Brunolf Baade

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Carl Wilhelm Brunolf Baade (* 15. März 1904 in Rixdorf; † 5. November 1969 in Berlin-Buch) war ein deutscher Ingenieur und Hochschullehrer. Er gilt als Vater der DDR-Luftfahrtindustrie und war der Konstrukteur des Strahlverkehrsflugzeuges 152.

Brunolf Baade (2. Reihe, 3. von rechts) 1958 auf dem V. SED-Parteitag

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Brunolf Baade wurde als Sohn von Wilhelm und Martha Baade geboren. Sein Vater war Mitarbeiter in einem kleinen Elektronikunternehmen und stieg später zum Montageleiter bzw. technischen Angestellten auf. Ab 1910 besuchte Baade das Kaiser-Friedrich-Realgymnasium in Neukölln, das er 1922 mit dem Abitur abschloss. Anschließend studierte er an der TH Berlin Maschinenbau und bestand 1926 das Diplom-Vorexamen. Während der Studienzeit absolvierte Baade, seinem Berufswunsch Schiffsbauer entsprechend, ein Volontariat bei Blohm & Voss in Hamburg. Dort war er am Bau des Schiffes „Waskenland“ beteiligt. Die erste Fahrt des Schiffes nach seiner Inbetriebnahme führte es nach Südamerika. Baade heuerte auf der Waskenland an und fuhr als Kohlentrimmer mit. Am Ziel angekommen, heuerte Baade ab und wanderte eine Weile durch Südamerika, um dessen Bewohner und Sitten kennenzulernen.

Als Flugzeugkonstrukteur[Bearbeiten]

Nach Berlin zurückgekehrt, nahm Baade sein Studium wieder auf, interessierte sich aber in zunehmendem Maße für die Fliegerei, zu der er während seines Aufenthaltes in Südamerika in Kontakt gekommen war. Er trat der Berliner Akaflieg bei und beschäftigte sich mit dem Segelflugzeugbau. Auch lernte er selbst fliegen und nahm an den alljährlich stattfindenden Segelflug-Wettbewerben auf der Wasserkuppe teil. Ende 1927 erwarb er in einem Flugkurs bei der Deutschen Verkehrsfliegerschule die Motorfluglizenz. Innerhalb des Studiums absolvierte Baade vom 2. November 1927 bis zum 5. Dezember 1928 bei der DVL in Berlin-Adlershof ein Praktikum, wo er hauptsächlich für statische Belastungstests zuständig war. Für seinen Diplomabschluss siedelte er nach München über. Dort war er kurzzeitig vom 16. März bis zum 20. April 1929 bei den Bayerischen Flugzeugwerken als Volontär tätig. Im gleichen Jahr erhielt Baade sein Diplom als Maschineningenieur an der TH München. Anschließend trat er - wiederum bei den BFW - eine Anstellung als Teilkonstrukteur für Sonderaufgaben unter Leitung von Willy Messerschmitt an, wo er an der Entwicklung der Typen M18, M20 und M24 beteiligt war. 1930 ging Baade in die USA, um im Auftrag von BFW Fertigungslizenzen an amerikanische Firmen zu übergeben. Dort löste er sein Arbeitsverhältnis mit BFW und blieb in den USA. Für die nächsten zwei Jahre war er abwechselnd bei Eastern Aircraft, North American sowie der US-Tochterfirma des niederländischen Fokker-Konzerns tätig.

Im Herbst 1932 wechselte Baade zu Goodyear, wo er unter anderem an der Entwicklung des Schnelltriebwagens „Comet“ mitgewirkt haben soll.

Trotz seines beruflichen Erfolges in den USA schrieb Baade während seines Aufenthaltes wiederholt an deutsche Firmen. 1936 kehrte er nach einer erfolgreichen Bewerbung nach Deutschland zurück und wurde am 1. Oktober Leiter einer Konstruktionsabteilung der Junkerswerke in Dessau. Er war an der Konstruktion der Flugzeugtypen Ju 88, Ju 188, Ju 288, Ju 388 und Ju 287 beteiligt.

In der Sowjetunion[Bearbeiten]

Im Herbst 1945 wurde er von der Sowjetischen Militäradministration mit dem Wiederaufbau der Junkers-Werke zur Erbringung von Reparationsleistungen für die Sowjetunion beauftragt. Neben der Fertigstellung des Strahlbomberprojekts Ju 287 als EF 131 gehörte auch die Berichterstattung über die deutsche Luftrüstung im Zweiten Weltkrieg zu seinen Aufgaben.

Das als Reparation betriebene Strahlbomberprojekt wurde 1946 unter Verbringung von Baade und seiner Mitarbeiter in die UdSSR fortgesetzt. Baade leitete die Weiterentwicklung der Flugzeugtypen EF 131 bis Samoljot 150 in Podberesje (Stadt Dubna) bei Moskau.

Rückkehr in die DDR[Bearbeiten]

Nach der Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1954 wurde er der Chefkonstrukteur der DDR-Flugzeugindustrie und verantwortlich für die Entwicklung des Strahlverkehrsflugzeuges 152. Nach der Beendigung des Flugzeugbaus in Dresden und Pirna im Jahr 1961 wurde er Direktor des Instituts für Leichtbau und ökonomische Verwendung von Werkstoffen (IfL) in Dresden-Klotzsche. Baade war von 1955 bis 1961 Lehrbeauftragter an der damaligen Fakultät für Luftfahrtwesen der Technischen Hochschule Dresden.

Baade war Mitglied der SED. In den Jahren 1958-1963 war er Kandidat des ZK der SED. Er war außerdem ab 1957 Mitglied des Forschungsrats der DDR.

Persönliches[Bearbeiten]

1932 heiratete er in den USA die ebenfalls aus Deutschland stammende Anna Stierle.

Brunolf Baade starb am 5. November 1969 in einem Berliner Krankenhaus an den Folgen eines Magenkarzinoms. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Eichwalde.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Farnborough. Dresden 1959.
  • Dem Fortschritt verbunden. Leipzig 1957.
  • Helmut Bukowski (Hrsg.): Junkersflugzeuge 1933 – 1945. Bewaffnung – Erprobung – Prototypen. Der illustrierte Original-Bericht des Professor Brunolf Baade an die sowjetische Militäradministration, Dessau 1946. Dörfler, Eggolsheim 1999, ISBN 3-7909-0427-9.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]