Burg Scharzfels

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Burg Scharzfels
Oberburg auf Dolomit-Felsen mit Zugangstreppe

Oberburg auf Dolomit-Felsen mit Zugangstreppe

Entstehungszeit: 10. bis 11. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg, Felslage
Erhaltungszustand: Wenige Mauerreste
Ständische Stellung: Klerikale, Grafen
Ort: Herzberg am Harz-Scharzfeld
Geographische Lage 51° 37′ 44,5″ N, 10° 24′ 32″ O51.62902777777810.408888888889376Koordinaten: 51° 37′ 44,5″ N, 10° 24′ 32″ O
Höhe: 376 m ü. NN
Burg Scharzfels (Niedersachsen)
Burg Scharzfels

Die Burg Scharzfels ist die Ruine einer mittelalterlichen Befestigungsanlage bei Scharzfeld am Harz im niedersächsischen Landkreis Osterode am Harz.

Seit ihrer Errichtung im 10. Jahrhundert galt sie als uneinnehmbare Festung. Die Burg wurde erst während des Siebenjährigen Kriegs 1761 nach einer Belagerung erobert und gesprengt.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Burgruine Scharzfels befindet sich östlich des Ortsteils Scharzfeld der Stadt Herzberg am Harz. Sie liegt in einem Waldgebiet auf einem etwa 376 m ü. NN[1][2] hohen Bergrücken etwa 150 Meter über dem Tal der Oder. Ihre Kernburg ist als Felsenburg auf einem etwa 20 Meter hohen Dolomit-Felsen ausgeführt. Der Burgruine etwa 400 Meter nordöstlich vorgelagert erhebt sich der felsige Frauenstein (ca. 400 m ü. NN), der einst einen Beobachtungsturm und ein Vorwerk trug.
siehe auch Burg Frauenstein

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Burg Scharzfels um 1640

Von den Befestigungsanlagen der früheren Vorburg sind außer einem Brunnenhaus keine sichtbaren Teile mehr erhalten. Die Unter- oder Vorburg ist heute eine ebene Terrassenfläche, auf der sich eine Ausflugsgaststätte befindet. Von der Vorburg aus führt eine im 19. Jahrhundert errichtete Freitreppe hoch zur Oberburg auf den rund 20 Meter hohen Dolomit-Felsen. Der Felsen hat eine Grundfläche von etwa 20 × 60 Meter. Diese adlerhorstartige Lage mit den senkrecht herabfallenden Felswänden machte die Burg uneinnehmbar. Die steinernen Burgaufbauten sind auf den Felsen gesetzt oder in Zwischenräume gebaut worden. Zeitgenössischen Darstellungen zufolge handelte es sich zumindest um einen Palas und einen Wehrturm. Von den Gebäuden und der Wehrmauer sind nur noch Bruchstücke erhalten geblieben, die mittlerweile restauriert wurden. Dagegen sind die in den Felsen gehauenen Gänge und Räume noch vorhanden, wie der rund 15 Meter lange Gang, der sich dem Burgzugang anschließt.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung im Mittelalter[Bearbeiten]

Ansichtskarte von 1900 mit Burgeingang
Burgeingang am Ende der Treppe in rund 20 Meter Höhe

Die Burg Scharzfels wurde wahrscheinlich im 10. oder 11. Jahrhundert errichtet und gehörte in ihrer Frühzeit dem Erzstift Magdeburg. Ihre erste Nennung findet sich in einem Brief von Kaiser Otto I. im Jahre 952, in dem er, nebst anderen Gütern, die Burg Scharzfels dem Kloster Pöhlde schenkt[3]. Jedoch blieb die Burg nicht lange im Besitz des Klosters, da sie sich 969 in der Hand der Grafen von Lauterberg befand und nach dem Tode Werner von Lauterbergs an seinen Sohn Bodo weitergegeben wurde. Wie lange anschließend die Burg in den Händen derer von Lauterberg war, ist unklar, jedoch zeugen Urkunden davon, dass sie im 11. Jahrhundert bereits kaiserliches Reichslehen darstellte und auf diese Weise von Heinrich IV. an den Edlen Wittekind von Wolfenbüttel übergeben wurde. Nach dem Tod Wittekinds 1118 fiel die Burg als erledigtes Reichslehen wieder zurück an Kaiser Otto. Geschichtlich bedeutsam wurde die Burg erst durch jenen Kaiser Lothar von Süpplingenburg, der sie 1131 erwarb und zu einer Reichsfeste machte. Von diesem Kauf zeugt auch die Urkunde, in der die Burg als castrum quoddam Scartuelt schriftlich erwähnt wird.[4][5] Seither war die Anlage Sitz mehrerer Grafengeschlechter, unter anderem der nach der Burg benannten Grafen von Scharzfeld. Nach deren Erlöschen kam die Burg um 1300 als Lehen des Fürstentum Grubenhagen in den Besitz des Grafen von Hohnstein. Nach dem Aussterben der im Harz ansässigen Linie der Adelsfamilie von Hohnstein 1593 fielen Lehen und Burg an das Haus Grubenhagen zurück. 1596 erbte Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel die Festung. Später ging sie in den Besitz des Welfenhauses der Linie Hannover über.

Festung und Gefängnis[Bearbeiten]

Flucht der Eleonore von dem Knesebeck von Burg Scharzfels 1697

1627 kam es zu Ausbauten, bei der die Anlage mit einer Garnison besetzt und stark befestigt wurde. In den Jahrhunderten nach Errichtung der Burg gelang es in Kriegszeiten wie dem Bauernkrieg und dem Dreißigjährigen Krieg keiner fremden Macht, sie einzunehmen. Im 17. Jahrhundert wurde Scharzfels Staatsgefängnis. Ab 1695 saß hier Eleonore von dem Knesebeck (* 1655) ein, die aus angesehenem Lüneburger Uradel, wenn auch niedrigem Landadel, entstammte. Sie war ab deren Verehelichung im Jahr 1682 die Zofe der Prinzessin Sophie von Ahlden. Zwischen der schutzlosen Sechzehnjährigen, nach Hannover verheirateten Sophie Dorothea und Eleonore entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung, eine Art Mutter-Tochter-Verhältnis und sie war Mitwisserin eines außerehelichen Liebesverhältnisses ihrer Herrin mit dem draufgängerischen Grafen von Königsmarck, bei dem sie als Briefüberbringerin fungierte. Die Familie von Eleonore von dem Knesebeck versuchte immer wieder, ein ordentliches Gerichtsverfahren einleiten zu lassen und bot auch vergeblich eine Kaution von 100.000 Taler. Die Gefangene blieb in einer winzigen Kammer eingesperrt, nur einmal täglich eine alte Wärterin sehend. Ihre Familie bestach schließlich den Dachdecker Veit Rentsch. Dabei wurde Eleonore wurde 1697 mit Hilfe von außen durch eine abenteuerliche Abseilaktion über 20 m abwärts vom hohen Burgfelsen befreit, Körper an Körper gefesselt mit ihrem Retter, der sich mit ihr abseilte. Zuvor hatte er eine Öffnung in die Zimmerdecke der Gefangenen eingebracht und sie mit einem Strick nach oben geholt. Unten wartete ihr Schwager mit einer Handvoll Berittener und brachte sie in Sicherheit. Sie reiste nach Wien, wo sie es schaffte einen kaiserlichen Schutzbrief zu erlangen und fuhr nach Braunschweig. 1717 soll sie in einem Dorf nahe dieser Stadt gestorben sein. Von der Familie ihrer früheren Herrin erhielt sie rund 2.000 Taler zur Unterstützung.[6][7]

Eroberung[Bearbeiten]

Felsengänge auf der Oberburg
Blick vom Bühberg bei Barbis auf die Burganlage
Ausblick über die Wehrmauer nach Barbis

Während des Siebenjährigen Kriegs erschienen 1761 vor Burg Scharzfels französische Truppen in einer Stärke von rund 6000 Mann. Sie verlangten die Übergabe der Burg, die mit 40 Kanonieren, 100 Infanteristen aus dem Harz und 250 Invaliden aus Hannover besetzt war. Als die freiwillige Übergabe verweigert wurde, griffen die Franzosen die Burg mit einem Sturmangriff und durch Beschuss vergeblich an. Durch einen Tipp auf einen verborgenen Pfad zum in der Nähe liegenden Liethberg konnten die Franzosen das Vorwerk Frauenstein durch Beschuss zerstören und von dort auch die Burg beschießen. Nach zehntägiger Belagerung übergab die Besatzung am 25. September 1761 die Burg. Die Einnahme der als uneinnehmbar geltenden Befestigung löste in Paris großen Jubel aus. Die Freude wurde etwas gedämpft, als bekannt wurde, dass die Verteidiger zum großen Teil Invaliden waren. Nach nur viertägiger Besetzung sprengten die Franzosen die Burg und zogen ab, als bekannt wurde, dass Prinz Ferdinand von Braunschweig im Anmarsch auf Scharzfels war. Seither ist die Anlage eine Ruine.

Wandern und Klettern[Bearbeiten]

Die Burgruine Scharzfels ist als Nr. 151[2] in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen. Sie liegt am Karstwanderweg und am Harzer Baudensteig. Die Nordseite des Dolomitfelsens wird zum Klettern benutzt[8].

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Andreas Friedrich: Die Burgruine Scharzfels, S. 73-75, in: Wenn Steine reden könnten, Band II, Landbuch-Verlag, Hannover 1992, ISBN 3-7842-0479-1.
  • Wolfgang-Dietrich Nück: Graf Sigebodo II. von Scharzfeld/Lauterberg, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89534-692-7.
  • Firouz Vladi: Die Burg Scharzfels, Verlag Jungfer, Herzberg 1990, keine ISBN.
  • Hans-Heinrich Hillegeist: Die Einnahme und Zerstörung der Burg Scharzfels durch die Franzosen vor 250 Jahren In: Unser Harz, 12/2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. a b Harzer Wandernadel: Stempelstelle 151 – Ruine Scharzfeld/Scharzfelz auf harzer-wandernadel.de
  3.  Theodor Eckart: Burg Scharzfeld in Geschichte und Sage. In: Geschichte Südhannoverscher Burgen und Klöster. 3 Auflage. II, Verlag von Bernhard Franke, Leipzig 1906, S. 4.
  4.  Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Osterode. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamensbuch (NOB). Teil II, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2000, ISBN 3-89534-370-6, S. 146 ff..
  5. Emil v. Ottenthal, Hans Hirsch.: Die Urkunden Lothars III. und der Kaiserin Richenza. In: Monumenta Germaniae Historica, Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Band 8. Berlin 1927. Nr. 31, S. 47 f.
  6. http://www.von-dem-knesebeck.org/intern/750jahre.html
  7. Thea Leitner: Skandal bei Hof, Ueberreuter, 1993, ISBN 3800034921.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBurgruine Scharzfeld. IG Klettern Niedersachsen e. V., abgerufen am 31. Oktober 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scharzfels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien