Bure (Felslabor)

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Village d'entreprises (Forschungsstation) in Saudron (Haute-Marne) (BureLabo18)

In der Nähe des französischen Ortes Bure im Département Meuse in Frankreich wird durch die französische Atommüllbehörde ANDRA (Agence Nationale pour la Gestion des Déchets Radioactifs) in einer Tiefe von ca. 500 m[1] ein Untertagelabor zur Erforschung der örtlichen geologischen Verhältnisse betrieben. Bei dem im benachbarten Département Haute-Marne[2] geplanten Endlager für radioaktiven Abfall namens Cigéo (Centre industriel de stockage géologique pour les déchets HA et MA-VL, dt. umkehrbares geologisches Endlager für radioaktiven Abfall in den Départements Meuse und Haute-Marne)[3][4][5] handelt es sich um ein unterirdisches Tunnelsystem mit einer Ausdehnung von 30 Quadratkilometern.[6]

Zweck[Bearbeiten]

Eingangstor zum unterirdischen Untersuchungslabor der ANDRA in Bure

Hintergrund dieser Maßnahme ist die nationale französische Suche nach einer Lagerstätte für hoch- (HAW) und langlebigen mittelaktiven (MAW) radioaktiven Abfall. Ein entsprechendes atomares Endlager gibt es bis dato nicht im Land; in Bure würde auch das erste solche in ganz Europa entstehen[7]; der Atommüll soll hier bis zu 100.000 Jahren gelagert werden.[8]

Im Falle einer Eignung soll das Forschungslabor zu einem Endlager ausgebaut werden. Dessen Kapazität kann nach derzeitigem Stand für ca. 130.000 m³ mittel- sowie 8.000 m³ hochradioaktiven Abfalls ausgelegt sein. Die Regierung Frankreichs betonte, dass die Endlagerung von radioaktiven Abfällen für einen noch nicht festgelegten Zeitraum (vorgeschlagen sind 300 Jahre) rückholbar erfolgen solle.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die ersten Bohrungen wurden bereits 1994 durchgeführt.[1]

Am 9. Dezember 1998 beschloss die französische Regierung, zwei Untertagelabore zu errichten, um dort durch Forschungsaktivitäten die wissenschaftlichen Voraussetzungen für den Betrieb eines atomaren Endlagers zu schaffen. Als einer der Standorte wurde in diesem Zusammenhang Bure ausgewählt, da die örtliche, ca. 130 Meter starke[1] Ton- und Mergel[9]formation aus relativ feinkörnigem Sedimentgestein als geeignet erschien[10]; hierbei soll auch allgemein die Eignung von Tongesteinen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle untersucht werden.[11]

Im September 2000 wurde mit der Errichtung der beiden Zugangsschächte für das Labor in Bure begonnen. Die Bauarbeiten wurden nach einem tödlichen Arbeitsunfall im Mai 2002 für nahezu ein Jahr unterbrochen.[12]

Bis Ende 2011 ist ein Modell-„Mini-Endlager“ entstanden[9]; 2013 soll eine nationale öffentliche Debatte über die Errichtung des atomaren Endlagers stattfinden. 2017 ist geplanter Baubeginn.[2]

Mit der Einlagerung des hochradioaktiven Abfalls könnte nach der entsprechenden Planung im Jahr 2025 begonnen werden[13]; nach ersten Erkenntnissen wird hier eine Lagerung für eine Million Jahre für möglich gehalten, die ANDRA schlägt entsprechend die Installierung eines Atommüllendlagers vor, die Kosten sollen sich (2011) auf bis zu 35 Mrd. Euro belaufen[1]; bisher wurden ca. 1,5 Mrd. Euro investiert, ein Antrag soll 2015 gestellt werden.[9]

Angesichts von 330 Angestellten und der Beteiligung von bisher über 2.000 internationalen Wissenschaftlern verfolgt die ANDRA offiziell eine so genannte Strategie der Offenheit; jährlich besuchen derzeit (2011) ca. 2.000 Besucher die Versuchsanlage.[9]

Nach anfänglichen Zahlungen der französischen Regierung an die beiden betroffenen Departements i. H. v. neun Mio. € jährlich ist diese Summe bis 2012 auf 30 Mio. jährlich gestiegen; der französische Stromkonzern Électricité de France (EdF) verlegte sein Archiv nach Bure in einen Neubau.[14] Der nahe gelegene Ort Bonnet erhält für jeden der 200 Einwohner jährlich 500 € aus einem „Fonds zur finanziellen Begleitung“.[2]

Inbetriebnahme[Bearbeiten]

Ab 2025 soll das „Endlager“ testweise seinen Betrieb aufnehmen, zunächst mit der Einlagerung von Containern, anschließend mit der von radioaktiven Abfällen.[15]

Weblinks[Bearbeiten]

Betreiberin[Bearbeiten]

  • Surveillance du laboratoire souterrain. In: andra.fr (31. Dezember 2011) mit Link zu PDF-Download (825 Kb) Télécharger la plaquette sur l'état initial de l'environnement du Laboratoire de recherche souterrain de Meuse/Haute-Marne. In: andra.fr (31. Dezember 2011; PDF; 845 kB)

Widerstand[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d APA/AFP, 22. November 2011: Franzosen arbeiten mit Hochdruck an Atommüll-Endlager In: wirtschaftsblatt.at, International (3. Dezember 2011)
  2. a b c Ulrike Koltermann: Kernenergie: Frankreich buddelt am Atommüll-Endlager. In: Wirtschaftswoche, wiwo.de, 5. Juni 2012 (S.3, 7. Juni 2012)
  3. Deutschlandfunk, Hintergrund, 28. Mai 2013, Suzanne Krause: dradio.de: Wohin mit dem Atommüll? – Die Endlagerdebatte in Frankreich, (mp3; 8,3 MB) (30. Mai 2013)
  4. andra.fr: Cigéo (30. Mai 2013)
  5. cigeo.org: Kurzdarstellung des Industriezentrums geologisches Tiefenlager (30. Mai 2013)
  6. badische-zeitung.de, Nachrichten, Ausland, 28. Juli 2011, Axel Veiel: Der einsame Kampf junger Franzosen gegen die Atomkraft (31. Juli 2011)
  7. 3sat: In Bure könnte das erste Atommüllendlager entstehen. In: 3sat.de, nano (31. Dezember 2011)
  8. Susanne Götze, 16. November 2011: Bure – erstes Atomendlager Europas? In: heise.de (24. November 2011)
  9. a b c d Helmut Wyrwich: Lothringen soll Atom-Endlager erhalten. In: tageblatt.lu, Luxemburger Tagblatt, 8. Dezember 2011 (8. Januar 2012)
  10. David Talbot: Das wird Milliarden kosten. In: heise.de, Technology Review, 9. Juli 2009 (31. Dezember 2011)
  11. DBE GmbH: Weltweite Aktivitäten. In: dbe.de (31. Dezember 2011: toter link; Startseite HP: dbe.de)
  12. Peter Desoi: BURE: Die Zeit drängt. In: castor.de, Gorleben Rundschau 2004, Ausgabe Nr. 01, Januar
  13. 3sat: Wieder auf der Suche: Drei EU-Länder arbeiten an neuen Endlagern. In: 3sat.de, nano, 16. September 2010 (25. Juli 2011, 31. Dezember 2011)
  14. Ulrike Koltermann: Kernenergie: Frankreich buddelt am Atommüll-Endlager. In: Wirtschaftswoche, wiwo.de, 7. Juni 2012 (S.2, 8. Juni 2012)
  15. Suzanne Krause: deutschlandfunk.de: Ab 2025 unter Vorbehalt in Betrieb. Deutschlandfunk, 7. Mai 2014. (7. Mai 2014)

48.4844444444445.3563888888889Koordinaten: 48° 29′ 4″ N, 5° 21′ 23″ O