Bruno Schmitz

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Georg Bruno Schmitz (* 21. November 1858 in Düsseldorf; † 27. April 1916 in Berlin) war ein deutscher Architekt des Eklektizismus. Insbesondere durch großformatige Denkmalbauten erlangte er weltweite Anerkennung.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Historische Aufnahme des Geburtshauses Flinger Straße 6 in Düsseldorf (Bürgerhaus mit dem großen Barockgiebel)

Schmitz wurde als Sohn des Kleidermachers und Tuchhändlers Carl Theodor Schmitz (1826–1877) und seiner Frau Henriette, geb. Rodenberg (1832–1868), im Wohnhaus Flinger Straße 6 in der Düsseldorfer Altstadt geboren. Seine Ausbildung erhielt er nach dem Besuch des Königlichen Gymnasiums in den Jahren 1874–1878 an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er sich in der „Bauklasse“ von Wilhelm Lotz der Baukunst zuwandte. Anschließend arbeitete er vier Jahre im Atelier des Architekten Hermann Riffart, der seinerzeit den Neubau der Kunstakademie Düsseldorf plante und leitete. Weiterhin besuchte Schmitz Vorlesungen sowie Akt- und Anatomiekurse an der Kunstakademie. Auch in anderen Ateliers wirkte Schmitz mit, etwa für Giese & Weidner beim Bau der Düsseldorfer Kunsthalle, für Julius Carl Raschdorff beim Bau des Ständehauses der Rheinprovinz und für Kyllmann & Heyden beim Bau der Düsseldorfer Johanneskirche.[1] Ab 1883 beteiligte er sich an mehreren Wettbewerben. So wurde ihm der 1. Preis im Wettbewerb für das Vittorio-Emanuele-Denkmal in Rom zugesprochen; es wurde jedoch durch einen anderen Architekten erbaut. Den 1. Preis des Klavierherstellers Ibach erhielt Schmitz für den Entwurf eines Pianogehäuses. Einen weiteren 1. Preis erhielt Schmitz für den Entwurf eines „Kaiserforums“, den er im ersten Wettbewerb für ein Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal; auch dieser Entwurf wurde nicht verwirklicht.[2] Ab 1886 lebte und arbeitete Schmitz in Berlin.

In Indianapolis (USA) wurde ab 1888 das Soldiers’ and Sailors’ Monument nach einem Entwurf von Schmitz errichtet.[3] Die Bildhauer Rudolf Schwarz (1866–1912) und Nikolaus Geiger (1849–1897) waren an der Ausführung des Monuments beteiligt. In den 1890er Jahren entstanden drei der bedeutendsten Kaiser-Wilhelm-Denkmäler nach den Entwürfen Schmitz': das Kyffhäuserdenkmal, das Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica. Anlässlich der Einweihung des Kyffhäuser-Denkmals wurde Schmitz 1896 mit dem preußischen Roten Adler-Orden IV. Klasse ausgezeichnet.[4]

Am 31. Januar 1897 tagte in Berlin unter Leitung von Wilhelm Böckmann die konstituierende Versammlung des Ausschusses für deutsche Nationalfeste, die über ein neues Fest für das deutsche Volk beriet. Es sollte eine Kombination von Meisterschaft von Deutschland und Nationalfest sein, analog dem Olympia der Griechen. Auch die Worte Kampfspiele und Wallfahrt wurden in der Argumentation eingesetzt. Wilhelm Böckmann hatte zuvor das neu errichtete Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Kyffhäusergebirge besucht. Andere Teilnehmer schlugen Berlin, Leipzig oder Eisenach vor. Am Ende fiel jedoch die Entscheidung zugunsten des Wolwedatals neben dem Kyffhäuserdenkmal.

Bruno Schmitz, der den Architekturwettbewerb zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal gewonnen hatte, wurde beauftragt, für die nun noch in unmittelbarer Nähe zu errichtende nationale Feststätte Skizzen anzufertigen. Geplant war eine Flächennutzung im Wolwedatal von etwa 550 mal 370 Meter, 300.000 bis 400.000 Sitzplätze, eine etwa 10 ha große Wasserfläche sowie die Anbindung an das Kyffhäuserdenkmal. Sportvereine, aber auch Gesangsvereine sollten noch Vorschläge unterbreiten. Als Sportarten waren Rudern, Radfahren, Schwimmen und Turnen angedacht. Das Projekt wurde nicht umgesetzt. Auch eine später vorgeschlagene kleinere Variante (oberhalb von Kelbra) kam nicht über die Planungsphase hinaus.

Für seinen Freund Emil Jacobsen entwarf er 1899 die sogenannte Havelmüller-Villa in Berlin-Tegel, Gabrielenstraße 70, die im Jahre 1975 abgerissen wurde.[5]

Schmitz war ab 1899 Preisrichter bei mehreren Preisausschreiben um die Gestaltung von Sammelalben für Stollwerck-Sammelbilder, unter anderem für den Einband des Sammelalbums Nummer 3 zusammen mit Justus Brinckmann, Architekt Wilhelm Emil Meerwein und Maler Julius Christian Rehder aus Hamburg.[6]

Das 1913 fertiggestellte Völkerschlachtdenkmal in Leipzig bildete den Höhepunkt von Schmitz' Schaffen.

Privates[Bearbeiten]

Bruno Schmitz heiratete die Sängerin Lucia Wanda Genelli (eine Enkelin des Grafikers Bonaventura Genelli). 1892 wurde die erste Tochter Gabi geboren, am 6. August 1893 die zweite Tochter Angelika. Diese wurde später als Bildhauerin Gela Forster und Ehefrau von Alexander Archipenko bekannt.

Schmitz wurde durch seine Frau und seinen Freund Otto Hammann, Pressechef im Auswärtigen Amt, in einen der prominentesten Ehebruch-Skandale des Kaiserreichs verwickelt.[7] Die Ehe wurde im Jahr 1902 geschieden.

In zweiter Ehe heiratete er die Sopranistin Hedwig Schweicker.

Schmitz gehörte dem Bund der Freimaurer an.

Obwohl Bruno Schmitz als Künstler beispielsweise auch Mausoleen gestaltet hatte, verfügte er für sich selbst testamentarisch eine schlichtere Art der Bestattung, bei der seine Asche in den Rhein zu streuen sei. Dieser letzte Wunsch wurde ihm auf Grund des deutschen Rechts nicht erfüllt, seine Asche wurde stattdessen auf Veranlassung Wilhelms II. im Kyffhäuserdenkmal beigesetzt. Als der Raum, in dem eine Sandsteinschatulle mit seiner Urne auf einer Stele aufgestellt war, in den 1960er Jahren nach Vorstellungen der DDR von dem Bildhauer Martin Wetzel umgestaltet werden sollte, wurde die Urne in einen Kellerraum verbracht; die Sandsteinschatulle wurde zu einem Blumengefäß umfunktioniert. Angehörige, die die Urne vermissten, konnten die Urne in den 1980er Jahren über den Bereich Kommerzielle Koordinierung des DDR-Außenhandelsministeriums in ihren Besitz und in den Westen bringen, wo die Urne auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf erneut beigesetzt wurde.[8]

In den 1930er Jahren wurde in einer Leipzig-Paunsdorfer Kleinsiedlung (am Sellerhäuser Friedhof) eine Straße nach ihm benannt. In den 1960er Jahren benannte seine Geburtsstadt Düsseldorf eine Straße im wachsenden Stadtteil Garath nach ihm.[9]

Werk (Auswahl)[Bearbeiten]

Denkmale[Bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Oranienplatz und Brücke mit Kandelabern und anderen Gestaltungselementen von Bruno Schmitz, Postkarte um 1906

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bruno Schmitz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Olaf Starck: Architekt Bruno Schmitz 1858–1916. Zeichnungen, Pläne, Materialien zu seinen Werken und seiner Person. Düsseldorf 1996, Stadtarchiv Landeshauptstadt Düsseldorf (4-21-0), S. 5 ff. (Datei im PDF)
  2. Gesellschaft Berliner Stadtschloss e.V. (Hrsg.): Die Denkmäler im Umfeld des Berliner Schlosses. Datei im PDF, abgerufen im Portal historisches-stadtschloss.de am 31. Mai 2014
  3. Das Nationaldenkmal in Indianapolis., abgerufen am 2. Juni 2014
  4. Hartwin Spenkuch (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Bd. 8/II. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-11827-0, S. 633 (Online; PDF 2,19 MB).
  5. Ulrich Goerdten (Hrsg.), Emil Jacobsen: Zur Geschichte meines Tegeler Besitzthumes. Luttertaler Händedruck, Bargfeld 2010, ISBN 978-3-928779-09-8.
  6. Karl Hofacker: Kunstgewerbeblatt, 10. Jahrgang 1899
  7. Stefan Appelius: Ehebruch-Affäre um 1900 - Leidenschaft, Exzesse und ein gehörnter Architekt. unter: SPON
  8. Klaus Taubert: Die Asche des Stararchitekten Bruno Schmitz: Odyssee einer Urne. Artikel vom 29. Mai 2014 im Portal spiegel.de, abgerufen am 29. Mai 2014
  9. Karl H. Neidhöfer: Düsseldorf. Straßennamen und ihre Geschichte. Droste, Düsseldorf 1979, ISBN 3-7700-0494-9.
  10. Gartendenkmale in Berlin, Friedhöfe, hrsg. von Jörg Haspel und Klaus von Krosigk, Landesdenkmalamt Berlin, Michael Imhof Verlag Petersberg 2008 ISBN 978-3-86568-293-2
  11. Christoph Fischer, Renate Schein (Hrsg.): 'o ewich is so lanck'. Die historischen Friedhöfe in Berlin-Kreuzberg. Ein Werkstattbericht. Berlin 1987. – Jörg Haspel, Klaus von Krosigk (Hrsg.), Katrin Lesser, Jörg Kuhn, Detlev Pietzsch (Bearb.): Gartendenkmale in Berlin. Friedhöfe. (= Beiträge zur Denkmalpflege, Band 27) Imhof, Petersberg 2008, ISBN 978-3-86568-293-2.
  12. Peter Melcher: Weissensee. Ein Friedhof als Spiegelbild jüdischer Geschichte. Berlin 1986, ISBN 3-7759-0282-1.
  13. Kristiane Kochendörffer: Bruno Schmitz (1858–1916). Bismarckwarte in Berlin-Westend. In: Hans-Dieter Nägelke (Hrsg.): Architekturbilder. 125 Jahre Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin. Verlag Ludwig, Kiel 2011, ISBN 978-3-86935-136-0, S. 118 (online)
  14. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  15. Baudenkmal Gildehaus in Kreuzberg, Dessauer Straße 2
  16. Ariane Leutloff: Turmhaus, Großhaus, Wolkenschaber. Eine Studie zu Berliner Hochhausentwürfen der 1920er Jahre. Verlag Ludwig, Kiel 2011, ISBN 978-3-86935-042-4, S. 165 (online)
  17. Abbildung in: Hans-Dieter Nägelke: Baugeschichte der Jetztzeit! 125 Jahre Architekturmuseum. In: Hans-Dieter Nägelke (Hrsg.): Architekturbilder. 125 Jahre Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin. Verlag Ludwig, Kiel 2011, ISBN 978-3-86935-136-0, S. 17 (online)
  18. Baudenkmal Haus Bondy
  19. Florian Speer: Klaviere und Flügel aus dem Wupperthale – Instrumentenbau in der Wupperregion und am Niederrhein während des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Orgel- und Klavierbauerfamilie Ibach. Dissertation Gesamthochschule Wuppertal, Wuppertal 2000, S. 251, 289, 292 (Datei im PDF)
  20. Eckhard Thiemann, Dieter Deszyk, Horstpeter Metzing: Berlin und seine Brücken. Jaron, Berlin 2003, ISBN 3-89773-073-1, S. 178.
  21. Friedrich Tamms: Von Menschen, Städten und Brücken. Econ Verlag, Düsseldorf 1974, ISBN 3-430-19004-5, S. 63