Burg AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Burgf zu vermeiden.
Burg
Wappen von Burg
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Kulmw
BFS-Nr.: 4133i1f3f4
Postleitzahl: 5736
UN/LOCODE: CH BRG
Koordinaten: 656283 / 23210747.2374938.181947622Koordinaten: 47° 14′ 15″ N, 8° 10′ 55″ O; CH1903: 656283 / 232107
Höhe: 622 m ü. M.
Fläche: 0.94 km²
Einwohner: 977 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 1039 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 33,4 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.burg-ag.ch
Ortszentrum

Ortszentrum

Karte
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Weiher in Burg
Gemeindehaus

Burg ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im oberen Wynental, grenzt an den Kanton Luzern und ist mit einer Fläche von 94 Hektaren die zweitkleinste Gemeinde des Kantons.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt auf der Westseite des Tales am Abhang des Stierenbergs. Das steile Tobel des Rickenbachs, einem Zufluss der Wyna, bildet die südliche Gemeindegrenze. Im Westen steigt das Gelände zum 861 Meter hohen Stierenberg an. Die fünf Gemeinden Burg, Beinwil am See, Menziken, Pfeffikon und Reinach sind zu einer zusammenhängenden Agglomeration mit über 17'000 Einwohnern verschmolzen, die Grenzen sind zwischen den einst getrennten Dörfern sind kaum mehr erkennbar.[3]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 94 Hektaren, davon sind 21 Hektaren bewaldet und 31 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 668 Metern, der tiefste auf 558 Metern.

Burg wird fast gänzlich vom Gebiet der Gemeinde Menziken umschlossen und ist somit beinahe eine Enklave. Ganz im Südwesten grenzt Burg auf einer Länge von etwas mehr als 100 Metern an die Gemeinde Rickenbach im Kanton Luzern.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Dorfes gehen auf die im 12. Jahrhundert erbaute Burg Unter-Rinach zurück, dem Stammsitz der Herren von Rinach. Diese waren ein Ministerialengeschlecht der Habsburger und herrschten über das obere Wynental. Während des Sempacherkriegs im Jahr 1386 wurde die Burg von den Eidgenossen zerstört. Die über 15 Meter hohe Burgruine musste 1872 dem Neubau des Schulhauses weichen.

1412 wurden erstmals zwei Höfe «bei der Burg» erwähnt.[4] 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Burg gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Das Dorf war Bestandteil des Gerichts Reinach im Amt Lenzburg. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Jahrhundertelang hatte Burg den Status eines autonomen Steckhofs und erhielt erst 1751 vom Rat der Stadt Bern das Gemeinderecht. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Burg gehört seither zum Kanton Aargau.

Die Industrie hielt schon früh Einzug; bereits seit etwa 1720 verarbeitete man Baumwolle in Heimarbeit. Die Textilindustrie wurde um 1860 von der Tabakindustrie verdrängt. Burg und das obere Wynental entwickelten sich zum Zentrum der schweizerischen Zigarrenherstellung und erlangten internationale Bedeutung. Neben Zigarren stellte man in Burg unter anderem Harfen, Rechen und Kachelöfen her. Auch die Goldschmiedekunst besass eine grosse Bedeutung.

Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wanderte die Industrie langsam in die besser erschlossenen Nachbargemeinden ab und Burg wandelte sich zu einer Wohngemeinde in der Agglomeration Oberwynental. Seit wenigen Jahren arbeiten Burg, Menziken, Pfeffikon und Reinach auf zahlreichen Gebieten eng zusammen.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss auf grünem Boden eintürmige gezinnte, weiss gefugte Burg mit durchbrochenem Fenster, links beseitet von grüner Tanne.» Das Wappen erschien erstmals 1811 auf dem Gemeindesiegel. Die Burg, der sich eine Tanne dazugesellte, erinnert an den einstigen Stammsitz der Herren von Rinach.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 154 298 463 563 662 883 939 1154 960 1142 991 987

Am 31. Dezember 2013 lebten 977 Menschen in Burg, der Ausländeranteil betrug 33,4 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 42,9 % reformiert. 27,9 % römisch-katholisch und 14,2 % moslemisch; 2,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 81,9 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,8 % Italienisch, 4,2 % Türkisch, 3,8 % Albanisch, 2,6 % Serbokroatisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Burg gehört zum Friedensrichterkreis Reinach.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Burg gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 240 Arbeitsplätze, davon 4 % in der Landwirtschaft, 73 % in der Industrie und 23 % im Dienstleistungsbereich.[9] Das mit Abstand wichtigste Unternehmen ist der Zigarrenkonzern Burger Söhne. Während der Konzernsitz in Burg geblieben ist, wurde der Produktionsstandort Burg zu Gunsten von Brissago aufgegeben. Weitere kleinere Industriebetriebe stellen Apparate, Feinmessgeräte, Gewinde und Möbel her. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Reinach oder Menziken.

Verkehr[Bearbeiten]

Burg liegt abseits des Durchgangsverkehrs an der Nebenstrasse zwischen Menziken und Rickenbach. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgt über die im Stundentakt verkehrende Postautolinie vom Bahnhof Menziken, der südlichen Endstation der Wynentalbahn, über Rickenbach nach Sursee.[10]

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule unterrichtet wird. Die Realschule, die Sekundarschule und die Bezirksschule können in Menziken besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Aarau und Beromünster.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110, Swisstopo
  4.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 119–121.
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 136.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Fahrplan siehe auf der Homepage der SBB