Bromchlorid

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Strukturformel
Struktur von Bromchlorid
Allgemeines
Name Bromchlorid
Andere Namen

Brommonochlorid

Summenformel BrCl
CAS-Nummer 13863-41-7
PubChem 61697
Kurzbeschreibung

rotbraunes Gas [1]

Eigenschaften
Molare Masse 115,35 g·mol−1
Aggregatzustand

gasförmig

Dichte

3,129 g·cm−3 (−140 °C)[2]

Schmelzpunkt

−54 °C [3][4][5]

Siedepunkt

−5 °C (Zersetzung 10 °C )[3]

Dampfdruck

20 Torr (−50 °C)[5]

Löslichkeit

in Wasser kommt es zur Hydrolyse [3]

Dipolmoment

0,519(4) D[6] (1,7 · 10−30 C · m)

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [7]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Bromchlorid ist eine gasförmige Interhalogenverbindung, die aus den Elementen Brom und Chlor besteht. Brom hat in dieser Verbindung formal die Oxidationsstufe +1. Es handelt sich um eine kovalente Verbindung.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Untersuchungen der Schmelz- und Siedekurven von Mischungen aus Chlor und Brom wurden schon am Anfang des letzten Jahrhunderts publiziert, wobei keine Verbindungsbildung nachweisbar war.[8][9] Später beschieben einige Autoren Beobachtungen, die auf eine mögliche Existenz einer Brom-Chlor-Verbindung hinwiesen, wobei weder die Zusammensetzung geklärt noch eine Herstellung realisiert werden konnte.[10][11][12][13] Der erste Nachweis des Bromchlorids über den Vergleich von Dampfdruckkurven und die Isolierung der reinen Verbindung gelang H. Lux im Jahr 1930.[4]

Herstellung[Bearbeiten]

Die erste Herstellung von Bromchlorid erfolgte durch H. Lux mittels langsamer Destillation eines Chor-Brom-Gemischs bei −70 °C.[4] Die Verbindung lässt sich durch UV-Bestrahlung eines Chlor-Brom-Gemisches in Halogenkohlenwasserstoff (CFnCl4−n) herstellen.[1]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Bromchlorid ist im festen Zustand eine ockergelbe Substanz, die bei −54 °C scharf schmilzt.[4] Im Vergleich dazu schmilzt ein 1:1-Gemisch aus Chlor und Brom im Bereich zwischen −66 °C und −52 °C.[4] Abweichende Schmelzpunktangaben für Bromchlorid anderer Autoren bei −66 °C[1] oder −75 °C[10] beruhen möglicherweise auf Messungen an Gemischen der Elemente. Die ockergelbe Schmelze siedet unter Normaldruck bei −5 °C, wobei schon ab 10 °C eine Zersetzung der Verbindung beobachtet wird.[3] In Wasser hydrolysiert die Verbindung zu hypobromiger Säure und Salzsäure.[5]

\mathrm{BrCl + H_2O  \rightarrow HOBr + HCl}

In Gegenwart eines Überschusses an Chloridionen können Verbindungen mit dem Polyhologenidion BrCl22- erhalten werden.[5]

\mathrm{BrCl + Cl^{-}  \rightleftharpoons BrCl^{-}_2}

Verwendung[Bearbeiten]

Bromchlorid wird unter anderem als Zusatzstoff bei der Herstellung von Lithium-Schwefeldioxid-Batterien[14] und als Wirkstoff eines Biozids (genau: Desinfektionsmittel, Fungizid und Algizid)[15] verwendet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Arnold F. Holleman, Egon Wiberg, Nils Wiberg: Lehrbuch der anorganischen Chemie, 101. Auflage, Walter de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-012641-9; Digitalisat bei Google Books.
  2. Drews, T.; Seppelt, K.: Zeitschrift fur Anorganische und Allgemeine Chemie 638 (2012) 2106–2110.
  3. a b c d Eintrag zu Bromchlorid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 4. Juli 2009 (JavaScript erforderlich).
  4. a b c d e Lux, H.: Zur Kenntnis des Bromchlorids in Chem. Ber. 63 (1930) 1156–1158, doi:10.1002/cber.19300630525.
  5. a b c d Kolditz, L: Anorganische Chemie, Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1983, S. 528.
  6. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Dipole Moments, S. 9-51.
  7. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  8. Lebeau, P.: in Compt. rend. Acad. Sciences 143 (1906) 589.
  9. Karsten, B.J.: in Z. anorg. Chem. 53 (1907) 365.
  10. a b Thomas, V.; Dupuis, P.: in Comptes Rendus Hebdomadaires des Seances de l'Academie des Sciences 143 (1906) 282.Volltext
  11. Delepine, M.; Ville, L.: in Compt. rend. Acad. Science 170 (1920) 1390.
  12. Forbes, G.S.; Fuoss, R.M.: in J. Am. Chem. Soc. 49 (1927) 142.
  13. Barratt, S.: in Proc. Roy. Soc. London 122 (1929) 582.
  14. tayloredge.com: Lithium Battery Chemistry (PDF, engl.; 355 kB)
  15. cdpr.ca.gov (Englisch).