Buquoy

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Dieser Artikel behandelt das Adelsgeschlecht. Siehe auch: Palais Buquoy in Prag.
Wappen derer von Buquoy

Buquoy, früher auch Bucquoy, Buquoi, Bucquoi oder Boucquoi, ist der Name eines alten Adelsgeschlechtes französischen Ursprungs, das zum Uradel der Landschaft Santerre (Picardie) zählt. Im 17. Jahrhundert gelangte eine Linie vor allem in Böhmen zu Besitz und Ansehen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Geschlecht benannte sich zuerst nach seinem Stammsitz Longueval bei Amiens und beginnt die wahrscheinliche Stammreihe mit Alexandre de Longueval († 1092), während die urkundlich belegte Stammreihe 1150 mit dessen wahrscheinlichem Ur-Urenkel Antoine Sire de Longueval beginnt. 1444 wurde die Baronie Vaux und 1567 die Herrschaft Buquoy erworben, beide in der Grafschaft Artois bei Bapaume gelegen.

Bereits im 15. Jahrhundert begaben sich Familienmitglieder in den Dienst der Habsburger. So war Adrien de Longueval, seigneur de Vaux († 1524) Kämmerer des Erzherzogs Philipp des Schönen, des Königs von Kastilien, León und Granada (* 1478; † 1506). Der Sohn, Jean de Longueval, baron de Vaux (* 1510; † 1551) war Obersthofmeister des Kaisers Karl V. und Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Wiederum dessen Sohn, Maximilien de Longueval, baron de Vaux (* 1537; † 1581) war königlich spanischer General, wurde 1580 von Karls V. Sohn, Philipp II. von Spanien, zum Grafen von Buquoy erhoben und ist 1581 bei der Belagerung von Tournai gefallen.[2]

Mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges befehligte der Sohn des Maximilien de Longueval, Grafen von Buquoy, der Feldmarschall Charles Bonaventure de Longueval, Comte de Bucquoy die kaiserlichen Truppen. Schon vor dem Sieg in der Schlacht am Weißen Berg erhielt Bucquoy 1620 durch Ferdinand II. aus dem konfiszierten Besitz der Schwanberger die Herrschaften Nové Hrady, Rožmberk nad Vltavou und Libějovice sowie Žumberk und die Burg Cuknštejn verliehen. Von 1620 bis 1945 waren die Buquoy vor allem in Südböhmen ansässig. In ihre Herrschaftszeit fällt die Besiedlung des Gratzener Berglandes. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der letzte Besitzer der Burg Gratzen Karl Georg Buquoy (1885–1952) verhaftet und als Kollaborateur angeklagt. Obwohl von den Vorwürfen freigesprochen, blieb Buquoy aus politischen Gründen inhaftiert. Er starb 1952 im Gefängnishospital zu Brno-Mírov[3], sein Vermögen wurde eingezogen. Sein Enkel Michael Graf von Buquoy (* 1941 in Prag), der gegenwärtige Familienchef, lebt seit seinem Ruhestand wieder in Oberbayern. Margarete Gräfin von Buquoy (* 1942) ist die offizielle Familienhistorikerin.

Die Linie Buquoy-Rottenhan, geht auf Georg Franz August von Buquoy zurück, der durch die Ehe mit der Tochter von Heinrich Franz von Rottenhan, 1806 umfangreiche Besitzungen in Nordböhmen und dem Erzgebirge, darunter Rothenhaus, erwarb und dort den Bergbau und die Glasfabrikation förderte.

Standeserhöhungen und -anerkennungen[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der Grafen von Buquoy 1703

Das Stammwappen zeigt drei blaue Schrägrechtsbalken auf rotem Grund, die beiden äußeren mit je vier, der mittlere mit fünf silbernen gestürzten "vairs" (Eisenhütchen, Feh) belegt (eine frühe Variante zeigt den Schild fünfmal schrägrechts geteilt, so dass dort das unterste rote Feld fehlt); auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine goldengefranste Fahne mit dem Schildbild an von Rot und Silber mehrfach schrägrechts geteilter Stange.

Durch das Grafenstandsdiplom von 1703 kamen als Schildhalter zwei silberne Greife dazu.

Wappensage[Bearbeiten]

Nach der Wappensage hatten die Herren: Alexander von Longueval, in Verein mit dem Grafen von Senlis, von Marle, von Coucy, von Vervins, von Chatillon etc. in der Mitte des 11. Jahrhunderts einen Feldzug gegen "die Ungläubigen, welche sich Palästina's bemächtigt hatten", gemacht. Indem diese Herren in diesem Kriege ihre Banner verloren hatten, schnitten sie ihre mit Feh gefütterten Scharlachmäntel in Stücke und benutzten diese als Fahnen. Hierauf nahmen sie, darunter auch der Herr von Longueval, diese Stücke als Wappen an.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold von Weyhe, Karl Bonaventura von Longueval Graf von Buquoy, Wien 1876
  • Arnold von Weyhe, Die Grabmäler und Wappenfenster der Freiherren von Vaux aus dem Hause Longueval in der Kirche zu Vaux in der Picardie, in Jb. d. Vereines Adler 1878, S. 60 − 66
  • Arnold von Weyhe, Die Erhebung der Grafen Buquoy in den Fürstenstand, in: Jb. d. Vereines Adler 1881, S. 39 – 41
  • Arnold von Weyhe, Zwei Vermählungen im Hause Longueval in der Linie Vaux-Buquoy, in: Jb. d. Vereines Adler 1882, S. 51 − 60
  • Arnold von Weyhe, Die Erhebung der Freiherren von Vaux aus dem Hause Longueval in den Grafenstand, in: Jb. d. Vereines Adler 1883, S. 97 − 108
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Gesamtreihe Band 6, Limburg a. d. Lahn 1953 und Gesamtreihe Band 54, Limburg a. d. Lahn 1973
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band II, Band 58 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1974, ISSN 0435-2408

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Bd. II, Ges.reihe Bd. 58, Limburg a. d. Lahn 1974, S. 180 f.
  2. Rudolf Johann Graf Meraviglia-Crivelli, Der böhmische Adel (1886), Artikel Buquoi (de Longueval) Barone de Vaux, S. 109 – 110 (PDF; 1,5 MB)
  3. genealogy.euweb.cz. Stand 22. September 2008.
  4. Rudolf Johann Graf Meraviglia-Crivelli, Der böhmische Adel (1886), Artikel Buquoi (de Longueval) Barone de Vaux (S. 109 f.): Wappensage und ununterbrochene Stammreihe der Buquoy in Böhmen (PDF; 1,5 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Buquoy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien