Bund Naturschutz in Bayern
| Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) |
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|---|---|
| Zweck: | Entwickeln von Strategien und Umsetzen von Projekten im Natur- und Umweltschutz |
| Vorsitz: | Hubert Weiger |
| Gründungsdatum: | 26. Juni 1913 |
| Mitgliederzahl: | circa 179.000 (2011) |
| Sitz: | München |
| Website: | www.bund-naturschutz.de |
Der Bund Naturschutz in Bayern e. V., oft nur kurz BN genannt, ist der älteste und größte Umweltschutzverband in Bayern und heute der bayerische Landesverband des BUND. Der Verband hat rund 171.000 Mitglieder. Sie sind in einem Netz von 76 Kreisgruppen und 668 Ortsgruppen in Bayern organisiert. Dazu kommt eine Vielzahl von Kinder- und Jugendgruppen, die von einer eigenen Jugendorganisation, der JBN, betreut werden. Er ist nach § 60 des Bundesnaturschutzgesetzes als Umweltverband anerkannt und ist bei Eingriffen in den Naturhaushalt zu hören.
Ziel des Bundes Naturschutz ist es, die natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen zu bewahren und wieder herzustellen. Er versteht sich als unabhängiger Anwalt der Natur und ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Finanziert wird der Bund Naturschutz ausschließlich durch Spenden sowie Beiträge von Mitgliedern und Förderern.
Der Bund Naturschutz wird ehrenamtlich geleitet. Seit 2002 ist Hubert Weiger, als Nachfolger von Hubert Weinzierl, Vorsitzender des Bund Naturschutz.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Auf Initiative des königlichen Regierungsrates Reubold trafen sich am 26. Juni 1913 Vertreter des Landesausschusses für Naturpflege, der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, der Bayerischen Ornithologischen Gesellschaft und des Vereins für Naturkunde. Sie gründeten den Bund Naturschutz in Bayern e. V., unter dem „Protektorat Seiner Königlichen Hoheit“, Kronprinz Rupprecht von Bayern. Erster Vorsitzender war Carl Freiherr von Tubeuf. 1916/17 verhinderte der BN, dass in die Falkensteiner Wand am Königssee ein riesiger Löwe als „Kriegerdenkmal“ eingemeißelt wurde. In den 1930er Jahren begann der Verein mit dem Ankauf von Schutzgebieten. Nach dem Krieg gründet der Verein eine „biologische Station“ in Seeon und eine Lehr- und Forschungsstätte für Naturschutz in Wartaweil. In der Zeit des Nationalsozialismus formulierte der Geschäftsführer Luitpold Rueß (1905-1968) (Sohn des BN-Mitbegründers Johann Rueß, 1869-1943) 1940 als eine Verbandsaufgabe, „die Heimat und die Natur sauber und schmuck zu erhalten und zu gestalten an dem Tag, wo das Heer der deutschen Soldaten aus Blut und Krieg heimkehrt in das gerettete Vaterland“.[1]
Von 1958 bis 1963 war Alwin Seifert BN-Vorsitzender. Seifert hatte sich im NS-Regime als Landschaftsarchitekt und Reichslandschaftsanwalt hervorgetan und stand für eine rechts- bis wertkonservative Ausrichtung des BN.
1966 startete der BN das Projekt Wiedereinbürgerung von Bibern in Bayern. Innerhalb des Vereins kam es aufgrund einer sehr staatsfreundlichen Verbandslinie des 1. Vorsitzenden Johann Mang, Regierungspräsident von Oberbayern, zu Spannungen und zur Gründung einer innerverbandlichen Opposition, der sogenannten Grünen Aktion. 1969 wurde Hubert Weinzierl zum 1. Vorsitzenden gewählt. Der BN näherte sich unter Weinzierl zunehmend den neuentstehenden Umweltinitiativen in anderen Bundesländern an, er wurde politisch linker und zunehmend mit kontroversen Themen in der Öffentlichkeit wahrgenommen. So engagierte sich der BN in den 1960er und 70er Jahren massiv gegen den von der CSU-Staatsregierung propagierten Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals. Der BN und Weinzierl trugen aber auch maßgeblich zur 1970 erfolgten Ausweisung des ersten deutschen Nationalparks Bayerischer Wald bei. In Laufen wurde vom BN eine Bayerische Naturschutzakademie gegründet, deren Trägerschaft 1974 vom Land Bayern übernommen wurde.
Am 10. Juli 1975 wurde unter maßgeblicher Beteiligung des BN im unterfränkischen Marktheidenfeld der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegründet. Der BUND wurde zu einem der führenden Naturschutzverbände der Bundesrepublik, der BN ist heute dessen bayerischer Landesverband.
Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze startete der BN zusammen mit dem BUND eine Initiative für ein Grünes Band, um die auf dem ehemaligen Grenzstreifen entstandenen Biotope vor der Zerstörung zu schützen und eine überregionale Biotopvernetzung zu erreichen. Seit den 1990er-Jahren ist ein Schwerpunkt des BN der Protest gegen den Donauausbau zwischen Straubing und Vilshofen. 2004 initiierte der BN erfolglos das Volksbegehren Aus Liebe zum Wald gegen die Forstreform in Bayern.
Verleihung von Umweltpreisen [Bearbeiten]
Der Bund Naturschutz Bayern verleiht seit 1970[2] die Bayerische Naturschutzmedaille für besonderes Engagement im BUND und für Umwelt und Naturschutz, bisher beispielsweise an Hans Bibelriether, Rudolf Schreiber, Peter Schütt oder Hans-Jürgen Buchner. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Bayerischen Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt oder deren Vorgängerin, der Bayerischen Umweltmedaille, die durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit vergeben werden.
Mit der Karl-Gayer-Medaille ehrt der Bund Naturschutz Bayern – in Abstimmung mit der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft – seit 1977 Personen, die sich um die naturgemäße Waldwirtschaft verdient gemacht haben.
Die höchste Auszeichnung des Bund Naturschutz ist der Bayerische Naturschutzpreis, der seit Anfang der 1970er Jahre verliehen wird. Preisträger sind beispielsweise Horst Stern (1974), Dennis L. Meadows (1975)[3], Karl Ganser (2007)[4], Emmanuel Jungclaussen (2008), Christine von Weizsäcker (2009)[5], das Ehepaar Louise und Percy Schmeiser (2010)[6] und Edmund Lengfelder[7].
Literatur [Bearbeiten]
- Ernst Hoplitschek: Der Bund Naturschutz in Bayern. Traditioneller Naturschutzverband oder Teil der Neuen Sozialen Bewegungen? Berlin 1984 (Diss. FU Berlin).
Weblinks [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Ökologie von rechts. Braune Umweltschützer auf Stimmenfang. Politische Ökologie, Band 131, Oekom Verlag, München 2012, ISBN 978-3-86581-286-5, S. 19
- ↑ Naturschutzmedaille 2009 an Sylvia Hamberger
- ↑ Naturschutzpreis 1975 für Dennis L. Meadows
- ↑ Naturschutzpreis 2007 für Karl Ganser
- ↑ Naturschutzpreis 2009 für Christine von Weizsäcker
- ↑ Naturschutzpreis 2010 für Percy Schmeiser
- ↑ Naturschutzpreis 2011 für Strahlenbiologen Prof. Dr. Edmund Lengfelder (2011)