Brixen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Brixen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Brixen
(ital.: Bressanone, lad.: Porsenù (gad.), Persenon (gröd.))
Wappen von Brixen
Brixen (Südtirol)
Brixen
Brixen
Lage von Brixen in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Eisacktal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2012)
20.713/20.921
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
72,82 % deutsch
25,84 % italienisch
1,34 % ladinisch
Koordinaten 46° 43′ N, 11° 39′ O46.71361111111111.656388888889559Koordinaten: 46° 43′ N, 11° 39′ O
Meereshöhe: 538–2576 m s.l.m. (Zentrum: 559 m s.l.m.)
Fläche: 84,87 km²
Dauersiedlungsraum: 22,3 km²
Fraktionen: Afers, Albeins, Brixen, Elvas, Gereuth, Karnol, Klerant, Kranebitt, Mahr, Mairdorf, Melaun, Pairdorf, Pinzagen, Plabach, Rutzenberg, Sarns, St. Andrä, St. Leonhard, Tils, Tötschling, Tschötsch, Untereben
Nachbargemeinden: Feldthurns, Lüsen, Natz-Schabs, St. Martin in Thurn, Vahrn, Villnöss
Partnerschaft mit: Regensburg (DE), Bled/Veldes (SI), Havlíčkův Brod/ Deutschbrod (CZ)
Postleitzahl: 39042
Vorwahl: 0472
ISTAT-Nummer: 021011
Steuernummer: 00188450217
Politik
Bürgermeister (2010): Albert Pürgstaller (SVP)

Brixen (italienisch Bressanone, ladinisch Persenon oder Porsenù, lateinisch Brixina, bis 1919 offiziell Brixen am Eisack) ist eine Stadt und Gemeinde im Südtiroler Eisacktal in Italien. Brixen ist eine der ältesten Städte Tirols, der Hauptort des Eisacktales und mit 20.921 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) die drittgrößte Stadt Südtirols. Sie ist Sitz der Bezirksgemeinschaft Eisacktal.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Stadtgemeinde Brixen liegt etwa 40 Kilometer nördlich von Bozen und 45 Kilometer südlich des Brennerpasses am Zusammenfluss von Eisack und Rienz eingebettet in eine weite Talmulde. Sie umfasst neben der Stadt auch die umliegenden Dörfer am Pfeffersberg und St. Ändrä am Hang der Plose sowie die Orte Albeins, Elvas, Milland, Afers und Sarns. Die Hausberge von Brixen sind die Plose im Osten und der Königsanger im Westen.

Klima[Bearbeiten]

Laut dem dreißigjährigen Temperaturdurchschnitt (1951–2010) beträgt die Durchschnittstemperatur des kältesten Monats Jänner in Brixen -2,0 °C; jene des heißesten Monats Juli +19,2 °C.[1]

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 700 mm, welche sich auf ca. 85 Tage verteilen, wobei der Winter gewöhnlich die Jahreszeit mit den niedrigsten Niederschlagsmengen ist. Diese äußern sich dann meist in Form von Schnee. Die höchste Niederschlagsmenge wird im Sommer gemessen, wobei hier auch die Gewitterhäufigkeit aufgrund des Aufeinandertreffens verschiedener Luftmassen, begünstigt durch die Nähe zum Alpenhauptkamm am größten ist.[2]

Brixen gehört zur Klimazone F.[3][2]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Brixner Talkessel wurden verschiedene prähistorische Siedlungen nachgewiesen. Wahrscheinlich ist Brixen schon 827 n. Chr. in einer Urkunde unter dem Namen Pressena genannt. Erstmals urkundlich sicher erwähnt wurde Brixen 901 als Meierhof Prihsna in einer Schenkungsurkunde des Karolingers Ludwig IV. an Bischof Zacharias von Säben. Jahrhundertelang war Brixen ein weit über die Tiroler Landesgrenzen hinaus einflussreicher Sitz von Fürstbischöfen, die von 1027 bis 1803 deutsche Reichsfürsten waren. 1080 fand in Brixen ein Konzil statt, das Wibert von Ravenna als Clemens III. gegen Gregor VII. zum Papst wählte. Kirchengeschichtlich bedeutsam wurden außerdem Bischof Poppo, der 1048 zum Papst gewählt wurde (Damasus II.), Nikolaus von Kues (1450–1464), genannt Cusanus, und Georg Golser (1464–1488). Heute teilt sich Brixen den Bischofssitz mit der Landeshauptstadt Bozen (Diözese Bozen-Brixen).

1174, 1234 und 1445 wurde die Stadt Brixen durch Feuersbrünste verheert. Am 19. Februar 1519 wurde sie von den Franzosen unter Gaston de Foix im Sturm erobert. 1525 litt sie auch im Bauernkrieg. 1802 fiel Brixen an Österreich, 1805 an Bayern, 1814 wieder an Österreich und 1919 mit Südtirol an Italien.

Stadtviertel[Bearbeiten]

Panorama von Brixen gegen Norden
Panorama von Brixen gegen Süden

Altstadt[Bearbeiten]

In der historischen Altstadt befinden sich der Brixner Dom mit dem angrenzenden Domkreuzgang, der Frauenkirche und der Johanneskapelle, die Hofburg (der ehemaligen Fürstbischöfe), das Priesterseminar, die beiden Laubengassen, das Mutterhaus der Brixner Tertiarschwestern, das Klarissenkloster, das Kapuzinerkloster, die Pfarrkirche St. Michael sowie die evangelische Kirche St. Gotthard und St. Erhard.

Stufels[Bearbeiten]

Stufels ist der ursprüngliche Kern von Brixen. Hier haben sich schon vor Jahrtausenden die ersten Menschen niedergelassen. Bei Ausgrabungen wurden immer wieder steinzeitliche Gefäße und Werkzeuge gefunden. Die meisten Häuser in Stufels sind aufgrund ihres Alters und ihrer architektonischen Eigenheiten – ebenso wie die mittelalterliche Altstadt – denkmalgeschützt.

Burgfrieden[Bearbeiten]

Der Stadtteil Burgfrieden erstreckt sich über die gesamte westliche Hangseite der Stadt. Der Ausdruck Burgfrieden oder Burgfriede bezeichnete im Mittelalter den bischöflichen Hoheitsbereich außerhalb der Stadtmauern, in dem Fehden, also Feindeshandlungen von Privatpersonen untereinander, unter Androhung der Acht verboten waren. Im 16. Jhdt. wurden von vielen Brixner Bürgern dort Villen zur Sommerfrische errichtet (Villa Ostheimer). In den 1960er Jahren wurden am Hang des Oberraggengerhofes, nach den Plänen des großen Brixner Architekten Othmar Barth, das Südtiroler Kinderdorf errichtet.

das Kinderdorf befindet sich an der Katastralgrenze zwischen Burgfrieden/Brixen und Pfeffersberg

Kranebitt[Bearbeiten]

Der Stadtteil Kranebitt erstreckt sich über die gesamte westliche Hangseite östlich des Eisacks. Schon im 19. Jhdt. waren die sonnigen Hänge mit ihren Weingärten bekannt für das milde Klima.

Milland[Bearbeiten]

Milland liegt im Südosten des Stadtzentrums an der Straße nach St. Andrä.

Zinggen und Rosslauf[Bearbeiten]

Nördlich der Altstadt befinden sich die einzigen höheren Wohnblöcke (mehr als zehn Etagen) der Stadt. Die Anzahl der Einwohner beträgt etwa 5000. Seit Juli 2008 ist der Stadtteil durch eine Fußgänger- und Fahrradunterführung mit der Innenstadt verbunden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die 1908 Arbeitsstätten der Stadt (inkl. öffentlicher Dienst und NPOs) beschäftigten per 22. Oktober 2001 10.453 Personen. Ein Unternehmen beschäftigte über 250 Mitarbeiter, elf weitere je über 100. Brixen ist somit nach Arbeitsstättenanzahl nach Bozen der zweitgrößte Wirtschaftsstandort Südtirols. Nach der Anzahl der Beschäftigten war es 2001 aber nur der drittgrößte Standort Südtirols, da in Bruneck zum Stichtag 239 Personen mehr beschäftigt waren. Die Stadtwerke Brixen AG sind für Elektrizitätsversorgung, Trinkwasser, Abwasser, Fernwärme, Methangas, Lichtwellenleiter, Umweltdienste und für das Geoinformationssystem im Bereich Brixen und Umgebung zuständig. Das Verlagshaus A. Weger wurde als „Fürstbischöfliche Hofbuchdruckerei“ 1555 erstmals erwähnt und ist heute noch im Besitz einer hölzernen Druckerpresse aus jener Zeit. In der Industriezone Brixens sind vor allem Betriebe für Baumaterialien angesiedelt. Die dort befindliche Firma Durst AG vertreibt ihre fototechnischen Produkte weltweit. Der erste Holzscanner weltweit stammt von der Firma Microtec, die ebenfalls in Brixen ihren Sitz hat. Die Druckerei und der Rechtssitz der Athesia sind hingegen seit 2004 in Bozen angesiedelt. Jenseits der Kommunalgrenze im Gewerbegebiet Vahrn befindet sich der Brixner Milchhof (Brimi). Das Tagungs- und Kongresszentrum Forum Brixen umfasst auf 2.000 m² sechs Säle, zwei Foyers, eine Küche und eine Bar.

Bildung[Bearbeiten]

Außenstelle Brixen der Freien Universität Bozen

In Brixen gibt es folgende Ober- und Berufsschulen: das Oberschulzentrum „Jakob Philipp Fallmerayer“, das Klassische Gymnasium „Vinzentinum“, das Sozialwissenschaftliche Gymnasium „Josef Gasser“, die Fachoberschule für Wirtschaft, die Fachoberschule für den technologischen Bereich (Fachrichtung Grafik und Kommunikation), die Oberschule für Soziale Dienste, die Landesberufsschule für das Gast- und Nahrungsmittelgewerbe „Emma Hellenstainer“ und die Landesberufsschule für Handel, Handwerk und Industrie „Christian Josef Tschuggmall“. Die 1607 als Priesterseminar Brixen gegründete Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen ist die älteste universitäre Einrichtung des historischen Tirol. Die Universität Padua unterhält in Brixen eine Außenstelle mit Studentenheim. Als Außensitz der Freien Universität Bozen (FUB) ist Brixen seit 2001 Universitätsstadt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

In der Hofburg, dem früheren Sitz des Bischofs des Bistums Brixen, ist das Diözesanmuseum mit einer Krippenausstellung untergebracht. Außerdem ist in Brixen das Pharmaziemuseum Brixen angesiedelt.

Der „dreikopfete Mann“

In Brixens Altstadt befindet sich an der Kreuzung zwischen Säbenertorgasse, den Kleinen Lauben und den Großen Lauben an der Fassade des Gasthauses Schwarzer Adler der „dreikopfete Mann“; seine drei Köpfe sind den jeweiligen Gassen entgegen gedreht. Der Sage nach spuckt dieser am Karfreitag, wenn es zwölf Uhr läutet, mit allen drei Köpfen Geldstücke aus. [4]

Kunst und Musik[Bearbeiten]

Die Initiative Musik und Kirche organisiert Konzerte und Symposien rund um Kunst, Musik und Kirche. Im Forum Brixen finden Veranstaltungen aller Art statt, darunter auch Projektionen des Filmclubs (Bozen); das Stella-Kino bietet aktuelle Mainstreamfilme. Der Anreiterkeller wird als Kellertheater benutzt, die Gruppe Dekadenz bietet dort neben Kabarett auch andere Kleinkunstformen an, außerdem finden im Anreiterkeller Gastspiele und Konzerte statt. Kirchliche Konzerte finden häufig im Dom oder in der Kirche des Priesterseminars statt.

Die Musikgruppen Frei.Wild und Unantastbar stammen aus Brixen.

Sport[Bearbeiten]

Die als schwarze Piste markierte Trametsch-Abfahrt im Skigebiet Plose ist die längste Abfahrt Südtirols. Der Brixner Sportverein (SSV Brixen) ist besonders in den Sektionen Handball, Fußball, Turnen, Yoseikan Budo, Schwimmen und Leichtathletik erfolgreich. Der seit seinem Aufstieg in die Profiliga in Bozen spielende FC Südtirol, Südtirols einzige Profi-Fußballmannschaft, wurde in Brixen gegründet. Im November 2002 wurde an der Stelle des alten Brixner Freibads das kombinierte Frei- und Hallenbad mit Restaurant, Sauna- und Fitnessbereich Acquarena eröffnet. 2009 war Brixen der Austragungsort der sechsten U18-Leichtathletik-Jugendweltmeisterschaft der IAAF.[5] 2010 fand erstmals der Brixen-Marathon statt, der vom Domplatz auf den Gipfel der Plose führt.[6] Bis 2010 fand das 1961 als Brixner Bergturnfest gegründete internationale Südtiroler Bergturnfest in Brixen statt. Seit 2005 findet jedes Jahr das Caidom, ein vom Gipfel zum Domplatz führendes Massenstart-Downhill-Mountainbike-Rennen, statt. 2010 wurde in Brixen das Finale des ersten Gibbon Slackline Contests ausgetragen, womit auch der erste Gesamtweltcup im Slackline endete.[7] Bei den Fußballmeisterschaften der Oberschulen von 20. bis 25. September 2010 in Riccione gewann die Frauenfußballmannschaft der Handelsoberschule Brixen den Italientitel. Der International Mountain Summit in Brixen ist ein Treffen von Bergsteigern. 2012 wurden die 16. Einrad-Weltmeisterschaften die Unicon16 in Brixen ausgetragen.

Politik[Bearbeiten]

Brixens Gemeinderat besteht aus 30 Mitgliedern. Ihm sitzt seit 2010 Thomas Schraffl vor. Brixen wird seit Mai 2010 aus einer Koalition von Südtiroler Volkspartei (SVP), Grüner Bürgerliste (GBL) und Partito Democratico (PD) regiert.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Freundschaftsabkommen[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 1882: Simon Aichner (1816–1910), Fürstbischof von Brixen
  • 1905: Ignaz Mitterer (1850–1924), österreichischer Komponist und Kirchenmusiker
  • 1987: Karl Wolfsgruber (1917–2009), römisch-katholischer Geistlicher, Denkmalpfleger und Hochschullehrer
  • 2008: Benedikt XVI.[8] (* 1927), ehemaliger Papst

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen mit Beziehung zur Stadt[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Wolfsgruber, Hubert Walder: Dom und Kreuzgang von Brixen. Geschichte und Kunst. Athesia, Bozen 1988
  • Leo Andergassen: Der Dom zu Brixen. Geschichte, Raum, Kunst. Athesia, Bozen 2009, ISBN 9788882665975
  • Gustav Pfeifer, Barbara Fuchs, Hans Heiss, Carlo Milesi: Brixen. Die Geschichte. Athesia/Tappeiner, Bozen 2004 (zur Stadtentstehung s. korrigierend Irmtraut Heitmeier: Der Alte Markt zu Brixen: ein Perspektivenwechsel. Mit einem Editionsanhang von Martin Bitschnau. In: Der Schlern 82, 2008, H. 2. S. 7–19)
  • Hans Heiss, Carlo Milesi, Christine Roilo: Brixen. Kunst, Kultur, Gesellschaft. Athesia/Tappeiner 2006
  • Josef Gelmi: Geschichte der Stadt Brixen. Verlag A. Weger, Brixen 2000
  • Ingo Dejaco: Brixen entdecken. Unterwegs in Stadt und Umgebung. Verlag A. Weger, Brixen 2003
  • Norbert Parschalk: Brixen 1918–1939. Verlag A. Weger, Brixen 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Brixen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Brixen – Zitate
 Commons: Brixen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Brixen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bressanone Varna - Brixen Vahrn Temperaturen (PDF; 39 kB), Daten der Autonomen Provinz Bozen.
  2. a b Bressanone Varna - Brixen Vahrn Niederschläge (PDF; 26 kB), Daten der Autonomen Provinz Bozen.
  3. [1] - Comuni Italiani.it Klima und geografische Daten.
  4. „DER DREIKOPFIGE MANN IN BRIXEN“, Sagen.at [2]
  5. IAAF: World Youth Championships 2009
  6. Website des Brixen-Marathons
  7. Gibbon Slackline Contest: [3]
  8. „In Brixen habe ich weite Teile meiner Bücher geschrieben“, kath.net, 11. August 2008
  9. Hans Fink im Lexikon Literatur in Tirol des Brenner-Archivs.