Burg Freienstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Burg Freienstein im Odenwaldkreis. Zur gleichnamigen Burg beim Stuttgarter Stadtteil Münster siehe Burg Freienstein (Münster).
Burg Freienstein
Ruine Freienstein

Ruine Freienstein

Alternativname(n): Schloss Freienstein
Entstehungszeit: vor 1297
Burgentyp: Höhenburg, Spornlage
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Gammelsbach
Geographische Lage 49° 31′ 40,1″ N, 8° 57′ 47,2″ O49.52788.9631328Koordinaten: 49° 31′ 40,1″ N, 8° 57′ 47,2″ O
Höhe: 328 m ü. NN
Burg Freienstein (Hessen)
Burg Freienstein

Die Burg Freienstein ist eine Burgruine bei Beerfelden hoch über dem Stadtteil Gammelsbach im Odenwaldkreis.

Inhaltsverzeichnis

Lage [Bearbeiten]

Die Burg lag in strategisch günstiger Position in Spornlage oberhalb des Gammelsbachs, eines Nebenflusses des Neckar. Durch das an dieser Stelle recht enge Tal verläuft heute noch mit der B 45 eine der wichtigsten regionalen Verkehrsverbindungen, die Burg Freienstein kontrollierte einst diese Route vom Neckargebiet nach Norden und in das Maintal.[1] Gleichzeitig markierte sie den südlichsten Punkt des Erbacher Besitzes. Der Bergvorsprung, auf dem sich die Burg befindet, gehört zum Weckberg als Teil der Hirschhorner Höhe, eines annähernd in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Höhenrückens.

Geschichte [Bearbeiten]

Vermauertes gotisches Doppelfenster einer früheren Bauphase des Palas
Ansicht der Burg Freienstein, aus Daniel Meisner/Eberhard Kieser: Thesaurus Philopoliticus oder Politisches Schatzkästlein Bd. 2, 1629
Wappen der Erbacher Lehensträger und Burgmannen „von Freienstein“ aus der Mitte des 14. Jahrhunderts

Mittelalter [Bearbeiten]

Das „Schloss Freienstein“ wurde 1297 erstmals erwähnt.[2] Ungeklärt sind die Erbauer der Burg. Sie dürfte infolge der Auflösung der Reichsabtei Lorsch, in der Dreiecksbeziehung zwischen den Pfalzgrafen, den Schenken von Erbach und Kurmainz entstanden sein.

Verschiedene Indizien an der noch vorhandenen Bausubstanz deuten ebenfalls in diese Zeit. Zwei erhaltene, aber vermauerte gotische Spitzbogenfenster dürften der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts angehören.[3] Weiterhin lässt sich in einer frühen Bauphase anstelle der späteren Schildmauer ein mächtiger Wohnturm rekonstruieren, der als Donjon anzusprechen ist.[4]

Bereits seit 1280 sind die Herren von Freienstein belegt und später als Erbacher Burgmannen in der Burg nachgewiesen. Weiterhin sind die Echter, von Schöllenbach und möglicherweise die von Hochhausen zu erschließen, die als Ministeriale im Umfeld der Grafschaft Erbach häufiger anzutreffen sind.

Urkundlich ist bekannt, dass 1366 Pfalzgraf Ruprecht I. seine Einwilligung gibt, dass Schenk Konrad von Erbach seine Ehefrau Margarete bewittumt. Zubehör der Burg zu diesem Zeitpunkt ist: Gammelsbach, Hebstahl, Schöllenbach, Hohenberge, Beerfelden, Etzean, Erlenbach, Hüttental und Hiltersklingen. Zweiundzwanzig Jahre später gibt Pfalzgraf Ruprecht seine Zustimmung, dass Schenk Eberhard von Erbach seine Ehefrau Else, geborene von Kronberg, auf 1/4 der Feste Freienstein mit Zubehör bewittumt. Nur ein weiteres Jahr später darf Schenk Konrad von Erbach mit Zustimmung des Pfalzgrafen seinen Anteil an der Burg (1/4) an Contz von Helmstadt verpfänden. 1398 belehnt der Pfalzgraf Schenk Eberhard von Erbach mit der ganzen Burg nebst Zubehör. Weitere Belehnungen der Erbacher durch die Pfalzgrafen erfolgen nochmals 1443, 1653 und 1720.[5]

In späterer Zeit diente sie den Erbacher Grafen zur Sicherung ihrer südlichen Herrschaftsgrenze, Überwachung des Verkehrs im Gammelsbachtal und als Sitz des Amtes Freienstein. Die Burg verblieb bis zu deren Aussterben im Jahr 1503 im ungeteilten Besitz der Erbacher Linie der Schenken, während die umliegende Zent Beerfelden sich im gemeinsamen Besitz der Erbacher Linie und der Linie Reichenberg-Fürstenau befand.

Neuzeit [Bearbeiten]

Mit dem Ende des Mittelalters war die Burg als Wehranlage nicht mehr zeitgemäß. Um 1550 folgte ein Umbau, der nun durch die gedrungenen Wohnbauten eher den repräsentativen Charakter der Anlage betonte. Die Burg wurde von den Erbacher Grafen zu gelegentlichen Jagdaufenthalten und als Nebenresidenz genutzt. Ab der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs begann die Anlage zu verfallen und wurde nur noch notdürftig instand gehalten. Trotzdem wurde sie im Mai 1622 von bayerischer Kavallerie geplündert.[6] Eine Ansicht von 1629 zeigt sie noch in einigermaßen intaktem Zustand. Mit der Erbacher Erbteilung 1717 kam sie in den Besitz der Linie Erbach-Fürstenau, die auch heute noch Besitzer der Burg ist.

Ein Brand in Gammelsbach im Jahr 1810 veranlasste den Grafen Albert zu Erbach-Fürstenau, der Bevölkerung die Ziegel und das Bauholz aus der Burg zur Verfügung zu stellen. Seitdem konnte Wasser in das Sandsteinmauerwerk eindringen und es nachhaltig schädigen. Um 1890 wurde die Schildmauer mit einem Zuganker gesichert und 1938 um drei Meter abgetragen. Weitere Sicherungsmaßnahmen erfolgten 1906–14, dennoch stürzte die Mauer 1988 größtenteils ein, während die weitere Sicherung begonnen worden war, so dass sie das bereits aufgestellte Gerüst mit sich riss. 1990–94 erfolgte eine umfangreiche Restaurierung der Außenmauern.

Anlage [Bearbeiten]

Blick in der Kernburg nach Osten auf den Palas und den Südost- oder Kapellenbau

Besonders markant an der Burg Freienstein ist neben der Lage als Sperre des Gammelsbachtales zum Neckar hin die kompakte Bebauung der Kernburg und die ehemals vorhandene Schildmauer, welche die Kernburg vor Beschuss vom höher liegenden Berg aus schützen sollte. Obwohl sie größtenteils eingestürzt ist, sind noch bis zu 24 m hohe und 2,50 m dicke Reste zu sehen. Anstelle eines Bergfrieds erfüllte eine Wehrplattform auf der Schildmauer die Funktion des höchsten Turms, wie aus einer Ansicht von Eberhard Kieser aus dem Jahr 1629 hervorgeht.

Die Schildmauer entstand vermutlich nach einem Einsturz als Rest des ehemaligen Donjons unter Einbeziehung der drei Außenmauern. Die frühere Gestalt der Kernburg war mit drei Wohntürmen (Schildmauer sowie der kleinere Kapellenbau und ein Vorgängerbau des Palas) ungewöhnlich und entstand vermutlich aus dem Bedürfnis, klar abgegrenzten Wohnraum für die verschiedenen Burgmannenfamilien zu schaffen.[7]

Der Bergsporn wurde im Westen durch einen tiefen Halsgraben und einen Zwinger von dem Höhenzug getrennt. An der Talseite befand sich eine doppelte Zwingeranlage mit Halbschalentürmen, ein größerer Rundturm könnte als Kerker gedient haben. Der Zugang befand sich an der Nordseite, ist aber nicht mehr zu sehen, da die Toranlage 1887 eingestürzt ist. Im Torbereich des Zwingers befanden sich einige Nebengebäude, von denen nichts sichtbar ist.

Links vom ehemaligen Zugang befindet sich der turmartige Palas auf fast quadratischem Grundriss. Im Mauerwerk sind noch Teile des 13. Jahrhunderts enthalten. Von den Gebäuden der Kernburg, neben dem Palas der ehemals vierstöckige Saalbau an der Südwestseite wohl an Stelle eines früheren Wohnturms und der Südostbau (vereinzelt auch Kapellenbau) sind nur noch Außenmauern sowie Fenster und Wandnischen erhalten, die größtenteils dem 16. Jahrhundert entstammen.

Literatur [Bearbeiten]

  • Alexander Antonow: Burgen des südwestdeutschen Raums im 13. und 14. Jahrhundert – unter besonderer Berücksichtigung der Schildmauer. Verlag Konkordia, Bühl/Baden 1977, ISBN 3-7826-0040-1, S. 149-151.
  • Thomas Biller: Burgen und Schlösser im Odenwald. Ein Führer zu Geschichte und Architektur. Schnell und Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1711-2, S. 117–120.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen – 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage, Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S.  549.
  • Thomas Steinmetz: Burg Freienstein und ihre Burgmannen. In: Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften VI. Herausgegeben im Auftrag des Breuberg-Bundes von Winfried Wackerfuß, Breuberg-Neustadt 1997, ISBN 3-922903-06-1, S.  47–81.
  • Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Verlag Ellen Schmid, Brensbach 1998, ISBN 3-931529-02-9, S. 82f.
  • Hans Teubner und Sonja Bonin: Kulturdenkmäler in Hessen. Odenwaldkreis. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 1998 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland), ISBN 3-528-06242-8, S. 141f.
  • Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, S. 42–44, ISBN 3-89214-017-0.

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Thomas Biller: Burgen und Schlösser im Odenwald. Ein Führer zu Geschichte und Architektur. Schnell und Steiner, Regensburg 2005, S. 117.
  2. Eine Abschrift der Urkunde aus dem 15. Jahrhundert ist erhalten im Hessischen Staatsarchiv Marburg unter den Katzenelnbogischen Urkunden. Regest bei Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Wiesbaden 1953-57 Nr. 393.
  3. Thomas Steinmetz: Burg Freienstein und ihre Burgmannen. Breuberg-Neustadt 1997, S. 70f.
  4. Thomas Steinmetz: Burg Freienstein und ihre Burgmannen. Breuberg-Neustadt 1997,S. 64–66 und 68–71; derselbe: Burgen im Odenwald. Brensbach 1998, S. 83.
  5. LAGIS Hessen: Burg Freienstein Abschn. Grundherrschaft und Grundbesitzer
  6. Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Brensbach 1998, S. 175.
  7. Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Brensbach 1998, S. 83.

Weblinks [Bearbeiten]