Burg an der Wupper

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51.1376083333337.152777777777891Koordinaten: 51° 8′ 15″ N, 7° 9′ 10″ O

Burg an der Wupper
in der Stadt Solingen
Im geteilten Schild oben in Silber (Weiß) ein wachsender blaubewehrter, gekrönter roter zwiegeschwänzter Löwe, der in seiner rechten Pranke ein silbernes (weißes) Schwert hält. Unten in Blau ein silbernes (weißes) fünfspeichiges Rad.
Höhe: 91 m
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 42659
Vorwahl: 0212
Karte

Lage von Burg an der Wupper in Solingen

Burg an der Wupper ist ein Stadtteil von Solingen. Bis zur Gebietsreform von 1975 war Burg an der Wupper eine selbstständige Gemeinde in Nordrhein-Westfalen. In Burg an der Wupper befindet sich die alte bergische Herzogsresidenz Schloss Burg.

Geographie[Bearbeiten]

Burg liegt etwa sechs Kilometer Luftlinie südöstlich der Innenstadt von Solingen, sechs Kilometer südwestlich von Remscheid sowie fünf Kilometer westlich von Wermelskirchen im Bergischen Land. Der Stadtteil gliedert sich in die beiden Siedlungen Unterburg und Oberburg, die etwa 100 Höhenmeter voneinander trennen. Beide Ortsteile zusammen zählen etwa 2000 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Burg in Blickrichtung Wermelskirchen (2004)

Im 12. Jahrhundert gab die Herrscherfamilie von Berg ihren Stammsitz in der Burg Berge bei Altenberg zugunsten des von Graf Adolf II. neu errichteten Schloss Burg auf einer Anhöhe über der Wupper auf. Die Position des Schlosses im dicht bewaldeten Gebiet, hoch oben auf einem Felsen, wurde aus strategischen Gründen gewählt. Die Ursprünge der Besiedelung Unterburgs lassen sich auf das ausgehende 12. Jahrhundert datieren.

Burg bildete als Freiheit im Herzogtum Berg bereits eine eigene Verwaltung, die Freiheit Burg wurde erstmals 1363 urkundlich erwähnt. Im Einflussbereich des Schlosses entstand am Fuße des Felsens direkt an der Wupper der Ort Unterburg, in dem indessen die Fischerei blühte.[1]

Als die Grafen von Berg ihren Regierungssitz nach Düsseldorf verlegten, verfiel die zum Jagdschloss ausgebaute Burg zusehends. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie schließlich fast vollends zerstört. Die dürftigen Überreste der alten Burg wurden Ende des 19. Jahrhunderts mit privaten Mitteln umfangreich und in historisierter Form restauriert. Ihr heutiges Erscheinungsbild geht auf diese Restaurierung zurück.

Bestandteil der Industriegeschichte Burgs sind unter anderem eine Eisengießerei, eine Maschinenfabrik, ein Stahlwalzwerk, eine Wollspinnerei, eine Deckenfabrik, eine Papier- und Maschinenfabrikation und verschiedene Schleifereien. Um 1880 hatte Burg 1.516 Einwohner. Als selbstständige Stadt gehörte sie zuerst dem Kreis Solingen, danach dem Kreis Lennep und schließlich dem Rhein-Wupper-Kreis im preußischen Regierungsbezirk Düsseldorf an.

In der Nachkriegszeit avancierte Burg an der Wupper zu einem bedeutenden Tourismusziel; die Burganlage selbst, wie auch die zahlreichen Cafés, Restaurants und Hotels in der Fachwerk- und Schieferkulisse Unterburgs lockten viele Besucher an. Dieser Boom fand in den 1950er und 1960er Jahren seinen Höhepunkt.

Nach rund 800 Jahren der Eigenständigkeit wurde zum 1. Januar 1975 die Stadt Burg im Zuge der Gebietsreform zur kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen zusammen mit dem vormals zu Wermelskirchen gehörenden Höhrath nach Solingen eingemeindet.[2]

Unterburg[Bearbeiten]

Häuserzeile in Unterburg (2009)

Unterburg liegt auf 91 m ü. NN am Fluss Wupper und dessen Zufluss Eschbach. Unterburg zeichnet eine nahezu geschlossene Bebauung mit Fachwerk- und Schiefergebäuden im bergischen Stil aus, die teils im 16. Jahrhundert errichtet wurden. An den Straßen Mühlendamm, Eschbach- und Schloßbergstraße beispielsweise befinden sich annähernd 40 Baudenkmäler. In einigen davon sind noch heute Cafés, Hotels und Restaurants untergebracht.

In Unterburg befindet sich die weltweit einzige verbliebene O-Bus-Drehscheibe, die jedoch 2009 außer Betrieb ging, da die Endhaltestelle „Burger Bahnhof“ der O-Bus-Linie 683 nach außerhalb verlegt worden war. Diese eher aus dem Eisenbahnverkehr bekannte Idee wurde aus Platzgründen nahe der Wupper auf den O-Bus übertragen. Heute wird die Drehscheibe nur noch für Museumsfahrten genutzt.

Der Fluss Eschbach tritt im Bereich Unterburg immer wieder über die Ufer. Im Zuge einer Hochwasserschutz-Sanierung werden aktuell die Staumauern vergrößert.[3]

Oberburg[Bearbeiten]

Ortsteile von Burg

Gut einhundert Höhenmeter oberhalb der Wupper liegt der Ortsteil Oberburg. Der Ort wird durch Schloss Burg im Westen dominiert. Die Bebauung Oberburgs besteht nur zu einem geringen Teil aus Fachwerk- und Schieferbauten, so etwa das Gasthaus in den Straßen in unmittelbarer Nähe zum Schloss. Der Ort hat Wohngebiet-Charakter mit überwiegender Bausubstanz neueren Datums.

Verbunden sind Oberburg und Unterburg durch die der Topographie folgende Landesstraße L157. Seit 1952 steht Fußgängern neben einem Serpentinenweg ergänzend eine Seilbahn zur Verfügung, die durch Ernst Wilfer entworfen wurde und pro Jahr etwa 200.000 Fahrgäste transportiert.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die O-Bus-Drehscheibe in Unterburg

Lange Zeit war Burg durch heute stillgelegte Straßenbahnlinien von Solingen entlang der heutigen Landesstraße L407 und von Remscheid entlang dem Eschbach an die Nachbarstädte angebunden. Doch in den 1950er Jahren ersetzte der O-Bus von Solingen aus die Straßenbahn. Heute gibt es von Burg aus Busverbindungen in die Nachbarstädte Remscheid, Wermelskirchen und Burscheid, sowie nach Solingen und Höhrath.

Die Abfahrt Schloss Burg/Wermelskirchen an der Autobahn A1 liegt nur wenige Kilometer östlich von Burg an der Wupper entfernt.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Burg besitzt neben der Schlosskapelle eine evangelische Kirche in Unterburg und eine katholische Kirche in Oberburg. Eine beliebte Möglichkeit, den Bund der Ehe zu schließen, besteht direkt auf der Burg, wo das Standesamt Solingen in der Kemenate untergebracht ist.

Nach der Eingemeindung nach Solingen sind viele Institutionen aus Unterburg abgewandert oder geschlossen worden. So schloss etwa die Polizeiwache, die Grundschule wie auch die dortige Zweigstelle der Stadtverwaltung, Bürgerbüro genannt.

In Oberburg unweit des Schlosses ist eine Jugendherberge ansässig.

Es befinden sich um Burg zahlreiche ausgewiesene Wanderwege, darunter auch ein Waldschadenspfad. Die Wege sind teilweise unbefestigt und steil, was der Topographie und den Höhenunterschieden zwischen beiden Ortsteilen geschuldet ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Seilbahn zum Schloss Burg

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schloss Burg, Burganlage aus dem Hochmittelalter, Ende des 19. Jahrhunderts vollständig historisierend rekonstruiert
  • Pfarrkirche St. Martinus, römisch-katholische Kirche Oberburgs, ehemals Kirche der Johanniter-Kommende
  • Diederichstempel, 1896 errichtete Aussichtsplattform in der Nähe des Schlosses
  • Drehscheibe Unterburg, Wendemöglichkeit für Oberleitungsbusse, Einsatz ausschließlich für Museumsfahrten
  • Seilbahn Burg, Seilbahn zwischen Unterburg und dem Schloss

Unweit des Ortes Burg befinden sich außerdem zwei weitere Sehenswürdigkeiten:

  • Sengbachtalsperre, Solinger Trinkwassertalsperre, südlich von Burg bei Höhrath gelegen
  • Müngstener Brücke, höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, wenige Kilometer nördlich Burgs gelegen
Die ehemalige Kapelle an der Oberburg

An der Oberburg auf einer Wiese nördlich der Straße „am Hahn“ Ecke „Wermelskirchener Straße“ stand bis etwa 1830 eine kleine der Gottesmutter geweihte Kapelle. Sie ist in der Urkatasterkarte noch als Viereck mit einer halbrunden Apsis eingezeichnet. Gemäß den Katasterbüchern gehört die Wiese bis heute der katholischen Gemeinde. 1729 stiftete Freiherr Johann Bernhard von Franken, ein Sohn der Erbauer, eine so genannte Erbrente von 72 Talern auf sein freiadeliges Gut Kastein im Amt Mettmann. Die eigentliche Kapelle ist vor 1698 von Joh. Bernh. von Franken, kurpfälzischer Richter und Kellner zur Burg, verheiratet mit Anna Hasenclever, erbaut worden und wurde nach 1830 wegen Baufälligkeit abgerissen. Die früher im Dachreiter untergebrachte Glocke der Kapelle wird heute noch als Stundenglocke der Schlossuhr von Schloss Burg genutzt.[4][5]

Burger Brezel[Bearbeiten]

Burger Brezel auf dem Dach eines Unterburger Hauses

Eine bekannte Spezialität mit Tradition in Burg ist die Burger Brezel. Früher gab es eine ganze Reihe von Brezelbäckern, die das besondere Gebäck herstellten. Ebenfalls typisch für Burg sind die sogenannte Bergische Kaffeetafel wie auch die Bergischen Waffeln mit Milchreis, Kirschen, Sahne oder Vanilleeis; beide Gerichte werden traditionell noch immer angeboten und sind vielerorts in Burg erhältlich. So war es beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er-Jahre üblich, den Familienausflug mit der Kaffeetafel zu krönen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dokumentation der Geschichte der Stadt Burg
  2.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  3. Artikel der Solinger Morgenpost vom 9. März 2012, abgerufen am 21. Juli 2014
  4. N. J. Breidenbach: Alte Höfe und Häuser im Wupperviereck.... Wermelskirchen 2011.
  5. R. Killing: Martinuskirche. Burg 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Solingen-Burg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien