Brzeg Dolny

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Brzeg Dolny
Wappen von Brzeg Dolny
Brzeg Dolny (Polen)
Brzeg Dolny
Brzeg Dolny
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Wołów
Fläche: 17,20 km²
Geographische Lage: 51° 16′ N, 16° 43′ O51.27083333333316.720833333333Koordinaten: 51° 16′ 15″ N, 16° 43′ 15″ O
Höhe: 102 - 199 m n.p.m
Einwohner: 12.484
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 56-120 bis 56-122
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DWL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: WołówBreslau
Schienenweg: PKP–Linie 273: Breslau–Stettin
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 13 Schulzenämter
Fläche: 94,40 km²
Einwohner: 16.032
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0222013
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Stanisław Jastrzębski
Adresse: ul. Kolejowa 29
56-120 Brzeg Dolny
Webpräsenz: www.brzegdolny.pl

Brzeg Dolny [ˈbʒɛk ˈdɔlnɨ] (deutsch: Dyhernfurth) ist eine Stadt in Polen. Sie liegt an der Oder, 36 Kilometer nordwestlich von Breslau und gehört zum Powiat Wołowski in der Woiwodschaft Niederschlesien.

Geschichte[Bearbeiten]

Pfarrkirche der hl. Muttergottes vom Skapulier

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Brsega[2] 1353. Es gehörte damals zum Herzogtums Breslau, das von Herzog Heinrich VI. bereits 1327 als ein Lehen an den böhmischen König Johann von Luxemburg übergeben worden war. Wirtschaftlich eher unbedeutend, verfügte es ab dem 15. Jahrhundert über das Privileg einer Fähre über die Oder.

Nachdem im Jahre 1345 der jüdische Friedhof in Breslau geschlossen werden musste, entstand in Brzeg ein neuer Friedhof für die Breslauer Juden und nachfolgend eine große jüdische Gemeinde. Entsprechend eines Privilegs des preußischen Königs Friedrich II. durften die Breslauer Juden ab 1761 wieder in Breslau bestattet werden.

1660 erwarb der Oberamtskanzler Schlesiens, Georg Abraham Freiherr von Dyhrn, die Grundherrschaft und begann mit dem Ausbau des Ortes. 1663 wurde Brzeg in Dyhernfurth umbenannt. Zugleich verlieh Kaiser Leopold I. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen, Dyhernfurth das Stadtrecht. 1667 erlangte der Grundherr das Recht zur Errichtung einer Buchdruckerei. Unter seinem Nachfolger, dem Landeshauptmann Julius Ferdinand Graf von Jaroschin, wurde in Dyhernfurth eine jüdische Druckerei gegründet, die einen bedeutenden Ruf erlangte.

Nach dem Schlesischen Krieg 1742 fiel Dyhernfurth wie der größte Teil Schlesiens an Preußen. Ab 1770 war die Herrschaft Dyhernfurth im Besitz der Familie des schlesischen Provinzialministers Carl Georg Heinrich Graf Hoym. Er ließ zwischen 1780 und 1785 ein Schloss nach Plänen des Architekten Carl Gotthard Langhans erbauen, der auch verschiedene Bauten für den Schlosspark entwarf.

Mit der Dyhernfurther Privilegierten Zeitung (1771–1772) erschien hier die erste jüdische Zeitung des Heiligen Römischen Reiches, wobei für den deutschen Text die hebräische Schrift benutzt wurde.

Nach der Neugliederung Preußens gehörte die Stadtgemeinde Dyhernfurth[3] ab 1816 zum Landkreis Breslau und ab 1818 zum Landkreis Wohlau, mit dem es bis 1945 verbunden blieb.

1860 wurde ein kleines Hospital gegründet. Nachdem Dyhernfurth 1875 an das Schienennetz angeschlossen wurde, erfolgte ein wirtschaftlicher Aufschwung. 1939 wurden in Dyhernfurth 2013 Einwohner gezählt. Im selben Jahr errichteten die I.G. Farben und die Schickert-Werke Bad Lauterberg in Dyhernfurth eine Produktionsstätte für chemische Kampfstoffe wie Tabun und Sarin. Während des Zweiten Weltkrieges entstanden die beiden Außenlager Dyhernfurth I und II des KZ Groß Rosen in der Stadt.

Am 26. Januar 1945 erreichte die Rote Armee den Ort. Am 5. Februar gelang den Deutschen (Kampfgruppe Sachsenheimer unter gleichnamigen Generalmajor) ein Gegenangriff. Während der Kämpfe brannte das Schloss aus, das chemische Werk überstand sie unzerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Dyhernfurth in Brzeg Dolny umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht schon vorher geflohen war, 1945/46 vertrieben. Durch den Rückgang der Bevölkerung verlor Brzeg Dolny das Stadtrecht.

1947 nahm das chemische Werk die Produktion wieder auf. Es entwickelte sich unter der Bezeichnung Rokita-Werk zu einem der größten polnischen Chemiehersteller. 1954 erhielt Brzeg Dolny das Stadtrecht zurück, und bei einer Zählung 1959 lebten etwa 9.000 Menschen in der Stadt. Das Schloss wurde wieder aufgebaut, jedoch ging dabei seine ursprüngliche Gestalt verloren.

Gemeinde[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Brzeg Dolny gehören neben der Stadtgemeinde weitere 13 Ortsteile [4] mit einem Schulzenamt:

  • Bukowice (Frauenwaldau)
  • Godzięcin (Thiergarten)
  • Grodzanów (Grosen)
  • Jodłowice (Tannwald)
  • Naborów (Neudorf)
  • Pogalewo Małe (Klein Pogul)
  • Pogalewo Wielkie (Groß Pogul)
  • Pysząca (Bschanz, 1937–1945 Schanzberg)
  • Radecz (Seifersdorf)
  • Stary Dwór (Althof)
  • Wały (Reichwald)
  • Żerków (Groß Sürchen)
  • Żerkówek (Klein Sürchen)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss in Brzeg Dolny
  • 1281 wurde auf dem Platz einer bereits 1261 erwähnten Kirche im damaligen Dorf Wahren (Warzyń), der jetzt ein Vorort von Brzeg Dolny ist, die Kirche Aller Heiligen erbaut. Um 1580 wurde sie im Stil der Renaissance umgebaut. Der Hauptaltar im Stil des Neubarock enthält ein Allerheiligengemälde. Am Pfeiler des Westportals befindet sich ein Bußkreuz mit einer Figur der Maria Immaculata.
  • Das Schloss Dyhernfurth wurde 1780–1785 vom damaligen Grundherrn Carl Georg Heinrich Graf Hoym nach Plänen des Architekten Carl Gotthard Langhans errichtet und im 19. Jahrhundert von französischen Architekten umgebaut. Bei Kriegsende 1945 wurde es zum großen Teil zerstört, später teilweise wieder aufgebaut und 1998 renoviert.
  • Neben dem Schloss befindet sich das sogenannte Kleine Schloss, das als Beamtenwohnhaus diente.
  • Der Schlosspark wurde ebenfalls nach Entwurf des Architekten Carl Gotthard Langhans nach dem Vorbild des Wörlitzer Parks angelegt. Er war ursprünglich in drei Zonen gegliedert:
    • Lustgarten mit Teich und Inseln sowie Teehaus, Weinberghäuschen, Badesalon, Wasserspiel und Fasanerie
    • Nutzgarten mit Mühle, Seidenraupenzucht und jüdischer Druckerei
    • Meditationsgarten mit Ruine einer neugotischen Kapelle, Eremitage, Grotte, Jüdischem Friedhof sowie dem Mausoleum der Familie von Hoym im Stil eines griechischen Tempels. Es diente bis 1945 als letzte Ruhestätte des Erbauers Carl Georg Heinrich Graf Hoym und seiner Nachfahren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Henriette Hanke (1785–1862), Schriftstellerin aus Jauer, verbrachte viele Jahre als Gemahlin des dortigen Pfarrers in Dyhernfurth und beschrieb oft das Schloss und das Mausoleum in ihren Werken.
  • Sabbatai Ben Josef (1641–1714), jüdischer Schriftsteller und Sänger, Gründer der ersten jüdischen Buchdruckerei im Jahre 1687.
  • Hans Otte (1926–2007), Komponist, Pianist und Rundfunkredakteur, verbrachte seine Jugend in Dyhernfurth, lebte ab 1959 in Bremen.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brzeg Dolny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 23. Dezember 2014.
  2. weitere Schreibweisen waren Brziegk, Brzig, Brzeg, Borsik, Brsege, Persig, Prizig, Przieck, Przigk
  3. Stadtgemeinde Dyhernfurth
  4. Das Genealogische Orts-Verzeichnis