Rotbuchenwald
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Der Buchenwald ist eine Waldgesellschaft, in der die konkurrenzstarke Rotbuche (Fagus sylvatica) vorherrscht und in dem andere Baumarten zurücktreten. pflanzensoziologisch werden in der Klasse der Buchenwälder neben den sehr häufigen fast reinen Rotbuchenwäldern auch weitere Waldgesellschaften (Mischwälder) zusammengefasst, die keine Reinbestände sind, die aber in der sonstigen Artenkombination und Ökologie ähnlich sind. Buchenwälder der höheren Mittelgebirge sind z.B. manchmal reich an Weißtanne (Abies alba)oder Bergahorn (Acer pseudoplatanus), in Beständen v.a. des Tieflands können die Eichenarten hervortreten. Ohne den Einfluss des Menschen wären weite Gebiete Mitteleuropas von Buchenwäldern oder Buchenmischwäldern bedeckt. Buchenwälder stellen deshalb nach herrschender Lehrmeinung die charakteristischste Urwaldform Mitteleuropas dar. Nach Süden und Osten hin werden Buchenwälder seltener. Im Mittelmeerraum kommen sie noch in der Bergwaldstufe der Gebirge vor. Im osteuropäischen Tiefland werden sie nach und nach durch Eichen-Hainbuchenwälder ersetzt. Nach Norden sind Buchenwälder bis Südschweden und Südengland verbreitet. Die artenreichsten Buchenwälder Europas finden sich im Norden der Balkan-Halbinsel (Kroatien). Sehr ähnliche Bestände (mit sehr nahe verwandten, etwas abweichenden Buchenarten) kommen noch bis auf die Halbinsel Krim (Ukraine) und im Pontischen Gebirge (Türkei) vor.
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[Bearbeiten] Einteilung der Rotbuchenwälder und Ökologie
Fast alle Laubwälder und Mischwälder mit Rotbuchen werden zum Verband der Rotbuchenwälder zusammengefasst, deren potenzielle Verbreitung sich mit der Verbreitung der Rotbuche deckt, die vom Atlantik bis nach Osteuropa reicht. Der Verband der Rotbuchenwälder (Fagion sylavticae) kann grob in 7 Unterverbände und 13 Assoziationen unterteilt werden. Die Abgrenzung der verschiedenen Buchenwald-Gesellschaften gegeneinander und zu anderen Wäldern ist dabei schwierig und teilweise umstritten.
Die vielfältigen Ausprägungen des Buchenwaldes sind abhängig vom Boden, der Höhenlage und nicht zuletzt von seiner Bewirtschaftung. Die Bodeneigenschaften, wie zum Beispiel die Alkalität, bestimmen unter anderem, aus welchen Arten der Unterwuchs besteht; speziell der Wasserhaushalt bestimmt, wie hoch die Rotbuchen werden.
Trotz der Dominanz der Rotbuche ist ein naturbelassener Buchenwald keineswegs artenarm. Naturnahe Buchenwälder mit einem hohem Anteil an alten Bäumen, stehendem sowie liegendem Totholz bieten ein ideales Habitat für viele Tier- und Pflanzenarten. In einem solchen Wald sind viele natürliche Höhlen vorhanden, in denen Höhlenbrüter, Fledermäuse und viele andere Lebewesen Brutraum und Unterschlupf finden. Aufgrund seiner Bedeutung für viele, teilweise vom Aussterben bedrohte Arten wurde der Buchenwald zum Biotop des Jahres 1995 gewählt.
Typische, in Rotbuchenwäldern vorkommende Pflanzen sind Waldmeister (Galium odoratum), Hasenlattich (Prenanthes purpurea), Wald-Schwingel (Festuca altissima), Nestwurz (Neottia nidus-avis), Zwiebel-Zahnwurz (Dentaria bulbifera), Quirlblättrige Weißwurz (Polygonatum verticillatum), Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris) und andere.
[Bearbeiten] Mitteleuropäische Buchenwaldgesellschaften des Tieflandes und der Hügelstufe
[Bearbeiten] Moder-Buchenwälder
Der Unterverband des Luzulo-Fagenion wächst auf bodensauren, basenarmen Standorten mit der Humusform "Moder", die sich durch Auflagen nur schwach zersetzter Pflanzenstreu auf der Bodenoberfläche auszeichnet. Buchenwälder auf sauren Böden sind durch den Einfluss des Menschen weit häufiger als solche auf alkalischen Böden. Die beiden Grundassoziationen des artenarmen Moderbuchenwaldes und des Hainsimsen-Buchenwaldes wachsen auf Böden, deren Säuregehalt so hoch ist, dass die Toleranzgrenze der Rotbuche erreicht ist. Charakterarten sind Weißliche Hainsimse (Luzula luzuloides), Differentialarten sind Drahtschmiele (Avenella flexuosa) und Heidelbeere (Vaccinum myrtillus).
Artenarmer Moderbuchenwald:
- Artenarme Moderbuchenwälder gedeihen auf sehr sauren Böden. In der Baumschicht sind bereits viele Stieleichen vorhanden und der Säurezeiger Besenheide (Calluna vulgaris) kommt hier bereits vor, so dass diese Assoziation ein Übergang zu den Eichenwäldern darstellt. Diese Übergangsbestände werden oft als Eichen-Buchen-Wälder (Fago-Quercetum) bezeichnet.
Hainsimsen-Buchenwälder:
- Diese Wälder werden in der FFH-Richtlinie wegen ihres europaweit starken Rückgangs (meist wurden sie in Fichtenforste umgewandelt) besonders geschützt. Sie können unterschiedlichen Unterwuchs haben.
- Typische Hainsimsen-Buchenwälder sind oft sehr arm an Kraut- und Straucharten ("Hallenwälder") Oft finden sich die zu den Binsengewächsen gehörenden Hainsimsenarten (Luzula sp.), vor allem die Weiße Hainsimse (Luzula luzuloides) im Unterwuchs. In den etwas basenreicheren Flattergras-Buchenwäldern prägen Sauerklee (Oxalis acetosella), Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und Flattergras (Milium effusum) das Erscheinungsbild des Unterwuchses.
[Bearbeiten] Mull-Buchenwälder
Mit abnehmenden Säuregehalt des Bodens gehen die Moder-Buchenwälder in Waldtypen über, die den Unterverband der Mull-Buchenwälder (Galio odorati-Fagetum) bilden. Humusform ist hier "Mull", bei welchem die Blattstreu und die anderen organischen Reste durch Regenwürmer in den Boden eingearbeitet sind und deshalb im Sommerhalbjahr nicht als Auflage auf der Bodenoberfläche liegen. Der Mull-Buchenwald steht in der Mitte zwischen den Ausprägungsformen der extremeren Standorte, er hat deshalb wenig eigene Differential- und Charakterarten. Er lässt sich in zwei Assoziationen teilen:
- Braunmull-Buchenwald (Galio odorati-Fagetum) oder Waldmeister-Buchenwald
- Frischer Kalkbuchenwald oder Waldgersten Buchenwald, in dem bereits als Differentialarten die Basenzeiger Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus), Haselwurz (Asarum europaeum), Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium)und Echter Seidelbast (Daphne mezereum) vorkommen. Charakterarten sind Waldgerste (Hordelymus europaeus) und selten auch Christophskraut (Actaea spicata).
Da die Böden dieser Wälder sehr gut für die Landwirtschaft geeignet sind, werden viele seiner Standorte seit Jahrhunderten für den Ackerbau genutzt.
[Bearbeiten] Trockenhang-Kalkbuchenwälder
Kalkbuchenwälder sind sehr viel seltener als Hainsimsen-Buchenwälder. Sie kommen nur unter ganz speziellen Standortbedingungen auf flachgründigen, kalkhaltigen Böden, meist an steilen Hängen, vor. Im Flachland fehlen sie ganz. Viele Arten, die auf diesen speziellen Buchenwaldtyp angewiesen sind, sind stark gefährdet. Manche Autoren fassen die Trockenhang-Kalkbuchenwälder in einem Unterverband Cephalanthero-Fagenion zusammen.
- Seggen-Buchenwald (Carici-Fagetum), auch als Orchideen-Buchenwald (Cephalanthero-Fagetum) bezeichnet, gedeiht dort, wo außer kalkhaltigem Boden auch noch relative Trockenheit vorherrscht, welche die Wuchshöhe und Vitalität der Rotbuchen einschränkt, meist auf sehr flachgründigen Böden. Unter solchen Bedingungen können die seltenen und teilweise auffällig blühenden Orchideen wie der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) oder verschiedenen Waldvögeleinarten (Cephalanthera sp.) gedeihen. Auch Seggenarten wie die Berg-Segge (Carex montana) oder Finger-Segge (Carex digitata) werden durch das günstige Lichtklima gefördert.
- Blaugras-Hangbuchenwald (Seslerio-Fagetum) vertritt den Seggen-Buchenwald vor allem in den höheren Lagen in den Alpen, er kommt aber vereinzelt in den höheren Mittelgebirgen, nach Norden bis nach Thüringen und bis zum Harz, vor. Differentialarten sind zum Beispiel Kalk-Blaugras (Sesleria albicans), Buntes Reitgras (Calamagrostis varia), Wald-Hahnenfuß (Ranunculus nemorosus), Buchs-Kreuzblume (Polygala chamaebuxus).
[Bearbeiten] Siehe auch
- Nationalpark Hainich - Kalk-Buchenwälder
- Nationalpark Kellerwald-Edersee - Hainsimsen-Buchenwälder
- Nationalpark Eifel - Hainsimsen-Buchenwälder
[Bearbeiten] Literatur
- Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 5. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1996. ISBN 3825281043.
- Richard Pott (Geobotaniker): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands. Stuttgart: Ulmer, 1995, ISBN 3825280675
[Bearbeiten] Weblinks
- www.natura2000.munlv.nrw.de - Fachdokumentation zum Lebensraum Buchenwald im Rahmen der Natura 2000 des Landes NRW
- www.nabu.de - Der NABU über die Folgen der Bewirtschaftungsformen der Buchenwälder im norddeutschen Tiefland (pdf-Datei; 83 kB)
- www.orchid-rhoen.de - Die Orchideen der Rhön: Biotop Kalkbuchenwald
- Orchideen in Kalkbuchenwäldern Südwest-Baden-Württembergs (Vortrag von Dieter Reineke auf der Tagung "Kalkbuchenwälder der Schwäbischen Alb" am 29. Januar 2004 in Freiburg (pdf-Datei); 14 kB)
- www.lwf.bayern.de - Buchen-Eichen-Urwälder und die Megaherbivoren - Forstliche Reiseeindrücke aus dem Iran (pdf)
- [1]- Broschüre des DFWR über Buchenwälder (PDF-Datei; 10,17 MB)

