Burg Vondern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vorburg der Burg Vondern, Blick von Westen

Die Burg Vondern steht im Oberhausener Stadtbezirk Osterfeld in Nordrhein-Westfalen. Sie war ein Lehen der Grafen und Herzöge von Kleve und wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Heute im Besitz der Stadt Oberhausen, kümmert sich seit 1982 der Förderverein Burg Vondern um die Erhaltung der historischen Gebäude, die 1987 unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Der Name der Anlage rührt von dem mittelhochdeutschen Ausdruck „vonder“ (auch „funder“), der einen schmalen Steg über einen Wasserlauf beschreibt.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Eingangsportal der Burg

Burg Vondern ist eine zweiteilige Anlage, bestehend aus einem Herrenhaus und einer zweiflügeligen Vorburg im Südwesten. Die Anlage war früher eine von einem ausgedehnten Gräftensystem umgebene Wasserburg, deren Haupthaus auf einer eigenen Insel stand. Die Wassergräben sind heutzutage jedoch allesamt verlandet. Einige noch ansatzweise erkennbare Überreste einer Wallanlage lassen darauf schließen, dass die Burg in früheren Zeiten komplett von einer solchen umschlossen war. Da für eine genaue Datierung der heutigen Bausubstanz keinerlei Quellen zur Verfügung stehen, wurden die bisherigen Einordnungen aufgrund stilistischer Merkmale vorgenommen.

Das Haupthaus der Burg Vondern, Blick von Südwesten

Die Vorburg aus Backsteinmauerwerk stammt mit Ausnahme einiger weniger Veränderungen aus der Zeit der Spätgotik im Übergang zur Renaissance. Ihre heutige Form stammt wohl von einem Umbau am Anfang des 16. Jahrhunderts,[2] wobei ihre Schlüsselscharten auf eine Errichtung im 15. Jahrhundert hindeuten. Ihr Westflügel besteht aus einem mittig gelegenen Torbau, der nach Norden und Süden kurze Verbindungstrakte zu den flankierenden, runden Ecktürmen mit Kegeldach und Spitzbogenfries aufweist. Diese Türme werden auch heute noch nach ihrer damaligen Verwendung „Abortturm“ und „Gerichtsturm“ genannt. Das Torgebäude wird von einem Walmdach abgeschlossen und weist unterhalb des Dachansatzes einen Rundbogenfries auf. Im Gegensatz dazu besitzen die Rundtürme Kegeldächer und einen Spitzbogenfries. Noch bis in das 17. Jahrhundert besaßen die Bauten anstatt der heutigen Dächer einen Zinnenkranz. Die Außenwand des Südflügels beinhaltet Reste der ehemaligen Ringmauer und weist einen Wehrgang über spitzbogigen Arkaden auf. Dieser Gang zog sich vermutlich um die gesamte Vorburg.

Das barocke, zweiflügelige Haupthaus mit Walmdach wurde im 17. Jahrhundert errichtet und war früher über eine hölzerne Zugbrücke zu erreichen, die vermutlich im 18. Jahrhundert durch die heutige steinerne Bogenbrücke auf Sandsteinpfeilern ersetzt wurde. Seine Eingangsfront ist durch Fenster in sieben Achsen unterteilt und besitzt im Erdgeschoss zwei pavillonartige Vorsprünge, die von Schweifhauben abgeschlossen sind. Die spätgotische Rückseite des Herrenhauses war einst die Vorderseite eines Vorgängerbaus. Während der letzten Restaurierung wurde in seinem spätmittelalterlichen Kellergeschoss unter anderem eine alte Küchenanlage mit Kamin entdeckt.

Geschichte[Bearbeiten]

Infotafel im Innenhof: Die Aufsitzer des Hauses Vondern

Wann die Burg gegründet wurde, ist nach heutigem Kenntnisstand noch ungeklärt. Die Herren von Vonderen, ein klevisches Ministerialengeschlecht, werden bereits 1162 erstmals urkundlich erwähnt.[3] Die Anlage selbst erscheint in Urkunden jedoch erst 1266, als Wohnsitz des Gerhard de Vondere.

Als dessen Nachfahr Dietrich von Vondern keine männlichen Erben hatte, teilte er seinen Besitz 1401 unter seinen Töchtern Vredune und Bate auf. Zu jener Zeit ist erstmals von einer Burg die Rede.

Durch Heirat kam die Anlage Anfang des 15. Jahrhunderts an die Familie von Loë. Wessel van Loë ließ die Vorburg der Anlage um das Jahr 1520 umbauen.[3] Der letzte männlicher Vertreter der Familie, Wessel von Loë, war mit Gertrud von Willich verheiratet. Über sie kam die Burg nach seinem Tod an diese Familie. So ist 1572 Johann von Willich zu Veen als Aufsitzer der Burg verbürgt. Dessen Schwiegersohn, Johann von Bremt, folgte ihm im 17. Jahrhundert als Besitzer von Vondern nach und wurde 1627 in den Reichsfreiherrenstand erhoben.

Im 18. Jahrhundert war es das bergische Geschlecht der Grafen von Nesselrode, in deren Besitz sich die Anlage befand. Unter Johann Franz Josef von Nesselrode, Landscron und Reichenstein wird Burg Vondern jedoch schon nicht mehr als Wohnsitz genutzt.

1799 ging die Anlage durch Erbschaft an die Familie Droste zu Vischering, der 1937 der preußische Staat als Eigentümer folgte, ehe sie nach dem Zweiten Weltkrieg 1946[4] oder 1947[2] an die Stadt Oberhausen kam. Die Gebäude wurden weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Der Plan, dort Räume für die 1948 gegründete Arbeiterhochschule Burg Vondern zu schaffen, konnte nicht realisiert werden. Von 1982 an ließ die Stadtverwaltung die Anlage gemeinsam mit dem neu gegründeten Förderverein Burg Vondern bis 1995 sanieren. Zuvor hatte es wegen des schlechten Bauzustands sogar Abrisspläne gegeben.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Zum Seminarhaus umgebauter ehemaliger Stall

Das Herrenhaus beherbergt Ausstellungsräume und Örtlichkeiten, in denen regelmäßig Konzerte veranstaltet werden. Im Obergeschoss finden Trauungen der Stadt Oberhausen statt.

In der Vorburg wurde ein kleines Museum eingerichtet, das Ausstellungsstücke zeigt, die bei archäologischen Grabungen im Umfeld der Burg gefunden wurden.

Außerdem ist die Burg Vondern jeweils im August jeden Jahres Veranstaltungsort für einen Mittelaltermarkt und Ritterspiele.

Seit dem Jahr 2006 wurde das ehemalige Stallgebäude wieder aufgemauert und stellt nun zwei Etagen mit mietbaren Räumlichkeiten für Seminare zur Verfügung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Dickau: Beiträge zur Geschichte von Burg Vondern im Mittelalter. In: Ursprünge und Entwicklungen der Stadt Oberhausen. Band 1. Laufen, Oberhausen 1991, ISBN 3-87468-104-1, S. 45–54.
  • Katja Illmann: Burg Vondern. Chronik einer Wasserburg in der Emscherniederung. In: Michael Weier (Hrsg.): Oberhausen entdecken. 7 Rundgänge und 1 Fahrradtour. 1. Auflage. Klartext, Essen 2001, ISBN 3-88474-893-9, S. 87–89.
  • Maria Manuela Sleyman: Die Burg Vondern. Ein Datierungsversuch. In: Ursprünge und Entwicklungen der Stadt Oberhausen. Band 3. Laufen, Oberhausen 1993, ISBN 3-87468-119-X, S. 185–213.
  • Wilhelkm Vervoorts: Burg Vondern - ein Kunstdenkmal. In: Ursprünge und Entwicklungen der Stadt Oberhausen. Band 1. Laufen, Oberhausen 1991, ISBN 3-87468-104-1, S. 76–107.
  • Walter Paßgang: Burg Vondern. In: Kai Niederhöfer (Red.): Burgen AufRuhr. Unterwegs zu 100 Burgen, Schlössern und Herrensitzen in der Ruhrregion. Klartext Verlag, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0234-3, S. 310–312.
  •  Jens Wroblewski, André Wemmers: Theiss-Burgenführer Niederrhein. Konrad Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1612-6, S. 140–141.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Vondern – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. Paßgang: Burg Vondern, S. 310.
  2. a b W. Paßgang: Burg Vondern, S. 311.
  3. a b osterfeld-westfalen.de, Zugriff am 9. November 2010.
  4. Helmut Rönz (Bearb.): Osterfeld (= Rheinisches Städteatlas. Nr. 91, Lfg. 17). Böhlau [u. a.], Köln 2008, ISBN 978-3-412-20222-4, S. 2.

51.4988888888896.9066666666667Koordinaten: 51° 29′ 56″ N, 6° 54′ 24″ O