Burg Regenstein

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Burg Regenstein
Das alte Schloß Reinstin oder Regenstein als Merian-Stich um 1654

Das alte Schloß Reinstin oder Regenstein als Merian-Stich um 1654

Alternativname(n): Reinstein
Entstehungszeit: 12. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg, Felslage
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Blankenburg (Landkreis Harz)
Geographische Lage 51° 48′ 55″ N, 10° 57′ 35″ O51.81527777777810.959722222222289.4Koordinaten: 51° 48′ 55″ N, 10° 57′ 35″ O
Höhe: 289,4 m ü. NN
Burg Regenstein (Sachsen-Anhalt)
Burg Regenstein

Die Burg Regenstein im nördlichen Harzvorland ist die Ruine einer Felsenburg bei Blankenburg im sachsen-anhaltischen Landkreis Harz.

Von der schwer einnehmbaren Burganlage aus dem Früh- und Hochmittelalter sind nur noch Ruinen vorhanden. Erhalten sind einige in den Fels hineingehauene Räume und Reste des Bergfrieds. Die Ruine ist von Resten der neuzeitlichen Festung umgeben.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Burgruine befindet sich im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt, knapp 3 km nördlich von Blankenburg und rund 3,5 km ostsüdöstlich von Heimburg auf den Sandsteinfelsen des Regensteins (293,9 m ü. NN[1]), der steil aus dem Harzvorland aufragt. Auf topographischen Karten ist am Standort der einstigen Burg auf 289,4 m ü. NN[2] ein Vermessungspunkt verzeichnet. Unterhalb der Ruine befand sich die Regensteinmühle.

Burg der Regensteiner Grafen[Bearbeiten]

Urkundlich wurde erstmals 1162 Konrad, der Sohn des Grafen Poppo I. von Blankenburg als Comes de Regenstein (Graf von Regenstein) namentlich erwähnt. Berühmt wurde die Burg vor allem durch den Grafen Albrecht II. von Regenstein (1310–1349), der in den 1330er Jahren häufig Streitigkeiten mit den Regierenden der umliegenden Städte, dem Bischof von Halberstadt und der Äbtissin von Quedlinburg, hatte. Romantisch verklärt wurden diese Geschichten in der Ballade Der Raubgraf von Gottfried August Bürger (vertont von Johann Philipp Kirnberger) sowie dem Roman Der Raubgraf von Julius Wolff.

Im 15. Jahrhundert zog die Regensteiner Grafenfamilie auf das Blankenburger Schloss. Die Burg verfiel und wurde zur Ruine. Der letzte männliche Nachfahre des adeligen Geschlechtes, Graf Johann Ernst von Regenstein, starb 1599.

Nach mehreren Besitzerwechseln wurde im Jahr 1643 Regenstein, das zuweilen Rheinstein oder Reinstein geschrieben wurde, von Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich in seiner Funktion als Bischof von Halberstadt dem niederbayerischen Grafen Wilhelm von Tattenbach als Lehen zugeteilt. Dieses Adelsgeschlecht nannte sich von da an „Graf von Reinstein-Tattenbach“. 1671 wurde Johann Erasmus Graf von Reinstein-Tattenbach in Österreich als Beteiligter an der Magnatenverschwörung enthauptet, im Zuge dessen konfiszierte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg die Grafschaft.

Preußische Festung[Bearbeiten]

Die mittelalterliche Burganlage wurde ab 1671 von den Preußen, die auch die letzten Nutzer ihrer Wehrfunktion waren, zur Festung ausgebaut. Die ursprüngliche Burganlage nimmt nur einen kleinen Teil des dabei umbauten Areals ein. 1677 wurde die Festung zur Garnison. 1736 schlug ein Blitz in den Pulverturm ein und beschädigte die Festung stark. Die Außenlänge ihrer Umfassungsmauer wurde bis 1742 auf 1.200 m erweitert. Auch unter den Franzosen, denen die Festung am 12. September 1757 übergeben werden musste, wurde diese baulich erweitert. Die Preußen eroberten sie bereits fünf Monate später am 12. Februar 1758 zurück und machten die Anlage unbrauchbar. Das Pulverlager, welches sich relativ weit oben befand, wurde dabei gesprengt. Von dieser Festung blieben nur die Kasematten, die Einbauten in den Fels und das restaurierte Eingangstor erhalten. Charakteristisch sind die vielen in den Fels getriebenen, höhlenartigen Räumlichkeiten, in denen sich heute eine Ausstellung von Bodenfunden aus dem Burgbereich befindet. Selbst die Pferdeställe waren in den Fels gehauen. Nach 1758 kamen die Weiden und Waldungen um den Regenstein an das preußische Amt Westerhausen. Nach der westphälischen Herrschaft (1807–1813, Kanton Halberstadt-Land) gehörte der Regenstein 1815–1945 als kleinste preußische Exklave zum Kreis Halberstadt.

Johann Wolfgang von Goethe besuchte gemeinsam mit dem Maler Georg Melchior Kraus den Regenstein am 11. September 1784 auf seiner dritten Harzreise, um geologische Studien zu betreiben. In der Goetheschen Gesteinssammlung erinnern zwei Zeichnungen und eine Gesteinsprobe an diesen Besuch.

Die Sagen vom Regenstein[Bearbeiten]

Einstmals wurde im Verlies der Burg Regenstein eine der schönsten Jungfrauen des Landes gefangengehalten, weil sie die Liebe des Grafen von Regenstein verschmähte. Mit einem Diamantring kratzte sie einen Spalt in den Fels, welcher nach einem Jahr so groß war, dass sie hindurchkriechen und fliehen konnte. Nach ihrer Flucht kehrte sie mit ihren Angehörigen auf die Burg zurück, doch der Graf war verschwunden. Wenig später bemerkte sie, dass aus einem Spalt in einer Felswand dicker Qualm hervorquoll. Als sie hindurch sah, erblickte sie den Grafen im Fegefeuer. Da warf sie ihm aus Mitleid ihren Ring zu, um den Geist des Grafen zur Ruhe kommen zu lassen.

Tourismus[Bearbeiten]

Mit der Eröffnung des ersten Gastronomiebetriebes im Jahre 1812 begann die touristische Nutzung des Felsens. Die Burgruine Regenstein ist ein beliebtes Ausflugsziel. Jedes Jahr findet ein Ritterspiel und ein Garnisonsfest statt. Sie ist als Nr. 80[3] in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  R. Steinhoff: Der Regenstein. Brüggemann, Blankenburg 1883, S. 97.
  •  K. Bürger: Der Regenstein bei Blankenburg am Harz. Seine Geschichte und Beschreibung seiner Ruinen. 4. verbesserte Auflage. E. Appelhans & Comp., Braunschweig 1931, S. 52.
  •  Heinz Wedler, Erich Dülsner: Die Burgruine Regenstein. Ein Beitrag zur deutschen Geschichte. In: Schriftenreihe der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse (= D. Nr. 25/26). Urania-Verlag, Leipzig, Jena 1957.
  •  Heinz A. Behrens, Burg und Festung Regenstein (Hrsg.): Der Regenstein. Besiedlung und Geschichte der Grafen bis 1500. I, Harz-Druckerei, Wernigerode 1989.
  •  Heinz A. Behrens, Jörg Reimann, Burg und Festung Regenstein (Hrsg.): Der Regenstein. Baugeschichte und Festungszeit. II, Harz-Druckerei, Blankenburg 1992.
  •  K. Woltereck: Der Regenstein am Harz. Eine deutsche Trutzburg aus vorgeschichtlichen und geschichtlichen Zeiten. Carl Mittag, Gernrode.
  •  Caspar Friedrich Gottschalck: Die Ritterburgen und Bergschlösser Deutschlands. S. 192 (Digitalisat, http://books.google.com/books?id=TMgUAAAAQAAJ&pg=PA192).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burgruine Regenstein – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Burg Regenstein – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer
  3. Harzer Wandernadel: Stempelstelle 80 – Burgruine Regenstein auf harzer-wandernadel.de