Buch Esra

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Ketuvim, ‏כְתוּבִים‎ (Schriften)
der Hebräischen Bibel
Sifrei Emet
Die fünf Megillot
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Geschichtsbücher
des Alten Testaments
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übrige Geschichtsbücher

Namen nach dem ÖVBE.
Eingeklammerte Namen folgen der Septuaginta.
Kursiviert: Deuterokanonische Schriften,
in protestantischen Bibeln Apokryphen

Das Buch Esra gehört zum jüdischen Tanach bzw. christlichen Alten Testaments der Bibel. Seit dem Mittelalter wird es in zehn Kapitel unterteilt. Es bildet zusammen mit dem Buch Nehemia eine Einheit. Daneben existieren im Kanon der Septuaginta und der Vulgata weitere Bücher, die Esra zugeschrieben werden. Das im modernen Sprachgebrauch mit Esra bezeichnete Buch kennt die Septuaginta als Esdras β, die Vulgata als I Ezrae.

Inhalt[Bearbeiten]

Das Buch lässt sich grob in zwei Teile gliedern:

  • Kapitel 1-6 Serubbabel-Erzählung: Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels unter Serubbabel und Jeschua
  • Kapitel 7-10 Esra-Erzählung: Zug nach Jerusalem und Konstituierung der jüdischen Gemeinde

Die einzelnen Teile behandeln dabei:

  • Esr 1 Erlaubnis zur Rückkehr der Juden aus dem Babylonischen Exil durch Kyros II. und Rückgabe der Tempelgeräte
  • Esr 2 Verzeichnis der aus dem Exil zurückgekehrten (vgl. Neh 7)
  • Esr 3,1-7 Errichtung eines Altars und Einsetzung der Brandopfer, Feier des Laubhüttenfestes
  • Esr 3,8-13 Beginn des Tempelbaus
  • Esr 4 Störungen beim Tempelbau
  • Esr 5 Neubeginn des Tempelbaus
  • Esr 6,1-18 Kyros-Edikt und Vollendung des Tempelbaus unter Dareios I.
  • Esr 6,19-22 Feier des Pessachfestes
  • Esr 7 Beauftragung Esras durch Artaxerxes
  • Esr 8,1-14 Verzeichnis der Rückkehrer mit Esra
  • Esr 8,15-36 Zug Esras nach Jerusalem
  • Esr 9 Bußgebet Esras
  • Esr 10 Auflösung der Mischehen

Sprache[Bearbeiten]

Der Haupttext des Buches ist auf Hebräisch geschrieben. Esra 4,8-6,18 und 7,12-26 sind dagegen in aramäischer Sprache geschrieben. Das Aramäisch des Esra-Buches unterscheidet sich von dem des Danielbuches. So lautet z.B. die Form des Personalpronomens der 2. Person Singular maskulin in Esra ‏אנת‎, während in Daniel der Konsonantentext die Form ‏אנתה‎ aufweist.

Esra-Nehemia[Bearbeiten]

In der frühen jüdischen und griechischen Tradition wurden die Bücher Esra und Nehemia als Einheit gesehen, wie sich aus Angaben zum Kanon und der Handschriftentradition ersehen lässt. So vermerkt z.B. die Massora im Codex Leningradensis die Buchmitte nach der Anzahl der Verse bei Nehemia 3,32. Ebenso fehlt ein Kolophon am Ende von Esra.

Dieser Zusammenhang ist auch sachlich gegeben. Beide Bücher behandeln die Ereignisse vom Beginn der Perserzeit über den Wiederaufbau des Tempels, die Errichtung der Stadtmauer um Jerusalem und die Konstituierung der judäischen bzw. jüdischen Kultgemeinschaft. In Neh 8 tritt Esra erneut auf, Neh 8,9 und 12,26 nennen Esra und Nehemia nebeneinander, so dass der Eindruck gleichzeitigen Wirkens entsteht. Hinzukommen literarische Makrostrukturen, die auf einen planvollen Aufbau des Esra-Nehemia-Buches schließen lassen: So steht das Bußgebet Esra (Esr 9) in Verbindung mit dem Bußgebet Nehemias (Neh 1) und dem Bußgebet des Volkes (Neh 9). Sowohl das Handeln Esras als auch Nehemias steht in engem Kontakt zum Persischen Großkönig und wird durch königliche Erlasse legitimiert (Esr 1; 7; Neh 2).

Die Abtrennung eines eigenen Buches Nehemia ist motiviert durch die Einleitung Neh 1,1: „Worte Nehemias, des Sohnes Chachaljas...“ und findet sich erstmals bei Origenes.

Esra-Nehemia und Chronik[Bearbeiten]

Das Buch Esra-Nehemia weist weiterhin starke sachliche und theologische Bezüge zu den Büchern der Chronik auf. So wiederholt Esr 1,1-3 wörtlich den Schluss 2 Chr 36,22f. Esra-Nehemia kann also als Fortsetzung von 1/2 Chr gelesen werden. Auffällig ist dabei, dass die Worte, die sich inhaltlich mit der Verkündigung Deuterojesajas berühren, als Prophetie Jeremias eingeführt werden.

Gemeinsam ist Esra-Nehemia und 1/2 Chr weiterhin das Interesse an Stammtafeln, am Kult und am Kultpersonal, an Festen und Gebeten. Ähnlichkeiten ergeben sich auch auf kompositioneller Ebene im Wechsel von Erzählungen und Listen. Diese Beobachtungen führten zur These eines Chronistischen Geschichtswerkes.[1]

In neuerer Zeit wird diese These teilweise bestritten. Die chronologische Reihenfolge 1/2 Chr - Esr/Neh wird nur in den wenigsten Handschriften geboten. Zudem gibt es auch eine Zahl sachlicher Unterschiede. Die Stellung des davidischen Königshauses spielt in Esra-Nehemia keine Rolle, während sie für 1/2 Chr bedeutsam ist.

Für die Verhältnisbestimmung von Esra-Nehemia und 1/2 Chr ergeben sich demnach mehrere Möglichkeiten:

  • Die Bücher bilden ein gemeinsames Werk eines Verfassers.
  • Esra-Nehemia sind ein im Vergleich zu 1/2 Chr älteres Werk derselben Verfassergruppe.
  • Esra-Nehemia sind ein im Vergleich zu 1/2 Chr jüngeres Werk derselben Verfassergruppe (Fortschreibung).
  • Esra-Nehemia und 1/2 Chr sind zunächst eigenständige Werke, die erst spät auf redaktioneller Ebene miteinander verbunden werden.

Esra im frühen Christentum[Bearbeiten]

Im Neuen Testament wird Esra nicht zitiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Forschungsbericht
    • Thomas Willi: Zwei Jahrzehnte Forschung an Chronik und Esra-Nehemia. In: Theologische Rundschau 67 (2002), 61-104.
  • Einzelstudien
    • Sebastian Grätz: Das Edikt des Artaxerxes. Eine Untersuchung zum religionspolitischen und historischen Umfeld von Esra 7,12-26 (Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 337). Berlin/New York 2004, ISBN 3-11-017967-9.
    • Christiane Karrer: Ringen um die Verfassung Judas: Eine Studie zu den theologisch-politischen Vorstellungen im Esra-Nehemia-Buch (Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 308). Berlin/New York 2001, ISBN 3-11-017055-8.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Zuerst bei Leopold Zunz: Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden, historisch entwickelt. Berlin 1832.

Siehe auch[Bearbeiten]

Esra-Apokalypse

4. Buch Esra

Weblinks[Bearbeiten]