Buren

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Buren (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Buren (von afrikaans: Boere, wörtlich Bauern), in ihrer Sprache Afrikaners,[1] dt. Schreibweise abweichend Afrikaaner, veraltet Kapholländer oder Weißafrikaner,[2][3] werden etwa seit Ende des 18. Jahrhunderts die Afrikaans sprechenden europäischstämmigen Einwohner Südafrikas und Namibias bezeichnet. Das Wort „Afrikaner“ für die europäischstämmige Bevölkerung in der Kapkolonie wird dem späteren Premierminister James Barry Munnick Hertzog zugeschrieben, der 1891 einen Aufsatz zu Fragen der Nationenbildung in der Kapkolonie verfasste.[4]

Die Bezeichnung Afrikaner wird auch für einen Unterstamm des in der Kapregion ansässigen Volkes der Orlam verwandt, der nach dessen Häuptling Jager Afrikaner benannt wurde.

Herkunft und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Buren stammen von den zumeist niederländischen, aber auch deutsch- und französischsprachigen Siedlern ab, die sich seit 1652 in der Kolonie der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) am Kap der guten Hoffnung niederließen. Seit der Annexion der Kapkolonie durch die Briten zu Beginn des 19. Jahrhunderts zog ein Teil der Buren ins Landesinnere und gründete dort die Burenrepubliken Natalia, Transvaal und Oranje-Freistaat sowie weitere kurzlebige Republiken. Während Natalia schon Mitte des 19. Jahrhunderts britische Kolonie wurde, verloren die beiden letzteren ihre Unabhängigkeit erst im Zweiten Burenkrieg 1899–1902. Teile der burischen Bevölkerung wurden damals in Lagern interniert, für die erstmals der Begriff Concentration Camps (wörtl.: Konzentrationslager) benutzt wurde. Andere flohen Richtung Nordwesten durch das heutige Botswana und Namibia bis nach Angola (sogenannte Dorslandtrekker).

Die Buren waren bis 1945 vor allem Farmer und Viehzüchter. Viele von ihnen sind Calvinisten. Ihre fast vierhundertjährige Verwurzelung in Afrika drückt sich in der Selbstbezeichnung als Afrikaner aus. Anders als bei den Briten hatte sich der Bezug zu einem europäischen Mutterland (in diesem Fall die Niederlande) trotz der weiterhin engen sprachlichen Verwandtschaft bereits im 19. Jahrhundert verloren.

Die Buren werden durch die Freiheitsfront als Mitglied der Unrepresented Nations and Peoples Organization vertreten.[5]

Geschichte der Buren[Bearbeiten]

17. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

1647 erlitt das holländische Schiff Nieuw Haarlem an der Tafelbucht Schiffbruch, und in der Folge entstand für ein Jahr eine provisorische Siedlung. 1652 gründete Jan van Riebeeck Kapstadt als befestigte Proviantstation für die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC). Einige ehemalige Angestellte der VOC ließen sich 1657 als Siedler nieder. In der Folgezeit wanderten besonders Niederländer, Deutsche und Franzosen in das Land ein. 1659 kam es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen den weißen Siedlern (der Begriff Buren war noch nicht geprägt) und den San. Am 13. April 1688 erreichte das Schiff Voorschotten Kapstadt. An Bord befanden sich hugenottische Familien, die aufgrund ihrer religiösen Verfolgung unter Ludwig XIV. Frankreich den Rücken gekehrt hatten. Sie führten auch den Weinbau in der Region ein. Niederländische Frauen wurden 1679 nach Kapstadt gebracht, um den Männerüberschuss auszugleichen.

1743 lebten bereits 4000 Buren in und um Kapstadt. Viele von ihnen stießen als halbnomadische Viehzüchter immer weiter ins Landesinnere vor. 1779 kam es zu ersten Zusammenstößen zwischen Buren und Xhosa am Groot Visrivier (Great Fish River, heute Provinz Ostkap). Damit begann der erste der insgesamt acht „Kaffernkriege“, die über ein Jahrhundert andauerten. 1795 rebellierten die Buren gegen die VOC und riefen in Graaff-Reinet eine erste Burenrepublik aus. Nach einer kurzfristigen französischen Besetzung annektierten die Briten die Kapkolonie (Kapstadt und Umgebung), in der rund 20.000 Weiße und 26.000 Schwarze und Sklaven lebten. Die ersten Siedler zogen in das Landesinnere. 1803 wurde die Kapkolonie an die Niederlande (Batavische Republik) zurückgegeben. 1806 besetzten die Briten die Kapkolonie erneut. 1814 annektierten sie Kapstadt offiziell; die Kapkolonie wurde britische Kronkolonie.

1833 schafften die Briten die Sklaverei ab. 59.000 Sklaven erlangten die Freiheit. Als Folge wanderten immer mehr Buren, die somit ihre ökonomische Basis verloren, aus der Kolonie ab. Von 1836 bis 1844 führte der Große Treck etwa 6.000 bis 10.000 Buren in die Gebiete jenseits der Flüsse Oranje und Vaal. Gründe waren, neben der Abschaffung der Sklaverei, die Ablehnung der englischen Amtssprache und des britischen Rechtssystems. Die Voortrekker, jene Buren, die am Großen Treck teilnahmen, hatten zuvor rund 20 % der europäischstämmigen Bevölkerung der Kapkolonie ausgemacht.

Am 16. Dezember 1838 gründeten die Buren nach der Schlacht am Blood River gegen die Zulu die Burenrepublik Natalia, 1842 folgte der Oranje-Freistaat. Bis 1844 entstanden die Burenrepubliken Winburg-Potchefstroom, Zoutpansberg, Utrecht und Lydenburg. Unter Präsident Marthinus Pretorius schlossen sich diese vier Republiken bis 1860 zur Südafrikanischen Republik mit der Hauptstadt Pretoria zusammen. In ihrer Verfassung wurden erstmals Gesetze der Rassentrennung festgeschrieben. 1852 erkannte England die Republik in der Sand River Convention offiziell an.

1853 erhielt die britische Kapkolonie eine Verfassung und begrenzte Autonomie: das Wahlrecht wurde an Einkommen und damit indirekt an ethnische Herkunft geknüpft. 1877 kam es zur Annexion Transvaals durch die Briten. Dies löste 1880/81 den Burenaufstand aus, der auch als Erster Burenkrieg bezeichnet wird. Er endete 1881 mit dem Frieden von Pretoria und der Unabhängigkeit der Südafrikanischen Republik, wobei jedoch den Briten eine Mitsprache bei der Außenpolitik eingeräumt wurde. Von 1883 bis 1902 war Paulus „Ohm“ Krüger Präsident Transvaals. In der britischen Kapkolonie regierte von 1890 bis 1896 Cecil Rhodes als Ministerpräsident. Er bereitete die Eroberung der Burenstaaten vor.

Kriege und Apartheid[Bearbeiten]

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zogen verschiedene „Treks“ von Buren, insgesamt mehr als 2000 Menschen, als Dorslandtrekker durch die Kalahari nach Angola. Die ersten Gruppen ließen sich in Humpata nieder; einige Familien zogen weiter bis auf das Zentralhochland Angolas. Sie bildeten eine äußerst verschlossene und Neuerungen wenig zugängliche Gemeinschaft, die im Laufe der Jahrzehnte verarmte.[6] Zu verschiedenen Zeitpunkten kehrten die meisten von ihnen nach dem heutigen Namibia und Südafrika zurück, wo sie als „Angolaburen“ zunächst abgesondert waren, sich aber dann integrierten.[7][8]

Zum Zweiten Burenkrieg Großbritanniens gegen die Südafrikanische Republik und den Oranje-Freistaat kam es 1899 bis 1902. Nach Anfangserfolgen der burischen Generäle Smuts, Botha und Hertzog verloren die Buren den Krieg gegen die militärisch überlegenen Briten. Deren rücksichtsloses Vorgehen (unter anderem die Internierung der Familienangehörigen in Konzentrationslagern) zwang die Buren zur Aufgabe. Im Frieden von Vereeniging (1902) verloren die Burenrepubliken ihre Selbstständigkeit, die Verwendung des Niederländischen wurde in Schulen und vor Gerichten erlaubt. 1907 gestand Großbritannien den ehemaligen Burenrepubliken die Selbstverwaltung zu und 1910 bildeten die Kapkolonie, Natal, Transvaal und der Oranje-Freistaat die Südafrikanische Union als Dominion im Britischen Empire; wahlberechtigt waren nur Weiße und einige wohlhabende Nicht-Weiße. 1925 wurde Afrikaans neben Englisch zweite offizielle Amtssprache in der Südafrikanischen Union.

Mit dem herannahenden Zweiten Weltkrieg stellten sich zahlreiche Buren gegen die Regierung unter Jan Smuts, die sich für eine Unterstützung der Alliierten ausgesprochen hatten. Die im Februar 1939 entstandene „Kulturorganisation“ Ossewabrandwag (OB; deutsch etwa: „Ochsenwagen-Wache“) vereinte bis zu einem Drittel aller Buren, die nach den Erfahrungen des Zweiten Burenkrieges Sympathien für das Deutsche Reich und den Nationalsozialismus zeigten. Der paramilitärische Flügel der OB, Stormjaers, griff südafrikanische Soldaten der Union Defence Force an und verübte zahlreiche Anschläge auf die Infrastruktur der Südafrikanischen Union. Viele Anhänger der OB wurden bis zum Kriegsende interniert. Die meisten Anhänger der OB wurden von der burisch dominierten Herenigde Nasionale Party (HNP) aufgenommen, die sich 1935 als Gesuiwerde Nasionale Party von der Regierungspartei abgespalten hatte.

Nach dem Wahlsieg der HNP (später: Nasionale Partei bzw. National Party) institutionalisierte und verstärkte diese ab 1948 die bisherige latente Rassentrennung und -diskriminierung (Apartheid). In der folgenden Zeit dominierten die weißen Südafrikaner (unter ihnen mehrheitlich Buren) das politische und ökonomische Leben im Land und die Sprache Afrikaans hatte große Bedeutung. Die im Verborgenen wirkende Burenorganisation Afrikaner Broederbond übte dabei großen Einfluss aus. Das Regime kam jedoch bald unter internationalen Druck und 1994 endete die Herrschaft der Nationalen Partei mit den ersten allgemeinen, freien Wahlen.

Nach dem Ende der Apartheid[Bearbeiten]

1990 kauften Buren den Ort Orania, um dort auch nach dem Ende der Apartheid nach den Vorstellungen des Volkstaats zu leben. Die Afrikaaner Weerstandsbeweging verfolgte ähnliche Ziele und verübte terroristische Akte. Als politische Partei radikaler Buren bildete sich die Freiheitsfront. Nach dem Ende des „alten Südafrika“ wanderten Buren wie andere Weiße zu Tausenden aus Südafrika aus. Burische Gemeinden sind besonders in Großbritannien, Australien und Neuseeland zu finden. Die georgische Regierung bemüht sich, Buren nach Georgien zu holen. Ziel ist es, mit ihrer Hilfe die georgische Landwirtschaft zu modernisieren. Alle Buren, die sich entscheiden, nach Georgien auszuwandern, bekommen schnell und unbürokratisch einen georgischen Pass und ihnen wird steuerermäßigtes Land zum Kauf angeboten.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Paul: Deutsche, Buren und Engländer in Südwestafrika. Begleitwort zu einer Nationalitätenkarte der Europäer in Südwestafrika. In: Koloniale Rundschau. Heft 9/10, 1931. (online)
  • George McCall Theal: History of the Emigrant Boers in South Africa. The Wanderings and Wars of the Emigrant Farmers from Their Leaving the Cape Colony to the Acknowledgment of Their Independence by Great Britain. Swan Sonnenschein, London 1888. (PDF-Datei; 26,5 MB)
  • George McCall Theal: History of South Africa Swan Sonnenschein, London

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Buren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herman Giliomee: Die Afrikaners. 'n Biografie. Tafelberg, Kapstadt 2004, ISBN 0-624-04181-6.
  2. Christoph Marx: Im Zeichen des Ochsenwagens. Der radikale Afrikaaner-Nationalismus in Südafrika und die Geschichte der Ossewabrandwag. (Studien zur afrikanischen Geschichte, Band 22), Münster 1998, ISBN 3-8258-3907-9, S. V (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Mark Mathabane: Kaffir Boy – An Autobiography – The True Story of a Black Youth’s Coming of Age in Apartheid South Africa. Free Press, 1998, ISBN 0-684-84828-7.
  4. Christoph Marx: Afrikaaner-Nationalismus, 1998, S. 95 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Afrikaner-Broschüre der UNPO (PDF; 605 kB)
  6. G. Clarence-Smith: The thirstland trekkers in Angola – Some reflections on a frontier society. (englisch, PDF-Datei; 2,5 MB)
  7. Petrus Johannes van der Merwe: Ons Halfeeu in Angola (1880-1928). Afrikaanse Pers-Boekhandel, Johannesburg 1951
  8. Nicolas Stassen: The Boers in Angola, 1928 – 1975 Protea Boekhuis, Pretoria 2011
  9. Géraldine Schwarz, Alexandre Ifi: Georgien: Afrikaaners neues Land. In: arte TV. 21. Mai 2011, abgerufen am 8. Oktober 2014.