Britz (bei Eberswalde)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Britz
Britz (bei Eberswalde)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Britz hervorgehoben
52.88333333333313.855Koordinaten: 52° 53′ N, 13° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Barnim
Amt: Britz-Chorin-Oderberg
Höhe: 55 m ü. NHN
Fläche: 15,5 km²
Einwohner: 2148 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 139 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16230
Vorwahl: 03334
Kfz-Kennzeichen: BAR, BER, EW
Gemeindeschlüssel: 12 0 60 036
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Eisenwerkstraße 11
16230 Britz
Webpräsenz: Amt-Britz-Chorin-Oderberg
Bürgermeister: André Guse (Wählergemeinschaft)
Lage der Gemeinde Britz im Landkreis Barnim
Ahrensfelde Althüttendorf Bernau bei Berlin Biesenthal Breydin Britz (bei Eberswalde) Chorin Eberswalde Friedrichswalde Hohenfinow Joachimsthal Liepe Lunow-Stolzenhagen Marienwerder Melchow Niederfinow Oderberg Panketal Parsteinsee Rüdnitz Schorfheide Sydower Fließ Wandlitz Werneuchen Ziethen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Britz ist eine amtsangehörige Gemeinde im Landkreis Barnim in Brandenburg. Sie wird vom Amt Britz-Chorin-Oderberg verwaltet, das seinen Sitz in Britz hat.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt fünf Kilometer nördlich von Eberswalde. Zur Gemeinde gehören die Wohnplätze Ferdinandsfelde, Forsthaus, Grenzhäuser und Kolonie Britz[2].

Naturdenkmale[Bearbeiten]

Siehe Liste der Naturdenkmale in Britz (bei Eberswalde)

Geschichte[Bearbeiten]

ehemaliges Schulgebäude mit Heimatstube

Der Ortsname leitet sich vom slawischen Wort für Birke breza ab.[3] Die Existenz einer slawischen Siedlung an dieser Stelle konnte archäologisch bislang jedoch nicht bewiesen werden. Britz, ein Angerdorf im markgräflichen Besitz, wurde erstmals in der Stiftungsurkunde für das Zisterzienser-Kloster Mariensee auf dem Pehlitzwerder im Parsteiner See vom 2. September 1258 urkundlich erwähnt. Es sind Überreste der damals errichteten romanischen Kirche erhalten. 1277 kam das Dorf mit damals 53 Hufen durch markgräfliche Schenkung an das Kloster Chorin. Nach dem Übertritt des Kurfürsten Joachim II. zum evangelischen Glauben wurde der Besitz des Klosters 1543 eingezogen und von einem Domänenamt verwaltet bzw. verpachtet. Ab 1555 befand sich im Dorf ein Rittergut.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde auch Britz schwer in Mitleidenschaft gezogen. 1639 wurde es von schwedischen Truppen unter General Banér geplündert und verwüstet. Aufgrund der Entvölkerung des Dorfs wurden von Kurfürst Friedrich Wilhelm 1650 holländische Kolonisten angesetzt. Trotzdem gab es 1687 in Britz nur noch sechs Bauern auf 21 Hufen. Nach dem Edikt von Potsdam kamen in den 90er Jahren des 17. Jahrhunderts zusätzlich französische Hugenotten ins Dorf.

1838 wurde das Domänenamt Chorin aufgelöst. Britz wurde selbständige Gemeinde. Als 1840–41 die Berlin-Stettiner Eisenbahn gebaut wurde, berührte diese zwar Britzer Gemeindegebiet, es wurde hier aber kein Haltepunkt angelegt. Zur Mitte des Jahrhunderts wurde die an Britz vorbeiführende Chaussee Eberswalde-Joachimsthal erbaut. 1873 wurde in der Nachbarschaft des Dorfs das sogenannte „Kaisergleis“ eingerichtet, auf dem der kaiserliche Salonwagen abgestellt wurde, wenn Wilhelm I. sein Jagdrevier in der Schorfheide besuchte. Als ab 1875 auch Personenzüge probeweise hielten, wurden 1876 die ersten Häuser zwischen Britz und der Eisenbahnlinie gebaut. So entstand der Ortsteil Britz-Kolonie.

Der Anschluss an das Bahnnetz förderte die wirtschaftliche Entwicklung. 1901 errichtete das Radiatorenwerk Eberswalde in Britz-Kolonie eine Eisengießerei, die 1912 in die Britzer Eisenwerk GmbH umgewandelt wurde. Das Eisenwerk war der größte Arbeitgeber im Ort. 1945 arbeiteten hier 550 Mitarbeiter, darunter zahlreiche Kriegsgefangene aus dem Waldlager Britz.

Am 26. April 1945 wurde Britz von der Roten Armee besetzt. Von 1952 bis 1990 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Eberswalde im Bezirk Frankfurt (Oder). Im Zuge der Ämterbildung im Land Brandenburg schloss sich Britz mit sieben weiteren Gemeinden zum Amt Britz-Chorin zusammen, dem vom Ministerium des Innern noch zwei weitere Gemeinden zugeordnet wurden. Zum 1. Januar 2009 wurde das benachbarte Amt Oderberg aufgelöst und dem Amt Britz-Chorin vier weitere Gemeinden zugeordnet. Das Amt wurde gleichzeitig in Amt Britz-Chorin-Oderberg umbenannt. Das Amt hat seinen Sitz in Britz.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Britz:
Bevölkerungsentwicklung in den Grenzen von 2013
Jahr Einwohner
1875 537
1890 668
1910 1 312
1925 1 644
1933 2 032
1939 2 290
1946 2 345
1950 2 321
1964 2 445
1971 2 552
Jahr Einwohner
1981 2 481
1985 2 379
1989 2 252
1990 2 212
1991 2 309
1992 2 202
1993 2 164
1994 2 164
1995 2 151
1996 2 203
Jahr Einwohner
1997 2 256
1998 2 321
1999 2 378
2000 2 405
2001 2 385
2002 2 383
2003 2 355
2004 2 312
2005 2 307
2006 2 269
Jahr Einwohner
2007 2 250
2008 2 226
2009 2 201
2010 2 156
2011 2 145
2012 2 134
2013 2 148

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[4].

Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen seit 1875

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[5][6]
Wahlbeteiligung: 52,30 % (2003: 46,06 %)
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
70,47 %
14,12 %
8,16 %
3,82 %
3,42 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2003
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-7,73 %p
+14,12 %p
+8,16 %p
-7,72 %p
+3,42 %p
-10,26 %p

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung besteht aus 12 Gemeindevertretern.

  • Unabhängige Wählergemeinschaft 8 Sitze
  • FDP 1 Sitz
  • Einzelbewerber 2 Sitze
  • 1 Sitz unbesetzt

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)[7]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 24. August 2005 genehmigt.

Blasonierung: „In Grün auf goldenem Boden zwei verschränkte goldene Birkenschösslinge, unten überdeckt von zwei schwebenden, schräggekreuzten silbernen Sensen.“[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Britz-Dorf mit Dorfkirche

In der Liste der Baudenkmale in Britz und der Liste der Bodendenkmale in Britz stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die heute evangelische Britzer Dorfkirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist damit eine der ältesten Kirchen des Barnim. Sie wurde zwischen 1263 und 1274 von Bischof Heinrich von Ostheeren geweiht. In den Jahren 1895–96 wurde sie neubarock umgebaut. Der heutige Kirchturm aus Fachwerk stammt aus dem Jahre 1768. Er trägt als Dachaufsatz eine sogenannte Laterne. Die Kirche besitzt eine Buchholz-Orgel aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Sport[Bearbeiten]

Die Sektion Handball der 1979 gegründeten Betriebssportgemeinschaft des Schlacht- und Verarbeitungskombinates Eberswalde-Britz (BSG SVKE Britz), spielte in der Saison 1987/88 für ein Jahr in der DDR-Oberliga. Britz ist damit die nach Einwohnern betrachtet kleinste eigenständige Gemeinde, die jemals einen Erstligisten im deutschen Ligahandball stellte (vor Großwallstadt). Nach der Wiedervereinigung wurde aus der Handballsektion der BSG SVKE Britz der heutige Oberligist 1. SV Eberswalde. Unter der vorübergehenden Bezeichnung SV Eberswalde-Britz spielte der Verein 1991/92 und 1992/93 in der 2. Bundesliga Nord. Als Nachfolgeverein der Fußballsektion der BSG „Stahl Britz“ wurde 1990 der FSV Fortuna Britz 90 e.V. gegründet. 1991 kam hier die Sektion Billard hinzu. Zurzeit treiben im FSV Fortuna Britz 90 e.V. etwa 200 Sportbegeisterte in den Abteilungen Fußball, Billard, Volleyball, Gymnastik, Popgymnastik und in der allgemeinen Sportgruppe „Powerfrauen“ regelmäßig Sport.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die als Eberswalder Würstchen bekannten Wiener werden in der Fleischfabrik in Britz hergestellt. In den Jahren 1975/76 als Schlacht- und Verarbeitungskombinat auf 65 Hektar Fläche gegründet, zählte es zu den größten Betrieben seiner Art in Europa. 2006 hatte das Unternehmen einen Jahresumsatz von mehr als 70 Millionen Euro.

Die Britzer Eisengießerei musste nach fast 100-jährigem Bestehen im Juli 2000 schließen.

Max-Kienitz-Schule

Verkehr[Bearbeiten]

Seit Februar 1875 verfügt Britz über einen Bahnhof der Berlin-Stettiner Eisenbahn. Dort zweigt die Bahnstrecke nach Joachimsthal ab. Am Bahnhof Britz halten stündlich

Bildung[Bearbeiten]

Britz besitzt seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Schule. Die heutige Max-Kienitz-Grundschule befindet sich im 1963 errichteten Schulgebäude im Ortsteil Kolonie. Die damalige Polytechnische Oberschule trug seit 1973 den Namen Pablo Neruda und wurde nach der politischen Wende zunächst als Gesamtschule mit Grundschulteil fortgeführt, bis die abnehmende Schülerzahl zur Einstellung der Sekundarstufe I führte.

Wissenschaft[Bearbeiten]

Im nordöstlich von Britz-Kolonie gelegenen Wald befindet sich die ökologische Versuchsstation Britz. Hier betreibt das Institut für Waldökologie und Waldinventuren Eberswalde, ein Fachinstitut des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, eine Großlysimeteranlage, die bei ihrer Inbetriebnahme 1974 die größte der Welt war.[9] In dem Komplex aus neun Großlysimetern wird der Wasserverbrauch von aufwachsenden Baumarten im Rein- und Mischbestand gemessen.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Beim Festakt zum 750-jährigen Dorfjubiläum wurden am 6. Juni 2008 der frühere Schuldirektor Fritz Gieseler, der ehemalige Bürgermeister Werner Ahl und der stellvertretende Präsident des FSV Fortuna, Herbert Mielke, zu Ehrenbürgern ernannt.[11][12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil 8: Uckermark. Böhlau, Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2 (Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam 21).
  • Doris Ortloff, Sylvia Goetze: Britz – Ein gewachsener Ort. Chronik 1258 – 1277 – 2008. Kloster Chorin, Chorin 2008, ISBN 978-3-936932-15-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Britz (bei Eberswalde) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg
  3. Gisela Gooß, Adina Günther: Zwischen vier Städten. Der einstige Kernbesitz des Zisterzienserklosters Chorin, Chorin 2008, S. 61. ISBN 3-936932-24-7
  4. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  5. http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/Stat_Berichte/2008/SB_B7-3-5_j05-08_BB.pdf#page=10
  6. http://www.wahlen.brandenburg.de/kw2003/kg/ergebnisse/gemeinde/17.html
  7. Britz – Kommunalwahl
  8. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  9. Mit unterirdischen Blumentöpfen den Wasserverbrauch von Bäumen messen. Weltweit größte und älteste Lysimeter-Anlage bei Eberswalde begeistert Fachleute. Johann Heinrich von Thünen-Institut, Pressemitteilung vom 8. September 2008 (abgerufen am 6. November 2011)
  10. Die ökologische Versuchsstation Britz bei Eberswalde auf der Website des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (abgerufen am 6. November 2011)
  11. Erstmals Ehrenbürger ernannt, Märkische Oderzeitung, 9. Juni 2008
  12. Die ersten Ehrenbürger von Britz, Märkische Oderzeitung, 12. Juni 2008