Burg Fleckenstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Burg Fleckenstein
Blick hinunter zum Fleckenstein von der Hohenburg aus

Blick hinunter zum Fleckenstein von der Hohenburg aus

Alternativname(n): Fleckenstein
Entstehungszeit: frühes 12. Jahrhundert
Erhaltungszustand: teilrestaurierte Ruine
Ständische Stellung: Ministeriale
Bauweise: Buntsandstein
Geographische Lage 49° 2′ 42″ N, 7° 46′ 20″ O49.0457.7722222222222370Koordinaten: 49° 2′ 42″ N, 7° 46′ 20″ O
Höhe: 370 m
Burg Fleckenstein (Bas-Rhin)
Burg Fleckenstein

Der Fleckenstein, franz. Château de Fleckenstein, ist eine mittelalterliche Felsenburg im Unterelsass (Frankreich) nahe der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Sie gab als Stammburg dem Adelsgeschlecht der Fleckensteiner den Namen.

Lage[Bearbeiten]

Der Fleckenstein liegt nur etwa 200 Meter südöstlich der Grenze zu Deutschland auf 370 Meter Höhe zwischen Lembach auf französischer und Hirschthal auf deutscher Seite. Er ist sowohl über die Verbindungsstraße Hirschthal–Lembach als auch über Wanderwege gut erreichbar. Nahe bei der Burg gibt es einen Parkplatz.

1 Kilometer südwestlich des Fleckensteins, jenseits der genannten Verbindungsstraße, neben der das Flüsschen Sauer fließt, erhebt sich die gleichfalls französische Froensburg; 2 Kilometer nordöstlich, aber auf einem Bergkamm in deutlich größerer Höhe, liegen jeweils 500 Meter auseinander die Hohenburg, der Löwenstein (auch Lindenschmidt genannt), beide auf französischem Territorium, und die Wegelnburg auf deutschem Boden. Alle diese Burgen können, wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht, innerhalb eines Tagesausfluges nacheinander besucht werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Rekonstruktion der Burg Fleckenstein nach der sehr freien und in den Proportionen überzeichneten Darstellung von Daniel Specklin

Die geschichtlichen Daten zur Burg Fleckenstein sind recht dürftig. 1174 wurde ein Gottfried von Fleckenstein, der zu einer Familie von Reichsministerialen gehörte, erstmals erwähnt und damit indirekt auch die Burg. Ein Kapitell, das in den Burgtrümmern gefunden wurde, stammt jedoch aus dem frühen 12. Jahrhundert, so dass feststeht, dass die Burg spätestens damals errichtet worden ist, also mehr als 50 Jahre vor der ersten Erwähnung. Zur Zeit ihrer Erbauung lag die Burg an einer Straße, welche die Kaiserpfalzen der Staufer in Haguenau und Kaiserslautern verband; deshalb kam Burg Fleckenstein strategische Bedeutung zu.

1276 belagerte König Rudolf von Habsburg den Heinrich von Fleckenstein, um den von diesem gefangengesetzten Friedrich von Bolanden, den Bischof von Speyer, zu befreien; allerdings ist nicht bekannt, ob die Belagerung die Burg Fleckenstein oder eine andere Burg dieser im Mittelalter weitverzweigten und einflussreichen Familie betraf. Ähnlich bedeutend war das Ministerialengeschlecht von Dahn, das seine Hauptsitze 15 km nördlich hatte. Seine Burg Altdahn wurde 1363 erstmals zerstört im Verlaufe einer Fehde mit den Fleckensteinern. 1407 und 1441 sind Bauarbeiten am Fleckenstein bezeugt, deren Anlässe nicht genannt werden. Vermutlich ging es darum, durch Ausbau komfortablere Wohnverhältnisse zu schaffen.

Im Dreißigjährigen Krieg und kurz danach machten drei Brüder aus dem Rittergeschlecht der Fleckensteiner von sich reden: Gottfried von Fleckenstein-Windeck fiel 1639 bei der Belagerung der Stadt Vesoul, die im Grenzbereich Burgund/Lothringen liegt. Sein Bruder Georg Heinrich wurde General bei den bayerischen Truppen. Der jüngste Bruder, Friedrich Wolfgang, trat in französische Dienste und wurde später von Ludwig XIV. zum Maréchal de camp ernannt. Mit Friedrich Wolfgangs Neffen Heinrich-Jakob starb 1720 der letzte Fleckensteiner.

Zweimal gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Fleckenstein durch französische Truppen eingenommen. 1674 geschah dies unter Marschall de Vauban, ohne dass Widerstand geleistet wurde. 1680 jedoch wurde die Burg unter General Montclar vollständig zerstört. Danach wurde von Fleckenstein nur noch als Rechts- und Besitztitel weiterverliehen.

Bis 1890 verfiel die Burg als Ruine. 1898 kam sie unter Denkmalschutz, was 1933 durch den französischen Staat bestätigt wurde. 1960 wurde sie durch das Syndicat d'Initiative de Lembach für Besucher geöffnet, blieb jedoch in Privatbesitz. 1998 kam sie in Besitz der Gemeinde Lembach, die die umliegenden Waldgebiete Thalenberg und Fleckenstein erwarb.

In den 1990er Jahren fanden umfassende Restaurierungsarbeiten zur Sicherung der Mauern und zur Vereinfachung des Zugangs der Kernburg für die Besucher statt. Am 8. September 2002 wurde die Burg Fleckenstein im Rahmen des Programms Interreg mit Unterstützung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung didaktisch-dokumentatorisch aufbereitet und ist seither eine besondere Attraktion für Familien mit Kindern.

Anlage[Bearbeiten]

Basis des Fleckensteins ist ein rund 90 Meter langer, nur 6 bis 8 Meter schmaler und 30 Meter hoher Felsen aus rotem Buntsandstein, eine sog. „Barre“, die eindrucksvoll aus dem Wald emporragt. Die ganze Anlage misst inkl. der teilweise auf der Nordseite erhaltenen Unterburg ca. 120 Meter in der Länge und 60 Meter in der Breite; die Bebauung umfasste im 16. Jahrhundert das gesamte Plateau.

Erhalten sind Mauerreste verschiedener Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Teile des Treppenturms und des Brunnenturms (mit in den Fels gehauenem Raum für das Tretrad) sowie Teile der Ringmauer um die Unterburg und deren Tor mit Resten von zwei Türmen. Besonders eindrucksvoll sind auf der Oberburg die zahlreichen in die Felsbarre geschlagenen Kellerräume sowie Aufgänge im Fels. Die heute noch erhaltenen Mauerreste stammen überwiegend aus dem Spätmittelalter (15./16. Jahrhundert), während die Ringmauer im Nordwesten noch aus dem 13. Jahrhundert datiert. Den interessantesten Hinweis auf das Aussehen der Burg im Hochmittelalter liefern geringe Mauerreste und Fundamentabdrücke eines Bergfrieds in der Mitte des obersten Felsplateaus. Dieser Turm wurde im Spätmittelalter zugunsten von Wohngebäuden abgebrochen.

Auf der Südseite der Felsbarre errichtete man um 1500 eine hohe Mauer mit zwei halbrunden, schlanken Türmen. Der Hauptzweck dieser aufwendigen Baumaßnahme war wohl, den hier überhängenden Fels der Oberburg gegen weitere Verwitterung zu schützen. Der südwestliche der beiden kleinen Türme besitzt zudem eine kleine Ausfallpforte.

Das Festungslehrbuch „Architectura von Vestungen“ des elsässischen Festungsbaumeisters Daniel Specklin aus dem Jahre 1589 zeigt eine Burg, für die offenbar der Fleckenstein als Vorbild fungierte; die hohen und schlanken Proportionen sind jedoch stark überzeichnet.

Erhaltungsmaßnahmen und Tourismus[Bearbeiten]

Der Fleckenstein ist in seiner direkten Umgebung die einzige touristisch erschlossene Burganlage. Mit 79.000 Besuchern (2005) ist er nach der Hohkönigsburg die am zweithäufigsten frequentierte Burg im Elsass.

In den Jahren um die Jahrtausendwende wurde die Burg umfassend gesichert. So hat man in den Treppenturm aus dem 16. Jahrhundert wieder Stufen eingebaut und die oberste Felsplattform mit Geländern versehen. Im Inneren der Burg gibt es ein winziges Museum mit Fundstücken aus dem Bereich der Burg. Auch ein mittelalterlicher Tretradkran wurde rekonstruiert. Etwas abseits der Burgruine wurde ein ehemaliges Forsthaus zu einem Informationszentrum umgestaltet.

Leitfigur des geführten Rundgangs ist der zurückgekehrte Ritter Willy von Fleckenstein, der an vorgegebenen markanten Punkten die Familien zum Stopp auffordert und die Kinder verschiedene Aufgaben und Rätsel lösen lässt. So wollen beispielsweise im Eingangsbereich Fehler im Fleckensteinschen Wappen gefunden, im rekonstruierten Rittersaal mit Spielern und Musikanten ein nicht zum Mittelalter gehörendes Spiel identifiziert, ein Falke in der Falknerei entdeckt oder die Tiefe eines Brunnens anhand der Knoten im Seil berechnet werden. Burgsagen werden am zugeschütteten, vormals 70 Meter tiefen Burgbrunnen erzählt, Zauberrezepturen mit den Kräutern des Mittelalters in der Hexenküche erläutert, schließlich Geheimgänge geöffnet, denen die jungen „Raubritter“ folgen sollen.

Von der Terrasse auf dem Kernburgfelsen eröffnet sich ein weiter Blick ins Tal der Sauer sowie auf die umliegenden bewaldeten Erhebungen der Nordvogesen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Thomas Biller, Bernhard Metz: Burg Fleckenstein. Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa. Bd. 11, Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2003, ISBN 3-7954-1478-4.
  •  Bollheimer Marco (Hrsg.): Felsenburgen im Burgenparadies Wasgau - Nordvogesen. 43 Burgbeschreibungen, 471 Farbfotos.... 3., erweiterte Auflage. Verlag M. Bollheimer, Karlsruhe 2011, ISBN 978-3-9814506-0-6, S. 98-101.
  •  Fritz Eyer: Burg Fleckenstein. (deutsch). Le syndicat d'initiative de Lembach et environs et les amis du Fleckenstein, Wissembourg 1985.
  •  Peter Müller, Jean-Michel Rudrauf: Fleckenstein. In: Jürgen Keddigkeit, Alexander Thon, Rolf Übel (Hrsg.): Pfälzisches Burgenlexikon. Bd. 2. F−H (= Beiträge zur pfälzischen Geschichte. Bd. 12.2). Kaiserslautern 2002, ISBN 3-927754-48-X, ISSN 0936-7640, S. 86–100.
  •  Peter Müller: Die Herren von Fleckenstein im späten Mittelalter. Untersuchungen zur Geschichte eines Adelsgeschlechts im pfälzisch-elsässischen Grenzgebiet. Verlag Steiner, Stuttgart 1990 (Geschichtliche Landeskunde, Bd. 34, phil. Diss. Mainz 1989).
  •  Alexander Thon (Hrsg.): ... wie eine gebannte, unnahbare Zauberburg. Burgen in der Südpfalz. 2., verbesserte Auflage. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1570-5, S. 48–53.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Fleckenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien