Bromelioideae

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Bromelioideae
Ananas (Ananas), Ananaspflanze mit fast reifer Frucht

Ananas (Ananas), Ananaspflanze mit fast reifer Frucht

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Bromelioideae
Wissenschaftlicher Name
Bromelioideae
Burnett

Die Bromelioideae sind eine Unterfamilie aus der Pflanzenfamilie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Der botanische Name ehrt den schwedischen Arzt und Botaniker Olaf Bromel (1639–1705).

Nutzung[Bearbeiten]

Bekanntester Vertreter ist wohl die Ananas mit ihrer wohlschmeckenden Frucht. Eine weitere Nutzpflanze aus der Familie ist die faserliefernde Curauá (Ananas 'Lucidus'). Arten der Gattung Bromelia werden als lebende Zäune verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Habitus und Laubblätter[Bearbeiten]

Bewehrtes Laubblatt von Bromelia karatas
Blütenstand von Aechmea distichantha
Verzweigter Blütenstand von Aechmea leptantha
Hängender Blütenstand von Billbergia ×windii mit roten Hochblättern und bläulichen Blüten
Habitus der Trichterbromelie Hohenbergia stellata mit aufrechten, langem Blütenstandsschaft und zusammengesetztem Blütenstand
Neoregelia concentrica var. plutonis, mit stark gestauchter Blütenstandsachse
Nidularium innocentii var. innocentii, mit gestauchter Blütenstandsachse

Es sind mesophytische bis xerophytische, immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Viele Arten der Bromelioideae wachsen als Epiphyten. Es gibt aber auch einige Arten, beispielsweise aus den Gattungen Ananas, Bromelia und Ochagavia, die auf dem Erdboden, also terrestrisch oder auf Felsen, also lithophytisch, wachsen. Oft ist das Wurzelsystem gut ausgebildet, allerdings bei den epiphytischen Arten etwas weniger. Viele der Arten sind Trichterbromelien, sie sammeln Wasser in ihren Blattrosetten. Die Sprossachsen sind meist gestaucht. Sie bilden aus Erneuerungknospen Kindel zur vegetativen Vermehrung.

Die wechselständig und in grundständigen Rosetten angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert, ohne Blattstiel. Typisch ist der bewehrte, gezähnte oder gesägte Blattrand.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Die Blütenstandsachsen können lange Blütenstandsschäfte bilden oder gestaucht (am deutlichsten bei allen Neoregelia-Arten) sein. Die endständigen, unterschiedlich aufgebauten Blütenstände sind oft auffällig mit häufig intensiv gefärbten Hochblättern.

Die dreizähligen Blüten sind mehr oder weniger radiärsymmetrisch und fast immer zwittrig, außer bei Androlepis. Es ist eine doppelte Blütenhülle (Perianth) vorhanden. Von den drei Kelchblättern ist oft eines anders geformt, man spricht von asymmetrischen Kelchblättern. Die drei Kronblätter sind oft frei, außer bei den Gattungen Cryptanthus, Greigia, Neoregelia und Nidularium. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Die drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen.

Die Blütenformel lautet: \star \; K_3 \;  C_3 \; A_{3+3}  \; G_{\overline{(3)}}

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Bromelioideae unterscheiden sich von allen anderen Taxa der Familie durch die Beerenfrüchte und die immer ungeflügelten Samen.

Die Verbreitung erfolgt über Vögel – seltener über andere Tiere. Die Beeren weisen bei Reife oft sehr auffällige Farben (oft bläuliche Töne) auf. Die Beeren werden von den Vögeln gefressen und die feuchten Samen werden dann unverdaut ausgeschieden. Bei der Gattung Ananas und Acanthostachys ist eine aus vielen Beeren zusammengesetzte Frucht (Sammelfruchtstand = Synkarpium).

Stoffwechsel[Bearbeiten]

Es wurde je nach Gattung C3 oder CAM Photosynthesewege nachgewiesen. Die Saugschuppen (Trichome) auf den Blattflächen begünstigen eine Wasser- und Nährstoffaufnahme über die Blätter.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Bromelioideae ist die subtropische bis tropische Neue Welt von nördlichen Zentralamerika und den Karibischen Inseln bis hinunter nach Argentinien. Mit einem Zentrum der Artenvielfalt im südöstlichen Brasilien, besonders im Atlantischen Regenwald.

Die Verwandtschaftsverhältnisse der Gattungen innerhalb der Unterfamilie der Bromelioideae sind Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen. Es zeigte sich dass Bromelia, eine Schwestergruppe zu allen anderen Gattungen ist. Die Gattungen Deinacanthon, Greigia, Ochagavia, Fascicularia und Fernseea bilden eine Klade. Die Gattungen Aechmea und Quesnelia sind polyphyletisch und werden in zukünftigen Arbeiten vermutlich in mehrere Gattungen aufgeteilt.[1]. Die sicher polyphyletische Gattung Aechmea wird in mehrere Untergattungen gegliedert, denen in manchen wissenschaftlichen Arbeiten der Rang von Gattungen zugewiesen werden; mehrfach wurden einzelne Gattungen ausgegliedert und eingegliedert, aber eine Revision dieser gesamten Verwandtschaftsgruppe erfolgte in den letzten Jahrzehnten nicht. Deshalb kann hier nur der Stand nach Luther 2008 dargestellt werden mit einer sehr großen Gattung Aechmea s.l., die die Arten von vorgeschlagenen Gattungen wie Chevaliera und Streptocalyx enthält.

Die folgende Liste gibt die Gattungen der Bromelioideae mit jeweils der Anzahl der Arten innerhalb der Gattung an. Es sind etwa 31 bis 35 Gattungen mit etwa (600 bis) 800 Arten (Stand nach Gouda 2014):[2]

  • Acanthostachys Klotzsch: Die nur zwei Arten sind von Brasilien bis Paraguay und Argentinien verbreitet.[2]
  • Aechmea Ruiz & Pav.: Sie enthält 182 bis 300 Arten, Gensequenzanalysen zeigen, dass Aechmea in der jetzigen Fassung keine natürliche Gruppe ist und eine Revision erforderlich ist (Horres 2003, Schulte et al. 2009). Sie sind in der Neotropis verbreitet.[2]
  • Ananas Mill.: Sie enthält nur noch drei (früher bis zu acht Arten) in der Neotropis, beispielsweise die Ananas (Ananas 'Comosus', Syn.: Ananas comosus (L.) Merr.), die eine in Kultur entstandene Hybride ist.[2]
  • Androlepis Brongn. ex Houllet: Sie enthält seit 2011 zwei Arten:[2]
  • Araeococcus Brongn.: Die etwa neun Arten sind von Costa Rica über Venezuela, Kolumbien, Bolivien bis Brasilien sowie auf sowie Trinidad und Tobago verbreitet.[2]
  • Billbergia Thunb.: Die über 60 Arten sind vom südlichen Mexiko bis nach Bolivien und bis zum nördlichen Argentinien verbreitet; das Zentrum der Artenvielfalt ist Brasilien.[2]
  • Bromelia L.: Die über 50 Arten sind von Mexiko über die Karibik bis nach Paraguay und Argentinien verbreitet.[2]
  • Canistropsis (Mez) Leme: Die seit 2008 etwa elf Arten gedeihen in den Regenwaldgebieten des östlichen Brasiliens.[2]
  • Canistrum E.Morren: Die etwa 13-22 Arten gedeihen nur im Atlantischen Regenwald „Mata AtlânticaBrasiliens.[2]
  • Cryptanthus Otto & A.Dietr.: Die etwa 78 Arten sind hauptsächlich im östlichen Brasilien verbreitet.[2]
  • Deinacanthon Mez: Sie enthält nur eine Art:
    • Deinacanthon urbanianum (Mez) Mez: Sie gedeiht in Höhenlagen von 500 bis 850 Metern in Paraguay und Argentinien (Salta, Cordoba, Chaco, La Rioja, San Luis).[2]
  • Disteganthus Lem.: Sie enthält nur zwei Arten in Surinam und Französisch-Guyana.[2]
  • Edmundoa Leme: Sie enthält nur drei Arten in Brasilien.[2]
  • Eduandrea Leme, W.Till, G.K.Brown, J.R.Grant & Govaerts (Syn.: Andrea Mez): Sie enthält nur ein Art:
    • Eduandrea selloana (Baker) Leme, W.Till, G.K.Brown, J.R.Grant & Govaerts (Syn.: Quesnelia selloana Baker, Andrea selloana (Baker) Mez, Nidularium selloanum (Baker) E.Pereira & Leme, Canistropsis selloana (Baker) Leme): Sie gedeiht in Höhenlagen über 800 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.[2]
  • Fascicularia Mez: Sie enthält nur eine Art (früher fünf Arten):
    • Fascicularia bicolor (Ruiz & Pav.) Mez: Sie gedeiht mit zwei Unterarten in Höhenlagen zwischen 100 und 1250 Metern in Chile.[2]
  • Fernseea Baker: Die nur zwei Arten sind Endemiten im Grenzgebiet der brasilianischen Bundesstaaten Rio de Janeiro und São Paulo.[2]
  • Greigia Regel: Die über 30 Arten sind in der Neotropis verbreitet.[2]
  • Hohenbergia Schult. f.: Von den etwa 50 Arten kommen einige Arten nur auf den Antillen (speziell Jamaika) vor, die meisten anderen Arten haben ihre Areale in Brasilien, es gibt auch Arten in Guatemala.[2]
  • Hohenbergiopsis L.B.Sm. & Read: Sie enthält nur eine Art:
  • Lapanthus Louzada & Versieux: Die seit 2012 drei Arten sind Endemiten nur im südlichen Teil der Serra do Espinhaço im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.[3][4]
  • Lymania Read: Von den etwa neun Arten kommen acht nur im südlichen brasilianischen Bundesstaat Bahia vor und eine ist auch bis Bolivien verbreitet.[2]
  • Neoglaziovia Mez: Die etwa drei Arten sind in Brasilien verbreitet.[2]
  • Neoregelia L.B.Sm.: Die über 100 Arten sind im tropischen Südamerika verbreitet.
  • Nidularium Lem.: Das Verbreitungsgebiet der etwa 54 Arten ist auf die Regenwaldgebiete des östlichen Brasiliens beschränkt.[2]
  • Ochagavia Phil.: Die nur fünf Arten kommen nur in Zentralchile und auf der Robinson Crusoe Insel vor.[2]
  • Orthophytum Beer: Die etwa 60 Arten kommen nur im östlichen Brasilien vor.[5][6]
  • Portea K.Koch: Das Verbreitungsgebiet der etwa acht Arten ist auf Brasilien beschränkt.[2]
  • Pseudaechmea L.B.Sm. & Read: Sie enthält nur ein Art:
  • Pseudananas Hassl. ex Harms (Syn.: Ananas Hassl. non Mill.): Sie enthält nur eine Art:
  • Quesnelia Gaudich.: Das Verbreitungsgebiet der etwa 22 Arten ist auf das östliche Brasilien beschränkt.[2]
  • Ronnbergia E.Morren & André: Die etwa 14 Arten sind von Costa Rica bis Kolumbien, nördliches Peru und Brasilien verbreitet.[2]
  • Ursulaea Read & H.U.Baensch: Die nur zwei Arten kommen nur im mexikanischen Bundesstaat Jalisco vor.[2]
  • Wittrockia Lindm.: Die etwa sieben Arten sind in Brasilien verbreitet.[2]
×Neophytum 'Burgundy Hill', eine gärtnerisch erzeugte Gattungshybride (intergenerisch) aus Orthophytum × Neoregelia

Es gibt auch Gattungshybriden, Beispiele: ×Hohenmea itaipuana B.R.Silva & L.F.Sousa aus Hohenbergia und Aechmea, mehrere ×Niduregelia aus Nidularium und Neoregelia.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Katharina Schulte, Michael H. J. Barfuss, Georg Zizka: Phylogeny of Bromelioideae (Bromeliaceae) inferred from nuclear and plastid DNA loci reveals the evolution of the tank habit within the subfamily. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 51, 2009, S. 327-339: doi:10.1016/j.ympev.2009.02.003 Online. (PDF; 820 kB)
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae Eric J. Gouda, Derek Butcher & Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 3.1 (2012). zuletzt eingesehen am 10. Dezember 2014
  3. Rafael Batista Louzada, Leonardo M. Versieux: Lapanthus (Bromeliaceae, Bromelioideae): A New Genus from the Southern Espinhaço Range, Brazil. In: Systematic Botany, Volume 35, Issue 3, 2010, S. 497-503. doi:10.1600/036364410792495908
  4. Rafael Batista Louzada, Maria das Graças Lapa Wanderley: A new combination in Lapanthus (Bromeliaceae). In: PhytoKeys, Volume 17, 2012, S. 63–68. doi:10.3897/phytokeys.17.3642
  5. Rafael Batista Louzada, Clarisse Palma-Silva, Andrea Macêdo Corrêa, Eliane Kaltchuk-Santos, Maria das Graças Lapa Wanderley: Chromosome number of Orthophytum species (Bromeliaceae). In: Kew Bulletin, Volume 65, Number 1, 2010 , S. 53-58.
  6. Rafael Batista Louzada, Katharina Schulte, Maria das Graças Lapa Wanderley, D. Silvestro, Georg Zizka, Michael H. J. Barfuss, Clarisse Palma-Silva: Molecular phylogeny of the Brazilian endemic genus Orthophytum (Bromelioideae, Bromeliaceae) and its implications on morphological character evolution. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 77, August 2014, S. 54-64. doi:10.1016/j.ympev.2014.03.007

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Horres: Dissertation, 2003: Untersuchungen zur Systematik und Phylogenie der Bromeliaceae unter besonderer Berücksichtigung molekularer Merkmale: Online. (PDF; 2,5 MB)
  • T. J. Givnish, J. C. Pires, S. W. Graham, M. A. McPherson, L. M. Prince & T. B. Patterson: Phylogeny, biogeography, and ecological evolution in Bromeliaceae: Insights from ndhF sequences. In: J. T. Columbus, E. A. Friar, J. M. Porter, L. M. Prince, M. G. Simpson: Monocots: Comparative Biology and Evolution. Poales, Rancho Santa Ana Botanical Garden, Claremont, 2006, 23, Seite 3–26.
  • Chodon Sass, Chelsea D. Specht: Phylogenetic estimation of the core Bromelioids with an emphasis on the genus Aechmea (Bromeliaceae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 55, Issue 2, 2010, S. 559–571: doi:10.1016/j.ympev.2010.01.005

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bromelioideae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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