Brucellose

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Klassifikation nach ICD-10
A23 Brucellose
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Brucellose ist eine Infektionskrankheit, die durch die gramnegativen, aeroben Stäbchenbakterien der Gattung Brucella verursacht werden. Die Brucellose tritt sowohl bei Tieren als auch bei Menschen auf.

Je nach verursachender Brucellenspezies wird sie bezeichnet als

  • Mittelmeerfieber, Maltafieber, undulierendes Fieber, verursacht durch Brucella melitensis
    (hauptsächlich bei Ziegen, Kamelen und Schafen auftretend)[1]
  • Morbus Bang, Bang-Krankheit oder auch Abortus Bang (nach Bernhard Laurits Frederik Bang), verursacht durch Brucella abortus
    (hauptsächlich bei Rindern auftretend)[2]
  • Schweinebrucellose, verursacht durch Brucella suis, und Hundebrucellose, verursacht durch Brucella canis
    (beim Menschen nur in Einzelfällen auftretend)[3][4]

Brucellen[Bearbeiten]

Hauptartikel Brucellen

Die Erreger der Brucellose sind Bakterien der Gattung Brucella. Brucellen sind gramnegative, sehr kleine, kokkoide, pleomorphe Aerobier.

Klassifikation

Brucella-Granulom in der Leber eines Meerschweinchens

Von allen Arten der Brucellen sind vier von humanpathogener Bedeutung, die weltweit vorkommen:

Nicht humanpathogene Arten:

Arten unbekannter Pathogenität:

  • Brucella cetaceae wurde bei Walen nachgewiesen
  • Brucella neotomae wurde bei einer Rattenart im Westen der USA nachgewiesen
  • Brucella pinnipediae wurde bei Robben nachgewiesen

Übertragung und Pathogenese[Bearbeiten]

Die Brucellose gehört zu den Anthropozoonosen. Überträger auf den Menschen sind infizierte Tiere, die mit dem Menschen in nahen Kontakt kommen (Rinder, Ziegen, Schafe, Schweine, Pferde und Hunde). Im Nahen Osten im Bereich zwischen Iran, Somalia und Tunesien weisen 2–15 % aller Kamele Antikörper gegen Brucellose auf (Brucella melitensis, meist Serovar 2 und 3), was auf eine durchgemachte oder noch aktuelle Infektion hinweist. Unpasteurisierte Kamelmilch ist wiederholt als Übertragungsmechanismus beschrieben worden.[5]

Brucella ist in unpasteurisierter Milch und daraus hergestelltem Käse über mehrere Wochen überlebensfähig, aus dieser Überlebensfähigkeit ergibt sich der Hauptinfektionsweg. Für Landwirte und Tierärzte können infizierte Tiere (Kot, Urin) Ansteckungsquelle sein. Bei Erkennung einer Infektion besteht umgehend Anzeigepflicht nach dem IfSG.

Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist sehr selten, kann aber beim Stillen erfolgen. Nur in Einzelfällen erfolgte die Übertragung durch Geschlechtsverkehr oder Bluttransfusionen.

Beim Eintritt des Erregers über die Schleimhäute (z. B. oberer Verdauungstrakt oder Respirationstrakt) kommt es zu einer uncharakterisierten und unspezifischen Entzündungsreaktion. Nach der Phagozytose des Erregers durch Granulozyten, in denen sie überleben können, werden sie durch die Granulozyten in die lokalen Lymphknoten transportiert. Von dort kann sich Brucella über das Blut (hämatogen) weiterverbreiten und im Organismus streuen. In befallenem Gewebe versucht der infizierte Organismus durch die Bildung von typischen, nichtverkäsenden Granulomen die Erreger zu isolieren und die weitere Infektion zu begrenzen.

Klinischer Verlauf[Bearbeiten]

Bis zu 90 % der Infektionen verlaufen subklinisch. Die Infektion lässt sich durch eine direkte Erreger-Anzucht z. B. in der Blutkultur nachweisen, auch Brucella-spezifische Antikörper können ein Hinweis auf eine akute Infektion sein (jedoch auch eine vormals durchgemachte Infektion anzeigen). Der direkte Erregernachweis auf Kulturplatten wird aber oft erst spät positiv, so dass oftmals eine Bebrütung von mehr als die üblichen fünf Tage notwendig ist. Je nach Lokalisation des Infektionsprozesses werden dazu Blut, Liquor, Knochenmark, Urin oder Gewebeproben entnommen. Meist müssen wiederholt Kulturen angelegt werden.

Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und drei Wochen bei akuten Verläufen, bis mehrere Monate bei latenten Erkrankungen.

Das Hauptsymptom ist Fieber, oft mit Nachtschweiß, Schüttelfrost und Übelkeit.[4] Das Fieber hält bei akuten Verläufen eine bis drei Wochen an, ist aber von fieberfreien Intervallen unterbrochen. Dies hat zur Bezeichnung Febris undulans („wellenförmiges Fieber“) geführt. Bei chronischen Erkrankungen kann das Fieber auch über Monate anhalten. Bei einem Drittel aller Patienten finden sich eine Leber- und Milzschwellung.

Als fokale Organmanifestationen finden sich am häufigsten Knochen- und Gelenkinfektionen. Bei Kindern ist das Iliosakralgelenk am häufigsten betroffen, bei Erwachsenen finden sich eher bakterielle Entzündungen der Bandscheiben (Spondylodiszitis), wobei in 60 % die Lendenwirbelsäule betroffen ist und meist die Wirbel LWK 4 und LWK 5 beteiligt sind. Im Röntgenbild zeigen sich Veränderungen oft erst nach zwei bis acht Wochen, wobei es vor allem zu Erosionen der Deck- und Grundplatte der benachbarten Wirbelkörper im vorderen Bereich kommt. Die Infektion ist meist langsam fortschreitend mit lokalen akuten Schmerzen, in 43 % finden sich neurologische Auffälligkeiten und in 7 % kommt es zu Wirbeldeformierungen. Durch den langsamen Verlauf bilden sich um den Infektionsherd herum Verknöcherungen (periläsionale Spondylophyten).[5]

Weitere Organmanifestationen sind in 10 % urogenitale Entzündungen, z. B. eine Hodenentzündung. In weniger als 2 % entsteht eine Herzklappenentzündung. Sehr selten sind eine Hirnhautentzündung oder eine Lungenentzündung. Die lokalen Entzündungen sind in der Regel granulomatös und können denen bei einer Tuberkulose ähneln.

Viele akute Krankheitsverläufe heilen spontan ab, lediglich 5 % der Patienten erleiden einen Rückfall. Diese Rückfälle können bis zu zwei Jahre nach der Ersterkrankung auftreten. Daneben gibt es aber auch langwierige chronische Entzündungen mit oft unspezifischen Symptomen, auch psychischen Veränderungen wie Affektlabilität, Depression oder Schlaflosigkeit.

Therapie[Bearbeiten]

Goldstandard bildet die antibiotische Therapie mit Doxycyclin für 6 Wochen und Streptomycin für 2–3 Wochen, und bei chronischen Verläufen für bis zu sechs Monate. Eine Alternative ist die Kombination von Doxycyclin mit Rifampicin. Bei Schwangeren und Kindern kann eine Behandlung mit Cotrimoxazol und Rifampicin durchgeführt werden. Jedoch ist auch nach durchgeführter antibiotischer Therapie noch ein Rezidiv oder eine Organmanifestation möglich.

Impfung[Bearbeiten]

Es gibt zwei Lebendimpfstoffe für die Verwendung in der Veterinärmedizin – da Deutschland aber als brucellosefrei gilt, werden sie dort nicht angewendet. Dies erklärt sich daraus, dass eine Impfung durch das Auslösen einer Immunreaktion das betreffende Individuum serologisch nicht mehr von einem bereits infizierten oder vormals infizierten Patienten unterscheidet.

Geschichte[Bearbeiten]

Aus der Milz eines an undulierendem Fieber verstorbenen Soldaten konnte der Militärarzt David Bruce den Erreger 1887 isolieren. Er wurde nach ihm als Entdecker benannt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lehrbuch der Schafkrankheiten, S. 221, Online
  2. Fertilitätsstörungen beim weiblichen Rind, Georg-Thieme-Verlag, S. 269, Online
  3. Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Immunologie, S. 60 Online
  4. a b Springer Lexikon Medizin, S. 307 Online
  5. a b Mark S. Drapkin, Ravi S. Kamath, Ji Y. Kim: Case 26-2012: A 70-Year-Old Woman with Fever and Back Pain New England Journal of Medicine 2012; Band 367, Ausgabe 8 vom 23. August 2012, S. 754-762
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