Burg Hessenstein

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Burg Hessenstein
Hauptgebäude (Palas) der Burg Hessenstein

Hauptgebäude (Palas) der Burg Hessenstein

Entstehungszeit: 1342–1348
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: umgebaut und modernisiert
Ständische Stellung: Grafen
Ort: Vöhl-Ederbringhausen
Geographische Lage 51° 7′ 9,3″ N, 8° 53′ 9,2″ O51.1192555555568.8858805555556327Koordinaten: 51° 7′ 9,3″ N, 8° 53′ 9,2″ O
Höhe: 327 m ü. NHN
Burg Hessenstein (Hessen)
Burg Hessenstein

Die Burg Hessenstein ist eine spätmittelalterliche Burg und heutige Jugendburg bei Ederbringhausen, einem Ortsteil von Vöhl im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Hessen, Deutschland.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Höhenburg befindet sich in einsamer Waldlage etwa 1,7 km südöstlich von Ederbringhausen auf einem etwa 327 m hohen, südlichen Bergsporn des Kesebergs (431,2 m), auf dessen nördlichem Ausläufer die Ruine Keseburg liegt. Etwa 500 m westlich der Burg Hessenstein fließt die Eder, die rund 7 km weiter nördlich bei Herzhausen in den Edersee einmündet. Wanderer erreichen die Burg über den Kellerwaldsteig oder den Barbarossaweg.

Geschichte[Bearbeiten]

Burgtor und Hauptgebäude

Die Burg wurde zwischen 1342 und 1348 durch Landgraf Heinrich II. von Hessen auf den Resten der alten „Silburg“ als Ersatz für die von seinem Vater 1277 zerstörte Keseburg gebaut, um einen festen Amtssitz für seine örtlichen Vögte zu haben. 1348 wurde die Burg auf Druck des Erzbischofs von Mainz an das Kloster Haina verpfändet. In den darauf folgenden Jahrhunderten residierten verschiedene Burgmannen, Burgherren und Amtmänner auf Hessenstein; so waren z. B. die Gaugreben von Goddelsheim eine Zeit lang als Ministeriale des Klosters Haina vom dortigen Abt als Verwalter auf Hessenstein eingesetzt.

Von 1555 an, nach der Einführung der Reformation in Hessen, war die Burg Sitz des landgräflichen Amtes Hessenstein und wurde von Rentmeistern verwaltet. 1821 wurde auf Burg Hessenstein ein Revierforstverein eingerichtet. Ab 1890 war sie Sitz eines Oberförsters und eines Revierförsters.

Älteste Jugendherberge Hessens[Bearbeiten]

1922 wurde auf der Burg Hessenstein die erste hessische Jugendherberge des Deutsches Jugendherbergswerk (DJH) eingerichtet. Sie ist damit eine der ältesten Jugendherbergen in Deutschland. Als Herbergsvater fungierte in den 1920er Jahren der auf der Burg ansässige Revierförster. Auf einer Postkarte aus dem Jahr 1926 wird die Burg als "Försterwohnung mit Wandervogel-Herberge" [1] beworben. Im Jahr 1942 brannte der Wirtschaftsflügel ab. Er wurde 1945 als Revierförster-Dienstgehöft neu errichtet. Durch umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1967 bis 1970 wurde Burg Hessenstein zur zeitgemäßen Jugendherberge ausgebaut. Die Fassaden des Hauptgebäudes und das Torhaus wurden dabei zum Großteil so erhalten, wie sie im 14. Jahrhundert von Heinrich dem Eisernen erbaut worden waren. Im Jahr 1987 wurde ein Verbindungsbau zwischen dem Hauptgebäude und dem Wirtschaftsflügel eingefügt. Am 31. Oktober 2007 schloss der DJH-Landesverband Hessen die Jugendherberge.

Jugendburg mit Bildungsstätte[Bearbeiten]

Nach umfangreichen Baumaßnahmen durch das Land Hessen im Winter 2007/2008, bei denen eine moderne Brandschutzanlage eingebaut wurde, übernahmen der NABU Hessen, die Kreishandwerkerschaft und der Landkreis Waldeck-Frankenberg am 1. April 2008 den Betrieb der neuen Jugendburg Hessenstein gGmbH[2]. Die Burg sollte Jung und Alt weiterhin als Jugendherberge und Tagungsstätte zur Verfügung stehen. Im Jahr 2012 wurde auf der Burg eine Jugendbildungsstätte [3] eingerichtet, die seitdem vielfältige Bildungsangebote rund um die Themen Natur, Handwerk und Mittelalter offeriert.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Mit 134 Betten und fünf Tagesräumen in uriger Burgatmosphäre steht die Jugendburg Hessenstein heute Schulklassen, Auszubildenden, Kinder- und Jugendgruppen sowie Familien und Einzelreisenden als Jugendherberge und Tagungsstätte in der Nationalparkregion Kellerwald-Edersee zur Verfügung. Sie besitzt das QMJ-Zertifikat des BundesForums Kinder- und Jugendreisen e.V. [4] und ist vom Sozialministerium als Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 SGB VIII anerkannt. Der Hessenstein ist zudem offizieller Partner des Nationalparks Kellerwald-Edersee und wurde vom NABU Hessen als „Fledermausfreundliches Haus“ ausgezeichnet.

Die Jugendbildungsstätte bietet vielfältige Klassenfahrten, Tagesangebote und Ferienfreizeiten zu den Themenschwerpunkten Natur, Handwerk und Mittelalter an. Im konzeptionellen Fokus steht die Bildung für nachhaltige Entwicklung [5] mit den Schlüsselthemen Biologische Vielfalt und Lebensstil. So können Kinder und Jugendliche als "Naturentdecker" [6] auf einer Forschungsreise zur Biologischen Vielfalt gehen oder beim "Erlebnisabend Fledermaus" das Leben der Kobolde der Nacht kennenlernen. In Kooperation mit dem Nationalpark Kellerwald-Edersee und der Naturschutzjugend NAJU Hessen wird das von der Deutsche Bundesstiftung Umwelt und der Stiftung Hessischer Naturschutz geförderte Wildnisbildungs-Projekt "Waldscout - Expedition in die Wildnis" [7] durchgeführt. Weitere Bildungskooperationen bestehen mit dem Naturpark Kellerwald-Edersee und dem Geopark Grenzwelten [8]. Zum Aufgabenspektrum der Bildungsstätte gehört zudem die Fortbildung von BFD'lern im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes [9].

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I: Regierungsbezirke Gießen und Kassel, Ausgabe 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 190.
  • Karl Hermann Völker (Hrsg.): Ederbringhausen und Burg Hessenstein, Bilder aus der Dorfgeschichte, 2. ergänzte und überarbeitete Auflage 1990, Eigenverlag, Burgwald-Wiesenfeld, S. 23- 43.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 144.
  • Hessendienst der Staatskanzlei (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 348.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAlte Postkarten der Burg Hessenstein. Abgerufen am 13. August 2013.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatZeitungsberichte der HNA. Abgerufen am 13. August 2013.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJugendbildungsstätte. Abgerufen am 13. August 2013.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAuszeichnungen und Zertifikate. Abgerufen am 13. August 2013.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBildung für Nachhaltige Entwicklung. Abgerufen am 13. August 2013.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBildungsprojekt Naturentdecker. Abgerufen am 13. August 2013.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBildungsprojekt Waldscout. Abgerufen am 13. August 2013.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGeopark-Kooperation. Abgerufen am 13. August 2013.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBundesfreiwilligendienst beim NABU. Abgerufen am 13. August 2013.