Burano

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Burano
Piazza Baldassare Galuppi,der zentrale Platz von Burano
Piazza Baldassare Galuppi,
der zentrale Platz von Burano
Gewässer Lagune von Venedig
Geographische Lage 45° 29′ 9″ N, 12° 25′ 1″ O45.48583333333312.4169444444442Koordinaten: 45° 29′ 9″ N, 12° 25′ 1″ O
Burano (Lagune von Venedig)
Burano
Länge 675 m
Breite 475 m
Fläche 21,0766 ha
Höchste Erhebung m
Einwohner 2762 (2010)
13.105 Einw./km²
Hauptort Burano
Burano mit Campanile von San Martino, gesehen von Mazzorbo
Burano mit Campanile von San Martino, gesehen von Mazzorbo

Burano, venetisch Buran, ist eine der größeren und der am dichtesten besiedelten Inseln in der Lagune von Venedig, bzw. vielmehr eine Gruppe von vier eng beisammen liegenden und durch acht Brücken verbundenen Inseln.

Geographie[Bearbeiten]

Burano ist 670 Meter lang und maximal 450 Meter breit, und umfasst eine Fläche von 21,1 Hektar, genauer 210.766 Quadratmeter.[1] Burano besteht eigentlich aus vier Einzelinseln, die durch die drei meist nur 10 Meter breiten Kanäle rio Pontinello (Westen, mit vier Brücken), rio Zuecca (Süden, zwei Brücken) und rio Terranova (Osten, zwei Brücken) voneinander getrennt und durch Brücken miteinander verbunden sind. Ursprünglich waren es fünf Inseln, die durch einen weiteren Kanal rio Terà del Pizzo voneinander getrennt waren, der jedoch zugeschüttet wurde und heute die via Baldassare Galuppi auf der (Teil-)Insel San Martino bildet, die sich vor der Kirche San Martino zur piazza Baldassare Galuppi weitet.[2] Ähnlich wie die Altstadt von Venedig ist auch Burano traditionell in sestiere gegliedert, und zwar in fünf (das sechste sestiere von Burano wird von der Nachbarinsel Mazzorbo gebildet). Diese entsprechen den fünf ursprünglichen Inseln:

Sestiere Fläche
Hektar[3]
Bevöl-
kerung
Dichte   Karte
San Mauro 6,8 818 12029    
Burano.png
Giudecca 1) 2,5 255 10200  
San Martino Sinistra 4,4 586 13318  
San Martino Destra 5,1 759 14882  
Terranova 2,3 359 15609  
Burano (Insel) 21,1 2777 13176  
Mazzorbo 2) 22,7 329 1449  
1) nicht zu verwechseln mit Giudecca im sestiere Dorsoduro der Altstadt von Venedig
2) Nachbarinsel (nicht auf Karte), Fläche geschätzt

Seit der Zufüllung des Kanals rio Terà del Pizzo (heute die via Baldassare Galuppi) bilden die Sestieri San Martino Sinistra und San Martino Destra eine Insel San Martino.

Karten der Insel(gruppe) Burano
Isole di Burano.png
Die 4 Einzelinseln von Burano
Rii di Burano.png
Kanäle trennen die Einzelinseln von
Burano

Auf Burano leben heute 2.762 Einwohner (Stand 16. September 2010). Zur Volkszählung 2001 wurden noch 3267 Einwohner nachgewiesen, alle im gleichnamigen Hauptort.[4]

Mit rechnerisch über 13.000 Einwohnern pro km² hat Burano eine sehr hohe Bevölkerungsdichte, eine vielfach höhere Dichte als die 50 Meter westlich gelegene Nachbarinsel Mazzorbo, mit der Burano über eine 60 Meter lange Holzbrücke verbunden ist. Burano ist fast vollständig bebaut, mit nur wenigen kleinen Grünflächen. Beide Inseln gehörten zu den frühesten Siedlungsplätzen in der Lagune von Venedig. Gut 150 Meter weiter nördlich liegt jenseits des Canale di Burano die Insel Torcello.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Männer von Burano lebten von der Fischerei und die Frauen vom 16. Jahrhundert bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von der Spitzenstickerei. Die Spitzenschule Scuola di Merletti belebte die Spitzenstickerei in Burano neu und schuf seit 1872 meisterliche Kopien und Nachschöpfungen alter Nadeltechniken.

Die Nadelspitzen von Burano[Bearbeiten]

Beispiel einer Reticella mit orientalischem Muster, die nicht in Burano entstanden ist

Die Spitzenstickerinnen von Burano stellten seit dem 16. Jahrhundert Spitzen in der aufwendigen Nadelspitzen-Technik Reticella her. Grundlage der Nadelspitze ist der mit der Nähnadel und dem Leinenfaden ausgeführte einfache Schlingstich (=point noué, punto a festone a stuora), der die dichten festen Formen der geometrischen Reticella ermöglicht.

Reticella ist eine Doppeldurchbrucharbeit und Nadelspitze (= Nähspitze) mit geometrischem Muster. Bei dem Doppeldurchbruch werden Kett- und Schußfäden aus dem Leinen ausgezogen oder Flächen ausgeschnitten, um offene Felder im Leinenstoff zu schaffen. Doppeldurchbrucharbeit (= point coupé = punto tagliato) bezeichnet demgemäß eine durchbrochene Leinenstickerei mit geschnittenem Leinwandgrund.

Bei der Reticella werden aus einem leinwandbindig gewebten Stoff im Doppeldurchbruch Fäden ausgezogen und die so entstandenen Stege mit Knopflochstich umstickt, die Löcher mit diagonalen Fäden ausgefüllt, die wiederum umstickt werden. Wenn so viele Fäden ausgezogen werden, dass von dem Grundstoff fast nichts übrigbleibt, nähert man sich der Punto in Aria (ital.: Stickerei in der Luft). Punto in Aria (zuerst im Jahr 1554 erwähnt) bezeichnet die losgelöst von dem streng gebundenen Leinengewebe frei auf der Pergamentunterlage genähte Spitze. Bei der Nadelspitze wird das Muster auf Pergament gezeichnet, dann werden Fäden entlang der Zeichnung gespannt, die die Grundlage der Spitze bilden. Dieses Grundgitter wird dann zumeist mit dem Knopflochstich umstickt, weitere Verbindungsfäden werden gezogen und die Flächen dazwischen teilweise ausgefüllt. Zuweilen werden zusätzlich dickere Fäden gelegt und umstickt, um eine reliefierte Oberfläche zu erreichen. Nach der Fertigstellung der Nadelspitze wird das Pergament entfernt. Die Nadelspitze wurde im 17. und 18. Jahrhundert für die Füllmuster (rempli und modes) und den Steg- und Maschengrund verwendet.

Das Charakteristische für die frühe Doppeldurchbrucharbeit im 16. – 17. Jahrhundert ist das regelmäßige quadratische Gerüst von Leinenfäden, in das Muster eingearbeitet wurden. Die Entwicklung der Doppeldurchbrucharbeit führte später zur Loslösung von der zuvor verwendeten Leinwand und damit zur Befreiung von der Einteilung in Quadrate, die ein freies Muster behinderten. Man vergrößerte die Quadrate, überspannte die großen leeren Flächen mit Diagonalfäden zu einem Strahlenmuster und verwendete eine Fülle von Motiven für diese Netze. Dadurch wurde die Reticella möglich. Die Wandlung von Durchbrucharbeit zu freihändiger Spitze vollzog sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Burano bezeichnet in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts eine in gelblicher Seide ausgeführte flache Grundspitze mit kleiner viereckiger Masche, dichtem toilé mit portes und sparsam verwendeten einfachen Ziernetzen. Das Muster hat als Nachklang der barocken Ranke lange dünne Voluten mit kleinen Blättern und Blüten. Bei der Grundspitze liegt das Muster der Spitze in einem regelmäßigen Maschennetz aus verschieden geformten kleinen regelmäßigen Maschen, Netzgrund (= Réseau) genannt. Portes sind kleine zu Mustern ausgesparte Öffnungen im fond (= ausgenähter Bereich des Musters) der Nadelspitze.

Die Burano Nadelspitze wurde am Ende des 18. Jahrhunderts in Buranoleinen mit quergearbeiteten Grund in Nachahmung von Alençon gearbeitet. Das Buranoleinen war ein besonders lockeres Leinengewebe. Alençon war eine genähte Grundspitze mit reicher Verwendung von Ziernetzen (modes) und zartem Relief. Punto di Burano wurde zuerst 1792 in der Gazetta Veneta genannt.

Die Nadelspitzen im typischen Burano-Stich wurden zu hohen Preisen exportiert und führten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zu einer wirtschaftlichen Blütezeit, die durch die Einführung neuer Verfahren zur Herstellung von Spitzen beendet wurde.

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Kunst der Spitzenstickerinnen von Burano dem Vergessen preisgegeben. Nur eine alte Frau kannte noch die durch persönliche Tradition von Generation zu Generation überlieferte Arbeitsweise. Da gründeten vornehme Italienerinnen 1872 in Burano die Spitzenschule Scuola di Merletti, in der die Technik des punto in aria, des luftigen Stichs, für die kunstvollen Ornamente tradiert und weitergegeben wurde. Die Spitzenschule stand unter dem Protektorat der italienischen Königin und schuf meisterliche Kopien und Nachschöpfungen aller Nadeltechniken. Auf der Triennale in Mailand 1940 wurden die Nadelspitzen aus den Buraner Schulen und Werkstätten in bewunderungswürdiger Qualität ausgestellt.

Sehenswürdigkeiten der Insel[Bearbeiten]

Galuppi-Denkmal in Burano
Häuseransicht
Bunte Häuser sind typisch für Burano

Die Scuola di Merletti besteht noch an der Piazza Galuppi und stellt dort in dem Museo del Merletto echte Burano-Spitzen aus, die noch heute ein teures Luxusgut sind. Im Gegensatz dazu werden in vielen kleinen Geschäften der Insel Spitzen aus Asien angeboten, die in keiner Weise der echten Burano-Spitze entsprechen.

Typisch für Burano sind die vielen kleinen in jeweils einer zu den Nachbarhäusern kontrastierenden kräftigen Farbe gestrichenen Fischerhäuser, die sich in den Kanälen spiegeln und die die Individualität der jeweiligen Hausbesitzer betonen. Die kuriose Farbenpracht zieht viele Maler und Fotografen auf die Insel.

Ein Denkmal erinnert auf der Piazza Baldassare Galuppi an den italienischen Komponisten Baldassare Galuppi, der am 18. Oktober 1706 in Burano geboren ist.

Der schiefe Campanile der Kirche San Martino an der Piazza Galuppi ist schon von weitem zu sehen. Die Kirche enthält eine Kreuzigungsszene von Giovanni Battista Tiepolo.

Personen[Bearbeiten]

Ortslegende[Bearbeiten]

Die Legende erzählt, dass die Farbgebung der Häuser der Orientierung der Fischer diente, die bei Nebel oder nach durchzechter Nacht ihre Insel und ihr trautes Heim anhand der Farbe ausmachten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marie Schuette: Alte Spitzen. Nadel- und Klöppelspitzen. Ein Handbuch für Sammler und Liebhaber. 5. neubearbeitete Auflage. Klinkhardt & Biermann, München 1981, ISBN 3-7814-0070-0, (Bibliothek für Kunst- und Antiquitätenfreunde 6).
  • Brigitte Bellon: Geklöppelte Reticella = Dentelle reticella aux fuseaux. Fay, Gammelby 1998, ISBN 3-925184-76-7.

Film[Bearbeiten]

  • In der Lagune von Venedig - Burano und Torcello. Dokumentarfilm, Deutschland, 2006, 43:30 Min., Buch und Regie: Birgit Kienzle, Produktion: SWR, Erstsendung: 6. September 2006 bei SWR, Filmdaten und -bilder, Inhaltsangabe.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Venice islands, veniceinitaly.com, abgerufen am 20. September 2012
  2. Comune di venezia, direzione programmazione e controllo, area della programmazione, del controllo di gestione e qualità e dei servizi statistici, servizio statistica e ricerca, ufficio ordinamento ecografico e toponomastica, organizzazione della numerazione civica nel comune di venezia, struttura e standard di codifica degli indirizzi. Stadt Venedig, 30. September 2005, Seite 6
  3. Flächen im Verhältnis auf der Karte gemessen
  4. Censimento Generale della Popolazione e delle Abitazioni, Istat, 2001