Brod nad Dyjí

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Brod nad Dyjí
Wappen von Brod nad Dyjí
Brod nad Dyjí (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 1197 ha
Geographische Lage: 48° 53′ N, 16° 32′ O48.87500516.535211175Koordinaten: 48° 52′ 30″ N, 16° 32′ 7″ O
Höhe: 175 m n.m.
Einwohner: 503 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 692 01
Verkehr
Straße: Dolní Dunajovice - Drnholec
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Pavla Norková (Stand: 2008)
Adresse: Brod nad Dyjí 45
692 01 Brod nad Dyjí
Gemeindenummer: 584355
Website: www.brodnaddyji.cz

Brod nad Dyjí (deutsch Guldenfurt) ist eine Gemeinde in der Region Südmähren in Tschechien. Sie liegt zwölf Kilometer nordwestlich von Mikulov (Nikolsburg) und gehört zum Okres Břeclav (Bezirk Lundenburg). Der Ort ist als ein Straßenangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Nachbarorte sind im Südwesten Drnholec (Dürnholz) und Novosedly na Moravě (Neusiedl am Sand), im Süden Dobré Pole (Guttenfeld) und Březí u Mikulova (Bratelsbrunn) und im Osten Dolní Dunajovice (Untertannowitz).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort entstand in den Jahren 1568–70 als eine Neuansiedelung für den verwüsteten Ort Neudorf. Die ui-Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern, welche bis zum Schicksalsjahr 1945 gesprochen wurde, weist auf eine Besiedlung aus dem österreichischen beziehungsweise süddeutschen Raume hin.[2] 1583 wird die Ortschaft in einem Erbteilungsvertrag der Familie Liechtenstein erstmals urkundlich erwähnt.

Die Matriken des Ortes werden seit 1652 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[3] Die Grundbücher werden seit 1792 aufgezeichnet. Bis zum Jahre 1786 gab es einen fürstlichen Schafhof im Ort. Kaiser Joseph II. ordnete am Ende des 18. Jahrhunderts die Zerstückelungen von herrschaftlichen Meierhöfen an. Daraus sollten Neuansiedlungen gefördert werden. In Guldenfurt selbst wurden aufgrund dieser Verordnung 9 neue Häuser gebaut. Guldenfurt gehörte bis 1848 zur Herrschaft Dürnholz. In den Napoleonischen Kriegen wurde die Ortschaft 1805 von französischen Truppen geplündert und 1809 16 Wochen lang von diesen besetzt. Im Jahre 1808 wurde eine vierklassige Schule gebaut. Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre 1885 gegründet. Die Mehrzahl der Einwohner war in der Landwirtschaft und im Weinbau tätig.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[4] sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen Deutschösterreichischen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch Gultenfurt, dessen Bewohner im Jahre 1910 zu 99,7 %, Deutschsüdmährer waren, an die Tschechoslowakischen Republik. In der Zwischenkriegszeit verstärkten Maßnahmen wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung die wachsenden Autonomiebestrebungen der deutschösterreichischen Einwohner und führten zu Spannungen innerhalb des Landes, und im weiteren zum Münchner Abkommen,[5] das die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland regelte. 1938 kam der Ort an das Deutsche Reich und wurde ein Teil des Reichsgaues Niederdonau.

Von den im Zweiten Weltkrieg eingezogenen Männern sind 126 gefallen oder wurden vermisst. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch Guldenfurt, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Vor den einsetzenden Exzessen durch militante Tschechen flohen viele Deutschmährer über die Grenze nach Österreich, oder wurden hinüber getrieben. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII,[6][7] trotz Intervention der Westmächte, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen geordneten und humanen Transfer der deutschen Bevölkerungsteile, die in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind. Zwischen 15. März und 5. Oktober 1946 erfolgte die Zwangsaussiedlung von 545 Guldenfurtern nach Westdeutschland.[8] Laut Bericht von Francis E. Walter an das US-Repräsentantenhaus erfolgten diese Transporte zu keiner Zeit in der vorgegebenen Form.[9][10] Bei den Nachkriegsexzessen und der Vertreibung kam es zu 27 Toten unter der Zivilbevölkerung.[11] Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Bis auf 70 Familien wurden alle der in Österreich befindlichen Guldenfurter entsprechend den im Potsdamer Kommuniqués genannten "Transfer"-Zielen nach Deutschland abgeschoben. Je eine Familie wanderte in die Schweiz und eine in die DDR aus.[12][13][14]

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Das Siegel aus dem Jahr 18. Jahrhundert zeigt eine stilisierte Lilie beseitet von zwei Sternen. Ab dem 19. Jahrhundert gab es nur noch einen Schriftstempel.[15]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1793 408
1836 676
1869 774
1880 814 814 0 0
1890 889 889 0 0
1900 1011 1003 3 5
1910 955 952 3 0
1921 943 916 7 20
1930 999 983 5 11
1939 970
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A-Z, Frodl, Blaschka
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche des hl. Johann von Nepomuk (1770/83)
  • Marienkapelle
  • Katharinenkapelle am Kapellenberg
  • Mariensäule
  • Schule (Neubau 1808)
  • Kriegerdenkmal (1920)[16][17]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Leopold Kleindienst (* 27. März 1920), Kammermusiker, Heimatforscher, Zeichner und Südmährischer Kulturpreisträger

Quellen[Bearbeiten]

  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Guldenfurt S.81
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren., C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, Guldenfurt: S.12;
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden., Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X, Guldenfurt s.85f,
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 235f (Guldenfurt).
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z, Südmährischen Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006, Guldenfurt s.92f,

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Guldenfurt: Seite 126
  • Johann Schwanzer, Julius Herbst: Guldenfurt, ein Heimatbuch. 1966
  • Leopold Kleindienst: Der Schafhof bei Guldenfurt. 1974
  • Leopold Kleindienst: 400 Jahre Guldenfurt. 1974
  • Tejral, Jaroslav - Jelínková, D.: Nové Nálezy z doby Římské v Brodě nad Dyjí. 1980
  • Leopold Kleindienst: Die Neusiedlung Guldenfurt. 1981
  • Johann Schwanzer: Arbeiten für die Gemeinde Guldenfurt.
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Andreas Bicherl: Guldenfurter Familien 1770 - 1945. 1999

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brod nad Dyjí – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 18. März 2011.
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  5. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  6. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  7. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei. 2007, ISBN 978-3-9810491-7-6.
  8. Archiv Mikulov: Odsun Nĕmců - transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946
  9. Walter, Francis E. (1950): Expellees and Refugees of German ethnic Origin. Report of a Special Subcommittee of the Committee on the Judiciary, House of Representatives, HR 2nd Session, Report No. 1841, Washington, March 24, 1950.
  10. Ludislava Šuláková, übersetzt von Wilhelm Jun: Die Problematik des Abschubs der Deutschen in den Akten des Städtischen Volksausschusses (MNV) und des Bezirks-Volksausschusses (ONV) Nikolsburg: Südmährisches Jahrbuch 2001 S.45f, ISSN 0562-5262
  11. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, S.216
  12. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  13. Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (= Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  14.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 235f (Guldenfurt).
  15. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, 1992, Guldenfurt Seite 82
  16. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, 1990, s.12
  17. Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Guldenfurt S.16