Bulbärhirnsyndrom

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Das Bulbärhirnsyndrom bezeichnet den Symptomenkomplex, der bei Ausfall der Hirnstammfunktionen entsteht, und ist meist die Folge des Mittelhirnsyndroms. Das Bulbärhirn ist eine funktionelle Ebene des Hirnstamms.[1]

Symptome[Bearbeiten]

Der Symptomenkomplex wird oft in zwei Stadien unterschieden.[2]

  • Stadium 1: ist gekennzeichnet von tiefer Bewusstlosigkeit, fehlenden Spontanbewegungen und Schmerzreaktionen, abnehmendem Muskeltonus, zunehmender Pupillenerweiterung und unregelmäßiger Atmung.
  • Stadium 2: Das Stadium 2 mit fehlendem Muskeltonus, fehlenden Reflexen, maximaler Pupillenerweiterung und Atemstillstand geht rasch in den Hirntod über.

Beide Stadien sind nicht leicht voneinander zu trennen, sodass einige Kennzeichen auch nur allgemein beschrieben werden:[3]

  • Ausfall aller Hirnstammfunktionen
  • ataktische Atmung bis Schnappatmung (bis Atemstillstand)
  • tiefes Koma
  • schlaffer Muskeltonus am ganzen Körper; Muskulatur ist hypoton
  • weite und lichtstarre Pupillen, Erlöschung des Kornealreflexes, divergente Stellung der Augäpfel

akutes Bulbärhirnsyndrom[Bearbeiten]

Ein akutes (traumatisches) Bulbärhirnsyndrom tritt meist bei schwerer beidseitiger Schädigung der tieferen Hirnstammregionen (Pons und Medulla oblongata) auf, als Folge einer Kleinhirneinklemmung. Es muss innerhalb weniger Minuten eine Druckentlastung stattfinden.[4]

Ursache[Bearbeiten]

Die Ursache liegt in einer Einklemmung der Medulla oblongata durch die Kleinhirntonsillen.

Prognose[Bearbeiten]

Das Bulbärhirnsyndrom nimmt meistens einen tödlichen Ausgang, aber es ist nicht generell eine infauste (schlechte) Prognose.[5] Bis zur Ebene des Bulbärhirnsyndroms ist eine Regeneration nach globaler Hirnschädigung möglich. Das Bewusstsein erreichen Patienten immer über ein Durchgangssyndrom.[6] Ein Übergang vom Bulbärhirnsyndrom zum Hirntod ist hingegen irreversibel.

Bei Überleben bleiben durch die massivsten Hirnschädigungen zumeist neurologische Defizite bis zum Apallischen Syndrom zurück.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Poeck, Werner Hacke: Neurologie: Für Studium, Klinik und Praxis. Springer Berlin Heidelberg; Auflage: 12., aktualisierte u. erw. Aufl. (8. Mai 2006). ISBN 3540299971. Seite 100
  2. Hugo Van Aken, Konrad Reinhart, Michael Zimpfer, Tobias Welte: Intensivmedizin. 2., überarb. Auflage. Thieme, Stuttgart 2006, ISBN 3131148721, S. 219.
  3. Karl F. Masuhr, Marianne Neumann: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-13-135946-9, S. 370.
  4. Walter Gehlen, Heinz-Walter Delank: Neurologie. Thieme, Stuttgart; Auflage: 12., vollständig überarbeitete Auflage. (22. September 2010). ISBN 3131297727. Seite 134
  5. Jörg Rüdiger Siewert, Hubert J. Stein, Martin Allgöwer: Chirurgie. Springer; Auflage: 9. Aufl. 2012 (20. Juni 2012). ISBN 3642113303. Seite 200
  6. Franz-Josef Kretz, Jürgen Schäffer: Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie. Springer Berlin Heidelberg; Auflage: 5., korr. u. neu bearb. Aufl. (1. September 2008). ISBN 3540755721. Seite 348/349

Literatur[Bearbeiten]

  •  Kersten Enke, Andreas Flemming, Hans-Peter Hündorf, Peer G. Knacke, Roland Lipp, Peter Rupp: LPN3 Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Bd.3 - Schwerpunkt Traumatologie (4. Auflage) S. 65–66. Stumpf & Kossendey Verlag, Edewecht 2009, ISBN 978-3-938179-70-3.

Weblinks[Bearbeiten]

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