Burg Steinsberg

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Dieser Artikel beschreibt die Burg Steinsberg in Baden-Württemberg. Für die Burgruine in Ardez im Kanton Graubünden in der Schweiz siehe Ruine Steinsberg.
Burg Steinsberg
Burg Steinsberg

Burg Steinsberg

Entstehungszeit: 1109
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Teilsanierte Ruine
Ständische Stellung: Reichsministeriale, Grafen
Bauweise: Keupersandstein, Buckelquader
Ort: Weiler
Geographische Lage 49° 12′ 52″ N, 8° 52′ 38″ O49.2144444444448.8772222222222333Koordinaten: 49° 12′ 52″ N, 8° 52′ 38″ O
Höhe: 333 m ü. NN
Burg Steinsberg (Baden-Württemberg)
Burg Steinsberg

Die Burg Steinsberg ist die zum Teil restaurierte Ruine einer mittelalterlichen Höhenburg im Ort Weiler, einem Stadtteil von Sinsheim im Rhein-Neckar-Kreis (Baden-Württemberg).

Lage und Geologie[Bearbeiten]

Die Burg liegt auf dem 333  Meter hohen Steinsberg, einem ehemaligen Vulkan, dessen Südseite mit Wein bepflanzt ist. Weil sie weithin sichtbar ist, wird sie bereits seit der Zeit des Bauernkriegs auch „Kompass des Kraichgaus“ genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Steinsberg wird erstmals 1109 zusammen mit dem edlen Eberhard von Steinsberg genannt. Dieser ist wahrscheinlich identisch mit dem zwei Mal um 1110 und 1123 genannten Eberhard von Hilresbach (Hilsbach) und gehört den edelfreien Werinharden von Steinsberg an, die ursprünglich aus dem Murgtal im Schwarzwald stammten und von 1109 bis etwa 1185 Grafen des Elsenzgaus waren.[1] Die Werinharde von Steinsberg gelten als Erbauer der ersten Burganlage, über deren Aussehen es jedoch keine Vorstellungen gibt. Um 1185 kam die Burg wohl über eine Erbtochter an die Grafen von Oettingen.[2] Das Aussterben der Werinharde und der Besitzübergang an die Oettinger ist in Versen des Minnesängers Spervogel aus der Zeit um 1190 belegt.[3] Im Rahmen ihrer Expansionsbestrebungen während des Interregnums ließen die Oettinger um 1250/70 den achteckigen Bergfried der Burg errichten, waren aber aus finanziellen Gründen und wegen der Revindikationspolitik König Rudolfs I. nicht in der Lage, die Burg auch langfristig zu halten.[4] Um 1310 übergab Konrad (IV.) von Oettingen seinen Besitz an die Pfalzgrafen Rudolf und Ludwig. Zwar erhielt Konrad von Oettingen von den Pfalzgrafen laut einer Urkunde vom 29. März 1310 den Besitz zurück,[5] jedoch fiel er in Ungnade und verstarb außer Landes, so dass die Pfalzgrafen Burg Steinsberg 1311 an die Grafen von Hohenlohe verpfändeten. Das Pfand wurde rasch wieder eingelöst, doch der 1314 zum römisch-deutschen König gewählte Ludwig hat den Steinsberg auch in den Folgejahren an die Hohenloher versetzt.

Im Hausvertrag von Pavia von 1329 bestimmte der inzwischen zum Kaiser gekürte Ludwig, dass der Steinsberg mit Hilsbach an die Pfalzgrafen Rudolf und Ruprecht fallen solle.[6] Mit dem pfälzischen Teilungsvertrag von 1338 kam der Steinsberg mit Hilsbach an die Pfalzgrafen Ruprecht I. und Ruprecht II.[7] Ab 1350 saßen kurpfälzische Vögte auf der Burg, zu der 1369 ein Bauhof, eine Kelter und über 250 Morgen Land gehörten.[8] Nachdem bereits 1353 Kaiser Karl IV. einer Verpfändung des Steinsbergs an die Grafen von Katzenelnbogen zugestimmt hatte,[9] stand die Burg 1380/81 unter Verwaltung dieser Grafen.[10] König Ruprecht urkundete 1403 und 1406 mehrfach auf dem Steinsberg[11] und verpfändete die Burg 1407 an Hans d. A. von Leuchtenberg,[12] weswegen 1409 der Steinsberger Burgmann Albrecht I. von Berwangen nach Bretten versetzt wurde.[13] Im Januar 1410 war die Burg zeitweilig an Schwarz-Reinhard von Sickingen verpfändet,[14] nach dem Tode König Ruprechts teilten dessen Testamentsvollstrecker im Oktober 1410 die die Burg Otto I., dem Begründer der Pfalzgrafschaft Mosbach, zu.[15] Mit dem Ende dieser Pfälzer Seitenlinie 1499 kam die Burg wieder zur Hauptlinie zurück. Daraufhin veräußerte Kurfürst Ludwig V. die Burg 1517 im Zuge eines Gütertauschs an Hans Ypolit von Venningen. Die Herren von Venningen hatten auf dem Steinsberg mit Hans von Venningen 1422 bis 1429 bereits einen kurpfälzischen Vogt gestellt. Der Sitz der kurpfälzischen Vogtei für die Besitzungen im südlichen Kraichgau wechselte daraufhin nach Hilsbach, wo die Kellerei Hilsbach diese Funktion übernahm.

Am 12. Mai 1525 wurde die Burg im Bauernkrieg niedergebrannt.[16] Die Stadt Eppingen, woher die aufständischen Bauern gekommen waren, musste hierfür anschließend 5000 Gulden Schadenersatz leisten.[17] Die ganze Summe floss jedoch nicht in den Wiederaufbau, da nach dem Tod von Hans Ypolit von Venningen 1526 Erbstreitigkeiten zwischen Ludwig von Venningen und der Allodialerbin Katharina Ulner von Dieburg entbrannten. Kurfürst Ludwig sprach schließlich die Burg mit Urkunde vom 27. Juli 1526 Ludwig von Venningen zu, während Katharina Ulner von Dieburg 2000 Gulden aus der Ersatzleistung erhielt.[18] Der Wiederaufbau der Burg ist durch Jahreszahlen und Wappentafeln von 1527 und 1556 belegt. Auch ein Reliefstein, der heute am Eingang zur Burggaststätte angebracht ist, erinnert an den Wiederaufbau von 1527.

Die Burg wurde für rund 200 Jahre von den Herren von Venningen bewohnt, bis 1718 mit Georg Friedrich von Venningen, der sich auf dem Steinsberg versehentlich erschoss, der letzte Vertreter der Steinsberger Linie verstarb.[19] Das Lehen über den Steinsberg wurde daraufhin im Juni 1719 von Pfalzgraf Karl Philipp für Karl Ferdinand von Venningen erneuert, der seinen Wohnort jedoch in Eichtersheim hatte.[20]

1761 hat man die nahe Annakapelle auf dem Steinsberg instandgesetzt.[21] Die Burg scheint jedoch zu dieser Zeit schon in Verfall gewesen zu sein, da Abbildungen aus den Jahren 1759, 1762 und 1776 den Bergfried bereits ohne Dach zeigen.[22] Durch Blitzeinschlag wurde 1777 ein weiteres Turmdach, wohl das eines der Tortürme, zerstört.[23] Nachdem 1779 Karl Philipp von Venningen alle Dächer und Balken entfernen ließ,[24] verfiel die Burg rund zwei Jahrhunderte lang. Nur vereinzelt fanden noch Bauarbeiten statt.

Im Jahr 1972 verkaufte die Familie von Venningen die Burg an die Stadt Sinsheim, die umfangreiche Restaurierungs- und Sicherungsmaßnahmen vornehmen und die Burg zur gastronomischen Nutzung herrichten ließ. Der Bergfried, einige Wirtschaftsgebäude sowie zwei umlaufende Burggräben mit Wehrtürmen und Wehrgängen wurden saniert und können besichtigt werden.

Anlage[Bearbeiten]

Grundriss. Schwarz: Kernburg des 13. Jahrhunderts; blau: spätmittelalterliche Zwingermauern

Einzigartig ist der zentrale, 30 Meter hohe Bergfried, erbaut etwa 1250/70 aus Keupersandstein. Er ist im Grundriss achteckig und erinnert an die Oktogone von Eguisheim, Guebwiller, Wangen und Kilchberg. Auch sei an den aus einem Achteck entwickelte siebeneckige Bergfried von Burg Gräfenstein zu erinnern und nicht zuletzt an das apulische Castel del Monte. Der ursprüngliche Eingang zum Turm befand sich in 11 Meter Höhe und war nur über einen hölzernen Steg zu erreichen. Kurz vor 1800 wurde der Turm über einen ebenerdigen Zugang wieder zugänglich gemacht, nachdem es keinen Steg mehr gab. An Außen- und Innenwänden des Turms sind zahlreiche mittelalterliche Steinmetzzeichen erhalten.

Um den Bergfried legt sich eine unregelmäßig polygonale Ringmauer. Turm und Ringmauer sind rundum in regelmäßigem Buckelquadermauerwerk ausgeführt. Selbst die Schießscharten sind durch Buckelquader eingefasst. An die Innenseiten der Ringmauer lehnen sich im Stile einer Randhausburg die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Burg an. Die seit einem langen Zeitraum verfallenen Gebäude sind heute in vereinfachter Form und meist auf ein Geschoss reduziert wiederhergestellt. Der ursprüngliche Palas wurde im 16. Jahrhundert, vermutlich beim Wiederaufbau nach der Zerstörung von 1525, zum Werkstattbau umgenutzt, wovon seine heutige Bezeichnung als Bandhaus (Küferwerkstatt) herrührt. Der heute als Palas bezeichnete Bau entstand im 16. Jahrhundert. Aufgrund der starken Umbauten und des jahrhundertelangen Zerfalls können die Räume der Gebäude nicht mehr eindeutig zugeordnet werden. Zuschreibungen wie Schlosskapelle oder Kemenate der Zofen, wie sie auf Tafeln vor Ort zu finden sind, beruhen auf Vermutungen.

Um die Kernburg legen sich spiralförmig zwei- bis dreifache Zwingermauern. Bis zum Haupttor der Anlage sind drei Vortore zu passieren, deren mittleres unter Pfalzgraf Otto I. 1436 erbaut wurde und noch einen zweigeschossigen Wehrturm mit Wehrgang aufweist. Das dritte Tor zeigt eine Neidfratze, die böse Geister aus der Burg fernhalten soll.

Von der Kernburg ist die Ringmauer und der Bergfried weitestgehend erhalten und saniert. In den neuzeitlichen Wirtschaftsgebäuden innerhalb der Kernburg befindet sich gegenwärtig ein Restaurantbetrieb.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hildebrandt 2013, S. 243.
  2. Hildebrandt 2013, S. 243.
  3. Hildebrandt 2013, S. 248, ST18.
  4. Hildebrandt 2013, S. 243.
  5. Hildebrandt 2013, S. 249, ST28.
  6. Hildebrandt 2013, S. 249, ST33.
  7. Hildebrandt 2013, S. 249, ST34.
  8. Hildebrandt 2013, S. 251, ST45.
  9. Hildebrandt 2013, S. 250, ST36.
  10. Hildebrandt 2013, S. 250/51.
  11. Hildebrandt 2013, S. 253/54.
  12. Hildebrandt 2013, S. 254.
  13. Hildebrandt 2013, S. 255, ST84.
  14. Hildebrandt 2013, S. 255, ST85.
  15. Hildebrandt 2013, S. 255, ST86.
  16. Hildebrandt 2013, S. 259, ST141.
  17. Hildebrandt 2013, S. 259, ST142.
  18. Hildebrandt 2013, S. 260, ST144.
  19. Hildebrandt 2013, S. 263, ST189.
  20. Hildebrandt 2013, S. 263.
  21. Hildebrandt 2013, S. 263, ST196.
  22. Hildebrandt 2013, S. 245 und 264.
  23. Hildebrandt 2013, S. 264, ST203 mit Anm.
  24. Hildebrandt 2013, S. 264, ST206.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Antonow: Planung und Bau von Burgen im Süddeutschen Raum. 2. Ausgabe. In: Bibliotheksreihe „Europäische Baukunst“. Band 1. Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-924086-03-6.
  • Christoph Bühler: Burgen der Kurpfalz. Bergstraße und Neckartal. Heidelberger Verlagsanstalt, Heidelberg 1990, ISBN 3-89426-012-2, S. 140 ff.
  • Franz Gehrig: Die Burg Steinsberg und die Stadt Hilsbach. In: Kraichgau. Heimatforschung im Landkreis Sinsheim unter Berücksichtigung seiner unmittelbaren Nachbargebiete, Folge 2, 1970, S. 80-102
  • Ludwig H. Hildebrandt: Regesten der Burg Steinsberg bei Sinsheim. In: Kraichgau. Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung, Folge 23, 2013, S. 243–269.
  • Heinrich Niester: Burgen und Schlösser in Baden. Frankfurt am Main 1961.
  • Hartmut Riehl: Burgen und Schlösser im Kraichgau. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1997, ISBN 3-929366-51-7.

Weblinks[Bearbeiten]