Bruno Zevi

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Bruno Zevi

Bruno Zevi (* 22. Januar 1918 in Rom; † 9. Januar 2000 ebenda) war ein italienischer Architekt, Architekturhistoriker, Autor und Universitätsprofessor.

Leben[Bearbeiten]

Bruno Zevi, in Rom geborener Jude, machte 1933 sein Abitur und beschloss, Architektur zu studieren. Aufgrund der politischen Verhältnisse siedelte er 1938 nach London über und studierte an der Architectural Association, anschließend ging er in die USA. Von 1940 bis 1942 war Bruno Zevi Schüler von Walter Gropius an der Harvard University und machte seinen Abschluss an der Graduate School of Design, bevor er 1943 nach Europa zurückkehrte und sich der „Resistenza“, dem antifaschistischen Widerstand in Italien, anschloss.

Fasziniert von dem architektonischen Werk Frank Lloyd Wrights änderte sich Zevis Haltung: Die ersten Jahrgänge der von Zevi herausgegebenen Architekturzeitschrift Metron (erstmals 1946 erschienen) zeugten noch von einer streng analytischen Sprache im Stile der klassischen Moderne. Sein 1945 erschienenes Grundlagenwerk Verso una architettura organica rückte jedoch bereits deutlich von dieser Haltung ab und erhob die theoretischen Formulierungen Frank Lloyd Wrights zur eigentlichen Inspirationsquelle seiner Architektur.

Im Juli 1945 war Zevi Gründungsvater der „Associazione per l’Architettura Organica (A.P.A.O.)“ (Vereinigung für organische Architektur). Mit Gründung der A.P.A.O. beabsichtigte Zevi eine Loslösung von jeglicher Architektur, die mit dem Faschismus in Zusammenhang stand. Nach der offiziellen neoklassizistisch-monumentalen Staatsarchitektur und dem Razionalismo propagierte er einen dritten Weg, hin zu einer völlig neuen, politisch unbelasteten Architektur. Mit der Architettura organica sollte eine liberale, soziale und humane Kraft entstehen. Wichtig für Zevi war dabei deren politische Ausrichtung, die er – ganz im Sinne Frank Lloyd Wrights – in der nach amerikanischem Vorbild verfassten Demokratie sah.

Nach Kriegsende wurde er 1948 ordentlicher Professor für Architekturgeschichte an der Universität Venedig (IUAV); 1964 wechselte er an die Architekturfakultät der Universität La Sapienza in Rom. Internationale Beachtung fand das 1984 durchgeführte „Internationale Architektursymposium „Mensch und Raum“ an der TU Wien, an dem neben Bruno Zevi beispielsweise Justus Dahinden, Dennis Sharp, Pierre Vago, Jorge Glusberg, Otto Kapfinger, Frei Otto, Paolo Soleri, Ernst Gisel, Ionel Schein u.a. teilnahmen.

1951 hatte Bruno Zevi eine Ausstellung über Frank Lloyd Wright im Palazzo Strozzi in Florenz organisiert, um den Anhängern der organischen Architektur das große amerikanische Vorbild näherzubringen.

Zevi war einer der international anerkannten Architekturhistoriker und Architekturautoren. Insbesondere hat er sich als Wissenschaftler und Professor mit Erich Mendelsohn und Frank Lloyd Wright beschäftigt. Er schrieb von 1954 bis 2000 eine wöchentliche Kolumne in den Zeitungen Cronache und 'L'Espresso. 1955 gründete er eine eigene Zeitschrift, Cronache di architettura, die bis zu seinem Tode existierte. Sein 1945 publiziertes Buch Verso un’architettura organica – in bewusster Anspielung auf Le Corbusiers Vers une Architecture aus 1923 – wurde in 15 Sprachen veröffentlicht.

In den sechziger und siebziger Jahren wurden er sowie Kollegen wie Paolo Portoghesi oftmals Ziel von architekturtheoretischen Angriffen, insbesondere durch Manfredo Tafuri. Zevi vertrat eine Architekturphilosophie basierend auf den alten italienischen Baukulturen. Besondere Beachtung finden die von Bruno Zevi gebaute Bibliothek in Dogliani (1962–1963) und der italienische Pavillon der Weltausstellung in Brüssel (1967).

Bruno Zevi erhielt zahlreiche Auszeichnungen, beispielsweise Ehrendoktorate der Universidad de Buenos Aires, der University of Michigan, Ann Arbor und der Universität Haifa. Er war Ehrenmitglied des britischen Royal Institute of British Architects (RIBA) als auch des American Institute of Architects (AIA). Zevi war Generalsekretär und später Vizepräsident des italienischen Istituto Nazionale di Urbanistica (INU) sowie Emeritus des Internationalen Komitees der Architekturkritiker (CICA) (1965–1977). Zevi war zeitlebens ein politischer Mensch und war von 1978 bis 1988 Mitglied des italienischen Parlaments. Er war langjähriger Professor der International Academy of Architecture (IAA) in Sofia.

Bruno Zevi hatte mit seiner anregenden kritischen Arbeit dazu beigetragen, die italienische Architektur mit den Theorien der Organischen Architektur verknüpft zu haben.

Zevi war seit 1940 mit der Journalistin Tullia Zevi (1919–2011) verheiratet. Er starb wenige Tage vor seinem 82. Geburtstag an den Folgen einer Grippe in seinem Haus in Rom.

Zitat[Bearbeiten]

  • „Kunst braucht Philosophie nicht, sondern liefert ihr den Stoff.“

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • La costituzione dell'Associazione per l'Architettura Organica a Roma, in: Metron, Heft 2 / 1945, S.756
  • Towards an Organic Architecture, als Verso un'architettura organica 1945, erschienen bei Faber & Faber London 1950
  • The Modern Language of Architecture, als Saper vedere l'architettura 1948
  • Storia dell'architettura moderna, Turin 1953
  • Bruno Zevi, Ronald Strom, William A. Packer: Experimental Food Chemistry, Da Capo Press 1994, ISBN 0-306-80597-9
  • Frank Lloyd Wright, Birkhäuser Verlag, Basel 1998, ISBN 3-7643-5987-0
  • Erich Mendelsohn -The Complete Works, Birkhäuser Verlag, Basel 1999, ISBN 3-7643-5975-7

Weblinks[Bearbeiten]