Burg Ebernburg

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Ebernburg
Die Ebernburg - Westansicht (2007)

Die Ebernburg - Westansicht (2007)

Entstehungszeit: 1338
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Reichsritter, seit 1753 Grafen
Ort: Ebernburg
Geographische Lage 49° 48′ 25,4″ N, 7° 50′ 19″ O49.8070444444447.8386083333333Koordinaten: 49° 48′ 25,4″ N, 7° 50′ 19″ O
Burg Ebernburg (Rheinland-Pfalz)
Burg Ebernburg
Ebernburg 1523 nach Conrad Faber
Ruine der Ebernburg um 1900, im Hintergrund der Bahnhof Ebernburg
Hutten-Sickingen-Denkmal um 1900
Historischer Abriss über die Ebernburg. Tafel hängt im Burghof

Die Burg Ebernburg (französisch Ebrebourg) gibt Ebernburg im Stadtteil Bad Münster am Stein-Ebernburg von Bad Kreuznach in der Nahetal-Region in Rheinland-Pfalz ihren Namen. Sie befindet sich am südöstlichen Ortsrand auf einem Bergvorsprung oberhalb des Nahetals.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine erste Höhenburg und eine Siedlung befanden sich möglicherweise ursprünglich an einer anderen Stelle, nämlich im Bereich um die evangelische Alte Johanneskirche (sogenannte Wehrkirche) in Ebernburg.

Erste urkundliche Erwähnungen des Namens „Ebernburc“ stammen von 1206, wobei laut Böcher nicht eindeutig ist, ob die Nennung sich auf die Burg oder den Ort bezieht. Böcher hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass der Ort älter ist als die Burg. Im Jahre 1338 - das ist sicher - errichteten Raugraf Ruprecht und Graf Johann von Sponheim-Kreuznach die Burg.

1448 gelangte die gesamte Herrschaft Ebernburg in den Pfand-, später Lehnsbesitz der Sickinger, die sie erst 1750 und 1771 wieder an die Kurpfalz abtraten. Unter Schweickhardt von Sickingen und seinem Sohn Franz von Sickingen erfolgten 1482 ein Ausbau und die Bewaffnung mit Artillerie, insbesondere waren dort mehrere schwere Geschütze, die Scharfmetzen, vorhanden.

Im Jahr 1523 wurde die Burg als Folge der Trierer Fehde verbrannt, 1542 wieder aufgebaut, 1697 im Pfälzischen Erbfolgekrieg abermals geschleift und in den darauffolgenden Jahren als Steinbruch verwendet (Spolien befinden sich im darunterliegenden Ort). 1838 gelangte die Burg in den Besitz des Gutsbesitzers und Bürgermeisters von Feilbingert, Karl Günther, der sie im alten Stil wieder aufbauen ließ und ein Wohnhaus, Wirtschaftsgebäude und eine Gaststätte errichtete. Sie diente ab 1849 auch als Ausflugsort. 1914 verkaufte die Familie Günther die Burg mit dem gesamten Inventar an die dafür gegründete Ebernburg-Stiftung, welche die Burg an den Ebernburg-Verein e. V. verpachtete. Der Ankauf wurde im Wesentlichen durch eine Spende des Lederfabrikanten und Kommerzienrates Theodor Wilhelm Simon (1861–1940) aus Kirn ermöglicht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Ausbau der Burg in der heutigen Form.

Anlage[Bearbeiten]

Am Fuße der Burg befindet sich das 1889 nach den Entwürfen des Bildhauers Carl Cauer aus Bad Kreuznach von seinen Söhnen Robert und Ludwig ausgeführte Hutten-Sickingen-Denkmal aus Bronze im Stile des Historismus. Es zeigt Ulrich von Hutten und Franz von Sickingen.

Die Sage der Ebernburg[Bearbeiten]

Einer Legende zufolge wurde im Mittelalter um die Ebernburg gekämpft. Die Burgbewohner sollten ausgehungert werden. Die Gegner hatten daher in einigem Abstand von der Burg mit einer Belagerung begonnen.

Als die Vorräte knapp wurden, ließ der Burgherr täglich den letzten Eber auf den Hof zerren und auf den Rücken werfen, als ob er geschlachtet würde. Natürlich brüllte der Eber jedes Mal in Todesangst. Als die Belagerer das hörten, zogen sie wieder ab, da sie dachten, es wäre genug Nahrung vorhanden. Deshalb heißt die Burg der Sage nach heute Ebernburg.

Sickingen und die „Herberge der Gerechtigkeit“[Bearbeiten]

Sie erhielt durch den Humanisten Ulrich von Hutten, einem Freund Franz von Sickingens, in einer Streitschrift zur Bannbulle Exsurge Domine des Papstes Leo X. gegen den Reformator Martin Luther den Beinamen „Herberge der Gerechtigkeit“[1]. Dies bezog sich indirekt darauf, dass Franz von Sickingen Luther, der auf dem Weg zum Reichstag zu Worms (1521) war, auf der Ebernburg Asyl angeboten hatte. Luther nahm jedoch das Angebot nicht an, sondern floh, vom Wormser Reichstag am 16. Mai 1521 für vogelfrei erklärt, unter dem Decknamen Junker Jörg auf die Wartburg. Andere Reformatoren dagegen, die als Anhänger Luthers ebenfalls verfolgt wurden oder ihre Stellen verloren hatten, nahmen das Angebot Sickingens an. Es waren dies:

Johannes Oekolampad war im Sommer 1522 auf der Ebernburg. Als Burgkaplan reformierte er dort den Gottesdienst. Im Juni begann er, in der täglichen Messe den Text der Evangelien und Episteln nicht mehr lateinisch sondern deutsch zu lesen. Obwohl er keine der gewohnten Zeremonien ausließ, erregte die Neuerung Aufsehen und die erzbischöfliche Behörde in Mainz forderte ihn zu einer Stellungnahme auf. Ebenfalls noch im Juni feierte man auf der Ebernburg das Abendmahl unter beiderlei Gestalt. „Damit war der Gottesdienst auf der Ebernburg zum ersten evangelischen Gottesdienst geworden.“[2] Im November 1522 ging Oekolampad nach Basel, wo er eine neue Wirkungsstätte fand.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kalkoff, Paul: Ulrich von Hutten und die Reformation, Leipzig 1920
  2. Heinrich Steitz: Franz von Sickingen und die reformatorische Bewegung, in: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde (Ebernburg-Hefte 2)1969 S. 153.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Thon (Hrsg.): Wie Schwalbennester an den Felsen geklebt. Burgen in der Nordpfalz. 1. Aufl. Schnell + Steiner, Regensburg 2005, S. 34–39, ISBN 3-7954-1674-4.
  • Otto Böcher: Die Ebernburg in Bad Münster am Stein-Ebernburg, Rheinische Kunststätten, Heft 299, 2. überarbeitete Auflage 2007, ISBN 978-3-86526-011-6 (Hrsg: www.rheinischer-verein.de)
  • Otto Böcher: Die Theologen der Ebernburg: Kaspar Aquila, Martin Bucer, Johannes Oekolampad und Johannes Schwebel. In: Blätter für Pfälzische Kirchengeschichte Band 66/67, 2000, S. 403-423.

Weblinks[Bearbeiten]