Bruno Le Maire

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Bruno Le Maire (2014)

Bruno Le Maire (* 15. April 1969 in Neuilly-sur-Seine) ist ein französischer Diplomat und Politiker (UMP) und war vom 23. Juni 2009 bis zum 15. Mai 2012 Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei in der Regierung von François Fillon. Er unterlag im November 2014 Nicolas Sarkozy bei der Urwahl zum Parteichef der UMP.

Ausbildung und Verwaltungskarriere[Bearbeiten]

Nach dem Schulbesuch studierte er an drei Elitehochschulen, zunächst französischen Literatur an der École normale supérieure (ENS), Politikwissenschaft am Science Po in Paris sowie Verwaltungswissenschaft an der ENA.

Nach Beendigung der Ausbildung an der ENA trat er in den Dienst des Außenministeriums, wo er Mitarbeiter in der Direktion für Strategie, Sicherheit und Abrüstung wurde. Dabei kam es zur Zusammenarbeit mit dem damaligen Generalsekretär des Élysée-Palastes, Dominique de Villepin. Als dieser zwischen 2002 und 2004 Außenminister war, war Le Maire einer seiner engsten Mitarbeiter während der Irakkrise 2002 bis 2003. Als de Villepin von März 2004 bis Mai 2005 Innenminister war, gehörte er wiederum dessen engstem Mitarbeiterstab an.

Als de Villepin am 31. Mai 2005 Premierminister wurde, wurde Le Maire zunächst dessen Politischer Berater. Am 12. Juli 2006 wurde er dann von diesem zum Kabinettsdirektor berufen, als der bisherige Kabinettsdirektor Pierre Mongin Generaldirektor der RATP wurde. Das Amt des Kabinettsdirektors behielt Le Maire bis zum Ende von de Villepins Amtszeit am 15. Mai 2007.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Als Kandidat der Union pour un mouvement populaire (UMP) kandidierte er bei den Parlamentswahlen im Juni 2007 erfolgreich für ein Abgeordnetenmandat in der Nationalversammlung. Dabei übernahm er das Mandat im 1. Wahlkreis des Départements Eure von seinem Parteifreund, dem bisherigen Präsidenten der Nationalversammlung Jean-Louis Debré, der zum Präsidenten des Verfassungsrates berufen wurde. Das Abgeordnetenmandat übte er bis zum 13. Januar 2009 aus. Zugleich war Le Maire bis zum 16. März 2008 auch Mitglied des Gemeinderates von Évreux.

Im April 2008 wurde er zunächst politischer Berater der UMP und übernahm dann am 12. Dezember 2008 von Jean-Pierre Jouyet das Amt des Staatssekretärs für Europa im Außenministerium sowie des Beauftragten für die Deutsch-französische Freundschaft,[1] nachdem dieser Präsident der Finanzmarktaufsicht (Autorité des marchés financiers) wurde. Am 23. Juni 2009 wurde er von Präsident Nicolas Sarkozy zum Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei als Nachfolger von Michel Barnier im Kabinett von Premierminister François Fillon ernannt; sein Nachfolger in dem Amt wurde im Mai 2012 Stéphane Le Foll.

Für die Regionalratswahlen 2010 wurde er auf der Liste der UMP zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Region Haute-Normandie gewählt und erhielt dabei 1.502 Stimmen.

Bei der Urwahl des neuen Parteivorsitzenden der UMP Ende November 2014 trat Le Maire gegen Nicolas Sarkozy und Hervé Mariton als liberaler Kandidat der zweiten Reihe an.[2] Le Maire erreichte knapp 30 Prozent der Stimmen und konnte sich damit hinter dem Sieger Sarkozy (knapp 65 Prozent der Stimmen) eine hoffnungsvolle Position innerhalb der UMP sichern.[3]

Tätigkeit als Schriftsteller[Bearbeiten]

Le Maire hat verschiedene teils literarische Bücher verfasst, unter anderem ein 2013 veröffentlichtes über seine Zeit als Minister unter Präsident Sarkozy, das wegen seiner intimen Kenntnis unter anderem des Verhältnisses zwischen Merkel und Sarkozy für Aufsehen sorgte[4] und 2014 übersetzt in Deutschland erschien.

Privates[Bearbeiten]

Le Maire beherrscht neben Französisch auch Englisch und Deutsch.

Rezeption[Bearbeiten]

Im Film La Conquête von Xavier Durringer über den Präsidentschaftswahlkampf von Nicolas Sarkozy im Jahre 2007 wurde er vom Schauspieler Emmanuel Noblet dargestellt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bruno Le Maire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bruno Le Maire neuer Beauftragter für die deutsch-französische Zusammenarbeit. In: Deutschland-Frankreich-Diplo.de, 12. Dezember 2008; Staatsminister Gloser trifft neuen französischen Europastaatssekretär Le Maire. Pressemitteilung. In: Auswaertiges-Amt.de, 17. Dezember 2008.
  2. Rudolf Balmer: Frankreichs UMP wählt neuen Parteichef. Ein echter Neuanfang ist möglich. In: die tageszeitung, 27. November 2014.
  3. Michaela Wiegel: Frankreich: Sarkozys zweite Chance. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. November 2014.
  4. Nils Minkmar: Politik vor dem Kollaps. Blindflug, Selbstlob, Wortbruch, Lüge. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Februar 2013; Ursula Welter: Der anstrengende Alltag eines Ministers. In: Deutschlandfunk.de, 6. Mai 2013; Sascha Lehnartz: Bei Sarkozys Flirtversuch griff Merkel zum Törtchen. In: Die Welt, 11. Mai 2013.
  5. Olivier Guez: Der Politiker und der Maestro. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. Januar 2013, S. 29 (PDF).