Buddy-Projekt

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Das von der Vodafone Stiftung Deutschland ins Leben gerufene Buddy-Projekt ist ein pädagogisches Programm zum Erwerb sozialer Handlungskompetenzen, das an Schulen (Klassen 5 bis 10) umgesetzt wird. Gemäß dem Motto „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen“ stärkt es Schüler, führt dazu, dass sie Verantwortung für sich und andere übernehmen und Konflikte konstruktiv lösen.

Für jede Schule erarbeiten speziell ausgebildete Buddy-Trainer gemeinsam mit den Lehrern schulspezifische Praxisprojekte. Darin übernehmen Schüler etwa Patenschaften für jüngere Mitschüler, helfen anderen beim Lernen, setzen sich als Streitschlichter ein oder engagieren sich in Kindergärten oder Seniorenheimen. Anhand der Erfahrungen, die sie in diesen Projekten machen, entwickeln sie Werte und Kompetenzen fürs Leben. Das Buddy-Projekt stärkt soziale Handlungskompetenzen wie beispielsweise Perspektivenwechsel, Reflexionsfähigkeit, Kooperations- und Konfliktfähigkeit sowie Kommunikationskompetenz. Das Programm wird vielseitig eingesetzt, beispielsweise um einen Beitrag zur Sucht- und Gewaltprävention zu leisten, kooperatives Lernen zu fördern, die Schülermitverwaltung zu stärken oder auf Schulverweigerer einzuwirken.

Pädagogischer Ansatz des Buddy-Projekts[Bearbeiten]

Der pädagogische Ansatz basiert auf drei Säulen:

Peergroup Education[Bearbeiten]

Eltern wünschen sich natürlich, dass ihre Kinder mit Problemen als erstes zu ihnen kommen. Allerdings erfahren die beste Freundin oder der beste Freund doch meistens früher, wenn es beispielsweise Schwierigkeiten mit Lehrern gibt oder ein Kind sich von Mitschülern abgelehnt und ausgeschlossen fühlt.

Gleichaltrige sind näher am Geschehen, an der Lebenswelt ihrer Freunde, als jeder Erwachsene. Freunde oder Freundinnen genießen das Vertrauen. Sie hören zu, fragen nach, helfen und unterstützen. Den großen Einfluss, den Gleichaltrige auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben, macht sich die Peergroup-Education zu Nutze. Sie bezieht die Problemlösungskompetenzen der „Peers“, also der Gleichgesinnten, Gleichaltrigen, in den Erziehungsprozess mit ein und ist die wichtigste Säule des Buddy-Projekts. Im Zentrum steht das „Empowerment“, das heißt die Befähigung der Jugendlichen, als Experten für ihre eigenen Belange zu handeln. In den Buddy-Praxisprojekten lernen Jugendliche von Gleichaltrigen oder Schülern, die wenig älter sind als sie: Fünftklässler schauen sich beispielsweise von Paten aus der 9. Klasse Tipps und Tricks ab, um sich in der neuen Schule zurechtzufinden. Streithähne lernen von Pausenbuddys, ihre Konflikte auf dem Pausenhof friedlich auszutragen. Und manchmal erklärt ein Gleichaltriger die Mathematikaufgabe viel besser als ein Lehrer. In diesem Lernprozess erwerben beide Seiten wichtige Kompetenzen wie etwa Selbstwirksamkeit, Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit oder Perspektivenwechsel. Peergroup-Education vermag aber noch mehr: Sie bewirkt eine Haltungsänderung, denn die Kinder und Jugendlichen lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen – in jeder Lebenslage.

Lebensweltorientierung[Bearbeiten]

Betroffene werden zu Handelnden. Das Buddy-Projekt knüpft an den realen Problemen und somit an der Lebenswelt der Schüler an.

Die Schüler erwerben ihre Kompetenzen nicht in der Diskussion abstrakter Modelle und didaktischer Herleitungen, sondern an Fragen, die sie sich im Schulalltag ohnehin stellen: Wie kann ich meinem Freund helfen, der immer von den anderen geärgert wird? Wie können wir das Rauchen auf dem Schulhof verhindern – ohne „uncool“ zu sein? In diese alltäglichen Probleme sind Kinder und Jugendliche selbstverständlich involviert. Die Lösung dieser Probleme gibt ihnen das Gefühl, ihre Kompetenz als Helfer einzusetzen und als Person wirksam zu sein. Das Buddy-Projekt ist also kein Lernen in Laborsituation, sondern Schüler und Lehrer entscheiden gemeinsam, was für sie relevant ist und was sie im Rahmen eines Praxisprojekts bearbeiten wollen.

Systemischer Ansatz[Bearbeiten]

Das Buddy-Projekt richtet sich an alle Akteure der Schule. Um systemisches Denken zu erklären, wird gerne das Bild des Mobiles verwendet, bei dem jedes einzelne Element mit den anderen zusammenhängt und sie beeinflusst.

Wie in einem Mobile hat der Anstoß eines Elements des Systems Schule Auswirkungen auf die anderen Elemente. Wenn eine Schule sich für das Buddy-Projekt entscheidet, beeinflusst diese Entscheidung die beteiligten Schüler und Lehrer, die Klasse, die Klassenstufe usw. Im Buddy-Projekt steht somit nicht das Individuum mit seinen Verhaltensweisen im Vordergrund, sondern die Interaktion zwischen den Beteiligten und die Auswirkungen auf das System Schule. Deutlich wird das am Beispiel eines übergewichtigen Kindes, das wegen seiner Figur oft gehänselt wird. Sicherlich braucht es Hilfestellungen, wie es mit der Situation umgehen kann – das Buddy-Projekt hat aber darüber hinaus den Anspruch, die Mitschüler für den Umgang miteinander zu sensibilisieren und auf grundsätzliche Werte und Spielregeln der Klassen und Schulgemeinschaft hinzuweisen. Dieses Verständnis ist für die Lösung von Problemen insofern hilfreich, als es in der Regel einfacher ist, die Bedingungen und Muster von Kommunikation und Interaktion zu ändern als die Menschen. Vor diesem Hintergrund steht das Buddy-Projekt immer im Gesamtkontext von Schule, Schulentwicklung und den beteiligten Personen und bewirkt so nachhaltige Veränderungen. Die Verknüpfung der drei Ansätze ermöglicht, dass die Schüler durch die Beziehung zu ihren „Peers“ ebenso lernen wie durch konkretes Handeln. Innerhalb ihrer Peergroup erwerben sie Werte und Kompetenzen fürs Leben. Auf diese Weise übernehmen sie Verantwortung für sich und andere und handeln als Buddys.

Geschichte des Buddy-Projekts[Bearbeiten]

Das Buddy-Projekt wurde 1999 nach einer Idee des Straßenkinderhilfe-Vereins Off Road Kids von der Vodafone Stiftung ins Leben gerufen. Das präventive Programm sollte gefährdeten Kindern und Jugendlichen helfen und damit die akute Straßenkinderhilfe ergänzen. Seitdem hat sich das Buddy-Projekt rasant entwickelt. Durch jährliche Aktionen wie zuletzt den „Buddy-Schülerwettbewerb“ (2005/2006) sowie durch die Verbreitung der Materialien erlangte das Buddy-Projekt bundesweite Bekanntheit und erreichte immer mehr Schulen. Im Jahr 2000 wurde das bisherige Präventionsprojekt für Straßenkinder inhaltlich neu ausgerichtet: Das "Buddy-Projekt" wurde auf das damals "Anticrash-Gruppe" genannte Modell der Montessori-Hauptschule Düsseldorf aufmerksam,[1] welches fortan zu einem umfassenden Programm zum Erwerb sozialer Handlungskompetenzen weiterentwickelt wurde. Um das Wachstum professionell zu gestalten, wurde das Buddy-Projekt im Mai 2005 in einen eigenständigen Verein überführt.

Auswirkungen des Buddy-Projekts[Bearbeiten]

Auf die Schüler[Bearbeiten]

Im Buddy-Projekt erwerben Schüler soziale Handlungskompetenzen wie z.B. Verantwortungsübernahme, Konfliktbearbeitung, Perspektivwechsel, Kooperationsfähigkeit und Empathie. In Praxisprojekten nutzen Schüler ihre soziale Kompetenz und reflektieren ihr Handeln. Sie erfahren, dass ihr eigenes Verhalten eine Wirkung auf Mitschüler hat. Das stärkt ihr Vertrauen in die eigene Handlungskompetenz (Selbstwirksamkeit). Sie gestalten das soziale Leben in der Schule und lernen den verantwortlichen Umgang miteinander – auch über die Schule hinaus. Schüler lernen und übernehmen in Buddy-Praxisprojekten Verantwortung für sich und andere und handeln somit als Buddys.

Auf die Lehrer[Bearbeiten]

In Buddy-Praxisprojekten übernehmen die Schüler Verantwortung für ihre Themen. Dadurch verändert sich die Rolle der Lehrkraft vom „Lehrenden“ hin zum „Coach“ (Begleiter). Er vertraut in die Fähigkeiten und Kompetenzen der Schüler und unterstützt und begleitet sie. Durch diese Verantwortungsübergabe werden die Lehrkräfte entlastet.

Auf die Schule[Bearbeiten]

Im Hinblick auf Problemfelder wie z.B. Gewalt, Sucht, Ausgrenzung wirkt das Buddy-Projekt präventiv, denn es stärkt die vorhandenen Ressourcen und vermittelt fehlende soziale Handlungskompetenzen der Schüler. Somit kann das Buddy-Projekt als eigenständiges Präventionsprogramm in der Schule eingesetzt werden. Durch sein offenes und bedarfsbezogenes Konzept eignet es sich aber auch zur Ergänzung und Vernetzung bereits bestehender Projekte und Angebote (z.B. Streitschlichtung).

Verbreitung des Buddy-Projekts (Stand: Juli 2007)[Bearbeiten]

Das Buddy-Projekt wird in Kooperation mit den jeweiligen Kultusministerien landesweit eingeführt. Den Anfang machte Niedersachsen im Herbst 2005 (93 weiterführende Schulen), das das Buddy-Projekt im Rahmen des Gewaltpräventionserlasses eingeführt hat. In Berlin läuft das Projekt seit 2006 an allen 406 Grundschulen und ist wesentlicher Bestandteil der Maßnahmen zur Sucht- und Gewaltprävention des Berliner Schulsenats.

In Hessen nehmen Schüler von 151 weiterführenden Schulen am Buddy-Landesprogramm teil. In Nordrhein-Westfalen ist über ein Modellprojekt in Düsseldorf sowie ein Pilotprogramm für Hauptschulen in Ostwestfalen-Lippe der Einstieg geschafft. Das jüngste Mitglied in der Buddy-Familie ist das Land Thüringen, das im April 2007 ein Landesprogramm für 110 Schulen aufgelegt hat.

Auch außerhalb der Landes- und Regionalprogramme gibt es zahlreiche erfolgreiche Praxisprojekte an Schulen, die oft schon viele Jahre mit dem Buddy-Projekt arbeiten. Ein besonders aktives Netzwerk gibt es beispielsweise im Donnersbergkreis (Rheinland-Pfalz), wo sich 14 Schulen engagieren.

Am Buddy-Projekt nehmen bundesweit mehr als 800 Schulen mit 400.000 Schülern teil. Für jede Schule erarbeiten speziell ausgebildete Buddy-Trainer gemeinsam mit den Lehrern schulspezifische Praxisprojekte.

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Unsere “Buddy-Geschichte”

Weblinks[Bearbeiten]

  • www.buddy-ev.de - Die Webseite des buddY e.V., Träger des bundesweiten Buddy-Projekts
  • www.wir-buddys.de - Buddy-Projektseite der Montessori-Hauptschule Düsseldorf