Burg Camburg

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Burg Camburg
Burg Camburg

Burg Camburg

Burgentyp: Höhenburg, Spornlage
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Ministeriale
Geographische Lage 51° 3′ 9″ N, 11° 42′ 41″ O51.052511.711388888889179Koordinaten: 51° 3′ 9″ N, 11° 42′ 41″ O
Höhe: 179 m ü. NN
Burg Camburg (Thüringen)
Burg Camburg
Burg Camburg, Bergfried

Die Burg Camburg ist die Ruine einer Höhenburg in der gleichnamigen kleinen Stadt Camburg an der Saale im Saale-Holzland-Kreis in Thüringen, etwa 20 km nördlich von Jena auf halber Strecke nach Naumburg.

Lage[Bearbeiten]

Der rechts der Saale auf der „Meißener Stadtseite“ von Camburg gelegene, sich in Nord-Süd-Richtung erstreckende, ca. 285 m lange und 25-75 m breite Burgberg (179 m NN) ist durch einen breiten und tiefen Halsgraben, durch den heute die Fernverkehrsstraße B 88 führt, in zwei Teile getrennt. Ursprünglich verlief die Saaltal- oder Nürnberger Straße genannte Nord-Süd-Verbindung, die sich als eindrucksvoller Hohlweg erhalten hat, entlang des Osthanges durch das Tal des Schleuskauer Baches. In Camburg sollen den schriftlichen Quellen des Mittelalters zufolge zwei Burgen, eine untere (inferius castrum) und eine obere (superius castrum in Camburg, que vulgariter dicuntur Gehege), existiert haben. Doch ist anzunehmen, dass sich beide Nennungen auf diese Anlage beziehen und so lediglich die in unterschiedlicher Höhe liegenden Teile des Bergsporns unterschieden worden sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts nahm eine Nebenlinie der Wettiner in Camburg ihren Sitz, nachdem diese von ihrer Stammburg aus saaleaufwärts schon in der Nähe von Weißenfels Fuß gefasst hatten. Nach 1088 tritt in einer Urkunde ein Wilhelm als Graf von Camburg auf. Er war der mittlere Sohn des Grafen Gero von Brehna (* um 1020; † nach 1089) und Bruder des 1079 von Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden (reg. 1077–1080) zum Bischof von Naumburg erhobenen Günther I. von Wettin († 1090, reg. 1079–1090). Zusammen mit seinem älteren Bruder Graf Dietrich von Brehna († vor 1116) ist er unter den um 1250 geschaffenen Stifterfiguren im Westchor des Naumburger Domes dargestellt. Mit Wilhelm starb die Linie bereits vor 1116 im Mannesstamm aus und die Grafschaft Camburg fiel an den wettinischen Markgrafen von Meißen, Konrad den Großen (1123–1156).

Für die Markgrafen war die Burg als Stützpunkt gegenüber den Ludowingern von großer Wichtigkeit. Ihre Verkehrslage war außerordentlich günstig, lag sie doch an einem wichtigen Saaleübergang und (später?) dem Schnittpunkt der Saaltal- oder Nürnberger Straße mit der sogenannten Salzstraße, die von Sulza an der Ilm über Schmiedehausen heranführte. Die Wettiner ließen die Burg durch Ministeriale verwalten, die der Familie eines Gerhards von Camburg angehörten. Von 1133 bis 1190 treten – meist in Naumburger Bischofsurkunden – auch Vertreter eines edelfreien Geschlechts auf, das sich ebenfalls nach Camburg benannte.

Nach neueren Forschungen von Wolfgang Hartmann handelt es sich bei beiden Familien um Nachkommen des Grafen Dietmar von Selbold-Gelnhausen aus dem fränkischen Adelsgeschlecht der Reginbodonen, dessen Gattin Adelheid mit Graf Wilhelm von Camburg bzw. dessen Gattin Gepa nah verwandt war. Von Dietmar und Adelheid deszendieren nach Hartmann auch die Burggrafen von Kirchberg, die Edelfreien von Gleißberg (Kunitzburg) und weitere Adelsfamilien der Umgebung. Innerhalb des schon erwähnten Naumburger Stifterzyklus ist das Bildnis Wilhelms von Camburg in auffälliger Form auf die Statue eines (erschlagenen) Grafen Dietmar ausgerichtet, bei dem es sich nach Hartmann um den Verwandten (wohl Schwager) Wilhelms handelt. Hartmann bringt auch die Camburger Cyriakuskapelle (als Adelheids Grabstätte) mit Dietmar in Verbindung und stellt die Frage, ob die Zweiteilung der Burg Camburg in einem besitzrechtlichen Nebeneinander der Grafen Wilhelm und Dietmar ihren Ursprung hat. Dafür könne die Tatsache sprechen, dass die wettinischen Erben Wilhelms von Camburg auch in der Geschichte der Burg Gelnhausen (als Vorgängerin der dortigen Kaiserpfalz) eine Rolle spielten.

Da Camburg offenbar eine zentrale Funktion für den südwestlichen Teil ihres Herrschaftsbereichs zugedacht war, bemühten sich die Wettiner um den Ausbau der Burgsiedlung, die dort bereits 1149 rechts der Saale bestand. Die Burg wird zum ersten Mal 1166 in einer Urkunde Markgraf Ottos des Reichen (1156–1190) urkundlich bezeugt. 1170 erscheint ein Kaplan von Camburg als Zeuge in einer Urkunde Markgraf Ottos. Die Burgkapelle selbst wird erstmals 1213 und in der Folgezeit mehrfach erwähnt. Am Ende des 12. Jahrhunderts gehörte die Camburg neben Leipzig und Meißen zu den wichtigsten Befestigungsanlagen Markgraf Albrechts I. des Stolzen (reg. 1190–1195). Im Zuge der Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem jüngeren Bruder Dietrich wurde die Burg 1191 von dem mit Dietrich verbündeten thüringischen Landgrafen Hermann I. belagert und eingenommen. 1194/95 hat Albrecht die Burg offenbar erneut ausbauen lassen.

1280 soll Camburg im Zuge der Kämpfe Albrecht II. des Entarteten (1240–1314) mit seinen Söhnen durch Graf Günther von Kevernburg erfolglos belagert worden sein. Es wird auch zuweilen angenommen, dass auch Camburg zu den etwa 60 Burgen gehörte, die 1290/91 durch König Rudolf von Habsburg und die Stadt Erfurt zerstört worden sind. Nach häufigen Besitzerwechseln im 14. Jahrhundert wurde die Burg 1439 an die Vitzthume verkauft und im sächsischen Bruderkrieg 1450 durch Kurfürst Friedrich II. den Sanftmütigen (1412–1464) bis auf den Bergfried völlig zerstört.

Auch in der Folgezeit wechselten die Stadt Camburg und der Platz der Burg noch häufig den Besitzer: 1485 kamen sie zunächst an die albertinische Linie, 1573 an die ernestinische Linie der Wettiner, 1603 an das aus dieser Linie hervorgegangene Herzogtum Sachsen-Altenburg und in der Folgezeit an weitere der vielfach wechselnden ernestinischen Herzogtümer. Am Ende der 19. Jh. bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in der Ruine der Burg eine Gaststätte gebaut und das Gelände zu einem Park umgestaltet. Die Gastwirtschaft wurde im Januar und Februar 1935 abgerissen und die Unterburg zu einer „Jugendburg“ der Hitlerjugend und des Bund Deutscher Mädel ausgebaut.

Nach einer umfangreichen Sanierung wird der Bergfried seit 2005 als Museum genutzt.

Anlage[Bearbeiten]

Von der wohl in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gegründeten und 1450 zerstörten Anlage sind lediglich der eindrucksvolle Bergfried und wenige Reste der Umfassungsmauer erhalten geblieben.

Erhaltene Baureste[Bearbeiten]

Bei der unteren Burg in dem heute Turmberg genannten Areal handelt es sich um eine etwa viereckige Anlage. Erhalten ist der 37 m hohe Bergfried mit einem Außendurchmesser von 11 m, der vermutlich bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts oder am Beginn des 13. Jahrhunderts entstand. Von ihm gehen noch einige Reste der bogenförmigen Burgmauer aus. Von der vermutlichen Oberburg, heute als Matzberg bezeichnet, hat sich insbesondere der gewaltige 45 m lange, 25 m breite und 15 m hohe Erdwall erhalten, der den Sporn nach Süden abriegelt. Zwischen beiden besteht ein beträchtlicher Höhenunterschied.

Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen 1935[Bearbeiten]

Bei der Anlage einer Baugrube für die „Jugendburg“ kamen im Januar und Februar 1935 entlang des Westrandes des Berges mehrere Mauerzüge und Funde zu Tage. An der Stelle des heutigen L-förmigen Wohntraktes wurden ein leicht trapezförmiger Keller (5 x 6 m) und weitere Fundamentreste freigelegt und anschließend durch Prof. Dr. Gotthard Neumann und die Mitarbeiter des Germanischen Museums der Universität Jena vermessen. Zwar handelte es sich dabei nicht um eine reguläre wissenschaftliche Ausgrabung, da die Freilegung und Fundbergung in den Händen des Architekten und des Bauleiters lagen, doch gehört die Untersuchung der Ruine Camburg trotzdem zu den ersten mittelalterarchäologischen Maßnahmen auf einer Burg in Mitteldeutschland.

Die freigelegten Mauern gehören zu einem größeren und wohl auch repräsentativen Gebäude, das sich südlich des Bergfriedes erhob. Da die Räume Brandspuren aufwiesen und mit Bau- bzw. Brandschutt aufgefüllt waren, der eine große Zahl von Funden enthielt, kann davon ausgegangen werden, dass dieses Gebäude durch einen Brand zerstört wurde.

Die ältesten Funde stammen aus der Zeit zwischen 1080 und 1220/25. Bruchstücke älterer Keramik in slawischer Fertigungstradition liegen bisher weder vom Turm- noch vom Matzberg vor. Die Masse des keramischen Materials gehört der grauen/blaugrauen Irdenware des 13. bis 15. Jahrhunderts an. Neben der Irdenware ist auch Steinzeug mit mehreren Exemplaren vertreten, darunter eine so genannte Jacobakanne, die wohl aus Waldenburgerer Produktion stammt. Die Steinzeuggefäße datieren mehrheitlich in das 14. Jahrhundert. Wenige Stücke wie ein kleiner Henkeltopf und der Rest einer Mineralwasserflasche aus Steinzeug stammen erst aus der Neuzeit.

Keramik, Metall und Knochenfunde des 11.-15. Jh. (nach Neumann 1969, S. 413 Abb. 5)

Zu den außergewöhnlichen Keramikfunden gehören der Rest eines Aquamaniles in Form eines Pferdekopfes (b) und der Torso eines Reiters sowie eine Maske, die vermutlich einen Löwenkopf darstellen soll (f). Die Reste eines Rippenbechers aus Glas gehören in die Mitte des 15. Jh. Unter den Fundmünzen sind ein Prager Groschen und der Deckel einer Dose für Meißner Groschen (g) besonders hervorzuheben. Von den übrigen Funden sind Kupfer-Beschläge mit Inschriften (i, n = Buchschliesse?), Riemenbeschläge aus Kupfer oder Messing (c, d), ein ursprünglich wohl mit einer Perle versehender Ohrring (u), ein geperlter Draht mit Vergoldung (e) und ein achtzinkiger Steilkamm aus Bein (q) zu nennen. Geborgen wurde darüber hinaus eine Reihe von Waffenteilen und Geräten aus Metall, so zum Beispiel eine Bolzenspitze (w), die Nuss einer Armbrust aus Messing (a), Reste von zwei trapezförmigen Steigbügeln (m), mehrere Wellen- und Pantoffeleisen (r, s, v), ein Eseleisen (l), Kettenteile (k), ein Türband, zahlreiche Beschläge, eine Mist- und eine Fleischgabel u. a. m. Das Fragment eines Stachelsporens (t) kann nur allgemein in das 10./11. Jh. datiert werden. Ein Geflügelknochen mit zentralem Bohrloch (p) kann als Knebel oder als Brummer/Schwirrer, ein Spielzeug, bei dem mit Hilfe eines verdrehten Fadens ein Ton erzeugt wird, gedient haben. Die Aussagekraft der Funde bleibt jedoch beschränkt, da eine genauere stratigraphische Einordnung fehlt.

Insgesamt bestätigt sich so die bereits aus den schriftlichen Quellen hervorgehende Errichtung der Burg frühestens in der zweiten Hälfte des 11. Jh. Ein seit dem 19. Jh. angenommenes und vereinzelt auch heute noch behauptetes Zurückreichen der Anlage ins 9./10. und beginnende 11. Jh. ist nahezu auszuschließen. Eine genauere archäologische Datierung der Anfänge ist jedoch weiterhin kaum möglich, anhand der Funde ist lediglich eine Existenz einer Burg in der Zeit um 1200 bzw. im ersten Viertel des 13. Jh. gesichert. Ihr Ende fand die Anlage in der Mitte des 15. Jh., wobei ein Zusammenhang der beschriebenen Brandeinwirkungen mit der überlieferten Zerstörung im Sächsischen Bruderkrieg 1450 angenommen werden kann. Allerdings wurde das Gelände auch in der folgenden Zeit gelegentlich begangen und für verschiedenen Zwecke genutzt, worauf einige jüngere Funde hinweisen.

Auf der Oberburg wurden bisher keine archäologischen Untersuchungen durchgeführt. Bei der Umgestaltung des Areals zu einem Park am Beginn des 20. Jh. wurden einige wenige Funde geborgen. Hierzu gehören ein weiterer Steilkamm, der ebenfalls nur allgemein in das 12.-14. Jh. datiert werden kann, eine Lanzenspitze und sechs Armbrustbolzenspitzen. Die Funde sind verschollen und lediglich als Zeichnung überliefert. Eine Bestimmung des Alters der Anlage und ein Vergleich mit der Unterburg sind somit nicht möglich. Unklar ist auch, ob der gewaltige Abschnittsweise im Mittelalter errichtet oder zu einer bronzezeitlichen Burganlage gehört, da vom Gelände der Unterburg einige urnenfelderzeitlichen Keramikbruchstücke vorliegen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ewald Eichhorn: Geschichte der Grafschaft Camburg. 12 Teile. In: Schriften des Vereins für Sachsen-Meiningische Geschichte und Landeskunde. Bd. 20, 1895, ZDB-ID 513329-4; Bd. 22, 1896; Bd. 26, 1897; Bd. 34, 1899; Bd. 41, 1902; Bd. 48, 1904; Bd. 55, 1907; Bd. 60, 1910; Bd. 64, 1912.
  • Gustav Eichhorn: Die vor- und frühgeschichtlichen Funde der Grafschaft Camburg. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 22, 1904, ZDB-ID 200434-3, S. 97–144, 269–330.
  • Gotthard Neumann: Burg Camburg an der Saale historisch und archäologisch. In: Karl-Heinz Otto, Joachim Herrmann (Hrsg.): Siedlung, Burg und Stadt. Studien zu ihren Anfängen (= Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte. Bd. 25). Akademie-Verlag, Berlin 1969, S. 404–418.
  • Walter Schlesinger: Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter (= Mitteldeutsche Forschungen. Bd. 27). 2. unveränderte Auflage. Böhlau, Köln u. a. 1983, ISBN 3-412-02078-8.
  • Stefan Pätzold: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221 (= Geschichte und Politik in Sachsen. Bd. 6). Böhlau, Köln u. a. 1997, ISBN 3-412-08697-5 (Zugleich: Göttingen, Univ., Diss., 1996).
  • Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 195f.

Weblinks[Bearbeiten]