Burbach (Saarbrücken)
Burbach ist ein westlicher Stadtteil und Distrikt von Saarbrücken im Saarland. Hier leben rund 14.300 Menschen (1. Januar 2009), während die Einwohnerzahl Ende 1991 noch rund 16.000 betragen hatte.[1] Burbach gilt als Kulminationspunkt des Strukturwandels und ist von hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen betroffen.
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Geographie [Bearbeiten]
Burbach liegt im Westen der Landeshauptstadt Saarbrücken zwischen den Stadtteilen Malstatt und Altenkessel. Südliche Begrenzung ist die Saar. Der Ortsname rührt von einem gleichnamigen Bach her, der hier in die Saar mündet.
Burbach wird von der Stadt verwaltungstechnisch als Stadtteil 24 geführt und besteht aus den Ortsteilen Hochstraße, Ottstraße, Füllengarten und Von der Heydt.
Geschichte [Bearbeiten]
Das Dorf Burbach wurde 1313 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits seit 1779 wurde auf der Gemarkung von Burbach Kohle gefördert. 1784 begann die Firma Heckel mit der maschinellen Produktion von Hanfseilen, 70 Jahre später wurden unter Johann Georg Heckel die ersten Stahlseile gefertigt. Spätestens in den 1950er Jahren war Heckel unter der Leitung von Ernst Heckel Weltmarktführer.
Mit der Öffnung der Grube Von der Heydt 1852 und der Gründung der Burbacher Hütte 1856 setzte eine starke Bevölkerungszunahme ein. 1876 – Burbach hatte bereits über 12.500 Einwohner – vereinigten sich die Gemeinden Malstatt und Burbach und erhielten Stadtrechte; 1905 überstieg die Einwohnerzahl der Stadt Malstatt-Burbach 38.000. 1909 vereinigten sich die drei Saarstädte Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbach zur Großstadt Saarbrücken.
In der industriell geprägten Zeit waren auch die Sportvereine sehr erfolgreich: 1927 stiegen die Sportfreunde 05 Saarbrücken, die in den 1960er Jahren von Jupp Derwall trainiert wurden, in die Erste Klasse auf. Auch der 1. FC Saarbrücken, der 1907 als „FV Malstatt-Burbach“ gegründet wurde, steht in der Tradition der Arbeiterfußballvereine.
Die Hütte hieß jetzt „Acieries Reunis de Burbach, Eich et Dudelange (ARBED)“.[2]
Im Oktober 1944 wurden Großteile der Bevölkerung wegen anhaltender Luftangriffe in den Raum Würzburg evakuiert. Wegen der kriegswichtigen Großindustrie hatte Burbach Flächenbombardements zu erleiden. Bereits kurz nach dem Krieg pulsierte im Stadtteil wieder das Leben: In Burbach gab es über 80 Kneipen und Restaurants sowie drei Kinos, namentlich die Volkshaus-Lichtspiele mit 800 Plätzen, das Metropol-Theater Burbach mit 517 Plätzen und das Rex mit 350 Plätzen[3] Das älteste der Kinos, das Metropol, eröffnete seinen Betrieb bereits 1910.
Am 7. Februar 1962 ereignete sich eine schwere Schlagwetterexplosion im Alsbachschacht der Grube Luisenthal, das als zweitschwerstes Grubenunglück in Deutschland gilt.
Als Folge der Stahlkrise schlossen 1977 die Hochöfen von Burbach. Bereits wenige Jahre später hatte die Hälfte der Geschäfte und Gaststätten sowie alle drei Kinos aufgegeben und ihren Betrieb eingestellt. 1988 schloss auch das Stahlwerk bis auf die Drahtzieherei. Bis zum Beginn der 1990er Jahre reduzierte sich die Beschäftigtenzahl im Stahlsektor am Standort Burbach auf unter 600. Waren 1975 bei der Burbacher Hütte noch über 23.000 Mitarbeiter beschäftigt, sank diese Zahl mit der Schließung der Hochöfen und der Hütte (1988) auf nur noch 591 im Jahr 1993. Auf dem Höhepunkt der Strukturkrise gab es im Jahr 1987 32,4 % Sozialhilfeempfänger, die Arbeitslosenquote lag bei 23 %, die Abwanderungsquote der letzten 10 Jahre lag bei 16 %, 23 % der Einwohner bezogen Wohngeld. Auch im Bildungsbereich sprachen die Zahlen 1987 für sich: 12 % beendeten die Schule ohne Abschluss, 81 % erreichten einen Hauptschulabschluss, 6,5 % einen mittleren Schulabschluss und 0,5 % Abitur.[4] Noch heute zählt der Stadtteil (gemeinsam mit dem benachbarten Malstatt) trotz eingeleiteter Maßnahmen zur wirtschaftlichen Aufwertung zu den Regionen mit der höchsten Arbeitslosenquote im südwestdeutschen Raum.
Zu Beginn der 1990er Jahre begann die städtische Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung mbH (GIU) die Einleitung eines Strukturwandels: Auf dem mehr als dreieinhalb Hektar großen ehemaligen Areal des Hüttengeländes entstehen seit 2002 die sogenannten Saarterrassen, ein Dienstleistungsstandort, der in erster Linie die Neuen Medien anspricht. Eine der ersten ansiedelnden Firmen ist die Orbis AG. Zudem befinden sich auf den Saarterrassen mehrere großflächige Einzelhandelsunternehmen (u. a. mehrere Möbelhäuser und ein Baumarkt). Weitere Konversionsprojekte auf ehemaligen Industriegeländen sind der IT-Park Saarland auf dem Areal eines früheren Drahtseilwerks sowie das aw Burbach auf dem Areal des früheren Bahnausbesserungswerks.
Die öffentliche Wahrnehmung des Stadtteils steht seit September 2001 mit dem Pascal-Prozess im Zusammenhang. In einem Hinterzimmer einer Gaststätte soll sich ein Mord an einem damals Fünfjährigen ereignet haben. Der Prozess endete mit Freisprüchen, da das Gericht nicht völlig von der Schuld der Angeklagten überzeugt war.
Verkehr [Bearbeiten]
Burbach liegt an der Saarstrecke. Haltepunkt ist der Bahnhof Saarbrücken-Burbach, der etwa zweieinhalb Streckenkilometer vom Hauptbahnhof Saarbrücken entfernt ist. Im Westen des Gemeindegebiets führt seit 1852 die Forbacher Bahn parallel zur Gemeindegrenze und zu Malstatt mit der Schanzenbergbrücke über die Saar in Richtung Frankreich. Zwei weitere Gleise der Warndtbahn kreuzen hier ebenfalls den Fluss. Seit 1890 verkehrte von Luisenthal eine meterspurige Dampf-Straßenbahnlinie durch Burbach nach Sankt Johann.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Saar kanalisiert und an das französische Fluss- und Kanalnetz angeschlossen. 1865 eröffnete der große Industriehafen. Seit dem letzten Saarausbau 1999 befindet sich in Höhe von Burbach die Schleuse Saarbrücken-Gersweiler.
Etwa parallel zur Bahnstrecke verläuft die B 51, die ebenfalls in Richtung Trier führt und die die Hauptverkehrsachse des Stadtteils darstellt. Am Burbacher Markt zweigt die Burbacher Straße ab, die über die Kaiser-Wilhelm-Brücke – der heutigen Gersweiler Brücke – über die Saar zum westlichen Stadtteil Gersweiler führt. Weitere wichtige Straßen sind die L 272 in Richtung Riegelsberg sowie die Hubert-Müller-Straße, die eine Verbindung zur A 1 herstellt.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Stadtteil-Dossier (PDF; 24 KB)
- ↑ Mathieu: Netzwerkbildung und die Konstitution der Interregion Saar, Seite 6 (PDF; 41 KB)
- ↑ Kino-Wiki, 1950
- ↑ http://www.saarlandbilder.net/orte/saarbruecken/burbach/geschichte.html
Weblinks [Bearbeiten]
- http://www.saarlandbilder.net/orte/saarbruecken/burbach/geschichte.html
- Literatur zu Burbach (Saarbrücken) in der Saarländischen Bibliographie
49.2408333333336.9455555555556Koordinaten: 49° 14′ N, 6° 57′ O
1 Mitte: Alt-Saarbrücken, Malstatt (mit Rastpfuhl, Rußhütte und Rodenhof), St. Johann (mit Kaninchenberg, Nauwieser Viertel und Rotenbühl), Eschberg, Sankt Arnual (mit Winterberg)
2 West: Gersweiler, Klarenthal, Altenkessel und Burbach (mit Von der Heydt)
3 Dudweiler: Dudweiler, Jägersfreude, Herrensohr, Scheidt
4 Halberg: Schafbrücke, Bischmisheim, Ensheim, Brebach-Fechingen (mit Neufechingen), Eschringen, Güdingen, Bübingen