Buchbinder Wanninger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Buchbinder Wanninger ist ein Sketch des Münchner Komikers Karl Valentin. In der Szene, die auch in einer Schallplattenaufnahme vorliegt, versucht der Buchbinder Wanninger vergeblich, telefonisch bei seinem Auftraggeber (der Baufirma Meisel & Compagnie) in Erfahrung zu bringen, ob er die Rechnung für die von ihm fertiggestellten Bücher der Lieferung gleich beilegen soll, wird dabei aber nur von einem zum anderen Ansprechpartner innerhalb der auftraggebenden Firma weiterverbunden, ohne die erhoffte Information zu erhalten. Das Ganze endet mit der geknurrten Aussage des verzweifelten Buchbinders „Saubande, dreckade!“

Einen weiteren komischen Effekt erzielte Valentin dadurch, dass jeder neue Gesprächspartner in der Firma hierarchisch höher stand und sich auch auf einer jedes Mal höheren Sprachebene ausdrückte. Dies forderte den Münchner Dialekt sprechenden Buchbinder zusätzlich heraus, da er vergeblich versuchte, sich dem jeweiligen Sprachregister anzupassen.

Die letzte Ansprechpartnerin der Firma Meisel & Compagnie ist offensichtlich die richtige Zielperson. Allerdings gibt auch sie nicht die gewünschte Information, da genau in diesem Moment eine Klingel ertönt und die Dame nur antwortet: „Wir haben jetzt Büroschluss, rufen Sie doch morgen bitte wieder an.“

„Sich wie Buchbinder Wanninger vorkommen“ wird – vor allem im süddeutschen Raum – als geflügeltes Wort gebraucht für Situationen, in denen Ämter oder Unternehmen einen Antragssteller von Mitarbeiter zu Mitarbeiter weiter verweisen, ohne dass er jemals zu seinem eigentlichen Ziel kommt, ähnlich wie „von Pontius zu Pilatus laufen“ oder der Passierschein A38.

Der Sketch Buchbinder Wanninger wurde 1964 von Horst Manfred Adloff als zwölfminütiger Kurzfilm verfilmt.

Ausgaben[Bearbeiten]