Buße (Religion)

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In der religiösen Bedeutung ist Buße die Umkehr des Menschen zu Gott, von dem er sich durch die Sünde entfernt hat.

Dieser Begriff ist so unterschiedlich vom Alltagsgebrauch des Worts Buße, dass er fast im Gegensatz dazu steht.

Herkunft des Begriffs[Bearbeiten]

Die Wörter, die in verschiedenen Sprachen für diesen Begriff gebraucht werden, haben in der jeweiligen Alltagssprache sehr unterschiedliche Bedeutungen, was leicht zu Missverständnissen führen kann.

  • Das griechische Wort, das im Neuen Testament mit Buße übersetzt wird, ist μετάνοια metanoia, von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ oder „nach“, wörtlich also etwa: „Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“.
  • Der hebräische Begriff שוב schub, der in der Septuaginta mit metanoia übersetzt wird, umfasst eine Umkehr zu Gott nicht nur im Denken, sondern in der ganzen Existenz, was die Veränderung des Verhaltens, vor allem aber auch Gehorsam gegenüber Gott, neues Vertrauen zu ihm ebenso einschließt wie die Abkehr von allen bösen und widergöttlichen menschlichen Neigungen und Schwächen.
  • Ins Lateinische wurde metanoia mit paenitentia, „Reue, Buße“, übersetzt, häufig abgeschliffen zu poenitentia und unzutreffend abgeleitet von poena, „Strafe“.
  • Im Deutschen wurde das Wort Buße verwendet, das sprachlich mit baß, besser, verwandt ist und ursprünglich „Nutzen, Vorteil“ bedeutet. Es bezeichnete also die Genugtuung des Sünders gegenüber Gott, woraus sich die jetzige (untheologische) Bedeutung „von außen auferlegte Strafe oder Wiedergutmachung, die unabhängig von der inneren Einstellung ist“ entwickelt.[1] Luther betonte wieder mehr den „Schrecken und gläubige Reue“.

Buße im Christentum[Bearbeiten]

Siehe auch: Kirchenbuße

Im Christentum führt Buße über die Erkenntnis der eigenen Schuld (Ijob 42,6 EU) zu den rechtschaffenen Werken des neuen Lebens (Apg 26,20 EU), die die Abkehr von der bisherigen Lebensführung einschließen (Röm 6,1f EU). Jesus Christus gilt hier als Sühneopfer für die Erbsünde und die Sünde aller Menschen.

In der katholischen Kirche[Bearbeiten]

Ein Büßer beim Kreuzweg in Iztapalapa, Mexiko

In der katholischen Kirche kann der Begriff Buße Folgendes bedeuten:

  • die Teilhabe am Leiden Christi[2]
  • das Erfüllen eines Werkes der Wiedergutmachung, das in Gebet, Almosen, Dienst am Nächsten, oder freiwilligem Verzicht bestehen kann, vielfach in Verbindung mit dem Empfang des Bußsakraments
  • in der alten Kirche eine von der Kirche auferlegte Strafe für ein Fehlverhalten, um den Sünder durch dieses äußere Bußwerk zu innerer Umkehr zu führen und ihn wieder mit Gott und der Kirche zu versöhnen.

Allgemeine Bußzeiten im Laufe des Kirchenjahrs sind der Advent, die Fastenzeit, nach überliefertem Brauch auch die Quatembertage.

In der evangelischen Kirche[Bearbeiten]

In der evangelischen Kirche wird Buße vor allem als Änderung der inneren Haltung verstanden und betont, dass Buße von Gott bewirkt wird. Nicht der Mensch kehrt aus eigenem Entschluss um, sondern Gott ist Ursache der Umkehr. Äußere Handlungen sind zwar mit dieser Umkehr verbunden, aber nicht als Voraussetzung, sondern als natürliche Folge einer grundlegenden Veränderung der inneren Haltung. Das Wort Buße kann angewandt werden auf besondere Tage oder Akte der Umkehr oder auf eine ständige Lebenshaltung. Dies drückt sich in der ersten der 95 Thesen Luthers aus:

„Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: ‚Tut Buße‘ etc. (Mt 4,17 LUT), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“

In der orthodoxen Kirche[Bearbeiten]

In den orthodoxen Kirchen wird unter der metanoia vor allem eine Änderung der Lebenseinstellung verstanden, die durch die freiwillige Zusammenarbeit des Heiligen Geistes auf der einen Seite und des einzelnen Menschen auf der anderen Seite zustande kommt. Ziel ist dabei, die Vergebung Gottes anzunehmen, den Zorn gegen Gott und die Mitmenschen hinter sich zu lassen, und so von einer widernatürlichen, unmenschlichenTodeshaltung“ zu einer natürlichen, menschlichen Lebenshaltung zu gelangen. Die im Sündenfall verdorbene Welt zieht den Menschen jedoch immer wieder in die falsche, seiner eigentlichen Natur als Bild und Gleichnis Gottes zuwiderlaufende Richtung, sodass die metanoia eine lebenslange Anstrengung gegen das eigene geistlose Mitläufertum ist. Die Mysterien (Sakramente) sowie Fasten und Beten helfen dabei, indem sie schon im „hier und jetzt“ ein Gegenbild zur gefallenen Welt darstellen.

Im Pietismus[Bearbeiten]

Der Pietismus und manche Evangelikalen verstehen unter Buße auch eine einmalige, grundlegende Bekehrung zu Jesus Christus, die in einem veränderten Leben resultiert. Diese bewusste Lebenswende ist Antwort auf das Angebot der Gnade Gottes, beendet das bisherige Leben als ungläubiger Mensch und beginnt mit Hilfe des Heiligen Geistes ein Leben in Orientierung an Gott.

Buße im Judentum[Bearbeiten]

Der Monat Elul gilt als Beginn der „Teschuwa“, der Umkehr. Diese ist mit Rosch haSchana noch nicht abgeschlossen, sondern erstreckt sich über die folgenden zehn Tage der Umkehr bis zum Jom Kippur. Dies ist der heiligste und feierlichste Tag des jüdischen Jahres, mit Schwerpunkt auf Reue und Versöhnung – mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit Gott. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder (einschließlich Lederschuhen) und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten, in der Neuzeit auch das Rauchen. Das Fasten – der gänzliche Verzicht auf Essen und Trinken – beginnt kurz vor Sonnenuntergang und endet am folgenden Tag nach Einbruch der Nacht.

Buße im Islam[Bearbeiten]

Im Islam ist Gott allein derjenige, der die Buße des Menschen annimmt, vorausgesetzt, es handelt sich um echte Reue und der festen Absicht, die Sünden in der Zukunft zu unterlassen.

„Fast neigen sich die Himmel, um von oben her zu brechen, und die Engel verherrlichen ihren Herrn mit Seiner Lobpreisung und erflehen Vergebung für die auf Erden. Siehe, Allah ist wahrlich der Vergebende, der Barmherzige.“

Sure 42 Aya 5

Eine festgelegte Bußpraxis existiert nicht. Der gläubige Muslim muss auf die Barmherzigkeit von Allah vertrauen und durch religiöse Taten (beten, fasten u. a.) die Buße für seine Sünden erbringen.

Buße im Buddhismus[Bearbeiten]

Hatsuhana mit verschränkten Händen unter dem gischtenden Tonosawa Wasserfall, sie tut Büße für die Heilung des Knies ihres Sohnes, bis die Härte und Austerität sie töten – Ukiyo-e von Utagawa Kuniyoshi, (1798–1861).

Der Begriff Buße oder Reue wird im Buddhismus ähnlich, wie im Griechischen ( μετάνοια metanoia) als Umorientierung gesehen und auch der in buddhistischen Texten verwendete chinesische Begriff ( 忏悔 chànhuǐ) wird mit Buße oder Reue übersetzt. Der Vorgang der Reue beginnt mit dem Erkennen des unheilsamen Charakters von Tat, Rede oder Denken bzw. der dahinterliegenden unheilsamen Absicht. Im Bewusstsein, dass alles Wirken das Karma formt und entsprechende Konsequenzen hat, wird der schädigende Charakter von unheilsamen Gedanken, Worten und Handlungen (auf ‚Selbst‘ und ‚Anderes‘) erkannt und somit bereut. Die ‚tätige Reue‘ oder Buße ist der Entschluss zur Umkehr, zum Nicht-Schädigen, der Reinigung oder Läuterung des Geistes bewirkt und den Boden für heilsame Handlungen vorbereitet. Eine vollkommene Reue und Umkehr tilgt die karmatischen Folgen (die u. U. auch erduldet werden müssen) und öffnet auch denen, die sich äußerst unheilsamer Handlungen schuldig gemacht haben, den Weg zur vollkommenen Befreiung. Als klassisches Beispiel gilt der Räuber und Mörder Angulimala (MN 86, Angulimāla Sutta), der schließlich ein Arhat, ein Heiliger wird. Siehe dazu Buddhistisches Reuebekenntnis.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Wißmann, Peter Welten, Louis Jacobs u. a.: Artikel Buße; in: Theologische Realenzyklopädie 7 (1981), S. 430–496 (mit weiterer Literatur)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Duden, Bd. 7: Herkunftswörterbuch; Mannheim, Wien, Zürich 19892
  2. Auf vielerlei Weise verwirklicht das Volk Gottes diese fortwährende Buße: Indem es durch sein Dulden teilhat am Leiden Christi, Werke der Barmherzigkeit und der Liebe übt und sich gemäß dem Evangelium Christi täglich mehr bekehrt, wird es in der Welt zum Zeichen der Hinkehr zu Gott. Das bringt die Kirche in ihrem Leben und in der Feier der Liturgie zum Ausdruck, wenn die Gläubigen sich als Sünder bekennen und um die Vergebung Gottes und der Brüder bitten, wie es in den Bußgottesdiensten, bei der Verkündigung des Wortes Gottes, im Gebet und durch die Bußelemente der Eucharistiefeier geschieht. Im Bußsakrament aber "erhalten" die Gläubigen "für die Gott zugefügten Beleidigungen von seiner Barmherzigkeit Verzeihung und werden zugleich mit der Kirche versöhnt, die sie durch die Sünde verwundet haben und die zu ihrer Bekehrung durch Liebe, Beispiel und Gebet mitwirkt. Die Feier der Buße nach dem neuen Rituale Romanum, 1974, pastorale Einführung