Bundesdenkmalamt

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OsterreichÖsterreich  Bundesdenkmalamt (BDA)
Österreichische Behörde
BDA-Logo
Staatl. Ebene Bund
Stellung

der Behörde

nachgeordnete Dienststelle
Aufsicht Bundeskanzleramt
Gründung 31. Dezember 1850 (als K.k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, Allerhöchste Entschließung Franz Joseph I.)
Hauptsitz Wien, Hofburg
Behörden­leitung Präsident: Dr. Barbara Neubauer
Website www.bda.at

Das Bundesdenkmalamt (BDA) ist die in Österreich zuständige Behörde für Denkmalschutz und Denkmalpflege.

Geschichte[Bearbeiten]

Umschlag der ersten Jahresausgabe der „Mittheilungen“
Titelseite der ersten Ausgabe der „Mittheilungen“, Jänner 1856

Als Vorläufer des Bundesdenkmalamts wurde auf Basis eines Vortrags des Handelsministers Freiherrn von Brucks ueber die Nothwendigkeit einer umfassenden Fürsorge zur Erhaltung der Baudenkmale im oesterreichischen Kaiserstaate mit „Allerhöchster Resolution“ von Kaiser Franz Joseph I. per 31. Dezember 1850 die Errichtung einer Central-Commission in Wien sowie die Bestellung von Conservatoren in den Kronländern genehmigt und durch schriftliche Instruction detailliert beschrieben.[1] 1853 begann die eigentliche Tätigkeit der Kommission. In ihr waren neben Beamten auch Wissenschaftler und Künstler (1855 etwa die Dichter Adalbert Stifter und Hermann Rollett) aktiv. Ab dem 1. Jänner 1856 wurden die Mittheilungen der kaiserl. königl.Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale als Monatszeitschrift herausgegeben.[2] 1859 wurde die Kommission, die zunächst beim Bautenministerium ressortierte, dem K.K. Ministerium für Kultus und Unterricht unterstellt.

Die „K.K. Zentralkommission für die Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale“ erhielt 1873 einen erweiterten Wirkungsbereich ein eigenes Budget zur Förderung von Restauriermaßnahmen. Kirche und Adel, die wichtigsten Eigentümer von denkmalgeschützten Objekten verhinderten jedoch bis zum Ende der Donaumonarchie die Verabschiedung eines Denkmalschutzgesetzes. Auch Alois Riegl (1858–1905), Universitätsprofessor und erster Generalkonservator der Zentralkommission scheiterte 1903 am Vorhaben der Erlassung eines solchen Gesetzes. Riegls Konzeptionen fanden allerdings internationale Anerkennung, ähnlich wie der von Max Dvorák (1874–1921) erstellte „Katechismus der Denkmalpflege“ (1916/18).

1910 übernahm Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este das Protektorat über die „K.K. Zentralkommission für Denkmalpflege“ und 1911 begann deren Umwandlung in ein Staatsdenkmalamt. Die Schaffung einer legistischen Grundlage erfolgte erst nach dem Ersten Weltkrieg unter dem Druck des drohenden Ausverkaufs an Kulturgütern des hungernden Reststaates Deutsch-Österreich. Ab Dezember 1918 galt ein Ausfuhrverbot für Kunstgegenstände. 1923 wurde das erste Denkmalschutzgesetz erlassen. So wurde die beratende Kommission letztlich doch eine gesetzlich legitimierte, staatliche Behörde.

1934 wurde das Bundesdenkmalamt durch die „Zentralstelle für Denkmalschutz im Bundesministerium für Unterricht“ ersetzt. Nach dem Abschluss Österreichs (März 1938) gingen die Funktionen der Landeskonservatoren an "Gaukonservatoren" über. Die Zentralstelle wurde den kulturpolitischen Zwecken des NS-Regimes untergeordnet. Dem Bundesdenkmalamt hatte beim Kunstraub eine wichtige Rolle.[3]

Das 1940 gegründete „Institut für Denkmalpflege“ als zentrale Fachstelle unterstand dem Berliner Wissenschaftsministerium.

Nach dem Krieg wurde das BDA neu gegründet. Wesentliche Gesetzesnovellen wurden 1978 und 1999 verabschiedet.

Funktion und Gliederung[Bearbeiten]

Bundesdenkmalamt und Land Niederösterreich bei der Denkmalpflege (hier im Waldviertel)

Die Aufgaben der Behörde umfassen unter anderem die Erhaltung, Restaurierung und Katalogisierung von Bau- und Kunstdenkmälern, Ausgrabungsstätten und historischen Gärten, aber auch die Überwachung der Ausfuhrbestimmungen nach dem Denkmalschutzgesetz. Das Bundesdenkmalamt arbeitet mit dem vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur beigestellten Denkmalbeirat zusammen.

Das Bundesdenkmalamt gliedert sich heute in das Präsidium in Wien und acht Landeskonservatorate in den Landeshauptstädten, das LK Burgenland hat seinen Sitz in Wien. Zu deren Verfügung stehen zentrale Fachabteilungen:

Die beiden Restaurierwerkstätten sind:

Diese stehen den Mitarbeitern des Bundesdenkmalamtes (Landeskonservatorate, Amtsrestauratoren etc.), wie auch freiberuflichen Restauratoren oder Privatpersonen zur Verfügung. Im Zentrallabor werden auch die bei jeder Restaurierung geforderten Materialproben ausgewertet und katalogisiert, sowie Gutachten erstellt.

Das Bundesdenkmalamt war auch für die Restitution des rund 8.000 Gegenstände und Kunstwerke umfassenden Mauerbach-Bestandes zuständig, der der Republik Österreich Ende der 1940er-, Anfang der 1950er Jahre von den US-Truppen übergeben wurde. Nachdem bis 1996 angeblich keine Eigentümer ausfindig gemacht werden konnten, wurde der Bestand zugunsten der IKG versteigert. Erst Jahre später, als der Zugang zu Archiven für die Provenienzforschung geöffnet wurde, konnte anhand von Hinweisen und Aufklebern auf den Rückseiten der versteigerten Bilder (die fotografiert worden waren) in vielen Fällen die Besitzer eruiert werden. Diese Ergebnisse wurden Anfang Dezember 2008 veröffentlicht und in einer Ausstellung des Museums für angewandte Kunst präsentiert.[6]

Präsidenten, Generalkonservatoren[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

Periodika:

Reihen:

Sonstiges:

  •  Theodor Brückler, Ulrike Nimeth, Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Personenlexikon zur österreichischen Denkmalpflege 1850 – 1990 – 2002. Verlag F. Berger, Wien 2001, ISBN 978-3-85028-344-1.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alois Riegl: Das Denkmalschutzgesetz. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 14553/1905, 27. Februar 1905, S. 6 ff. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  •  Walter Frodl: Idee und Verwirklichung. Das Werden der staatlichen Denkmalpflege in Österreich. Wien, Köln, Graz 1988 (=  Bundesdenkmalamt Wien (Hrsg.): Studien zu Denkmalschutz und Denkmalpflege. 13.).
  •  Manfred Koller: Zur Geschichte der Restaurierung in Österreich. In: Geschichte der Restaurierung in Europa/Histoire de la Restauration en Europe. I, Worms 1991, S. 65-85 (=  Bundesdenkmalamt Wien (Hrsg.): Akten des internationalen Kongresses Restauriergeschichte/Histoire de la Restauration. XIII, Interlaken 1989.).
  • Theodor Brückler: Thronfolger Franz Ferdinand als Denkmalpfleger. Die „Kunstakten“ der Militärkanzlei im Österreichischen Staatsarchiv (Kriegsarchiv). Studien zu Denkmalschutz und Denkmalpflege, Band 20, ISSN 0586-6871. Böhlau, Wien (u.a.) 2009, ISBN 978-3-205-78306-0. – Inhaltsverzeichnis (PDF; 0,25 MB).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesdenkmalamt Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahrbuch der kaiserl. königl. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. Band 1.1856, ISSN 0258-5553. Braumüller, Wien 1856, S. 3–36. – Volltext online.
  2. Band 1.1856, ZDB-ID 220003-x. – Volltext online.
  3. Generalkonservator Prof. Ernst Bacher im Vorwort des folgenden Buches: Theodor Brückler (Hrsg.): Kunstraub, Kunstbergung und Restitution in Österreich 1938 bis heute. Böhlau Wien 1999, ISBN 978-3205989264, S. 19 (Vorwort, Seite 8)
  4. Naturwissenschaftliches Zentrallabor, BDA
  5. Restaurierwerkstätten Baudenkmalpflege Kartause Mauerbach, BDA
  6. Thomas Trenkler: Die Schande der Mauerbach-Auktion. In: Der Standard, 1. Dezember 2008, S. 18
  7. Bundesdenkmalamt Österreich: Geschichte der Denkmalpflege in Österreich. Die Entwicklung des staatlichen Denkmalschutzes von 1850 bis heute. In: bda.at, 25. März 2013, abgerufen am 26. März 2013.
  8. Bundesdenkmalamt Österreich: Präsident als Einstandsgeschenk. In: bda.at, 26. März 2013, abgerufen am 26. März 2013.