 2004 wurde angekündigt, dass 1 PARA den Kern der Joint Special Forces Support Group bildet, um als Unterstützungselement für den SAS zu fungieren. Das Parachute Regiment stellt mehr Bewerber für die Auswahl des SAS als jede andere Einheit. Die Einheit wurde 1942 aufgestellt und ist bedingt MFF-Fallschirmsprungtauglich.

Ende 2005 wurde das vierte Bataillon zur Parachute Regiment Reserve und verlor so seine Verbindung zur Territorial Army.

Aufstellung[Bearbeiten]

Das Parachute Regiment hat seine Wurzeln bei den elitären Truppen der Commandos, welche von den Briten nach dem Aufruf Winston Churchills „set Europe ablaze“ (setzt Europa in Flammen) gegründet wurden.

Großbritanniens erster Luftlandeangriff wurde am 10. Februar 1941 durchgeführt. Männer des 11th Special Air Service sprangen über Italien ab und sprengten in einem halsbrecherischen Handstreichunternehmen ein Aquädukt, genannt Operation Colossus.

Nach der Luftlandeschlacht um Kreta war klar, dass Großbritannien weit mehr Fallschirmjäger für ähnliche Operationen benötigte. Das No 2 Commando wurde beauftragt, sich auf Luftlandeangriffe zu spezialisieren und wurde so zum Grundstein des Parachute Regiment.

Operationen[Bearbeiten]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Operation Biting – Frankreich[Bearbeiten]

Am 27. Februar 1942 war ein Würzburg-Radar an der Küste Frankreichs bei Bruneval das Ziel der Operation Biting. Die elektronischen Teile des Systems wurden nach England gebracht und genau untersucht. Die Messergebnisse halfen bei der Entwicklung von Gegenmaßnahmen.

Während der Operationen in Nordafrika wurde das weinrote Barett zum ersten Mal von den Deutschen gesehen. Die Deutschen nannten sie daraufhin die Roten Teufel.

Operation Husky – Sizilien[Bearbeiten]

Als Teil der Operation Husky wurden in der Nacht des 9. auf den 10. Juli zwei britische und zwei amerikanische Luftlandeoperationen durchgeführt. Durch eigene Flugabwehr und die in der Nacht durchgeführte Operation kamen viele Flugzeuge vom Kurs ab und die Springer landeten verstreut über ein großes Gebiet. Britische Lastensegler-Truppen erlitten große Verluste, nur 12 der 144 Lastensegler landeten im Ziel. Viele stürzten über der unruhigen See ab. Die gelandeten Fallschirmjäger sammelten sich und attackierten deutsche Patrouillen und Kampfverbände, und ermöglichten die Durchführung der Seelandung.

Operation Slapstick – Süditalien[Bearbeiten]

Während der alliierten Invasion in Italien landete die britische 1st Airborne Division in der Nähe von Tarent während dieser an der „Ferse“ Italiens. Ihre Aufgabe war es, den Hafen sowie mehrere vernetzte Flugplätze zu erobern. Danach schlossen sie sich der 5th U.S. Army in der Nähe von Foggia an.

Operation Overlord – Normandie[Bearbeiten]

Es wurden mehrere Luftlandeoperationen während der Operation Overlord am D-Day (6. Juni 1944) ausgeführt. Die allgemeine Aufgabe der Luftlandetruppen war es, die Flanken der Offensive zu sichern. Die Briten sicherten die östliche Flanke in Operation Tonga. Außerdem führten sie Aktionen aus, um die Artilleriebatterie bei Merville einzunehmen. Diese Aufgabe wurde der 9th Parachute Brigade übertragen, welche sie erfolgreich ausführte.

Operation Market-Garden – Niederlande[Bearbeiten]

Möglicherweise die berühmteste Luftlandeoperation der Geschichte ist Operation Market Garden im September 1944. Truppen wurden 100 Meilen hinter der deutschen Front abgeworfen, um in Arnheim die Brücke über den Rhein zu erobern. Drei komplette Luftlandedivisionen wurden eingesetzt. Die 1. Britische Luftlandedivision, die 82. US-Luftlandedivision und die 101. US-Luftlandedivision sowie die polnische 1. Unabhängige Fallschirmbrigade. Am Ende wurden die alliierten Truppen durch den starken Widerstand der Deutschen, die die dreifache der erwarteten Stärke hatten, zurückgeschlagen und Arnheim blieb in deutschem Besitz.

Operation Varsity – Rheinland (Deutschland)[Bearbeiten]

Die Überquerung des Rheins war mit der Operation Varsity die erfolgreichste und größte Luftlandeaktion der Geschichte und öffnete den Alliierten den Zugang zum industriellen Kern des Deutschen Reiches, dem Ruhrgebiet.

1946–1966[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die regulären Luftlandetruppen zur 16th Independent Parachute Brigade Group vereinigt. Diese wurde 1956 zur 44th Independent Parachute Brigade Group zusammengefasst. In der Sueskrise wurde bei der Operation Musketeer das Überraschungsmoment eingesetzt. Alle 660 Männer der Gruppe mussten innerhalb von vier Minuten und 30 Sekunden am Boden des El Gamil Airfields sein. Um 4:15 Uhr des 5. November 1956 sprang 3 PARA. Obwohl der Widerstand heftig war, hatten sie nur geringe Verluste.

Weitere Operationen in Borneo, Malaya und Aden.

1966–1996[Bearbeiten]

Während des Nordirlandkonflikts unternahm das Regiment mehrere Einsätze. In der Operation Demetrius vom 9. bis 11. August 1971 erschoss das Regiment 11 unbewaffnete Zivilisten während des Ballymurphy-Massakers in der Vorstadt Ballymurphy von Belfast. Am 30. Januar 1972 assistierten sie der Royal Ulster Constabulary bei einem Bürgerrechtsmarsch. Dabei erschossen sie in Derry 13 unbewaffnete Demonstranten. Dieses Ereignis wurde als Bloody Sunday bekannt. Kein Soldat wurde verletzt. Kein Soldat wurde vor dem Militärgerichtshof angeklagt, die Identitäten der Beteiligten wurden von der britischen Regierung geheim gehalten. Allerdings bat der Premierminister David Cameron am 15. Juni 2010 die Nordiren öffentlich um Verzeihung für den Bloody Sunday, nachdem in einer umfangreichen Untersuchung die Unschuld der Getöteten bewiesen wurde. Eine Untersuchung des Ballymurphy-Massakers steht aus, es gibt allerdings Annahmen, dass teilweise identische Personen in Fallschirmjägeruniform an beiden Orten tödliche Schüsse abgaben.[1]

Am 27. August 1979 wurden 18 Mitglieder des Parachute Regiment in Warrenpoint in Nordirland bei der Detonation einer am Wegrand versteckten Bombe getötet. Die Bombe stammte aus den Werkstätten der IRA.

Nach dem Beginn des Falklandkrieges 1982 brachten das 2 und 3 PARA die 3 Commando Brigade auf volle Kriegsstärke. Das Regiment stellte die wesentlichen Bodenkampfverbände in diesem Konflikt, zwei seiner Angehörigen wurden mit dem Victoria Cross ausgezeichnet.

Nach Budgetkürzungen am Ende des Kalten Krieges wurde das 15th Scottish Bataillon zu einer Kompanie reduziert und ins 4th Bataillon eingegliedert.

1996 bis heute[Bearbeiten]

1999 nahm das 1st Bataillon, unterstützt von einer Kompanie des 3 PARA, am Kosovo-Krieg teil.

Nachdem in Sierra Leone trotz der UN-Friedensmission UNAMSIL der Bürgerkrieg weiter tobte, landete in der Operation Palliser am 7. Mai 2000 1 PARA in Freetown, der Hauptstadt des Landes, und evakuierte Ausländer. Nach der Operation wurde 1 PARA mit der Aufgabe betraut, den Freetown Airport zu sichern, so dass UN-Hilfsgüter in das Land gebracht werden konnten.

Das 1. und 3. Bataillon beteiligten sich an der Operation Telic als Teil der Invasion des Iraks vom 20. März 2003. Zwei Bataillone waren Teil der 16 Air Assault Brigade. 4 PARA wurde benutzt, um diese Kräfte zu verstärken.

Der Krieg endete offiziell am 1. Mai. 1 und 3 PARA blieben im Irak in der zweitgrößten Stadt Basra stationiert. Obwohl sie meist einen ruhigen Dienst versehen, kommt es sporadisch zu Zwischenfällen. Eine Patrouille von sechs Royal Military Policemen, 1 PARA angefügt, wurden am 24. Juni in der Stadt Majar Al-Kabir von irakischem Mob umzingelt und getötet. Eine Patrouille von 1 PARA wurde in derselben Stadt in einen Hinterhalt gelockt; ein Mann wurde verwundet.

1 und 3 PARA verließen den Irak mit dem Rest der 16 Air Assault Brigade im Juni. Das Regiment verlor einen Soldaten, Private Andrew Kelly von 3 PARA.

2 PARA wurde im November 2003 in den Irak verlegt und ist Teil der 20 Armoured Brigade.

Battle Honours[Bearbeiten]

Das Regiment hat eine beeindruckende Liste von Battle Honours (ehrenvollen Erwähnungen von Schlachten, an denen es teilgenommen hat).

  • Zweiter Weltkrieg: Bruneval, Schlacht in der Normandie, Pegasus Brücke, Merville Batterie, Bréville, Dives Überquerung, La Toucques Überquerung, Schlacht von Arnheim, Ourthe, Operation Varsity, Südfrankreich, North-West Europa 1942 '44-45, Soudia, Oudna, Djebel Azzag 1943, Djebel Alliliga, El Hadjeba, Tamera, Djebel Dahra, Kef el Debna, Nordafrika Feldzug, Primosole Brücke, Sicily 1943, Taranto, Orsogna, Italien Feldzug, Athen, Griechenland 1944-45
  • Schlacht von Goose Green, Schlacht von Mount Longdon, Schlacht von Wireless Ridge, Falklandkrieg, Al-Basrah, Iraq 2003

Literatur[Bearbeiten]

  • Sören Sünkler: Elite- und Spezialeinheiten Europas. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02853-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ciarán Barnes (Andersonstown News): Same snipers cut down Derry and Murph victims auf Ireland's OWN vom 1. Februar 2008. Abgerufen am 3. Dezember 2010