Burg Steinsberg

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Dieser Artikel beschreibt die Burg Steinsberg in Baden-Württemberg. Für die Burgruine in Ardez im Kanton Graubünden in der Schweiz siehe Ruine Steinsberg.
Burg Steinsberg
Burg Steinsberg

Burg Steinsberg

Entstehungszeit: 1109
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Teilsanierte Ruine
Ständische Stellung: Reichsministeriale, Grafen
Bauweise: Keupersandstein, Buckelquader
Ort: Weiler
Geographische Lage 49° 12′ 52″ N, 8° 52′ 38″ O49.2144444444448.8772222222222333Koordinaten: 49° 12′ 52″ N, 8° 52′ 38″ O
Höhe: 333 m ü. NN
Burg Steinsberg (Baden-Württemberg)
Burg Steinsberg

Die Burg Steinsberg ist die zum Teil restaurierte Ruine einer mittelalterlichen Höhenburg im Ort Weiler, einem Stadtteil von Sinsheim im Rhein-Neckar-Kreis (Baden-Württemberg).

Lage und Geologie[Bearbeiten]

Die Burg liegt auf dem 333  Meter hohen Steinsberg, einem ehemaligen Vulkan, dessen Südseite mit Wein bepflanzt ist. Weil sie weithin sichtbar ist, wird sie auch „Kompass des Kraichgaus“ genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Wahrscheinlich schon römischer Stützpunkt, wird der Steinsberg erstmals 1109 zusammen mit dem edlen Eberhard von Steinsberg genannt. 1129 erscheint ein Graf Weinhard von Steinsberg und später jener staufische Gefolgsmann Wernhart, „der uf Steinsberc saz“. Von jener Burganlage ist nichts erhalten; es gibt keine Vorstellungen darüber. Die heutige Kernburg wurde im frühen 13. Jahrhundert, etwa um 1220, unter den Grafen von Oettingen erbaut, die außer in Versen des Minnesängers Spervogel auch in drei Urkunden von 1283, 1294 und 1310 als Burgherren belegt sind. In der Urkunde von 1310 übergab Konrad von Öttingen seinen Besitz an die Pfalzgrafen Rudolf und Ludwig. Ursprünglich sollte Konrad von Öttingen von den Pfalzgrafen wieder mit dem Besitz belehnt werden, jedoch fiel er in Ungnade und verstarb außer Landes, so dass die Pfalzgrafen Burg Steinsberg 1311 an die Grafen von Hohenlohe verpfändeten. Das Pfand wurde rasch wieder eingelöst, denn 1356 saß bereits wieder ein pfälzischer Vogt auf der Burg. 1410 kam die Burg an die Pfalzgrafschaft Mosbach und kehrte mit deren Ende 1499 wieder zur Hauptlinie zurück. Daraufhin veräußerte Kurfürst Ludwig V. die Burg an die Herren von Venningen, die dort bereits im 14. und 15. Jahrhundert kurpfälzische Vögte gestellt hatten. Bis 1517 war die Burg noch Sitz einer kurpfälzischen Vogtei für Besitzungen im südlichen Kraichgau, bevor die Kellerei Hilsbach diese Funktion übernahm. 1525 wurde die Burg im Bauernkrieg niedergebrannt. Die unterlegenen aufständischen Bauern mussten hierfür anschließend 5000 Gulden Schadenersatz leisten. Der Wiederaufbau der Burg ist durch Jahreszahlen und Wappentafeln von 1527 und 1556 belegt. Auch ein Reliefstein, der heute am Eingang zur Burggaststätte angebracht ist, erinnert an den Wiederaufbau von 1527. Die Burg wurde weiter von den Herren von Venningen bewohnt, bis 1718 mit Georg Heinrich von Venningen der letzte Vertreter der Steinsberger Linie verstarb. Nach einem Blitzeinschlag 1777 wurde die Burganlage aufgegeben. Nach Abbruch aller Holzteile 1779 verfiel die Burg rund zwei Jahrhunderte lang. Nur vereinzelt fanden noch Bauarbeiten statt. Im Jahr 1972 verkaufte die Familie von Venningen die Burg an die Stadt Sinsheim, die umfangreiche Restaurations- und Sicherungsmaßnahmen vornehmen ließ. Der Bergfried, einige Wirtschaftsgebäude sowie zwei umlaufende Burggräben mit Wehrtürmen und Wehrgängen wurden saniert und können besichtigt werden.

Anlage[Bearbeiten]

Grundriss. Schwarz: Kernburg des 13. Jahrhunderts; blau: spätmittelalterliche Zwingermauern

Einzigartig ist der zentrale, 30 Meter hohe Bergfried, erbaut etwa 1235 bis 1240 aus Keupersandstein. Er ist im Grundriss achteckig und erinnert an die Oktogone von Eguisheim, Guebwiller, Wangen und Kilchberg. Auch sei an den aus einem Achteck entwickelte siebeneckige Bergfried von Burg Gräfenstein zu erinnern und nicht zuletzt an das apulische Castel del Monte. Der ursprüngliche Eingang zum Turm befand sich in 11 Meter Höhe und war nur über einen hölzernen Steg zu erreichen. Kurz vor 1800 wurde der Turm über einen ebenerdigen Zugang wieder zugänglich gemacht, nachdem es keinen Steg mehr gab. An Außen- und Innenwänden des Turms sind zahlreiche mittelalterliche Steinmetzzeichen erhalten.

Um den Bergfried legt sich eine unregelmäßig polygonale Ringmauer. Turm und Ringmauer sind rundum in regelmäßigem Buckelquadermauerwerk ausgeführt. Selbst die Schießscharten sind durch Buckelquader eingefasst. An die Innenseiten der Ringmauer lehnen sich im Stile einer Randhausburg die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Burg an. Die seit einem langen Zeitraum verfallenen Gebäude sind heute in vereinfachter Form und meist auf ein Geschoss reduziert wiederhergestellt. Der ursprüngliche Palas wurde im 16. Jahrhundert, vermutlich beim Wiederaufbau nach der Zerstörung von 1525, zum Werkstattbau umgenutzt, wovon seine heutige Bezeichnung als Bandhaus (Küferwerkstatt) herrührt. Der heute als Palas bezeichnete Bau entstand im 16. Jahrhundert. Aufgrund der starken Umbauten und des jahrhundertelangen Zerfalls können die Räume der Gebäude nicht mehr eindeutig zugeordnet werden. Zuschreibungen wie Schlosskapelle oder Kemenate der Zofen, wie sie auf Tafeln vor Ort zu finden sind, beruhen auf Vermutungen.

Um die Kernburg legen sich spiralförmig zwei- bis dreifache Zwingermauern. Bis zum Haupttor der Anlage sind drei Vortore zu passieren, deren mittleres unter Pfalzgraf Otto I. 1436 erbaut wurde und noch einen zweigeschossigen Wehrturm mit Wehrgang aufweist. Das dritte Tor zeigt eine Neidfratze, die böse Geister aus der Burg fernhalten soll.

Von der Kernburg ist die Ringmauer und der Bergfried weitestgehend erhalten und saniert. In den neuzeitlichen Wirtschaftsgebäuden innerhalb der Kernburg befindet sich gegenwärtig ein Restaurantbetrieb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Antonow: Planung und Bau von Burgen im Süddeutschen Raum. 2. Ausgabe. In: Bibliotheksreihe „Europäische Baukunst“. Band 1. Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-924086-03-6.
  • Christoph Bühler: Burgen der Kurpfalz. Bergstraße und Neckartal. Heidelberger Verlagsanstalt, Heidelberg 1990, ISBN 3-89426-012-2, S. 140 ff.
  • Franz Gehrig: Die Burg Steinsberg und die Stadt Hilsbach. In: Kraichgau. Heimatforschung im Landkreis Sinsheim unter Berücksichtigung seiner unmittelbaren Nachbargebiete, Folge 2, 1970, S. 80-102
  • Heinrich Niester: Burgen und Schlösser in Baden. Frankfurt am Main 1961.
  • Hartmut Riehl: Burgen und Schlösser im Kraichgau. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1997, ISBN 3-929366-51-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]