Bujar Nishani

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Bujar Nishani (2012)

Bujar Faik Nishani (* 29. September 1966 in Durrës) ist ein albanischer Politiker und der 6. Präsident Albaniens. Er war langjähriger Innen- sowie Justizminister, bis er am 11. Juni 2012 vom albanischen Parlament zum Staatsoberhaupt gewählt wurde.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Bujar Nishani wurde 1966 in der albanischen Hafenstadt Durrës geboren. Seine Familie väterlicherseits kam ursprünglich aus der südalbanischen Region um Gjirokastra und Libohova und siedelte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Durrës um.[1] 1988 absolvierte er ein Studium an der Militärakademie „Skënderbej“ in Tirana und 1996 beendete er ein postgraduales Studium in Kalifornien. 2004 wurde er an der Universität Tirana zum Juristen diplomiert und 2005 erlangte er einen Master in den European Studies.[2]

Politische Anfänge bei den Demokraten[Bearbeiten]

Im Jahr 1991 – nach dem Fall der kommunistischen Diktatur in Albanien – trat Bujar Nishani der Demokratischen Partei Albaniens (PD) bei. Seine politischen Aktivitäten waren jedoch recht begrenzt, und erst ab 2001 zeichnete sich eine Intensivierung ab. So wurde Nishani in jenem Jahr zum Sekretär der Parteisektion in Tirana gewählt. 2003 wählten ihn die Stimmberechtigten der Hauptstadt als Mitglied der PD in den Stadtrat (albanisch Këshilli Bashkiak).[2]

Abgeordneter und Minister[Bearbeiten]

Bei den Parlamentswahlen im Juli 2005 wurde Nishani als Vertreter des Qark Tirana ins Parlament (alb. Kuvendi) gewählt. Damals gelangten erstmals nach mehreren Jahren die Demokraten wieder an die Regierung, und die Sozialistische Partei ging in die Opposition. Nishani wurde zudem beim Parteikongress der Demokraten im gleichen Jahr in den Parteivorsitz gewählt und entwickelt sich seitdem zu den führenden Figuren der Demokratischen Partei.[2]

Zwischen Januar 2006 und Oktober 2007 war Bujar Nishani Mitglied im Europarat.[3]

Im Jahr 2007 trat Sokol Olldashi von seinem Posten als Innenminister zurück, und Ministerpräsident Sali Berisha (PD) erklärte Bujar Nishani zu dessen Nachfolger.[4] Nishani war somit im Kabinett Berisha I zum ersten Mal in seiner Karriere Minister. Nach den Parlamentswahlen 2009 wurde er ins Justizministerium versetzt und Lulzim Basha trat seine Nachfolge an. Nishani leitete dieses Ministerium im Kabinett Berisha II bis 2011, als Basha wegen seiner Kandidatur zum Bürgermeister von Tirana als Minister zurücktreten musste.

In der Amtszeit von Nishani als Innenminister fällt unter anderem die Einführung des albanischen biometrischen Reisepasses und daraus folgend die Befreiung albanischer Bürger von Visa für die Europäische Union. Auch das Zivilstandsregister wurde allumfassend erneuert und modernisiert.[5]

Wahl zum Staatsoberhaupt[Bearbeiten]

Bujar Nishani trat bei der Präsidentschaftswahl 2012 erst beim vierten Anlauf als Kandidat der Demokraten an und wurde vom albanischen Parlament mit 73 zu 3 Stimmen zum neuen Staatspräsidenten gewählt. An diesem Wahlgang nahm die oppositionelle Sozialistische Partei Albaniens (PS) nicht teil. Bujar Nishani wurde am 24. Juli 2012 als Nachfolger des seit 2007 amtierenden Bamir Topi vereidigt.[6][7][8]

Präsident der Republik[Bearbeiten]

Bujar Nishani (links) trifft den österreichischen Außenminister Michael Spindelegger anlässlich zur Eröffnung der Skanderbeg-Ausstellung im Historischen Nationalmuseum in Tirana

Anlässlich seines Besuchs in New York am 24. September 2012 trat Bujar Nishani vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen und gab scharfe Töne gegen Serbien von sich, das weiterhin eine Anerkennung des Kosovo ablehnt. In Albanien wurde diese Rede sehr positiv aufgenommen. Auch zur gesamtpolitischen Lage der Balkanhalbinsel sprach Nishani:

„Në rajonin tim, atë të Ballkanit, popujt e etnive të ndryshme: shqiptarë, boshnjakë dhe kroatë kanë përjetuar disa nga luftërat më të tmerrshme në emër të nacionalizmit të keqpërdorur. Mendjet shoviniste përligjën ideologjinë e superioritetit të tyre mbi popujt e tjerë duke legjitimuar gjenocidet dhe masakrat që pasuan. Dy dekadat e fundit kanë treguar se nuk është një detyrë e lehtë që ta kthesh këtë faqe në librin e historisë së Ballkanit.“

„In meiner Region, dem Balkan, haben verschiedene Völker und Ethnien: Albaner, Bosniaken und Kroaten unter den schlimmsten Kriegen gelitten, die im Namen des Nationalismus missbraucht wurden. Die chauvinistischen Gedanken rechtfertigten ihre Ideologie und Superiorität gegenüber den anderen Völkern, indem sie die folgenden Genozide und Massaker legitimierten. Die letzten zwei Jahrzehnte zeigten, dass es keine leichte Aufgabe ist, diese Seite in der Geschichte des Balkans umzukehren.“

Bujar Nishani[9]

Dies war die erste Rede Nishanis vor einem breiten internationalen Publikum seit seinem Amtsantritt als Staatsoberhaupt Albaniens im Juli 2012.[10]

Privatleben[Bearbeiten]

Bujar Nishani ist mit Odeta Nishani verheiratet, die im Ministerium für Tourismus, Kultur, Jugend und Sport arbeitet. Sie besetzt dort die Leitung des Departements für Handelsstudien und Tourismusstatistiken. Odeta Nishani kommt aus einer kosovarischen Emigrantenfamilie, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Gjakova nach Durrës umgesiedelt war. Das Paar hat einen Sohn, Ersi und eine Tochter, Fiona. Bujar Nishani spricht neben Albanisch auch Englisch.[11][12] Er entstammt einer bektaschitischen Familie und ist Moslem.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erstes Interview mit Bujar Nishani bei der Zeitung Mapo. In: Mapo.al. 13. Juni 2012, abgerufen am 15. Juni 2012 (albanisch).
  2. a b c Kurzbiographie auf der offiziellen Website des Präsidenten. Abgerufen am 10. November 2012 (englisch).
  3. Profil von Bujar Nishani auf der offiziellen Website des Europarats. Abgerufen am 15. Juni 2012 (englisch).
  4. Geschichtliches zum albanischen Innenministerium. Abgerufen am 19. Juni 2012 (albanisch).
  5. Bujar Nishani empfängt sein Team im Innenministerium nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten. In: Offizielle Website des Innenministeriums. 14. Juni 2012, abgerufen am 15. Juni 2012 (albanisch).
  6. Bujar Nishani, neuer Präsident der Republik. In: Top Channel. 11. Juni 2012, abgerufen am 19. Juni 2012 (albanisch).
  7. Bujar Nishani wird neuer Präsident von Albanien. Der ehemalige Innenminister ist in der vierten Wahlrunde vom Parlament zum Präsidenten gewählt worden. Er gilt als führende Figur der Demokraten. In: DiePresse.com. 11. Juni 2012, abgerufen am 11. Juni 2012.
  8. Besar Likmeta: Albania: Bujar Nishani Sworn In As President. In: Eurasia Review. 25. Juli 2012, abgerufen am 28. Juli 2012 (englisch).
  9. Fjala e Presidentit Nishani në OKB gjatë Takimit të Nivelit të Lartë mbi Shtetin e së Drejtës. In: president.al. 24. September 2012, abgerufen am 26. September 2012 (albanisch).
  10. Presidenti Nishani flet në OKB. In: Top Channel. 24. September 2012, abgerufen am 24. September 2012 (albanisch).
  11. Die künftige First Lady, offiziell die reichste. In: Top Channel. 15. Juni 2012, abgerufen am 15. Juni 2012 (albanisch).
  12. Kurzbiographie auf der Website des Innenministeriums. Abgerufen am 15. Juni 2012 (albanisch).