Bundesautobahn 39

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Bundesautobahn 39 in Deutschland
Bundesautobahn 39
Karte
Verlauf der A 39
Basisdaten
Betreiber: Bundesrepublik Deutschland
Straßenbeginn: Seevetal
(53° 24′ N, 10° 0′ O53.397741569.99392956)
Straßenende: Holle
(52° 5′ N, 10° 11′ O52.0831492310.18524684)
Gesamtlänge: 205 km
  davon in Betrieb: 99 km
  davon in Planung: 105,5 km

Bundesland:

Ausbauzustand: vierstreifig
Eisenbahnbrücke über die A 39 bei Schandelah (Gem. Cremlingen)
Eisenbahnbrücke über die A 39 bei Schandelah (Gem. Cremlingen)

Die Bundesautobahn 39 (Abkürzung: BAB 39) – Kurzform: Autobahn 39 (Abkürzung: A 39) – ist eine Autobahn in Niedersachsen zwischen den Städten Winsen und Lüneburg sowie Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter.

Für den geplanten Weiterbau ab Wolfsburg in Richtung Lüneburg wurde am 25. August 2007 das Raumordnungsverfahren (ROV) abgeschlossen. Es sieht vor, die A 39 im Lüneburger Stadtgebiet auf der Bundesstraße 4 (die sogenannte Ostumgehung) laufen zu lassen und die Trassenführung im weiteren Verlauf mit dem Elbeseitenkanal zu bündeln. Die Linienbestimmung erfolgte im Oktober 2008. Nach der Entwurfsplanung sollen die Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Bestehendes Teilstück[Bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten]

Die A 39 beginnt an der AS Weyhausen im Landkreis Gifhorn, indem sie aus der Bundesstraße 248 hervorgeht. Von dort aus verläuft sie in südlicher Richtung durch Wolfsburg zum Autobahnkreuz Wolfsburg/Königslutter mit der A 2. Weiter geht es in südwestlicher Richtung an Cremlingen vorbei zur Anschlussstelle Braunschweig-Rautheim. Der Bau dieses nur ca. 15 km langen Abschnitts vollzog sich nach dem Baubeginn im Jahr 2002 über etliche Jahre in mehreren Etappen. Beginnend mit der Freigabe der Teilstücke bis zu den Anschlussstellen Sickte (2005), Cremlingen (2006) und schließlich dem Anschluss an das Kreuz Anfang 2009. Erst damit ist die A 39 von Wolfsburg bis Salzgitter durchgängig befahrbar. Zunächst musste der Verkehr wegen Fahrbahnbeschädigungen im Bereich der Anschlussstelle Cremlingen jedoch einspurig über die Richtungsfahrbahn Wolfsburg geführt werden, seit Mitte 2011 ist die Autobahn auch in diesem Bereich vierstreifig befahrbar, obwohl dieser Bereich in Richtung Wolfsburg noch kurzzeitig auf 80 km/h begrenzt ist. 2011 wurde auf Höhe des Ortes Cremlingen ein Autobahnparkplatz mit WC (Herzogsberge), der auf der Nordseite 54 Pkw- und 32 Lkw-Stellplätze und (später) auf der Südseite 47 Pkw- und ebenfalls 32 Lkw-Stellplätze bereitstellen wird, eingerichtet. Hinzu kommen jeweils zwei Stellplätze für Busse und jeweils zwei behindertengerechte Pkw-Stellplätze. In ihrem weiteren Verlauf in Richtung Salzgitter bildet die Autobahn mit der A 395 das Kreuz Braunschweig-Süd. Nachdem die A 39 die Oker überquert, kreuzt am Autobahndreieck Braunschweig-Südwest die A 391. Weiter geht es südlich an Salzgitter-Lebenstedt vorbei bis zum Autobahndreieck Salzgitter mit der A 7. Dieser Abschnitt wurde ursprünglich als Bundesstraße 490 angelegt.

Der ursprünglich als A 250 gebaute Teil vom Maschener Kreuz bis Lüneburg ist unter Bundesautobahn 250 beschrieben.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Das Dreieck Salzgitter ist als Autobahngabelung ausgeführt. Möchte man von der A 39 aus Richtung Braunschweig/Berlin in Richtung Hannover weiterfahren, so muss an der Abfahrt Baddeckenstedt auf die B 6 in Richtung Hildesheim gewechselt werden und an der Abfahrt Derneburg/Salzgitter in die A 7 eingefahren werden, ansonsten mündet die A 39 ausschließlich in die A 7 Richtung Kassel ein.

Die A 395 beginnt nicht direkt am Kreuz BS-Süd, sondern einige hundert Meter südlich davon. Die A 39 kreuzt genaugenommen die B 4.

Der Förderturm des stillgelegten Bergwerkes und geplanten Atommüllendlagers Schacht Konrad ist von der Autobahn aus zwischen den AS Salzgitter-Thiede und AS Salzgitter-Lebenstedt-Nord gut zu erkennen. In diesem Teilstreckenbereich wurde der Neubau einer bewirtschafteten Tank- und Rastanlage in beiden Richtungen, die den Namen „Salzgitterhüttenblick“[1] tragen wird, begonnen. Das Planfeststellungsverfahren hierfür wurde Anfang August 2008 eingeleitet.[2] Die neu errichtete Anlage soll die nach Fertigstellung der Anschlussstelle Braunschweig-Rüningen-Süd wegfallende Tankanlage Rüningen ersetzen.

Umbau des Dreiecks Braunschweig-Südwest[Bearbeiten]

Am Dreieck Braunschweig-Südwest folgte die südliche A 39 bis ins Jahr 2010 dem abzweigenden Strang. Der gerade Strang ging direkt in die A 391 über. Durch den am 30. Januar 2009 vollzogenen Lückenschluss mit der A 2 am Kreuz Wolfsburg/Königslutter verlagert sich jedoch der Durchgangsverkehr von Frankfurt am Main und Kassel nach Berlin und Polen von der A 391 auf das neue Teilstück der A 39, weswegen ein Umbau des Dreiecks erforderlich wurde. Die Umbaumaßnahmen sahen vor, die Teilstücke der A 39 direkt ineinander zu führen, die Bundesautobahn 391 als abzweigenden Strang anzuschließen sowie den Abschnitt zwischen dem Dreieck BS-Südwest und dem Kreuz BS-Süd auf sechs Fahrstreifen zu verbreitern, weil es sich dort um einen staugefährdeten Abschnitt handelt.

Der Umbau wurde im Frühjahr 2009 begonnen und am 28. August 2012 abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf rund 110 Millionen Euro.[3]

Geplanter Weiterbau Richtung Lüneburg[Bearbeiten]

Anschluss der A 39 im Großraum Hamburg

Eine Verbindung Magdeburg–Hamburg gab es schon in den allerersten Reichsautobahnplänen von 1935[4], 1938 Verbindungen von einem Knotenpunkt bei Wittingen nach Braunschweig, Hamburg, Magdeburg und Wittstock/Dosse[5] und 1940 die Verbindung Braunschweig–Hamburg[6]. Nach dem Zweiten Weltkrieg verhinderte die deutsche Teilung deren Realisation und die Planungen passten sich als Verbindung Wolfsburg–Hamburg den Möglichkeiten an, wie hier 1971[7] gezeigt, wurden aber nie umgesetzt, weil die Trasse durch die nahe parallele Führung zur A 7 als überflüssig erkannt wurde.

X- und I-Variante[Bearbeiten]

Autobahnen im Raum Hamburg–Berlin–Hannover

Es gab verschiedene Pläne, die Autobahn ab Wolfsburg weiterzuführen. Definiert und untersucht wurden sie 1995 in der Verkehrsuntersuchung Nord-Ost (VUNO). Bei der so genannten X-Variante, die unter anderem vom ADAC befürwortet wurde, verlief sie nach Schwerin und kreuzte bei Salzwedel die A 14, die von Magdeburg nach Lüneburg verlängert werden sollte.

In der sogenannten I- oder Hosenträger-Variante, der 2004 der Vorzug gegeben wurde, verläuft hingegen die A 14 nach Schwerin und die A 39 nach Lüneburg. Salzwedel soll dabei durch eine „leistungsfähige“ Bundesstraße im 2+1-System, die B 190n, in Ost-West-Richtung an beide Autobahnen angebunden werden. Bei dieser Variante ergeben sich zusammen mit der A 7 drei parallel in Nord-Süd-Richtung verlaufende Autobahnen im Abstand von je etwa fünfzig Kilometern. Allerdings ermöglicht diese Variante eine große flächenmäßige Erschließung dieser dünn besiedelten und – auch durch die deutsche Teilung bedingt – bisher autobahnfreien Region.

Aus der Diskussion geraten ist dagegen trotz eines Nutzen-Kosten-Verhältnisses (NKV) von 3,5 die G-Variante, die auch den Bau der A 14 zwischen Magdeburg und Schwerin vorsah, aber als Anbindung von Lüneburg und Wolfsburg Bundesstraßen favorisierte. Die G-Variante hatte sich in der VUNO 1995 als verkehrstechnisch beste Lösung herauskristallisiert, wurde aber aus politischen Gründen zugunsten der I-Variante (NKV 3,4) verworfen.

Ebenfalls parallel dazu wird zwischen Braunschweig und Lüneburg die Bundesstraße 4 ausgebaut. Die ebenfalls für den vordringlichen Bedarf angemeldeten Ortsumgehungen zwischen Lüneburg und Uelzen an der B 4 (Melbeck = NKV 7,5 und Kirchweyhe = NKV 7,6) wurden zurückgestuft mit der Begründung, dass die A 39 diese Orte nachhaltig entlasten würde. Die Ortsumgehung Kirchweyhe befindet sich jedoch inzwischen im Bau und wird voraussichtlich im April 2014 für den Verkehr freigegeben.

Die A 14 gemäß der I-Variante ging im April 2004 ins Raumordnungsverfahren, das im November 2004 mit einer Vorzugsvariante abgeschlossen wurde. Am 11. Oktober 2008 wurde das Linienbestimmungsverfahren beendet und die Trasse vom Bund weitgehend genehmigt. Insgesamt umfasst die 105 km lange Trasse sieben Abschnitte. Bis 2011 sollen die Vorentwürfe fertig sein. 2013 könnte dann das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein, so dass im Jahr 2014 mit dem Bau des ersten Abschnitts begonnen werden könnte[8], sofern der Bund entsprechende Mittel bereitstellt.

Am 3. November 2010 wurde die A 250 als Fortführung der A 39 nach Hamburg (Maschener Kreuz) in A 39 umbenannt.[9]

Kontroversen[Bearbeiten]

Logo der Bürgerinitiative PRO A39 e.V.

Sowohl die Verlängerung nach Lüneburg als Ganzes als auch die Wahl der Trassen im Detail sind in der Region, zum Teil auch in der Landespolitik, stark umstritten.

Befürwortet wird das Projekt vor allem von der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg, einem „Nordland-Autobahn-Verein“ sowie der Bürgerinitiative „PRO A39 e.V.“, die aus den Mittelstandsvereinigungen der anliegenden Kreise hervorgegangen ist.[10] Diese haben weite Teile von CDU, SPD und FDP in der Region und auf Landesebene auf ihrer Seite, auf Bundesebene hat der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan durchgesetzt. Zu den bekannteren Befürwortern zählt auch der ehemalige Wolfsburger Oberbürgermeister und Spediteur Rolf Schnellecke. Sie bringen für das Projekt vor, dass damit der Transportweg von Braunschweig und Wolfsburg zum Hamburger Hafen verkürzt werde, es entstehe zwischen Hamburg und Salzgitter eine Alternative zur A 7. Die durchquerte Region werde für transportintensive Produktion und für Logistikbetriebe attraktiver, Ortsdurchfahrten würden entlastet. Außerdem wird der Ausbau für erforderlich gehalten, um die dringend notwendige Entlastung der A 7 herbeizuführen und den steigenden Hafenhinterlandverkehr für Hamburg aufzufangen. Unterstützung findet das Projekt auch durch zahlreiche mittelständische Unternehmen in Nordostniedersachsen, die sich eine Verbesserung der Wirtschaftsbedingungen und Verbesserung der Infrastruktur versprechen.

Auf der anderen Seite bestehen eine Reihe von Bürgerinitiativen und Umweltgruppen vor Ort, regional und landesweit agieren Umweltverbände wie der BUND und der Verkehrsclub Deutschland dagegen, ebenso Bündnis 90/Die Grünen und Einzelpersonen der anderen Parteien. Sie bezweifeln generell den wirtschaftlichen Nutzen, auch im Vergleich mit deutlich preisgünstigeren Ausbauten wie einzelnen Ortsumfahrungen. Es seien negative Folgen für den Tourismus in der Ostheide zu befürchten, Baukosten und Flächenverbrauch nicht zu verantworten. Sie weisen auch auf den ihrer Meinung nach geringen Verkehr auf dem Elbe-Seiten-Kanal und der Bahnstrecke Braunschweig–Uelzen hin.

Protestschild gegen die geplante Autobahn in Weste (Niedersachsen)

Nach den Ergebnissen des Raumordnungsverfahrens weisen alle Trassen ein „hohes Konfliktpotential“ auf. Besonders umstritten ist der vorgesehene Ausbau der bestehenden B 4 innerhalb Lüneburgs. Die sogenannte Ostumgehung durchschnitt schon bei ihrem Bau das Wohngebiet Moorfeld. Bei ihrer Planung (Planfeststellungsbeschluss 1981) wurden Einwände von Bürgern, die Trasse könnte zu einem Teilstück einer späteren Nord-Süd-Autobahn werden, als unbegründet zurückgewiesen, die Trasse sei für den Ausbau als Autobahn ungeeignet.[11] Inzwischen ist in diesem Abschnitt ein Tunnelbau geplant. Nahezu der gesamte sonstige Abschnitt durchquert Biotope, in denen zahlreiche streng geschützte Arten nachgewiesen sind. Konkret sind dies die Vogelarten Eisvogel, Grünspecht, Heidelerche, Neuntöter, Schwarzspecht, Teichhuhn, und Turmfalke; die Fledermausarten Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfledermaus, Graues Langohr, Große- und Kleine Bartfledermaus, Mückenfledermaus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus und Zwergfledermaus; der Moorfrosch und die Fischarten Bitterling, Groppe und Rapfen. Ältere Unterlagen ergaben zudem das Flussneunauge, das diesmal jedoch nicht nachgewiesen werden konnte.

Der Konflikt um eine ursprünglich geplante Tank- und Rastanlage in Hohnstorf konnte dadurch beendet werden, dass die Stadt Uelzen Bereitschaft erklärte, für eine solche Anlage Gewerbeflächen auf dem Stadtgebiet freizugeben. Dadurch ergab sich aber, dass eine weitere, 17 Hektar große Anlage zwischen Jembke und Tappenbeck eingerichtet werden sollte, was dort zu Protesten führte.[12]

Weitere Ideen/Planungen[Bearbeiten]

Seit einiger Zeit gibt es auch die Idee/den Wunsch, die A 39 westlich von Salzgitter – als Entlastung der A 2 – in Richtung Nordrhein-Westfalen zu verlängern und diese entweder an die A 44 oder die A 33 im Bereich Paderborn anzuschließen.[13]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesautobahn 39 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Zur Auseinandersetzung über die A 39[Bearbeiten]

Zur Auseinandersetzung über den Umbau des Autobahndreiecks Braunschweig-Südwest[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tiefensee genehmigt "Salzgitterhüttenblick". Braunschweiger Zeitung Salzgitter, 18. August 2009, abgerufen am 12. Mai 2013.
  2. Autobahn 39: Neubau der Tank- und Rastanlage Salzgitterhüttenblick bei Salzgitter. Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, 23. April 2013, abgerufen am 12. Mai 2013.
  3. Autobahndreieck Südwest wird am Mittwoch freigegeben. Braunschweiger Zeitung, 27. August 2012, abgerufen am 12. Mai 2013.
  4. http://www.dullophob.com/Bilder/0%20Panoramen/Reichsautobahn%201935-2.gif
  5. http://www.hs-merseburg.de/~nosske/EpocheII/dk/e2v_ab38.gif
  6. http://www.themt.de/images/xl/rab1940-000lg.png
  7. http://www.strassenbau.niedersachsen.de/live/institution/mediadb/mand_135/pspic/zoombild/71/Historie4c4c16663f068b6.jpg
  8. Große Zustimmung für Bau der A 39. In: Täglicher Hafenbericht vom 3. August 2012, S. 2
  9. A 250 heißt jetzt A 39. Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, 3. November 2010, abgerufen am 12. Mai 2013.
  10. Website von Pro A39, abgerufen am 28. Juni 2013
  11. siehe Keine-A39-Wiki der BI Lüne-Moorfeld, Artikel Ostumgehung
  12. Autobahnrasthof bei Jembke – „eine große Katastrophe“ Gifhorner Rundschau am 8. September 2012, abgerufen am 28. Juni 2013
  13. Land will neue Autobahn nach NRW. Hannoversche Allgemeine Zeitung, 8. August 2012, abgerufen am 12. Mai 2013.