Bukovskýit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bukovskýit
Bukovskyite Kutna Hora Cecoslovacchia 001.JPG
Bukovskýit, traubiges Aggregat aus Kutná Hora, Tschechien
Andere Namen
  • IMA1967-022
  • Bukovskyit[1]
  • Bukowskyit[2] bzw. Bukowskýit
Chemische Formel

(FeIII)2[AsO4|SO4|OH]·7H2O[3]

Mineralklasse Phosphate, Arsenate und Vanadate
8.DB.40 (8. Auflage: VII/D.05) nach Strunz
43.05.01.02 nach Dana
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin triklin-pedial 1 oder
triklin-pinakoidal 1
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P1 oder P1[4] (Raumgruppen-Nr. 1 oder 2)
Farbe Gelblichgrün bis Gräulichgrün
Strichfarbe Hellgelblich
Mohshärte nicht definiert (weich[5])
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,334; berechnet: 2,336[5]
Glanz
Transparenz durchscheinend
Spaltbarkeit unvollkommen nach {010}[5]
Bruch uneben, erdig
Habitus kleine, nadelige Kristalle; radialstrahlige, traubige, knollige Aggregate
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten leicht löslich in Salzsäure (HCl)

Bukovskýit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung (FeIII)2[AsO4|SO4|OH]·7H2O[3], es ist somit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Eisen-Arsenat mit Hydroxid und Sulfatkomplex als zusätzlichen Anionen.

Bukovskýit ist durchscheinend und entwickelt nur kleine, nadelförmige Kristalle bis etwa 0,5 Millimetern Länge, die meist in radialstrahligen oder traubigen bis knolligen Mineral-Aggregaten angeordnet sind. Seine Farbe variiert zwischen Gelblichgrün und Gräulichgrün, seine Strichfarbe ist allerdings hellgelblich.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Bukovskýit ist leicht löslich in Salzsäure (HCl).[6]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Bukovskýit bei Kaňk (Kutná Hora) in Tschechien und beschrieben 1967 durch František Novák, Pavel Povondra und Jiří Vtelenský, die das Mineral nach Antonín Bukovský (1865–1950) benannten. Dieser hatte das Mineral bereits 1914 analysiert und das Material als „giftige Erde von Kutná Hora“ bezeichnet.

F. Slavík untersuchte das Typmaterial von Bukovský ebenfalls, hielt es jedoch für eine inhomogene Mischung oder ein Mineral der Pitticit-Gruppe und veröffentlichte 1925 einige weitere Daten über diese Substanz. Er gab eine Probe des Materials an F. Ulrich weiter. Dieser stützte sich in seinem Kurzbericht auf die chemische Analyse von Bukovský und eigene optische Untersuchung und stellte fest, dass das Mineral große Ähnlichkeit mit dem bereits bekannten Destinezit hatte. Nur die [PO4]3−-Gruppen waren durch homologe [AsO4]3− ersetzt. Aus diesem Grund gab Ulrich dem neuen Mineral den vorläufigen Namen Arsendestinezit, veröffentlichte jedoch keinen detaillierten Untersuchungsbericht. F. Slavík erwähnte allerdings 1932 in einem Bericht in den „Mineralogical Abstracts“ Ulrichs Artikel, der 1951 auch von A. N. Winchell und H. Winchell zitiert wurde.[6]

Das als Destinezit bezeichnete Mineral stellte sich bei späteren Untersuchungen als kristalline Varietät des Minerals Diadochit heraus und der Name sowie die abgeleitete Bezeichnung Arsendestinezit für den Bukovskýit wurden daher zunächst diskreditiert. Seit 2002 gilt das mit der Formel (FeIII)2[PO4|SO4|OH]·6H2O neu definierte Destinezit allerdings wieder als eigenständiges Mineral.[7]

In älteren Publikationen ist der Mineralname teilweise in der Schreibweise Bukovskyit[1] oder auch Bukowskyit[2] (ohne Akut über dem y) bzw. mit w statt mit v zu finden, was allerdings nicht den Vorgaben zur Mineralbenennung der IMA entspricht[8], nach der beispielsweise Minerale, die nach einer Person benannt wurden, darauf geachtet werden muss, dass die Schreibweise des Namens übernommen wird (Ausnahmen sind lediglich Leerzeichen und Großbuchstaben, die beim Mineralnamen beseitigt werden). Die bei vielen Mineralen uneinheitliche Schreibweise ihrer Namen wurde mit der 2008 erfolgten Publikation „Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks“[9] bereinigt und der Bukovskýit wird seitdem international in der Schreibweise mit dem zugehörigen Akut geführt.[10]

Typmaterial des Minerals Bukovskýit wurde in der Karls-Universität Prag (Register-Nr. 14240) und dem Prager Nationalmuseum (Register-Nr. 53411) hinterlegt.[5]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bukovskýit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Diadochit, Pitticit, Sarmientit und Zýkait die unbenannte Gruppe VII/D.05 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunzschen Mineralsystematik ordnet den Bukovskýit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Phosphate mit weiteren Anionen, mit H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der weiteren Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen, (OH, etc.):RO4 < 1 : 1“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 8.DB.40 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Bukovskýit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Phosphate“ ein. Hier ist er zusammen mit Sanjuanit und Sarmientit in der „Sarmientitgruppe“ mit der System-Nr. 43.05.01 innerhalb der Unterabteilung „Zusammengesetzte Phosphate etc., (Wasserhaltige zusammengesetzte Anionen mit Hydroxyl oder Halogen)“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Bukovskýit fand sich in alten Abraumhalden mittelalterlicher Bergwerke und bildete sich sekundär als Verwitterungsprodukt aus Arsenopyrit. Neben Arsenopyrit treten unter anderem noch Pyrit und Quarz als Begleitminerale auf.

Als seltene Mineralbildung konnte Bukovskýit bisher (Stand: 2012) nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei rund zehn Fundorte als bekannt gelten.[11] Neben seiner Typlokalität Kaňk, wo das Mineral in bis zu 60 Zentimeter großen Knollen vorkommt,[12] trat das Mineral in Tschechien bisher noch im nahen Stollen Šafary und bei dem zu Kutná Hora gehörenden Dorf Poličany auf.

Der einzige bisher bekannte Fundort in Deutschland ist die Grube Christbescherung bei Großvoigtsberg im sächsischen Erzgebirge.

In Österreich konnte Bukovskýit im Pöllatal (Lieserkar) in Kärnten sowie an mehreren Fundpunkten im Revier Siglitz-Bockhart-Erzwies im Gasteinertal, am Hohen Sonnblick und in der Arsengrube am Rotgüldensee in Salzburg gefunden werden.

Ein weiterer Fundort bei Lavrio in der griechischen Region Attika konnte bisher nicht bestätigt werden.[11]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Bukovskýit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 oder P1 (Raumgruppen-Nr. 1 oder 2) mit den Gitterparametern a = 10,72 Å; b = 14,08 Å; c = 10,28 Å; α = 93,5°; β = 116,0° und γ = 90,3° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • František Novák, Pavel Povondra, Jiní Vtelenský: Bukovsýkite, Fe3+2(AsO4)(SO4)(OH) . 7 H2O, from Kank, near Kutná Hora - a new mineral, in: Acta Universitatis Carolinae - Geologica, Band 4 (1967), S. 297–325 (PDF 1,24 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bukovskyite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 638.
  2. a b  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 649, 840.
  3. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 495.
  4. Webmineral - Bukovskýite
  5. a b c d John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Bukovskýite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 66,5 kB)
  6. a b Novák et al.: Bukovsýkite... (siehe Literatur)
  7. Mindat - Destinezite
  8. Ernest H. Nickel, Joel D. Grice: The IMA Commission on New Minerals and Minerala Names: Procedures and Guidelines on Mineral Nomenclature, In: The Canadian Mineralogist, Band 36 (1998); PDF 328 kB, ab S. 8
  9. Ernst A.J. Burke: Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks, In: Mineralogical Record, Band 39, Nr. 2 (März–April 2008); PDF 2,7 MB
  10. IMA/CNMNC List of Mineral Names 2009 (PDF 1,8 MB); aktuelle Mineralliste siehe Homepage der IMA
  11. a b Mindat - Bukovskýite
  12.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 185 (Dörfler Natur).