Buddhismus in Österreich

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Der Buddhismus in Österreich ist eine seit 1983 staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.[1] Österreich war das erste Land in Europa, das den Buddhismus offiziell als Religion anerkannte.[1] Vertreten wird der Buddhismus in Österreich von der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR).

2001 (letzte amtlich erfasste Zahl) bekannten sich rund 10.000 Personen in Österreich zum Buddhismus.[2] Die ÖBR schätzt die Zahl der „dem Buddhismus ernsthaft Nahestehenden“ im Jahr 2008 auf etwa 20.000 Menschen.[3][4]

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten]

Österreichisch-Ungarischen Monarchie[Bearbeiten]

Allen Figuren des frühen Buddhismus in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie voran ist Karl Eugen Neumann (1865-1915)[5] zu nennen, der durch den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer und den Komponisten Richard Wagner auf den Buddhismus aufmerksam geworden war, wie viele seiner Intellektuellen Zeitgenossen. Neumann war im Mai 1884 Buddhist geworden und beschloss, sein Leben der Übersetzung der buddhistischen Originaltexte aus dem Pali-Kanon zu widmen. Der Pali-Kanon war damals selbst in die englische Sprache nur teilweise übersetzt. Daher musste Neumann bei der Übersetzung ins Deutsche Pionierarbeit leisten.[6] Aus der Sicht der nachfolgenden europäischen Generation von Buddhisten kann Neumanns Werk durchaus als eine epochale Meisterleistung bezeichnet werden und wurde nicht nur von zeitgenössischen Intellektuellen wie Thomas Mann geschätzt und gewürdigt. Karl Eugen Neumann starb 1915 an seinem 50. Geburtstag. Die letzten Jahre seines Lebens waren von Schicksalsschlägen und Verarmung gekennzeichnet. Er liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben. Sein völlig verwahrlostes Grab wurde in den 1950er Jahren von Mitgliedern der Buddhistischen Gemeinde Wien entdeckt und später zu einem ehrenhalber gewidmeten Grab der Stadt Wien erklärt.

Unter den wenigen Buddhisten dieser Zeit befand sich auch schon ein ordinierter Mönch. Der aus Graz stammende Arthur Fitz war 1913 in Ceylon als Bhikkhu Sono in die Sangha eingetreten. Er ist im Zuge des Ersten Weltkriegs wieder in den Laienstand getreten und später in Java verstorben.

Die Jahre 1918-1945[Bearbeiten]

Öffentliche Vorlesungen von Lehrreden und Vorträge über Grundthemen des Buddhismus sind erste Ansätze zur Bekanntmachung des Buddhismus in Österreich in der Ersten Republik. 1923 wurde durch Ing. Axel Grasel eine Buddhistische Gesellschaft in Wien gegründet. Auf dem 2. Internationalen Buddhistischen Kongress in Paris im Juni 1937 bezeichnete allerdings der Bregenzer Buddhist Hermann Lange die Möglichkeiten für eine buddhistische Arbeit in Österreich als wenig hoffnungsvoll.

Nach dem Anschluss 1938 an NS-Deutschland wurde der Buddhismus bedingt durch das intolerante Klima des Dritten Reiches und durch die dadurch erzwungene Emigration einiger Buddhisten (die teilweise aus jüdischen Familien stammten bzw. Pazifisten waren) bis 1945 fast völlig zurückgedrängt. Nur der Theravada Kreis um Dr. Anton Kropac führte gelegentliche Treffen im privaten Kreis durch und wurde so nach Ende des 2. Weltkriegs eine Anlaufstelle für die wenigen Buddhismusinteressierten, zu denen sich auch der deutsche Buddhist Helmut Klar gesellte.

Die Jahre 1945–1960er[Bearbeiten]

Mit der Wiederbegründung der Buddhistischen Gesellschaft Wien wurde 1949 eine langsame, aber stetige Entwicklung eingeleitet. 1955 übernahm Fritz Hungerleider, der die Emigrationszeit in China verbracht hatte, das Präsidentenamt von Dr. Oprchal und lenkte auf sehr maßgebliche Weise die Geschicke der kleinen Organisation in den nächsten zwei Jahrzehnten. Hungerleider war 1938 infolge des Anschlusses als „Halbjude“ aus Österreich geflohen und in seinem Exil in Shanghai mit Buddhismus und orientalischer Philosophie in Kontakt gekommen. Durch seine regelmäßigen Vorträge waren in den späten 1950er Jahren viele Menschen zum ersten Mal in Kontakt mit der buddhistischen Lehre gekommen. Ab 1961, nach einem Japan-Aufenthalt begann Hungerleider auch Zen-Seminare zu leiten. Eine Serie von Radiosendungen mit Prof. Hungerleider, in der dieser mit großer Begeisterung Entstehung, Verbreitung, Wesenszüge und spezielle Aspekte und Themen im Zusammenhang mit der Buddha-Lehre erklärte, wurde in den 1970er und 1980er Jahren im Österreichischen Rundfunk ausgestrahlt und gab so vielen Menschen in allen Teilen Österreichs die Gelegenheit den Buddhismus durch einen österreichischen Buddhisten verständlich gemacht zu bekommen.

Österreich hatte mit dem Bergsteiger Heinrich Harrer, dem langjährigen Begleiter des XIV. Dalai Lama, eine weitere bedeutende Vermittlerfigur zum Buddhismus.[7] 1952 erschien sein Reisebericht Sieben Jahre in Tibet. Später entstand um Harrer auch eine intensive Debatte um seine Beziehung zum Nationalsozialismus. Dadurch wurde der Buddhismus in Österreich im Kontext der Völkerverständigung, und nicht im Kontext der Flower-Power-Bewegung der 1960er in das Bewusstsein aufgenommen.[8] Österreich war durch Harrers Vermittlung auch im Aufnahmeprogramm tibetischer Flüchtlingskinder nach der chinesischen Annexion aktiv, sodass – neben der Schweiz – eine der größeren europäischen Diasporagemeinden entstand.

Die 1911 in Österreich geborene spätere Nonne Gelongma Karma Kechog Palmo (Freda Bedi) war in den 1950er Jahren eine der ersten westlichen Frauen im tibetischen Buddhismus und wurde 1966 von Karmapa zur Samaneri ordiniert. Sie hat das Karma Drubgyud Darje Ling Nonnenkloster für tibetische Frauen in Nordindien mit aufgebaut und starb 1977 in Sikkim.

Die Gründung einer Buddhistischen Buchhandlung durch Erich Skrleta in Wien entsprach dem steigenden Bedürfnis, buddhistische Originaltexte und Werke über Buddhismus lesen zu können. In diesem Zusammenhang wurde auch eine erste Adressenkartei von Buddhismus-Interessierten in Österreich und Süddeutschland aufgebaut, die für die ersten Kontakte von Suchenden von großer Bedeutung war.

1970er–1983[Bearbeiten]

Die 1970er waren geprägt von den Bestrebungen, für den Buddhismus in Österreich die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft zu erlangen. Dieser mit Hindernissen gepflasterte Weg sollte von Dezember 1974 fast 10 Jahre dauern.

Die 1970er der Ära Kreisky waren von einer gewissen Offenheit geprägt. Einen bedeutenden Beitrag leistete die Errichtung der UNO-City (heute Vienna International Centre, 1973–79) und der Niederlassung einiger der wichtigsten internationalen Organisationen (United Nations Office at Vienna UNOV, 1980). Dadurch wurde es für Österreich in seiner gewählten Rolle als international neutraler Staat zunehmend unangenehm, die Religion einer ganzen Weltgegend, die in Wien vertreten war, nicht anerkannt zu haben (der Islam war schon 1912 mit der Annexion Bosniens aus politischen Gründen anerkannt worden).

Parallel kam es zu einer „Ausweitung der Aktivitäten, Diversifizierung nach Schulrichtungen, und Etablierung neuer Gruppen, Erhöhung – und Erhebung – der Mitglieder- und Interessentenzahlen“.[8] Zu vermuten ist „ein Zustrom aus dem alternativen Milieu, der Post-68er-Gegenkultur und dem Hippie-Umfeld, nicht zuletzt von Leuten, die in Asien den Buddhismus aus erster Hand kennengelernt haben,“[8] also einem glaubenspraxis-orientiertem neben dem wissenschaftlichen Zugang. Zu dieser Zeit herrschten starke staatliche Bedenken gegen das Sektenwesen, in das der Buddhismus etwa durch die Hare-Krishna-Bewegung hineingezogen wurde.[9]

Nach Schaffung eines Stadtzentrums am Dannebergplatz in Wien 1976 (Buddhistisches Zentrum Wien, später Umzug an den Fleischmarkt und heute Hauptsitz der Religionsgesellschaft) sowie der ersten Bundesländerorganisation 1977 durch Friedrich Fenzl (Buddhistische Gemeinschaft Salzburg) wurde mit der Gründung einer österreichischen Dachorganisation (Österreichische Buddhistische Union) auch landesweit ein Ansprechpartner geschaffen.

Schon 1975 wurde ein altes Gebäude in Scheibbs angekauft und das Buddhistische Zentrum Scheibbs begründet. Damit war die Grundlage für eine völlig neue Buddhismus-Rezeption gelegt. Die Leitung des Zentrums übernahm bis 1986 Franz Ritter. Ziele des Zentrums waren es, authentischen buddhistischen Lehrern einen Rahmen für Seminare und Meditationsübungen zu geben, aber auch neue Strömungen zur Entwicklung eines europäischen Buddhismus, der vor allem ein Anliegen von Walter Karwath war, zu fördern. 1975 markiert damit den Übergang von buddhistischen Diskussionszirkeln zu buddhistischen Praxisgemeinschaften. In diese Zeit (1976) fällt auch der Rückzug Fritz Hungerleiders aus dem Präsidium, dessen Leitung Ing. Heinrich Chowanetz übernahm. Das noch unzureichend renovierte Zentrum in Scheibbs war 1976 Schauplatz des ersten Jahreskongresses der Europäischen Buddhistischen Union (EBU) nach ihrer Gründung in Paris 1975, bei der die österreichischen Buddhisten Franz Dolezel und Erich Skrleta beteiligt waren. 1976 wurde im Buddhistischen Zentrum Scheibbs von Walter Karwath, Ernst Schönwiese, Franz Ritter, Ingrid Fischer-Schreiber, Erich Skrleta und anderen die buddhistische Zeitschrift Bodhibaum begründet, die in den fast 20 Jahren ihres Bestehens der Vernetzung und Diskussion unter Österreichs Buddhisten einen unschätzbaren Dienst geleistet hat. Ab 1977 war der Wiener Arzt Walter Karwath Präsident der Buddhistischen Gemeinschaft und des Buddhistischen Zentrums Scheibbs. Er war es auch, der die Anerkennungsfrage konsequent verfolgte. Der Besuch zahlreicher namhafter asiatischer Lehrerpersönlichkeiten, allen voran Karmapa, Geshe Rabten, Hemaloka Thero u. a. prägte das nunmehr sehr lebendige Bild des Buddhismus in Österreich. Im August 1982 fand im BZ Scheibbs die 2. Europäische Shintagung unter Teilnahme des Patriarchen des Nishi Honganji, Lord Kosho Otani, statt, der schon durch seinen Besuch 1954 in Wien dem österreichischen Buddhismus einen wichtigen Impuls gegeben hatte.

Genro Koudela, der in den USA Zen-Mönch geworden war und von seinem Lehrer Joshu Sasaki Roshi als Zen-Priester (Oshō) eingesetzt wurde, war 1979 in seine Heimatstadt Wien zurückgekehrt. Mit ihm, mit der Gründung des Bodhidharma Zen-Ordens und der Schaffung des neuen Buddhistischen Zentrums am Fleischmarkt wurde wieder eine neue Ära des Buddhismus in Österreich eingeläutet.

Seit 1980 besteht in Österreich eine Niederlassung des von Lama Anagarika Govinda gegründeten Ordens Arya Maitreya Mandala. Der Orden gehörte bis Januar 1989 der Österreichischen Buddhistischen Union und der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft an und arbeitet seither eigenständig.[10]

Bis 1983 wurden acht weitere buddhistische Gemeinschaften und Zentren in Österreich begründet.

Das Kultusamt forderte 1978 ein – heute verschollenes – „Religionsbekenntnis“ und eine „Andachtsordnung“,[9] 1982 ein Statut für den Dachverband, und zuletzt eine eidesstattliche Absichtserklärung, im Fall einer Anerkennung der neuen Glaubensgemeinschaft beizutreten, von zumindest 1000 Personen.[9] Nach den kangen Verzögerungen kam es dann zu einer Säumnisbeschwerde beim Verwaltungsgerichtshof.

1983–2000[Bearbeiten]

Der Letzehof, bis heute das einzige buddhistisches Kloster Österreichs

Im Februar 1983 wurde dann der Buddhismus erstmals in einem europäischen Land anerkannt. Damit wurde es bekennenden Buddhisten auch möglich, ihren Kindern Religionsunterricht zu bieten, und der Diplomatengemeinschaft in Wien, auch öffentliche Schulen zu besuchen:[11] In Österreich ist Religionsunterricht ein Pflichtfach, der für alle anerkannten Religionsgemeinschaften möglich sein muss (wenn auch für kleinere Gemeinschaften als Ersatzunterricht außerhalb der Schule, in den 1970ern gab es selbst für Evangelische noch kaum reguläre Schulstunden). Im Mai 1983 wurde – denn ab nun gehörte die Thematik zum gesetzlich verankerten Bildungsauftrag – die erste explizite buddhistische Religionssendung, Die Lehre des Buddha, vom ORF ausgestrahlt, bis zum heutigen Tag folgten weitere 100 Sendungen. Im gleichen Jahr wurde die Friedenspagode Wien am Handelskai als erste staatlich anerkannte Gebetstätte durch tibetische Mönche eröffnet. 1983 wurde auch das Heinrich-Harrer-Museum in Hüttenberg in Kärnten eröffnet, in dem neben Biographischem auch Einblick in tibetisch-buddhistische Kultur geboten wird. Ganz im Westen Österreichs, in Feldkirch (Vorarlberg) wurde gleichzeitig ein Zentrum des tibetischen Buddhismus, der Letzehof in Feldkirch installiert, in dem regelmäßig einige tibetische und mongolische Mönche leben, studieren und den Dharma lehren. Aufgrund der Glaubensstreitigkeiten um Shugden-Verehrung ist dieses Kloster aber – obschon das Kloster auch anderen buddhistischen Strömungen offen steht und die meisten Mönche dort selbst Mitglied sind – nicht als Institution der ÖBG beigetreten.

Nach dem Tod von Walter Karwath 1986 wurde der erste österreichische Zen-Priester Genro Koudela Oshō, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft.

Bis zum Beginn der 1990er Jahre entstanden buddhistische Initiativen und Gruppen in allen Bundesländern. Kontakte zu den in Österreich lebenden asiatischen Buddhisten wurden intensiviert. Meditation und Kontemplation fanden zunehmend breiten Anklang. 1989 wurde das Haus der Stille in Dienten am Hochkönig (Berg) als gemeinsame Initiative des Zen-Mönchs Vanja Palmers und des Benediktiner-Mönchs David Steindl-Rast eröffnet. Es wird insbesondere von Buddhisten, aber auch von Christen aus Westösterreich als Zentrum der Praxis und Besinnung genutzt. Mehrmals hat sich das Zentrum auch als Begegnungsstätte für den Interreligiösen Dialog angeboten.

Friedens-Stupa Graz, Volksgarten

Anfang der Neunzigerjahre folgte ein Tempel und Meditationszentrum des burmesischen Theravada-Buddhismus in Kärnten und ein Zentrum des japanischen Buddhismus in Mödling, südlich von Wien. 1992 wird Österreich Soka Gakkai International in Wien begründet und 2001 als Gemeinschaft in die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft aufgenommen. 1993 wurde das von Franz Ritter nach seinem Ausscheiden aus dem Buddhistischen Zentrum Scheibbs begründete Naikan-Zentrum Neue Welt (heute Neue Welt Institut, Lanzenkirchen bei Wiener Neustadt) von der ÖBR als buddhistisches Institut anerkannt. 1995 wird in Wien die Hua Yen Schule in der koreanischen Chogye-Tradition begründet und unter dem Patronat des Dalai Lama in Graz das Buddhistische Zentrum She Drup Ling eröffnet.

1993 fand der Jahreskongress der Europäischen Buddhistischen Union (EBU) auf Einladung der Buddhistischen Gemeinschaft Salzburg in Hallein bei Salzburg statt. Delegierte aus 10 europäischen Ländern nahmen an diesen Beratungen teil. Besonders die Buddhisten in Westösterreich erfuhren dadurch wichtige Anregungen und Impulse. Mit dem Schuljahr 1993/94 begann in Österreich der Religionsunterricht für buddhistische Schüler, eine europaweit diskutierte Pioniertat. 1995 gab der Dalai Lama in Anerkennung dieser Tatsache in Graz den Schülern, die den Buddhistischen Religionsunterricht in verschiedenen Städten Österreichs besuchten, eine persönliche Belehrung. 1993 hatte der Unterricht mit 3 Lehrern und circa 25 Schülern begonnen, im Schuljahr 1999/2000 sollten es schon 130 Schüler sein, die von acht Lehrern in sechs Bundesländern unterrichtet werden. Bis 2004 hatte sich die Anzahl der buddhistischen Religionslehrer verdoppelt und die Anzahl der Schüler ebenfalls. Mehrmals in diesen Jahren wurden an Höheren Schulen in Wien, Salzburg, Kärnten Steiermark und Tirol von buddhistischen Schülern ausgezeichnete Leistungen bei mündlichen Reifeprüfungen im Fach Buddhistischer Religion geboten.

Am 12. Juni 1998 wurde im Grazer Volksgarten ein großer Stupa durch den Dalai Lama eingeweiht und kurz darauf am Stadtrand von Graz das Zentrum und der Stupa der Grazer Karma Kagyü Gruppe. Nachdem nur Monate vorher das tibetisch-buddhistische Zentrum der Salzburger Karma Kagyü Gruppe in der Weizensteinerstraße eröffnet wurde, kam es am 11. November 1998 zur Eröffnung des Buddhistischen Zentrums Salzburg in der Lehenerstraße durch Thich Minh Thanh (Abt der An-Quang-Pagode, Saigon-HCM) und Su Cô Chân Không vom Tiep Hien Orden in Plum Village, die das Buddhistische Zentrum einweihten. Am gleichen Tag hielt Thich Nhat Hanh nach Veranstaltungen in Wien und Graz auch einen Vortrag mit hunderten Besuchern in Salzburg ab.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bhante Seelawansa Mahathero

Seit der Volkszählung 2001 wird in Österreich[2] die Religionszugehörigkeit nicht mehr amtlich erfasst. Daher liegen in Folge keine amtlichen Zahlen mehr vor, es obliegt den Religionsgemeinschaften, die Zahl ihrer Mitglieder zu veröffentlichen, oder zu verschweigen. Aufgrund der Vielfalt des Buddhismus liegen daher für das letzte Jahrzehnt nur Schätzungen vor.[4] Von Aufspaltungstendenzen aufgrund der geopolitischen Lage oder Spannungen in den Herkunftsländern ist – wie beispielsweise auch der Islam in Österreich – die buddhistische Religionsgemeinschaft ebenso bedroht. Die im Kontext der Tibet-Frage hochpolitische Problematik doppelter Linienhalter hat dazu geführt, dass insbesondere die tibetische Karma-Kagyü-Schule mit mehreren Gemeinschaften innerhalb der ÖBR vertreten ist.[12] Es gibt auch einige Gruppen, die bisher keine Mitglieder bei der ÖBR sind.[13]

Heute nimmt der Buddhismus in Österreich keine sonderlich prominente Stellung ein, allein aufgrund der geringen Mitgliederzahl und der durchwegs positiven Rezeption des Buddhismus im Allgemeinen.[14] Einzig der religiös konnotierte Konflikt um Tibet und China findet auch in Österreich gewisse breitere Aufmerksamkeit. Der christlich-buddhistische interreligiöse Dialog ist – von prinzipiellen theologischen Betrachtungen abgesehen[15] – von geringer Bedeutung,[16] im Dialog der Religionen insgesamt spielt der Buddhismus eine angesehen Rolle.[17]

Mit etwa 10.000 Besuchern war die vom 14. Dalai Lama, Tendzin Gyatsho, geleitete Kalachakra-Zeremonie in Graz im Herbst 2002 sicherlich die bis dahin größte und bestrezipierte buddhistische Veranstaltung in Österreich.[18]

Auf Genro Koudela Oshō folgte 2001 bis 2006 der Wiener Arzt Peter Riedl als Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft, der auch Herausgeber der Zeitschrift Ursache & Wirkung ist, die im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet ist. Heute ist Gerhard Weißgrab Präsident.[19]

Heute gibt es eine wachsende Zahl von österreichischen Männern und Frauen, die größtenteils in Klöstern der buddhistischen Ursprungsländer eine langjährige Ausbildung zu vollordinierten Nonnen und Mönchen absolvieren. Genro Koudela Osho, der Leiter des Bodhidharma Zendo in Wien, der auch viele Jahre Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft war, ist ein Mönch und Priester der japanischen Rinzai-Zen Tradition. Neben weiteren voll ordinierten Mönchen, die gebürtige Österreicher sind, wie dem Jampa Lungtok, der Leiter des Letzehof ist, gibt es eine Anzahl von gut ausgebildeten Dharmalehrerinnen und -lehrern, von denen einige auch über längere Zeit die Robe in asiatischen Ländern getragen hatten. Derzeit leben auch eine Reihe von Mönchen und Nonnen aus asiatischen Ländern (China, Japan, Korea, Sri Lanka, Thailand) in Österreich, um hier über kürzere oder längere Zeiträume die entsprechenden Gruppen und Zentren einer spezifischen buddhistischen Schultradition anzuleiten und zu unterstützen. Hier ist insbesondere der Leiter des Dhamma Zentrums Nyanaponika,[20] Bhante Seelawansa Mahathero zu nennen, der seit den 1980er Jahren in Wien tätig ist und den Theravada Buddhismus sri-lankischer Prägung repräsentiert. Er ist auch der Leiter der Theravada Schule in Wien und Salzburg. Er war Initiator eines sehr gut besuchten viersemestrigen Buddhismus-Lehrgangs an der Universität Wien von Herbst 2003 bis Frühsommer 2005. Weiters leben auch eine Reihe österreichischer Mönche, Nonnen und engagierte Laien in Klöstern und Meditationszentren Asiens.

2004 wurde Rangjung Yeshe Gomde in Scharnstein, Oberösterreich, als ein internationales Zentrum für Praxis und Studium des tibetischen Buddhismus errichtet. Im Mai 2005 wurde nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit der Buddhistische Friedhof am Wiener Zentralfriedhof eingeweiht.[21] Im Oktober 2006 wurden die Leitungsgremien der ÖBR (Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft), das Präsidium und die Buddhistische Gemeinde Österreich, neu gewählt. Derzeitiger Präsident der ÖBR ist Gerhard Weißgrab. Auf seine Initiative geht auch die Schaffung eines landesweiten Netzwerks von Repräsentanten der ÖBR zurück, wodurch der österreichische Buddhismus auch in den Regionen Gesicht und Stimme erhält. So fand auch die Feier zum dreißigjährigen Bestehen des organisierten Buddhismus in Salzburg im Mai 2007 große lokale Beachtung.[22]

Fo-Guang-Shan-Tempel Wien-Rudolfs­heim (15.), 2010 – ein Beispiel moderner buddhistischer Architektur

Am 23. Februar 2008 fand an der Universität in Wien eine Feier zum 25. Jahrestag der staatlichen Anerkennung des Buddhismus in Österreich statt.[23] Ein weiteres wichtiges Ereignis des Jahres war die Eröffnung des IIHTS – Internationalen Instituts für Höhere Tibetische Studien (Tibetzentrum Hüttenberg) in Kärnten,[24] womit Österreich auch über eine wissenschaftliche Einrichtung zum Buddhismus verfügt.

Im Mai 2012 besuchte der 14. Dalai Lama in einer neuntägigen Reise Klagenfurt, Salzburg und Wien. Die Veranstaltungen zogen 30.000 Besucher an, weitere 15.000 Menschen verfolgten diese via Live-Stream. Mehr als 330 akkreditierte Journalisten aus 17 Nationen berichteten von diesem Besuch.[25] Bei diesem Anlass wurde auch beim Harrermuseum ein tibetischer Gebetsraum von seiner Heiligkeit persönlich eingeweiht.[26]

Trotz der inzwischen langjährigen Tradition des Buddhismus in Österreich ist – wie bei den Minarettstreiten – der Bau sakraler Stätten noch immer oft umstritten. Im Februar 2012 wurde der Bau einer Stupa in Gföhl (Niederösterreich) bei einer Volksbefragung mit etwa zwei Drittel der abgegebenen Stimmen abgelehnt. Die Lotos-Lindmayer-Privatstiftung, die die Stupa errichten wollte, akzeptierte die Entscheidung, klagte aber über „geschürten Hass“ seitens der Stupa-Gegner.[27] Im Mai 2013 wurde der erste buddhistische Tempel von Innsbruck eröffnet, damit gibt es drei buddhistische Tempel in Tirol, diese Eröffnung verlief ohne Zwischenfälle.[28] Der Bau einer Stupa am Linzer Freinberg (Einweihung August 2013) war aber ebenfalls von politischen Diskussionen begleitet.[29]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Buddhismus in Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Buddhismus in Österreich, buddhismus-austria.at, abgerufen am 6. Januar 2010
  2. a b Volkszählung 2001 in Österreich, abgerufen am 6. Januar 2010
  3. W. Schandor: Eine Religion auf leisen Sohlen. In: Wiener Zeitung, 23. Februar 2008.
  4. a b Zur Schätzung vergl. auch Gerhard Weißgrab, Präsident der Religionsgesellschaft, im Interview, „Immer mehr suchen Antworten“, Nina Brnada, in Wiener Zeitung (wiedergegeben auf ninabrnada.com, 22. Februar 2013), zur Frage „Wie viele Buddhisten leben derzeit in Österreich?“
  5. Lit. Hecker: Buddhisten im alten Österreich. 1993, S. 16.
  6. Zu Karl Eugen Neumann siehe Volker Zotz: Der Buddha tritt auf: Karl Eugen Neumann. In: Auf den glückseligen Inseln. Buddhismus in der deutschen Kultur. Theseus Verlag, Berlin 2000, S. 90–101
  7. vergl. Helmut Clemens: Von Großdeutschland nach Tibet. Der lange Marsch des Heinrich Harrer., info-buddhismus.de.
  8. a b c zitiert nach Lit. Herbert: Eine kleine Geschichte des Buddhismus …, Abschnitt 7. 1960er und 1970er Jahre: Buddhismus in Gegenkultur und Praxis. Absatz Die Mitte der 70er Jahre erweist sich in Österreich somit als wichtige Achse für neue Entwicklungen ….
  9. a b c Einmal Pizza Buddhista, bitte! Arbeit am Erwachen: Vor 30 Jahren, unter Bruno Kreisky, wurde die Lehre vom Mitgefühl mit allen Wesen in Österreich zur Bekenntnisreligion. Wolfgang Koch in der Standard.at, 5. April 2013, Abschnitte Organisation im Jahrzehnt des Sektenverdachts und Eidesstaatliche Erklärung von 1000 Personen
  10. Arya Maitreya Mandala in Österreich (arya-maitreya-mandala.at)
  11. Da in Österreich keine Schulpflicht herrscht, sondern nur Unterrichtspflicht, brauchen die von Staaten oder Gemeinschaften in Umfeld der UNO errichteten Unterrichtsformen nach Landesart nicht anerkannt sein, es reicht der Nachweis, dass Unterricht stattfindet. Das gilt auch für häuslichen Unterricht, hier muss aber ein Nachweis über gewisse Lernziele erbracht werden.
  12. vergl. Einmal Pizza Buddhista, bitte! Arbeit am Erwachen: Vor 30 Jahren, unter Bruno Kreisky, wurde die Lehre vom Mitgefühl mit allen Wesen in Österreich zur Bekenntnisreligion. Wolfgang Koch in der Standard.at, 5. April 2013, Abschnitt 7000 Euro Baukosten pro Toten, 3. Absatz.
  13. Weitere Gruppen, buddhismus-austria.at
  14. (Frage: „Hat der Buddhismus ein besseres Image als der Islam?“) „Ja, wir haben ein tolles Image […]““. Gerhard Weißgrab, Präsident der Religionsgesellschaft, im Interview, „Auch im Buddhismus ist nicht alles Gold, was glänzt“, Bettina Fernsebner-Kokert, derStandard.at 17. Februar 2013.
  15. vergl. Reinhart Hummel Problemfelder im christlich - buddhistischen Dialog, auf religion.orf.at.
  16. so gibt es seitens des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ, Vertretung der christlichen Ökumene) keine explizite Stellungsnahme, anders als etwa zu Judentum oder Islam, vergl. die Themen in Ökumene, oekumene.at, abgerufen Juni 2014.
  17. Gerhard Weißgrab, im Interview, „Immer mehr suchen Antworten“, Nina Brnada, in Wiener Zeitung (wiedergegeben auf ninabrnada.com, 22. Februar 2013), zur Frage „Wie gut funktioniert der Dialog der 14 Religionsgemeinschaften, die in Österreich anerkannt sind, untereinander?“; vergl. auch ders. in Fortführung eines konstruktiven Dialoges zwischen den österreichischen Muslimen und Buddhisten. Presseaussendung, APA OTS0005, 11. Aug. 2011.
  18. Meldungen rund ums Kalachakra, Meldungsübersicht, religion.orf.at.
  19. Das Präsidium der ÖBR, buddhismus-austria.at, abgerufen am 9. Januar 2010.
  20. Dhammazentrum Wien (dhammazentrum.com)
  21. Buddhistischer Friedhof in Wien eröffnet, religion.orf.at, News 24. Mai 2005, Zugriff 9. Jänner 2010.
  22. 30 Jahre Buddhismus in Salzburg. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  23. Alles Gute zum Geburtstag, ÖBR! Red Buddha – Buddhismus & Sozialdemokratie, Arbeitsgruppe der Bildungsorganisation der Wiener SPÖ, www.redbuddha.at, Blog, 17. Februar 2008, Zugriff 9. Jänner 2010
  24. Tibetzentrum Hüttenberg – IIHTS, Internationales Institut für Höhere Tibetische Studien (tibetcenter.at)
  25. Seine Heiligkeit der Dalai Lama auf 9-tägigem Österreich-Besuch in Kärnten, Salzburg und Wien, dalailama.at, abgerufen am 23. August 2012.
  26. Heinrich Harrer Museum, austria.info – mit Abbildung
  27. Volksbefragung: Zwei Drittel gegen Buddha Tempel in Gföhl, In: Der Standard online, 12. Februar 2012;
    Chronik: Nach Volksbefragung: Nein zum Stupa-Bau in Gföhl (NÖ); Schreiben des Instituts an Diözesanbischof Dr. Küng, beide stupa.at, abgerufen 2. Juni 2014;
    Gemeinde Gföhl: Zahlen zur Volksbefragung vom 12. Februar 2012, abgerufen am 26. November 2012.
  28. Buddhistischer Tempel eröffnet, tirol.orf.at, 25. Mai 2013.
  29. Stupa wird am Wochenende eingeweiht, kurier.at, 2. August 2013