Bund der Vertriebenen

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Bund der Vertriebenen
(BdV)
Logo des Bunds der Vertriebenen
Zweck: Der BdV ist der Dachverband der deutschen Vertriebenenverbände. Er vertritt die Interessen der von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Deutschen, unabhängig von einer Mitgliedschaft.
Vorsitz: Erika Steinbach
Gründungsdatum: 27. Oktober 1957
Sitz: Bonn
Website: www.bund-der-vertriebenen.de

Der Bund der Vertriebenen – Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände e. V. (BdV), kurz Bund der Vertriebenen, ist der Dachverband der deutschen Vertriebenenverbände in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Er erhebt den Anspruch, die Interessen der von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Deutschen (Heimatvertriebene) wahrzunehmen. Präsidentin des BdV ist seit 1998 Erika Steinbach (CDU).

Politische Einordnung[Bearbeiten]

Dass sich der Bund der Vertriebenen für demokratische Werte und Völkerverständigung einsetzt, wurde wiederholt von den höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt, zum Beispiel am 2. September 2006 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler am „Tag der Heimat“. Andererseits werden dem Verband oder einigen seiner Mitglieder immer wieder Nähe zum Rechtsextremismus sowie nationalistisches und revisionistisches Denken vorgeworfen. Besonders das Verhältnis des BdV zu Polen ist dadurch belastet. Bereits vor der Gründung 1957 existierte seit 1950 der Bund der Heimatvertriebenen als Organisation für vertriebene Deutsche. Er war ein Sammelbecken für antikommunistische Kräfte in der jungen Bundesrepublik. Die DDR sah in ihm damals einen von den USA gesteuerten Geheimdienst.[1]

Aufbau[Bearbeiten]

Der BdV ist zweigliedrig organisiert: Einerseits gibt es 20 Landsmannschaften, welche die Herkunftsgebiete der Vertriebenen repräsentieren, andererseits gibt es 16 Landesverbände, die die Bundesländer vertreten. Nach eigenen Angaben ist der BdV „der einzige repräsentative Verband der rund 15 Millionen Deutschen, die infolge Flucht, Vertreibung und Aussiedlung in der Bundesrepublik Deutschland Aufnahme gefunden haben und noch finden.“[2]

Es ist nicht notwendig, Opfer von Vertreibung zu sein, um Mitglied in einem Vertriebenenverband zu werden. Auch Nichtvertriebene können einem Vertriebenenverband beitreten.[2] Weiterhin befasst sich der Bund, nicht zuletzt aufgrund des Engagements seines Vizepräsidenten Adolf Fetsch, mit der Betreuung von Spätaussiedlern.

In den einzelnen Verbänden des Bundes sind nach eigenen Angaben rund 1,3 Millionen Mitglieder in 6000 regionalen Gliederungen und über 1000 Heimatkreisvereinigungen bzw. Heimatortsgemeinschaften organisiert.[3] Kritiker wie Erich Später sprechen dagegen von 25.000 Mitgliedern.[4]

Zum Jahresbeginn 2010 ermittelte die Nachrichtenagentur ddp durch eine Telefonumfrage bei den Landesverbänden jedoch nur etwa 550.000 Mitglieder.[5] Grund für die Diskrepanz sei laut BdV, dass nur ein Teil der BdV-Mitgliedsverbände befragt wurde, nämlich die Landesverbände. Der BdV ist aber ein Verband, dem 16 Landesverbände, 20 Landsmannschaften und vier außerordentliche Mitgliedsverbände angehören, mit einem insgesamt bundesweit verzweigten Netz von über 7.000 Unterorganisationen.[6] Wie der Deutschlandfunk berichtete, gibt es nach internen Aufstellungen nur 100.000 zahlende Mitglieder.[7]

Erika Steinbach sagte, sie wisse nicht, wie viele Mitglieder der Bund der Vertriebenen als Dachorganisation heute noch vertritt: Die Landsmannschaften und Landesverbände „hüten ihre Daten ziemlich intensiv, aus gutem Grund.[7] Sie unterstellte den Landesverbänden, „liebend gerne ein bißchen herunterzurechnen“, um weniger Beiträge an den BdV abführen zu müssen.[8][9]

Die FDP wirft dem BdV vor, er versuche durch verfälschte Mitgliederangaben seinen Einfluss zu vergrößern und forderte ihn auf, seine Mitgliederzahlen zu belegen.[10]

Die seit 1958 vom BdV herausgegebene Mitgliederzeitschrift „Deutscher Ostdienst (DOD“) hat eine Auflage von etwa 2000 Exemplaren.[8]

Erich Später sah in dem Festhalten an der Mitgliederzahl von zwei Millionen „einen Versuch, die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen“. Er betonte, dass der BdV im Jahr 2009 mit 16 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt subventioniert wurde - wobei „eine Million (...) allein für den Betrieb der Bundesgeschäftsstelle gezahlt“ wurde und der BdV trotzdem „über keinerlei Mitgliederverwaltung verfügt“. Seit Jahrzehnten vermeide „es der BdV (...) konsequent, nachvollziehbare Angaben über Mitgliederzahl und Beitragseinnahmen zu machen“. Später bezeichnet die Mitgliederzahlen des BdV als „frei erfunden“ um „über die zunehmende organisatorische und personelle Auszehrung des BdV hinweg[zu]täuschen“.[11]

Bedeutung[Bearbeiten]

1965 gehörte knapp ein Prozent der Vertriebenen einer Landsmannschaft des BdV an. Als die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition in den siebziger Jahren nicht mehr auf Konfrontation, sondern auf Aussöhnung mit den Ländern Osteuropas setzte, nahm die Bedeutung des BdV ab.[12]

An dem zumeist im März stattfindenden Jahresempfang des BdV nahmen wiederholt Politiker der obersten Regierungsebene teil, so etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel.[13]

Finanzierung[Bearbeiten]

Der Bund der Vertriebenen wird aus Bundesmitteln gefördert. Im Jahre 1995 betrug diese institutionelle Förderung über 3,5 Mio. DM. Davon wurden vom BdV 320.000 DM an seine Mitgliedsverbände weitergeleitet. Die Förderung erfolgt aus Mitteln der „Zuwendungen an zentrale Organisationen und Verbände, die der Eingliederung der Aussiedler, Übersiedler, Vertriebenen und Flüchtlinge dienen“. Unter der rot-grünen Bundesregierung wurde die Förderung heruntergefahren. Sie betrug in den Jahren 2002 bis 2004 jährlich 920.000 €.

Der Bund der Vertriebenen wird staatlich gefördert, weil an der Erfüllung seiner Aufgaben ein Bundesinteresse besteht. Zu diesen Aufgaben gehören die Integration der Aussiedler und Spätaussiedler, die soziale und kulturelle Unterstützung der deutschen Volksgruppen und Minderheiten, die Verständigung und Zusammenarbeit mit den Nachbarvölkern und die Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge als Teil des deutschen und europäischen Erbes. Die Bundesregierung bedient sich hierzu der Einrichtungen der Vertriebenenverbände.

Gesetzliche Grundlagen der Aufgaben[Bearbeiten]

Die Grundlage der Tätigkeit des BdV ist im Bundesvertriebenengesetz (BVFG) von 1953 geregelt. Der BdV pflegt das kulturelle Erbe der Vertriebenen[14] und berät unentgeltlich.[15] In den nach § 22 BVFG gebildeten Beirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, der die Aufgabe hat, die Bundesregierung in diesen Fragen zu beraten, entsenden die Vertriebenenverbände gemäß § 23 Abs. 1 BVFG allein sechzehn Vertreter. Auch auf Landes- und Kommunalebene bestehen Vertriebenenbeiräte, in denen die Sach- und Fachkompetenz der Vertriebenen gefragt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

40 Jahre Eingliederung heimatvertriebener Deutscher: Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1985

Die Vorgänger-Organisationen des Bundes der Vertriebenen verabschiedeten am 5. August 1950 die Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Diese wurde am 6. August 1950 vor dem Stuttgarter Schloss feierlich verkündet und bestimmt als Grundlage das Selbstverständnis der deutschen Heimatvertriebenen. Es war die erste Veranstaltung des seither jährlich als Gedenktag begangenen Tages der Heimat.

Ein großer Teil der Führungsgruppen dieser Organisationen stammte aus den sozialen und politischen Eliten der deutschen Ostgebiete und volksdeutschen Siedlungsgebiete. Unter ihnen waren ehemalige Aktivisten der NSDAP, Angehörige der SS und des deutschen Besatzungsapparats, die sich am Vernichtungskrieg im Osten und an der Shoah beteiligt hatten.[11] Von den dreizehn Mitgliedern des ersten Präsidiums des Bundes waren nur zwei „dezidierte Nicht-Nationalsozialisten“; die anderen waren durchwegs Träger des NS-Regimes.[16] Der BdV selbst entstand am 27. Oktober 1957 durch den Zusammenschluss des „Bundes der vertriebenen Deutschen“ (BVD) und des „Verbands der Landsmannschaften“ (VdL). Während der BVD sich eher als politisches Kampforgan der Vertriebenen zur Wiedererlangung der alten Heimat sah, war der VdL eher auf die kulturellen und sozialen Fragen der Vertriebenen orientiert. Dies führte in den Anfangsjahren zu mancherlei heftiger Auseinandersetzung im neuen Verband.

Der BdV stand den demokratischen Parteien Deutschlands in seiner Anfangszeit neutral gegenüber. In der ersten Wahl zum Präsidium des BdV wurden überwiegend frühere Nationalsozialisten gewählt.[17]

In den ersten 20 Jahren des BdV bildeten auf jeder Ebene, von den untersten bis zu den höchsten Rängen, ehemalige NS-Funktionäre und Mitglieder der SS die Mehrheit. Das stellte eine enorme Lobby- und Integrationsmacht für den Verwaltungs- und Vernichtungsapparat des Nationalsozialismus dar: So sind die 90.000 Beamten und Angestellten der öffentlichen Verwaltungen aus den Ostgebieten reibungslos im öffentlichen Dienst untergebracht worden.[4]

Als Präsidenten wurden zunächst Georg Baron Manteuffel-Szoege (CSU, VdL) und Linus Kather (CDU, BVD) als gleichberechtigte Vorsitzende (1957–1959) gewählt. Auf den CDU-Abgeordneten Hans Krüger (1959–1964) folgten der sudetendeutsche Sozialdemokrat Wenzel Jaksch (1964–1966) und der SPD-Abgeordnete Reinhold Rehs (1967–1970). Ende der 1960er-Jahre kam es zum Bruch mit der SPD wegen der von ihr angestrebten flexibleren Ostpolitik, die vom BdV „Verzichtspolitik“ genannt wurde. Besonders der Warschauer Vertrag von 1970, der die Aussöhnung mit Polen einleitete und die De-facto-Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze sicherstellte, sorgte für Entrüstung. Rehs und der langjährige Vizepräsident Herbert Hupka wechselten zur CDU. Der KSZE-Prozess, bei dem Abrüstungsgarantien des Westens und Zusagen hinsichtlich der Menschenrechte im Osten verhandelt wurden, wurden vom BdV und seinen politischen Verbündeten als „Preisgabe nationaler Interessen“ bezeichnet. Als Helmut Kohl nach dem Ende der sozialliberalen Koalition 1982 Bundeskanzler wurde, setzte er diese Ostpolitik zur Enttäuschung von Herbert Czaja fort, der von 1970 bis 1994 Präsident des BdV war. Bis zuletzt setzte der BdV dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, der die endgültige Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze bedeutete, Widerstand entgegen.

Von 1994 bis 1998 war das CSU-Mitglied Fritz Wittmann Präsident des BdV. Die Osterweiterung der EU im Jahre 2004 berührte wieder die Interessen des BDV. Seit 1998 ist die CDU-Politikerin Erika Steinbach, 1997 Gründungsmitglied der rechten Sammelbewegung Stimme der Mehrheit, Präsidentin. Sie bemühte sich erfolglos, die Osterweiterung mit der Bedingung zu verknüpfen, dass die Beneš-Dekrete aufgehoben werden müssten. Im Deutschen Bundestag votierte sie nach dem Scheitern dieser Initiative daher gegen den Beitritt Polens und der Tschechischen Republik.

2005 trat der Bund aus dem pro-europäischen Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland aus.

Am 6. September 2000 gründete der BdV die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen, die die Errichtung eines Dokumentationszentrums über Vertreibungen in Berlin zum Ziel hat. Eine erste Ausstellung fand vom 11. August bis 29. Oktober 2006 unter dem Namen „Erzwungene Wege“ im Kronprinzenpalais in Berlin statt. Der Initiative für dieses Dokumentationszentrum schlägt vor allem in Polen großes Misstrauen entgegen.

NS-Vergangenheit des BdV und seiner Landsmannschaften und der Umgang mit Rechtsextremismus[Bearbeiten]

Im Jahr 2001 warf der Autor Georg Restle in einem Beitrag des Fernsehmagazins Monitor des Westdeutschen Rundfunks dem Vertriebenenverband vor, dass eine Auseinandersetzung oder Distanzierung von Mitgliedern, die beispielsweise rechtsextremistisches oder geschichtsrevisionistisches Gedankengut vertreten, nicht stattfinde.[18] Im selben Jahr wurde einer der Vizepräsidenten des BdV, Paul Latussek, in einer eigens einberufenen außerordentlichen Bundesversammlung von seinem Amt als BdV-Vizepräsident abberufen. Die Versammlung war auf Druck der Präsidentin des BdV, Erika Steinbach, wegen der Äußerungen Latusseks zu jüdischen Opfern in Auschwitz einberufen worden.[19].

Weiter ging Erich Später, der der NSDAP- und SS-Vergangenheit vieler Gründungsmitglieder des BDV nachgegangen ist. Er bezeichnete den Bund der Vertriebenen als „NS-Nachfolgeorganisation“. Die vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestufte Zeitschrift Konkret druckte diese Polemik im Jahr 2007 in einem Artikel ab.[20] Die Wochenzeitschrift Der Spiegel befand zwar, die Präsidentin Erika Steinbach habe „den Verband nach rechts abgegrenzt, ihn aus der Ecke des Ewiggestrigen herausgeholt.[21] Wie der Spiegel kritisierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der BdV habe die NS-Vergangenheit seiner Gründungsgeneration mangelhaft aufgearbeitet.[22] Im Jahr 2010 gab das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) bekannt, eine Studie über die Rolle führender BdV-Funktionäre im nationalsozialistischen Regime solle noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Eine Vorstudie dazu wurde allerdings wegen historisch fragwürdiger und schönfärberischer Darstellungen sowohl vom BdV selbst als auch vom Bundesinnenministerium kritisiert und vom IfZ bereits zurückgezogen. Diese Vorstudie war von Manfred Kittel koordiniert worden, damals Mitarbeiter des IfZ und inzwischen Gründungsdirektor der geplanten staatlichen Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung.[17]

2013 erschien die Studie des IfZ, nach deren Ergebnissen 11 der 13 Gründungsmitglieder des BdV als durch ihr Wirken im Nationalsozialismus belastet anzusehen sind.[23] Als schwer belastet gelten Alfred Gille und Erich Schellhaus. Ersterer weil er unter anderem 1942/43 als Gebietskommissar der ukrainischen Stadt Saporoschje an der Verbringung Tausender Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich mitwirkte.[24] Letzterer, weil er schon vor dem Krieg als NS-Bürgermeister von Bad Salzbrunn amtierte und im Zweiten Weltkrieg 1941 als Offizier einer Einheit in Weißrussland angehörte, die intensiv an der „Partisanenbekämpfung“ und „massenhaften Ermordung von Juden“ beteiligt war, so dass den Ergebnissen der Studie zufolge von seiner „mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgten Beteiligung an Mordaktionen gegen die dortige Zivilbevölkerung auszugehen ist“. [25]

Die im Bund der Vertriebenen vertretene Sichtweise der polnischen Teil-Mobilmachung im März 1939 als einer „Vorstufe zum Beginn des Zweiten Weltkriegs“ wird von Rechtsextremen gerne in Richtung einer polnische Kriegserklärung an Deutschland erweitert.[26]

NS-Vergangenheit verschiedener gewählter Vertreter[Bearbeiten]

Hans Krüger, Vorsitzender 1959–1963, Mitglied der NSDAP, NSDAP-Ortsgruppenleiter in Konitz, Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (17. Oktober 1963 - 7. Februar 1964). Krüger schrieb 1938 auf einem Personalbogen tatsachenwidrig, er habe am Hitlerputsch (München, November 1923) teilgenommen. Ende 1963 machte der SED-Chefideologe diesen Personalbogen öffentlich und behauptete, Krüger habe am Hitlerputsch teilgenommen; Krüger taktierte ausweichend. Am 17. Januar 1964 bat Krüger um seine Suspendierung, am 31. Januar reichte er seinen Rücktritt ein; am 7. Februar 1964 wurde er als Bundesminister entlassen. [27]

Linus Kather (CDU), Co-Vorsitzender 1957–1959, ab Juni 1954 GB/BHE, 1969 Kandidat der NPD zur Bundestagswahl (bei der die NPD 4,3 % der Stimmen bekam), ab 1970 Führung der NPD-nahen Organisationen 'Aktion Deutschland' und 'Aktion Widerstand'.

Baltikum: Axel de Vries, Vorsitzender 1962–1963: 1941 „Vorschläge[n] zur Bekämpfung der Partisanengefahr“ (In dem Text bezeichnete de Vries die Juden als die „Todfeinde von uns. Sie müssen vernichtet werden,..."), Auf Vorschlag de Vries' erfolgte ein Diensterlass, „die kommunistische Dorfintelligenz, z. B. Lehrerinnen usw.“ zu töten.

Berlin-Mark Brandenburg: Walter von Keudell, DNVP, CNBLP, NSDAP, später CDU. Staatssekretär im Reichsforstamt in Berlin unter Reichsforstmeister Hermann Göring. Landsmannschaft der Deutschen aus Russland: Karl Stumpp, langjähriger Vorsitzender, SS-Mitglied, Sonderkommando Dr. Stumpp, Stumpp wird vorgeworfen, im Rahmen seiner ethnologischen Untersuchungen dort eine Liste mit 42.000 „untragbaren Juden“ aufgestellt zu haben. Ihm wird ferner vorgeworfen, selbst an der Ermordung von Juden teilgenommen zu haben.

Ostpreußen: Alfred Gille, Vorsitzender 1952–1966, SA-Scharführer, NSDAP, zeitweise Gauleitung Ostpreußen, 1942 - 1944 Gebietskommissar für den Kreis Saporoschje-Stadt im Reichskommissariat Ukraine (Völkermord) und von 1944 bis 1945 Gebietskommissar für das Kreisgebiet Nowogrodek im Reichskommissariat Weißruthenien (später Mitbegründer des GB/BHE, Bundesvorstandsmitglied der GDP).

Wilhelm von Gottberg, Vorsitzender 1992-2010, „Rückkehr in unsere Heimat Ostpreußen“ damit das „Menschenrecht auf die Heimat“ für die „Deutschen und ihre Nachkommen realisiert“ werden könne, bezog sich positiv auf Holocaustleugner Mario Consoli, schrieb mehrfach Artikel für die Wochenzeitung Junge Freiheit, 1995 öffentlicher Einsatz für den rechtsextremen Verleger Dietmar Munier.

Schlesien: Erich Schellhaus, Vorsitzender 1955–1968, NSDAP, später GB/BHE, GDP, CDU, 1962 stellte er (vergeblich) die Forderung auf, dass jegliche Erklärungen, in denen auf die deutschen Ostgebiete verzichtet würde, als Landesverrat mit Gefängnis oder Zuchthaus bestraft werden müssten.

Sudetendeutsche: Rudolf Lodgman von Auen, Sprecher 1950–1959: Mitbegründer der nationalistischen Deutschen Nationalpartei 1919 und Vorsitzender ab 1922, stellte als Abgeordneter im tschechoslowakischen Parlament antisemitische Anträge, die auf die Entrechtung von Juden abzielten. Im Oktober 1938 begrüßte Lodgman den Einmarsch deutscher Truppen ins Sudetenland in persönlichem Telegramm an Hitler. Zitat: „Es wird wenige Beispiele in der Geschichte der Menschheit geben, in der eine sittliche Idee mit so sittlichen Mitteln verfochten worden ist, wie im Siegeszuge des Nationalsozialistischen Gedankens, er ist heute schon für die Massen Religion geworden.“

Frank Seiboth, Bundesvorsitzender 1954–1959: Sudetendeutsche Partei, NSDAP, Gauschulungsleiter und Leiter des NS-Schulungslagers im Sudetengebiet, HJ-Gebietsführer Sudetenland, Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (Rauborganisation der NSDAP für Kulturgüter aus den besetzten Ländern während des Zweiten Weltkrieges). Hans-Christoph Seebohm, Sprecher 1959–1967: Vorsitzender des Aufsichtsrates der Britannia-Kohlenwerke AG und der 1941 von Seebohm mitgegründeten Egerländer Bergbau AG, die als „Auffanggesellschaft“ eigens zur Übernahme „arisierten“ Eigentums gegründet wurde (später DP und CDU).

Walter Becher, Sprecher 1968–1982 und Bundesvorsitzender 1976–1982: Mitglied im völkischen „Kameradschaftsbund, Bund für gesamtgesellschaftliche Bildung“, der Sudetendeutschen Partei und der NSDAP, 1959 Gründung der National-Demokratischen Union NDU.

Weichsel-Warthe: Waldemar Kraft, Vorsitzender 1949–1951: NSDAP, Ehren-Hauptsturmführer SS, 1940–1945 Geschäftsführer der Reichsgesellschaft für Landbewirtschaftung in den eingegliederten Ostgebieten mbH („Reichsland“), später BHE, CDU. Hans Koch (Historiker), Vorsitzender 1954–1959: NSDAP, 1955 Empfehlung für ein Nazi-Buch (Autor war Heinrich Härtle, ein Mitarbeiter von Alfred Rosenberg), ursprünglicher Text, der in der Neuauflage von 1955 nur in den Passagen abgeändert war, die das NS-Regime verherrlichten, war bereits 1944 unter dem Titel "Die ideologischen Grundlagen des Bolschewismus, Marxismus, Leninismus, Stalinismus" veröffentlicht.

Westpreußen: Erik von Witzleben, Vorsitzender 1949–1956: SS, Sturmbannführer. Walther Kühn, Vorsitzender 1960–1962: in der Weimarer Republik Mitglied der Deutschen Volkspartei, nach deren 1933 erzwungener Selbstauflösung (4. Juli 1933) Mitglied der NSDAP, später FDP.

Schlesische Jugend[Bearbeiten]

Steinbach distanzierte sich 2011 von der Schlesischen Jugend, da diese rechtsextrem unterwandert war. [28] Später löste sich die Landmannschaft von ihrer Jugendorganisation.

Landsmannschaften im Bund der Vertriebenen[Bearbeiten]

Die Landsmannschaft der Dobrudscha- und Bulgariendeutschen schloss sich im Herbst 2009 mangels Mitgliedern dem Bessarabiendeutschen Verein an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pertti Ahonen: After the expulsion. West Germany and Eastern Europe 1945–1990. Oxford University Press, Oxford u. a. 2003, ISBN 0-19-925989-5, (Zugleich: New Haven, Yale Univ., Diss.), (Ausführliche Studie, die schwerpunktmäßig die Rolle der Vertriebenenorganisationen bei der Formulierung der westdeutschen Ostpolitik untersucht).
  • Herbert Czaja: Unterwegs zum kleinsten Deutschland? Mangel an Solidarität mit den Vertriebenen. Marginalien zu 50 Jahren Ostpolitik. Knecht, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-7820-0730-1.
  • Linus Kather: Die Entmachtung der Vertriebenen. 2 Bände (Bd. 1: Die entscheidenden Jahre. Bd. 2: Die Jahre des Verfalls.). Olzog, München u. a. 1964–1965.
  • Michael Schwartz: Funktionäre mit Vergangenheit. Das Gründungspräsidium des Bundes der Vertriebenen und das "Dritte Reich." Oldenbourg, München 2013, ISBN 978-3-486-71626-9. (Rezension (PDF; 101 kB) im Archiv für Sozialgeschichte, 18. April 2013)
  • Erich Später: Kein Frieden mit Tschechien. Die Sudetendeutschen und ihre Landsmannschaft (= Konkret. Texte 38). KVV konkret, Hamburg 2005, ISBN 3-930786-43-5.
  • Matthias Stickler: „Ostdeutsch heißt Gesamtdeutsch“. Organisation, Selbstverständnis und heimatpolitische Zielsetzungen der deutschen Vertriebenenverbände 1949–1972 (= Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte. Bd. 46). Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-1896-6 (Zugleich: Würzburg, Univ., Habil.-Schr., 2003).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Im Strafprozess der DDR gegen Otto Fleischer von 1953 etwa taucht der Bund der Heimatvertriebenen mehrmals auf, unter anderem als Tarnorganisation für den West-Agenten Clemens Laby. Quelle: BStU Signatur MfS HA IX Tb 2188
  2. a b BdV: Struktur, aktuelle Aufgaben und Tätigkeiten des BdV aufgerufen am 6. Januar 2010, 12:00 Uhr
  3. Angaben zur Zahl der Mitglieder auf der offiziellen Seite, abgerufen am 18. November 2012
  4. a b Hans-Hermann Kotte: „Konzentration auf Steinbach lenkt ab“. In: Frankfurter Rundschau, 11. Februar 2010. Abgerufen am 6. April 2010.
  5. tagesschau.de: 550.000 Mitglieder statt zwei Millionen?, 5. Januar 2010 16:20 Uhr (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  6. Pressemitteilung: Der BdV hat zwei Millionen Mitglieder - Anderweitige Spekulationen sind falsch vom 7. Januar 2010
  7. a b Deutschlandfunk, Hintergrund: Der lange Weg der Versöhnung, 5. Januar 2010, 18:40
  8. a b Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Januar 2010, S. 7.
  9. Interview der Woche mit Erika Steinbach, Deutschlandfunk, 16. Dezember 2007
  10. FDP fordert Aufklärung über Größe des Vertriebenenbundes, Der Spiegel vom 6. Januar 2010
  11. a b Erich Später: Wie viele Nullen hat der BdV? In: Konkret, Heft 03/2010. Abgerufen am 13. März 2010.
  12. Helga Hirsch: „Kollektive Erinnerung im Wandel“, Aus Politik und Zeitgeschichte der Bundeszentrale für politische Bildung, Ausgabe 40-41/2003
  13. http://www.omv.cdu.de/index.php?option=com_content&view=article&catid=15:artikel-und-berichte&id=196:bdv-empfang
  14. Beleg, abgerufen am 18. November 2012
  15. Beleg, abgerufen am 18. November 2012
  16. Michael Schwartz: Funktionäre mit Vergangenheit. Das Gründungspräsidium des Bundes der Vertriebenen und das „Dritte Reich“. Oldenbourg, München 2013, S. 528f; siehe dazu auch (als Vorabrezension) Klaus Wiegrefe: „Träger des Regimes“. In: Der Spiegel, 47 (2012), vom 19. November 2012, S. 60–62. Online
  17. a b Rosenbach, Marcel und Wiegrefe, Klaus: Verbände - Nachsichtiges Urteil im Der Spiegel 8/2010, abgerufen am 11. April 2010
  18. Monitor-Sendung vom 26. Juli 2001: „Heimatvertriebene: Schlesier und NPD im Gleichschritt
  19. Süddeutsche Zeitung vom 30. November 2001
  20. Erich Später: „Deutschlands Stoßtrupp - Vor fünfzig Jahren wurde die NS-Nachfolgeorganisation "Bund der Vertriebenen" gegründet.“ In konkret Heft 11/2007
  21.  Jan Friedmann: Beharrlich und provokant. In: Der Spiegel. Nr. 47, 2007, S. 60 (online).
  22. Peter Carstens: Bis zur Harmlosigkeit verstrickt. In: [[FAZ]], 20. Februar 2010. Aufgerufen am 31. März 2010
  23. Michael Schwartz: Funktionäre mit Vergangenheit. Das Gründungspräsidium des Bundes der Vertriebenen und das „Dritte Reich“. Oldenbourg, München 2013, S. 528–531
  24. Michael Schwartz: Funktionäre mit Vergangenheit. Das Gründungspräsidium des Bundes der Vertriebenen und das „Dritte Reich“. Oldenbourg, München 2013, S. 528f. u. S. 531 u. S. 559f.
  25. Michael Schwartz: Funktionäre mit Vergangenheit. Das Gründungspräsidium des Bundes der Vertriebenen und das „Dritte Reich“. Oldenbourg, München 2013, S. 528f. (Zitat) u. S. 577f.
  26. Polens Botschafter spricht von "Nazi-Propaganda" in der Welt am 10. September 2010.
  27. spiegel.de 8. Januar 1964: Es kam auf ihn zu, Einfach durchhalten, Datum: 27. Januar 1964 Betr.: Krüger, Amtsvertrieben
  28. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1430551/

50.69587.1429Koordinaten: 50° 41′ 44,9″ N, 7° 8′ 34,4″ O