Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

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Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
– BMU –
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Staatliche Ebene Bund
Stellung der Behörde Oberste Bundesbehörde
Gründung 6. Juni 1986
Hauptsitz Bonn, Nordrhein-Westfalen
Behördenleitung Peter Altmaier (CDU)
Anzahl der Bediensteten 814
Website www.bmu.de
Hauptsitz in Bonn

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), kurz Bundesumweltministerium, ist ein Ministerium der Bundesrepublik Deutschland. Sein erster Dienstsitz befindet sich in Bonn, sein zweiter Dienstsitz in Berlin-Mitte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Alte Bundesrepublik[Bearbeiten]

Der Entstehung eines eigenen Bundesministeriums waren schon zu Beginn der 1970er Jahre einige Aktivitäten in Sachen Umweltschutz vorausgegangen. Dazu gehörten das 1971 beschlossene Umweltprogramm der Bundesregierung sowie zentrale Gesetzeswerke wie das Abfallbeseitigungsgesetz von 1972 und das Bundesimmissionsschutzgesetz von 1974. Im selben Jahr wurde auch im damaligen West-Berlin das Umweltbundesamt gegründet und der Sachverständigenrat für Umweltfragen als wissenschaftliches Beratungsgremium der Bundesregierung eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt war der Umweltschutz auf die Ressorts von Innen-, Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium verteilt.

Auslöser für ein Umweltministerium war jedoch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. So wurde das Ministerium am 6. Juni 1986 gegründet, etwa fünf Wochen nach Tschernobyl. Die damalige Bundesregierung wollte mit diesem Schritt die Zuständigkeiten auf diesem Sektor unter einem neuen Minister zusammenfassen, um den umweltpolitischen Herausforderungen besser entgegentreten zu können.

Von der Gründung bis 1998 wurde das Haus von CDU-Ministern geführt. Der erste, Walter Wallmann, verließ den Posten nicht einmal ein Jahr später, als er hessischer Ministerpräsident wurde. Insbesondere unter seinem Nachfolger Klaus Töpfer, dem späteren Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, wurden zahlreiche Änderungen der Umweltgesetzgebung durchgesetzt. Angela Merkel agierte in dieser Beziehung eher glücklos, das BMU konnte in ihrer Amtszeit nur wenige seiner Anliegen in der Bundesregierung durchsetzen, da der Umweltschutz zusehends als ein Hemmnis für die ohnehin krisengeschüttelte wirtschaftliche Entwicklung angesehen wurde.

Mit der rot-grünen Koalition von 1998 wurde Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) das Ministeramt übertragen. Damit einher ging wieder eine stärkere Fokussierung auf den Umweltschutz und in bestimmten Bereichen ein Wechsel der umweltpolitischen Ausrichtung, der sich beispielsweise bei den Themen Atomausstieg, Endlagerung radioaktiver Abfälle (siehe AkEnd), Einwegpfand (ab 1. Januar 2003) und Ökosteuer zeigte.

Am 16. Mai 2012 gab Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt, den Bundespräsidenten gebeten zu haben, den damaligen Umweltminister Norbert Röttgen zu entlassen. Röttgen wurde die Schuld für die schlechten Wahlergebnisse für die CDU in der Landtagswahl 2012 in Nordrhein-Westfalen gegeben. Damit zwang sie das erste Mal in ihrer Zeit als Bundeskanzlerin einen Minister, seinen Posten unfreiwillig zu verlassen. Zum Nachfolger wurde Peter Altmaier ernannt.[1]

Der Etat 2013 wurde am 20. November 2012 im Bundestag beraten; er veranschlagte Ausgaben in Höhe von 1,65 Milliarden Euro – ein leichtes Plus von 54,73 Millionen im Vergleich zu 2012 (17/10815, 17/10814, 17/10823).[2]

DDR[Bearbeiten]

Die DDR hatte bereits 1971 ein eigenes Umweltministerium gebildet, 15 Jahre vor der Bundesrepublik. Dabei wurde das Amt für fast die gesamte Dauer seiner Existenz von demselben Minister (Hans Reichelt) ausgefüllt. Lange vor dem Mauerfall hatte sich im Land darüber hinaus eine starke Umweltbewegung herausgebildet. Deren Aktivisten waren Mitglieder des Kulturbundes, Kirchenmitglieder und engagierte Bürger.[3][4]

Aufbau[Bearbeiten]

Das Bundesumweltministerium kümmert sich federführend um die Umweltpolitik bzw. die Belange des Umweltschutzes in Deutschland. Geleitet wird das Ministerium vom Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, dem ein beamteter Staatssekretär untersteht. Die vom Minister berufenen beiden Parlamentarischen Staatssekretäre haben keinen Durchgriff auf die Verwaltung. Derzeit werden im Ministerium bei 746 Planstellen 980 Mitarbeiter beschäftigt.[5] 1993 hatte die Zahl der festen Stellen noch 802 betragen, bis 2013 soll der Stellenabbau diese Zahl auf 692 reduzieren.[5]

Organisatorisch ist das Ministerium in sechs Abteilungen gegliedert:

Weiterhin gehören das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das Umweltbundesamt (UBA) zum Geschäftsbereich des BMU. Außerdem kann es auf die Expertisen und Stellungnahmen verschiedener sachverständiger Gremien zurückgreifen, namentlich auf den Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (SRU), den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), die Reaktorsicherheitskommission (RSK), die Strahlenschutzkommission (SSK), die Kommission für Anlagensicherheit (KAS) und den Umweltgutachterausschuss (UGA).

Im Bundeshaushalt für 2009 standen dem BMU insgesamt 1,418 Milliarden Euro zur Verfügung.[6] Allerdings wurden auch anderen Ministerien Gelder für umweltpolitische Aufgaben zur Verfügung gestellt, so dass die Umweltausgaben des Bundes insgesamt 8,256 Milliarden Euro betrugen.[6]

Das BMU bildet 42 Lehrlinge in den Berufen Fachangestellte für Bürokommunikation, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste – Fachrichtung Bibliothek und Verwaltungsfachangestellte aus. Die Ausbildung der Fachangestellten für Bürokommunikation erfolgt fast ausschließlich am Dienstsitz Berlin und die der beiden anderen Fachrichtungen in Bonn.

Bundesminister seit 1986[Bearbeiten]

Peter Altmaier Norbert Röttgen Sigmar Gabriel Jürgen Trittin Angela Merkel Klaus Töpfer Walter Wallmann

Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
1 Walter Wallmann * 1932 CDU 6. Juni 1986 22. April 1987
2 Klaus Töpfer * 1938 CDU 7. Mai 1987 17. November 1994
3 Angela Merkel * 1954 CDU 17. November 1994 27. Oktober 1998
4 Jürgen Trittin * 1954 GRÜNE 27. Oktober 1998 22. November 2005
5 Sigmar Gabriel * 1959 SPD 22. November 2005 28. Oktober 2009
6 Norbert Röttgen * 1965 CDU 28. Oktober 2009 22. Mai 2012
7 Peter Altmaier * 1958 CDU 22. Mai 2012 im Amt

DDR-Minister 1971–1990[Bearbeiten]

Peter Diederich Hans Reichelt Werner Titel


Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
Minister für Umweltschutz und Wasserwirtschaft
1 Werner Titel 1931–1971 DBD 29. November 1971 25. Dezember 1971
2 Hans Reichelt * 1925 DBD 25. Dezember 1971 11. Januar 1990
3 Peter Diederich * 1938 DBD 11. Januar 1990 12. April 1990
Minister für Umwelt- und Naturschutz,

Reaktorsicherheit und Energie

4 Karl-H. Steinberg * 1941 CDU 12. April 1990 2. Oktober 1990

Die Dienstsitze des BMU[Bearbeiten]

Bonn - Bundesministerium für Umwelt

Bonn[Bearbeiten]

Hier besitzt das BMU einen Verwaltungstrakt am Robert-Schuman-Platz 3.[7]

Berlin[Bearbeiten]

In Berlin bezog das Ministerium, nachdem es nach dem Bonn/Berlin-Gesetz hier eine Dienststelle einzurichten hatte, mehrere Etagen im Haus der Elektroindustrie am Alexanderplatz. Jedoch wurde in der Stresemannstraße 130, mehr zu den übrigen Ministerien hin, ein Neubau vorgesehen. Dessen Planungen und die Ausführung stammen von den Geier Maass Pleuser Architekten, das Richtfest konnte bereits am 25. September 2008 gefeiert werden.[8] Am 6. Juni 2011 erfolgte der offizielle Umzug. In der Nachbarschaft des modernen Gebäudes sind dauerhaft einige Elemente der Berliner Mauer erhalten.[7] [9] Das nebenstehende bereits früher für Verwaltungszwecke genutzte Gebäude wurde saniert und in den BMU-Komplex mit einbezogen.

 Commons: Stresemannstraße 128 (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Publikationen[Bearbeiten]

Das BMU publiziert unter anderem eine monatlich erscheinende Zeitschrift mit dem Titel Umwelt.[10] Des Weiteren gibt es zu besonderen Ereignissen unregelmäßig kostenlose Broschüren, die auch im Internet zur Verfügung stehen.[11] Auch für die Bildung werden Hefte aufgelegt, sogar häufig in mehreren Sprachen.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wie Merkel Röttgen abschaltete. Spiegel Online. Abgerufen am 16. Mai 2012
  2. bundestag.de: Haushalt 2013, Fiskalvertrag, Beschneidung. Abgerufen am 5. Januar 2013
  3. DDR-Umweltbewegung im Rahmen einer Gesprächsreihe im Haus der Natur in Potsdam; im ersten Halbjahr 2009
  4. Faltblatt zur Umweltsituation in der DDR 1989 (PDF-Dokument)
  5. a b Angabe auf der Webseite des Ministeriums, abgerufen am 12. November 2009
  6. a b Angabe auf der Webseite des Ministeriums, abgerufen am 12. November 2009
  7. a b Anschriften des BMU, abgerufen am 14. Juni 2013
  8. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: Neubau für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit; abgerufen am 1. Januar 2011
  9. Bauvorhaben am Dienstsietz Berlin, abgerufen am 14. Juni 2012
  10. BMU-Homepage mit der Angabe Zeitschrift
  11. BMU-Homepage mit einer Übersicht der Themen-Broschüren; Stand Juni 2013
  12. BMU-Homepage mit der Übersicht Bildungsmaterialien

50.706967.13858Koordinaten: 50° 42′ 25″ N, 7° 8′ 19″ O