Burg Schachenstein

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Burg Schachenstein
Schachen1.jpg
Entstehungszeit: 1464
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Thörl
Geographische Lage 47° 31′ 7,4″ N, 15° 13′ 11,5″ O47.51873333333315.219866666667640Koordinaten: 47° 31′ 7,4″ N, 15° 13′ 11,5″ O
Höhe: 640 m ü. A.

Die Ruine der Burg Schachenstein befindet sich im Gemeindegebiet von Thörl, oberhalb der Ortschaft unweit des Thörlbaches, ca. 12 km nordwestlich von Kapfenberg, Bundesland Steiermark, (Österreich).

Schachenstein ist die letzte Höhenburg, die in der Steiermark errichtet wurde. Sie war ein Wehr- bzw. Wohnbau aber kein Herrschaftssitz, d.h. den Burgverwaltern waren keine Untertanen dienstpflichtig. Die Burg wurde trotz schweren Unruhen wie Baumkircherfehde und Türkengefahr nie in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Sie diente den Äbten von St. Lambrecht in erster Linie als Wohnsitz wie eine größere Anzahl hier ausgestellte Urkunden belegen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Schon seit 1103 war das Benediktinerstift St. Lambrecht durch eine Schenkung des Herzogs von Kärnten im Raum Aflenz begütert. Sie wurde, nach Einwilligung des Kaisers Friedrich II., zwischen 1465 und 1471 durch den Abt des Stiftes St. Lambrecht, Johann II. Schachner von Lambrecht, dessen Name sie auch trägt, als Sommerresidenz und Herrensitz erbaut. Sie diente aber auch der Sperrung der Straße und zum Schutz der Bevölkerung des für das Stift wirtschaftlich bedeutenden Aflenztales sowie als Zuflucht gegen Türken- und Ungarneinfälle. Abt Schachner hielt sich oft in der Festung auf wo er 1478 schließlich auch verstarb. 1479 wurde die - dem hl. Lambert geweihte - Burgkapelle durch Bischof Christoph von Seckau konsekriert. Das Blasiuspatrozinium der Kapelle stammte aus späterer Zeit. Im 16. Jahrhundert wurde sie mehrfach verkauft, doch jedesmal vom Stift wieder rückerworben. Um 1526 gab der Büchsenmacher Sebald I. von Pögel diverse Bauarbeiten in Auftrag und ließ einen Brunnen graben. Einige Erweiterungsarbeiten fanden noch 1630 und 1740 statt.

Wann der Verfall der Burg einsetzte ist nicht genau bekannt. Eine 1681 von Georg Matthäus Vischer angefertigte Zeichnung der Feste läßt schon erste größere Schäden an ihrer Bausubstanz erkennen. Offensichtlich konnten ab dieser Zeit die Dächer nicht mehr erhalten werden. Das Stift Lambrecht kämpfte, aufgrund größerer Baumaßnahmen, zunehmend mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten wodurch wohl keine Gelder zur Erhaltung der - ohnehin schon veralteten - Wehranlage mehr aufgebracht werden konnten. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Burg durch Ausbau von Schloß Thörl jegliche Bedeutung. In dieser Zeit wurde sie wohl auch von ihren letzten Bewohnern verlassen und verkam endgültig zur Ruine. In den 1950er Jahren begannen Mitglieder des Kameradschaftsbundes Thörl mit den ersten Stabilisierungsmaßnahmen an der Ruine um ihren völligen Verfall zu verhindern. Die Burg befindet sich heute in Privatbesitz und wird seither hauptsächlich für Festlichkeiten und Veranstaltungen der Thörler Landsknechttruppe "Schachensteiner" genutzt. Auch in jüngster Zeit wurden immer wieder kleinere Renovierungsarbeiten durchgeführt.[1]

Gebäude[Bearbeiten]

Der Standort der Burg auf dem ca. 640 m ü. A. hohen Felsen (ein südlicher Ausläufer des Schöckelberges) war von ihren Erbauern hervorragend ausgewählt worden. Er befindet sich an einer leicht zu blockierenden Engstelle der vom Einödgraben heranführenden Talstraße, die ursprünglich auch von einer wehrhaften Toranlage gesichert wurde. Im Süden Westen und Norden macht ein Felsabbruch und steile Seitenhänge einen Sturm auf die Festung unmöglich.

Die Mauern bestehen aus vermörtelten, unbehauenen Feldsteinen unterschiedlichster Größe. Nur die Gebäudeecken setzen sich aus sorgfältig behauenen Quadersteinen zusammen. Die rund ausgeführtenen Schlüsselscharten kamen im späten 15. Jahrhundert auf. Der Zugang zur Burg befindet sich im Osten. Hier versperrt zunächst ein vorgeschobenes Rondell den Weg. Danach muss man die Breitseite des turmartigen Vorwerkes passieren um bis an das - noch zusätzlich durch einen Wehrgraben gesicherte - Haupttor zu gelangen. Dabei kommt man aber auch in das Schussfeld der westlichen Bastei. Von der Vorburg sind heute noch etwa 10 m hohe Mauern mit den markanten Schießscharten erhalten. Durch die Vorburg gelangt man in den Südhof dessen Ostmauer noch mit Zinnen bekrönt ist. Hier befindet sich auch der Brunnen. Das Kernwerk der Burg besteht aus einem Innenhof um den sich ein zweiflügeliger Wohnbau (Palas) legt. Der von der Ortschaft aus sichtbare südliche Flügel des Palas diente nur als Wehranlage und verfügt über einen Erker und zwei weit vorkragende Ecktürme. Der Zugang zum Erker wurde direkt aus den Fels gemeißelt.

Über der zum Innenhof führenden Durchgangshalle steht ein viergeschossiger Turm. Er beherbergt die im gotischen Stil ausgeführte Burgkapelle die mit einem - heute zerstörten - Kreuzrippengewölbe überdeckt war. Der Innenraum ist 7,5 m lang und 3,8 m breit und besteht aus dem zweijochigen Schiff und dem Chor. Die spitzbogigen Fenster und Türen sind mit geschwungenen gotische Gewänden ausgestattet.[2]

Verwaltung[Bearbeiten]

Die Verwaltung (Burghut) der Festung lag nach dem Tod von Abt Johann II. in den Händen von vom Stift St. Lambrecht bestellten Pflegern. Sie hatten keine Verfügungsrechte über größere Landgüter, außer über einen Meierhof und eine Getreidemühle. Einer übte im 15. Jahrhundert auch das Amt des Landrichters über das Aflenztal aus.

  • ab 1480, Jörg Hinterspuhler (Landrichter),
  • um 1485, Siegmund Welzer,
  • um 1505, Franziß Färber,
  • ab 1514, Sebald I. von Pögel (Pfleger auf Lebenszeit),
  • ab 1568, Clemens Mayr.

Hinweis[Bearbeiten]

Ein Parkplatz unter der Ruine befindet sich gegenüber Thörl Nr. 5. Gehzeit auf den Burgberg ca.10 Minuten. Eine Besichtigung der Burg ist nur von außen möglich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Riegler, Gemeinde Thörl (Hrsgb.): Geschichte der Gemeinde Thörl, Eigenverlag, Hausmannstätten/Graz 1994, ISBN 3-901202-10-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Josef Riegler: 1994, S. 203 - 209
  2. Josef Riegler: 1994, S. 203 - 209

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Schachenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien