Burgau (Steiermark)

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Burgau
Wappen von Burgau
Burgau (Steiermark) (Österreich)
Burgau (Steiermark)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Hartberg-Fürstenfeld
Kfz-Kennzeichen: HF (ab 1.7.2013; alt FF)
Fläche: 19,99 km²
Koordinaten: 47° 9′ N, 16° 6′ O47.14296666666716.098658333333275Koordinaten: 47° 8′ 35″ N, 16° 5′ 55″ O
Höhe: 275 m ü. A.
Einwohner: 1.066 (1. Jän. 2014)
Postleitzahl: 8291
Vorwahl: 03383
Gemeindekennziffer: 6 22 06
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schloßweg 1
8291 Burgau
Website: burgau.steiermark.at
Politik
Bürgermeister: Gregor Löffler[1] (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
10
5
10 
Von 15 Sitzen entfallen auf:
Schlossansicht vom Innenhof
Schlossansicht vom Innenhof
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Schlossturm an der Südwestseite
Gemeindeamt im Schloss

Burgau ist eine Marktgemeinde mit 1066 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im politischen Bezirk Hartberg-Fürstenfeld in der Steiermark. Bekannt ist Burgau für das Wasserschloss sowie die Wallfahrtskirche Maria Gnadenbrunn.

Geografie[Bearbeiten]

Es existieren außer Burgau keine weiteren Katastralgemeinden.

Die Marktgemeinde Burgau von Südosten

Geschichte[Bearbeiten]

Das ursprünglich mit einem breiten Wassergraben befestigte Schloss war eine strategisch wichtige Grenzfestung gegen die Bedrohung aus dem Osten und erhielt zusätzlich durch die beiden Flüsse Lafnitz und Loben Schutz. Bis in das 12. Jahrhundert gibt es keine Quellen, die auf die Herrschaft Burgau Bezug nehmen. Das ehemalige Wasserschloss „Burg in der Au“ wird erst 1367 unter der Herrschaft der Herren von Puchheim, die Burgau als landesfürstliches Lehen besaßen, urkundlich erwähnt.

1429 gingen Markt und Feste Burgau als landesfürstliches Lehen an das Geschlecht der Herren von Neitperg (Burg Neuberg). Hans von Neitperg war der letzte seines Namens und Stammes, nach dessen Tod das Lehen durch die Herren von Polheim übernommen wurde. Die Polheimer verwalteten ihre Güter von Seggauberg (bei Leibnitz) aus. In dieser Zeit wurde Burgau den Vernichtungszügen der Söldner des Andreas Baumkircher ausgesetzt, die nach der verlorenen Schlacht bei Fürstenfeld und der Hinrichtung ihres Anführers 1471 die Oststeiermark und damit auch Burgau bis 1475 devastierten. Mit der Unterstützung Weikhard von Polheims ging die Bevölkerung daran, den Ort und die Kirche, in der sich das Epitaph Weikhards befindet, wieder aufzubauen. Fünf Jahre nach dem Tod Weikhards im Jahre 1489 empfing sein Sohn Seifried für sich und seinen Bruder, die beide in Linz ansässig waren, von Friedrich III. die Herrschaft Burgau als Lehen. Trotz der Verhandlungen mit Ungarn, die sie vor weiteren Einfällen bewahrten, geriet Seifried von Polheim in große finanzielle Schwierigkeiten und musste aufgrund von Zahlungsunfähigkeit das Schloss im November 1498 um 200 Gulden verpfänden. Im Jahre 1500 bekam Erhard von Polheim wegen seiner Tapferkeit gegen die Türken die Herrschaft Burgau nun als freies Eigen geschenkt und ging sofort daran, die Befestigungsanlagen der Burg auszubauen. So konnten die Türken 1529 und 1532 erfolgreich abgewehrt werden. Allerdings wurden zahlreiche Burgauer von den Türken, die in diesem Jahr auch Wien zum ersten Mal belagerten, verschleppt und getötet.

Ab 1530 verwaltete Weikhart von Polheim für seinen Vater Erhard die Herrschaft, ab 1538 folgte er ihm im Besitz. Ebenfalls von Geldsorgen geplagt, veranlasste er den Umbau der Burg und ließ den Bergfried abtragen, die Wehrmauern verstärken, die nun die Vorburg mit dem Wohnschloss verbanden, an der Südfront der Vorburg zwei neue Wehrtürme errichten und einen Wassergraben anlegen. Das Torhaus wurde nun durch eine Zugbrücke verschlossen, eine Holzbrücke überspannte den Wehrgraben. Damals erhielt der Wehrbau sein endgültiges Aussehen. Das Schloss Burgau war somit zu einem großen Wasserschloss ausgebaut. Nach dem Tode Weikhards von Polheim 1550 verwaltete sein Bruder Hans das Schloss für seinen Sohn Wigolens.

1559 und 1564 musste die verschuldete Herrschaft Burgau verpfändet werden, die noch im darauffolgenden Jahr als Erbe an Hans von Zelking fiel, der sie an Mathias von Trautmannsdorf verkaufte, dessen Familie durch hohe Robotabgaben die Bevölkerung unter Druck setzte. Ein Gesuch der Bürger von Burgau um Robotbefreiung aus dem Jahre 1675 bzw. 1687 wurde von der innerösterreichischen Regierung abgewiesen. An diese Besitzperiode erinnert ein Inschriftstein, der mit dem Trautmannsdorfschen Wappen über dem Eingangsportal die Worte: „Maximilian Graf von Trautmannsdorf und Weinsberg, Ritter des goldenen Vlies, Röm. Kais. Majestät Ferdinand III. geheimer Rath, Kämmerer und Obersthofmeister“ trägt.

Schlossportal
Arkadenhof im Schloss
Naturbadeteich und Schwimmbad

Im Jahre 1704 fielen die Kuruzen, rebellische Gegner der habsburgischen Herrschaftsansprüche, in dieses Gebiet ein, weite Teile der Oststeiermark wurden unter den Anführern verwüstet. Dass Burgau wie durch ein Wunder von diesen Attacken zum Großteil verschont blieb, ist nur auf die geschickte Verhandlungstaktik des Burgauer Bürgermeisters zurückzuführen, der den Rebellen Waren und Münzen als Lösegeld angeboten hatte. Max Gundakher Graf von Trautmannsdorf, der schon 1749 einen Teil des Besitzes von seinem Vater übernommen hatte, verkaufte 1753 diesen schließlich an den aus ungarischem Adel stammenden Adam Graf Batthyány, dessen Familie zu den bedeutendsten Besitzern der Herrschaft Burgau zählt.

Der Nachfolger, Graf Carl Batthyány, gründete im Markt Burgau 1789 die erste Baumwollspinnerei der k.u.k. Monarchie, die auf rein maschineller Grundlage nach englischem Muster arbeitete, und trug damit zur Schaffung von Arbeitsplätzen für die einheimische Bevölkerung bei. Später wurde sogar eine eigene Arbeitersiedlung, der sogenannte „Untere Markt“, für die Arbeiter der Spinnfabrik angelegt. Er hatte zwei der neu entwickelten Baumwollstreckmaschinen und eine Spinnmaschine aus England herausschmuggeln lassen. Schwierigkeiten mit der Rohstoffbeschaffung, zunehmende Konkurrenz aus dem Wiener Raum und die Franzosenkriege führten 1808 zu einer zeitweiligen Schließung der Fabrik.

Erst 1831, als der Wiener Großhändler Georg Borckenstein den Betrieb übernahm und modernisierte, konnte vier Jahre später die Arbeit erneut aufgenommen werden. In Burgau befand sich nicht nur die älteste Textilfabrik der Donaumonarchie, auch andere technische Errungenschaften lassen sich hier schon früh nachweisen. So beschaffte Graf Carl Batthyány auch eine moderne Dreschmaschine aus England; bereits 1884 wurde Burgau durch die Lokalbahn Bierbaum–Neudau an das Eisenbahnnetz angeschlossen und im Jahre 1909 wurde hier durch den k.u.k. Hauptmann Johann Svetits ein Elektrizitätswerk erbaut.

Der letzte Besitzer von Schloss Burgau, Graf Lajos Batthyány, Nachfolger von Graf Carl Batthyány, wurde als Ministerpräsident und Anführer der Märzrevolution in Ungarn verhaftet und im Oktober 1849 hingerichtet. In Gedenken an ihn wurde im Oktober 1999 zum 150. Todestag eine Batthyány-Büste und Gedenktafel im Schlosshof angebracht.

Seit 1871 ist das Schloss im Besitz der Marktgemeinde Burgau. Bis 1968 war die Volksschule im Schloss untergebracht. 1990 richtete Ryke Geerd Hamer dort ein Zentrum für Neue Medizin ein, das 1995 behördlich geschlossen wurde.

In den letzten Jahren wurden das Schloss, der Innenhof und die Vorburg mit Rundturm restauriert. Der Rundturm beherbergt das Gemeindeamt und ein Schlosscafé,[2] in der Vorburg (ehemaliger Bedienstetentrakt) befinden sich Wohnungen. Der Keller des Hauptschlosses zeigt ein wunderschönes Ziegelgewölbe und wird für Veranstaltungen genutzt. Der Festsaal im zweiten Stock des Schlosses sowie der Innenhof mit den Arkadengewölben wird für kulturelle Veranstaltungen genutzt. (Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen, Hochzeiten, Kongresse …)

1998 wurde der Wassergraben auf der Westseite des Schlosses wieder errichtet.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Gregor Löffler (ÖVP). Im Gemeinderat sind 10 Mitglieder der ÖVP und 5 Mitglieder der SPÖ vertreten.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Bereits seit Mitte der 1970er Jahre bestehen Kontakte zur Markgrafenstadt Burgau in Bayern. Offiziell besiegelt wurde die Partnerschaft im Jahr 1982.

Wappen[Bearbeiten]

Das Burgauer Wappen zeigt „im grünen Schild einen gemauerten silbernen Brunnen mit Brunnenrad und Brunnenhaube“.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Burgau (Steiermark)

Wasserschloss Burgau[Bearbeiten]

Außerdem erhielt der Innenhof des Schlosses im September 1999 den 4. Tisch einer 5-teiligen Steintischserie, den sogenannten Utopientisch.

Wallfahrtskirche Maria Gnadenbrunn[Bearbeiten]

Die Ortskirche Maria Gnadenbrunn zu Burgau erhebt sich in freier Lage am Westrand des Dorfes auf einer leichten Anhöhe.

Der erste, aus dem 14. Jahrhundert stammende Bau wurde im Jahre 1418 von den Ungarn zerstört. 1624 und 1775 wurde die wiederaufgebaute Kirche durch einen Brand bzw. einen Sturm schwer beschädigt. Eine umfassende Restaurierung erfolgte 1952. Die Orgel wurde im September 2010 renoviert und gründlich gereinigt.

Die Chorkapelle sowie die Statue der Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Hochaltar stammt aus dem 15. Jahrhundert. Auch die Glocke der Kirche weist ein hohes Alter auf - sie stammt aus dem Jahre 1586. Die Einrichtung der Kirche entstammt im Wesentlichen dem Spätbarock.

In der Kirche steht ein Epitaph vom Schlossherrn Weikhart von Polheim, einer der Besitzer des Schlosses.

In der Pfarrkirche Burgau findet jedes Jahr von April bis Oktober an jedem 13. Tag des Monats eine Wallfahrt statt. Am 13. Juni 2010 wurde die Messe zum Jubiläum der 200. Wallfahrt mit Weihbischof Dr. Franz Lackner gefeiert.

Am 1. September 2012 ging der bisherige Pfarrer, Geistlicher Rat Josef Karl Fleck, nach 33 Dienstjahren in Burgau in Pension. Seitdem ist die Pfarre Burgau keine eigene Pfarre mehr, sondern Mitglied im Pfarrverband Burgau-Neudau-Wörth. Der zuständige Pfarrer des Pfarrverbandes war bis 31. August 2013 Mag. Mariusz Malek. Am 1. September 2013 wurde der Pfarrverband von Konrad Sterninger übernommen, der allerdings am 8. Oktober 2013 von seinem Amt zurücktrat.

Mariensäule

Hauptplatz mit Mariensäule[Bearbeiten]

Am Burgauer Hauptplatz befindet sich auf einem quadratischen Sockel eine ca. elf Meter hohe Mariensäule. Sie wurde 1750 errichtet und an der Spitze befindet sich eine vergoldete Marienfigur aus der Veit Königer Werkstatt, die nach Osten blickt; zur Erinnerung, aus welcher Richtung die Pest in den Ort kam.

Auf der Marmortafel am Fuß der Säule ist auch das Jahr 1778 vermerkt, in dem ein heftiges Unwetter den Ort verwüstete. Bei diesem Unwetter wurde u. a. die Mariensäule umgeworfen und auch der nördliche Turm des Schlosses zerstört. Seit diesem Unwetter ist der Heilige Donatus der Ortspatron von Burgau und ihm zu ehren wird jedes Jahr am zweiten Sonntag im Juli eine Bittprozession mit anschließendem Pfarrfest abgehalten.

Bei der Erneuerung des Burgauer Ortsbildes wurde am Hauptplatz auch ein Steinbrunnen neu angelegt und um die alte Linde (Naturschutzdenkmal) eine Rundbank aufgestellt.

Tschartake[Bearbeiten]

Anlässlich der Ausstellung „LABONCA-LAFNITZ - Leben an einer der ältesten Grenzen Europas“ im Jahr 1995, wurde direkt an der Lafnitz ein Grenzwächterhaus, die Tschartake, nachgebaut.

Dieses Grenzwächterhaus liegt am sogenannten „Kuruzzenwanderweg“. Dieser Wanderweg ist auch gleichzeitig ein Naturlehrpfad, der Schautafeln über die Flora und Fauna im Hügelland, die Bedeutung der Hecken, die Ökologie der Aulandschaft, die Bedeutung der Streuobstwiesen und über die Veränderungen der Landschaft durch Anbau zeigt.

Im August 2012 wurden die Tschartake sowie die Brücke über die Lafnitz renoviert bzw. komplett erneuert.

Kapellen und Marterln[Bearbeiten]

Auf Rad- und Wanderwegen in Burgau finden sich viele Kapellen und Marterln.

Ein paar Beispiele dafür sind:

  • das Rote Kreuz
  • die Mühlhauser Kapelle
  • die Heilige Dreifaltigkeitskapelle
  • das Galgenkreuz
  • das Schwarze Kreuz
  • das Mariazeller Kreuz

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burgau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. burgau.steiermark.at
  2. Schlosscafé