Bryce DeWitt

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Bryce Seligman DeWitt (* 8. Januar 1923 in Dinuba in Kalifornien; † 23. September 2004 in Austin) war ein US-amerikanischer theoretischer Physiker.

DeWitt (Mitte) mit Vilkovisky (links), Barkovsky auf einem Seminar über Quantengravitation in Moskau 1990

Leben[Bearbeiten]

DeWitt studierte an der Harvard University, wo er 1943 seinen Bachelor Abschluss machte, 1947 den Mastergrad erwarb (nach einer Studienunterbrechung als Marineflieger im Zweiten Weltkrieg) und 1950 bei Julian Schwinger promoviert wurde. Er arbeitete 1949/1950 (sowie 1954, 1964, 1966) am Institute for Advanced Study, war 1950 bei Wolfgang Pauli an der ETH Zürich und danach als Fulbright Stipendiat am Tata Institute of Fundamental Research. 1952 war er wieder in den USA und ging an das Lawrence Livermore National Laboratory, wo er hydrodynamische Berechnungen in der Kernwaffenforschung ausführte. Später konnte er die dort gewonnene Expertise in der Astrophysik anwenden. Er war ab 1956 Professor an der University of North Carolina at Chapel Hill (am Institute for Field Physics) und ab 1972 Professor an der University of Texas in Austin (Texas), wo er 1972 bis 1986 Direktor des Center of Relativity war. 2000 emeritierte er. 2004 starb er an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

DeWitt arbeitete über Quantengravitation, wo er schon in den 1950er (es war das Thema seiner Promotion) und 1960er Jahren ein Pionier der Methoden der Quantisierung der Gravitation und von den mit der Gravitation verwandten Yang-Mills-Theorien war. Ende der 1950er Jahre entwickelte er den Greensfunktionsformalismus für gekrümmte Raumzeiten. Anfang der 1960er Jahre erweiterte er die von Richard Feynman (Warschau Konferenz 1961) gefundenen Quantisierungsregeln für Gravitations- und Yang-Mills-Theorien auf höhere Ordnung in der Störungstheorie (Feynman hatte sie für die niedrigste Ordnung, 1-Schleifennäherung, formuliert). Später arbeitete er auch über Supersymmetrie (und Super-Mannigfaltigkeiten) und der Supergravitation. DeWitt ist unter anderem für die Wheeler-DeWitt-Gleichung bekannt, eine Art Schrödingergleichung für die Wellenfunktion des Universums. In der Allgemeinen Relativitätstheorie behandelte er das Problem frei fallender elektrischer Ladungen. Er gab der relative state formulation von Hugh Everetts den Namen Viele-Welten-Interpretation und war ein eifriger Proponent dieser Interpretation der Quantenmechanik.

1975/76 war er als Guggenheim Fellow. 1953 erhielt er den Preis der Gravity Research Foundation. 2002 erhielt er den Pomerantschuk-Preis. 2005 erhielt er den Einstein-Preis der American Physical Society. Er war Mitglied der National Academy of Sciences und der American Academy of Arts and Letters. 1987 erhielt er die Dirac-Medaille (ICTP).

DeWitt war seit 1951 mit der Physikerin Cécile DeWitt-Morette verheiratet, die ebenfalls über Gravitationstheorie und mathematische Physik forschte und Professorin in Austin war. Mit ihr hatte er vier Töchter. 1973 leitete er mit seiner Frau eine Expedition zur Wiederholung des klassischen Tests der Allgemeinen Relativitätstheorie über Ablenkung des Lichts von Fixsternen am Rand der Sonne bei einer totalen Sonnenfinsternis in Mauretanien. Seine Frau war auch die Gründerin der Les Houches Sommerschulen in Frankreich, an denen auch DeWitt von Anfang an teilnahm. Mit seiner Frau erhielt er den Marcel Grossmann Preis.

Schriften[Bearbeiten]

  • Quantization of Geometry, in Louis Witten Gravitation- an introduction into current research, 1962.
  • Quantum Gravity – The New Synthesis, in Hawking, Israel General Relativity- an Einstein Centenary Survey, Cambridge 1979.
  • Dynamical Theory of Groups and Fields, Gordon and Breach 1965.
  • mit Brehme: Radiation Damping in the Gravitational Field, Annals of Physics, Bd. 9, 1960, S. 220, Falling Charges, Physics, Bd. 1, 1965, S. 3.
  • Quantum Theory of Gravity, Teil 1-3, Physical Review, Bd. 160, 1967, S. 113, Bd. 162, 1967, S. 1195, 1239.
  • Herausgeber Relativity, Groups and Topology, Les Houches Lectures (Grenoble 1963), London, Blackie 1964.
  • Herausgeber mit Cecile DeWitt-Morette Black Holes, Les Houches Lectures 1973.
  • Quantum Field Theory in Curved Spacetime, Physics Reports, Bd. 190, 1975, S. 295.
  • Supermanifolds, Cambridge University Press, 2. Auflage 1992.
  • The Global Approach to Quantum Field Theory, 2 Bände, Oxford, Clarendon Press 2004.
  • Steven Christensen (Herausgeber): Bryce DeWitt´s Lectures on Gravitation, Springer Verlag 2011.

Literatur[Bearbeiten]

  • Steven Weinberg Bryce Seligman DeWitt (1923-2004), Biographical Memoirs National Academy of Sciences, 2008.
  • Cécile DeWitt-Morette The Pursuit of Quantum Gravity. Memoirs of Bryce DeWitt from 1946 to 2004, Springer Verlag 2011.
  • Steven Christensen (Herausgeber) Quantum theory of Gravity. Essays in Honor of the 60th birthday of Bryce S. DeWitt, Adam Hilger 1984 (mit Aufsätzen von Larry Smarr über DeWitt´s Beiträge zur klassischen Allgemeinen Relativitätstheorie und von C. Isham über DeWitt´s Beiträge zur Quantengravitation sowie Publikationsliste).

Weblinks[Bearbeiten]