Burgergemeinde Bern

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Logo der Burgergemeinde Bern (seit 2013).[1]
Die geflammte Bernerfahne wird von der Burgergemeinde als offizielle Fahne verwendet.

Die Burgergemeinde Bern ist die Bürgergemeinde der Stadt Bern in der Schweiz.

Sie ist eine durch die Verfassung des Kantons Bern garantierte öffentlich-rechtliche Körperschaft und besteht als so genannte Personengemeinde aus ca. 17'300 Angehörigen der 13 Gesellschaften und Zünfte und den Burgerinnen und Burgern ohne Zunftangehörigkeit.

Geschichte[Bearbeiten]

Die historischen Wurzeln der Burgergemeinde Bern gehen bis ins Mittelalter und die anschliessende Herrschaft des Patriziats zurück. In ihrer heutigen Form existiert die Gemeinde seit der Neuordnung des Gemeindewesens im Jahre 1833 im Zuge der Reformen nach der Abschaffung der Aristokratie durch die liberale Staatsverfassung von 1831. Ihre heutige Form, die Aufgaben und der Besitz wurden ihr durch den Ausscheidungsvertrag von 1852 zugewiesen, in welchem der dem heutigen Kanton Bern entsprechende Teil der Stadt und Republik Bern in die Rechtsnachfolger Kanton, Stadt und Burgergemeinde Bern aufgeteilt wurde.

Eine Gruppe von Historikern arbeitet derzeit im Auftrag der Burgergemeinde Bern an einer Aufarbeitung der neueren Geschichte der Burgergemeinde.[2]

Besitzungen und Gliederung[Bearbeiten]

Innenhof des Burgerspitals
Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern (2010).
Die Burgergemeinde Bern sprayt Stencils in der Berner Altstadt (2014)

Die Burgergemeinde Bern verfügt über einen weitläufigen Grundbesitz, zu dem etwa die St. Petersinsel im Bielersee gehört. Sie unterhält in Bern wirtschaftliche, soziale und kulturelle Institutionen:

Gesellschaften und Zünfte[Bearbeiten]

Die burgerlichen Gesellschaften Berns sind – im Gegensatz zu den meisten anderen Zünften der Schweiz (vgl. besonders Zürich) – Körperschaften des öffentlichen Rechts geblieben. Organisatorisch sind sie den politischen Gemeinden des Kantons Bern gleichgestellt, und ihnen obliegt vor allem die soziale Fürsorge für ihre Mitglieder. Die Namen der 13 Gesellschaften lauten (offizielle Rangfolge):

Nebst den 13 öffentlich-rechtlichen Gesellschaften existieren weitere privatrechtliche burgerliche Gesellschaften und Vereine (Aufzählung unvollständig):

Kritik[Bearbeiten]

Kultur-Casino in Bern.

Die Burgergemeinde steht seit ihrer Entstehung Mitte des 19. Jahrhunderts unter Kritik. Ansatzpunkte sind der grosse Reichtum der Personalgemeinde, das Netzwerk und das soziokulturelle Verhalten innerhalb der Burgerschaft sowie die Personalpolitik innerhalb der burgerlichen Verwaltung. Die personellen Verflechtungen zwischen der Burgergemeinde und ihren Gesellschaften sind eng. Der ehemalige Burgergemeindepräsident Kurt Hauri spricht in Bezug auf die Reismusketen-Schützengesellschaft von "befruchtenden personellen Verflechtungen" zwischen der Burgergemeinde und den Reismusketen, noch deutlicher: "Die menschlich-persönliche Verbindung zwischen der Gesellschaft und der Burgergemeinde ist überaus eng".[8]

Die Historikerin Katrin Rieder hat in ihrer 2008 erschienenen Dissertation Netzwerke des Konservatismus. Berner Burgergemeinde und Patriziat im 19. und 20. Jahrhundert versucht, die Burgergemeinde sozialgeschichtlich zu analysieren. Sie zeigte in ihrer Arbeit auf, dass Männerbünde wie die Reismusketen-Schützengesellschaft, die Bogenschützengesellschaft, die Grande Société, die Leiste, Studentenverbindungen (insbesondere die Zofingia)[9] sowie der Johanniterorden bei der Ämtervergabe seit dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle spielen.[10] Die Verstrickungen einzelner Bernburger in der Nationalen Front, insbesondere die Rolle als Gauleiter des Kantons Bern des späteren Burgergemeindepräsidenten Georges Thormann haben für Gesprächsstoff gesorgt. Die Arbeit von Rieder wurde teilweise kritisch besprochen.[11][12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Burgergemeinde Bern : Gegenwart und Geschichte, Hrsg. von der Burgergemeinde Bern. 2. Auflage. Bern 1993, ISBN 3-7272-9081-1 (PDF-Datei; 60 MB)
  • Rundgang durch die Burgergemeinde, Hrsg. von der Burgergemeinde Bern. Bern 2009
  • Burgergemeinde Bern (Hrsg.): Wappenbuch der burgerlichen Geschlechter der Stadt Bern, (Wappen: Paul Boesch und Bernhard von Rodt, Text: Hans Bloesch), Bern 1932.
  • Kurt Hauri: Die Burgergemeinde Bern und die Reismusketen-Schützengesellschaft der Stadt Bern. In: Manuel Kehrli et al.: Die Reismusketen-Schützengesellschaft der Stadt Bern. Gegründet 1686. Bern, 2009, S. 41-48.
  • Carl Alexander Krethlow: Der Cercle de la Grande Société de Berne im 20. Jahrhundert. Traditionspflege und Anpassungsstrategien im Kontext beschleunigter Modernisierung. In: Georg von Erlach u. a. (Hrsg.): Hôtel de Musique und Grande Société in Bern 1759-2009. Licorne-Verlag, Bern 2009, S. 265-293.
  • Katrin Rieder: Netzwerke des Konservatismus. Berner Burgergemeinde und Patriziat im 19. und 20. Jahrhundert. Chronos, Zürich 2008, ISBN 978-3-0340-0905-8.[13][14][15]
  • Daniel Schläppi: Differenzmaschinen. Kommunen und Korporationen der Vormoderne als Instanzen postmoderner Ungleichheit. In: Schweizerische Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. 24 (2010), S. 23–33. Digitalisat
  • «Viele wissen nicht, wie viel der Burgergemeinde gehört» auf www.derbund.ch (abgerufen am 16. März 2014).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Früheres Logo siehe Wikimedia Commons.
  2. MEDAILLON, Nr. 15 (2011), S. 2; erscheint im Herbst 2014.
  3. www.derburgerspittel.ch
  4. http://www.vbbern.ch/
  5. http://www.burgerverband.ch/
  6. http://www.burgergesellschaft.ch/
  7. http://burgerinnen-forum-bern.ch/
  8. Hauri 2009, S. 44.
  9. 2014 sind 19% der Mitglieder des Grossen Burgerrats gleichzeitig Mitglied im Schweizerischen Zofingerverein, vgl. Mitgliederverzeichnis Schweizerischer Zofingerverein 2009 (Altzofingersektionen Bern und Zürich) und Burgerkalender 2014 online.
  10. Rieder 2008, S. 156-160; 268-271.
  11. Vgl. Hans-Ulrich Jost: Rezension zu: Rieder, Katrin: Netzwerke des Konservatismus. Berner Burgergemeinde und Patriziat im 19. und 20. Jahrhundert. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 70 (2008), H. 4, S. 63–67 Digitalisat
  12. Vgl. Christophe von Werdt: Der Ausscheidungsvertrag zwischen Burger- und Einwohnergemeinde Bern von 1852 – Quellenanalyse statt Verschwörungstheorie. In: Berner Zeitschrift für Geschichte 71(2009), H. 3, S. 57-97 Digitalisat
  13. Vgl. Hans-Ulrich Jost: Rezension zu: Rieder, Katrin: Netzwerke des Konservatismus. Berner Burgergemeinde und Patriziat im 19. und 20. Jahrhundert. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 70 (2008), H. 4, S. 63–67
  14. Vgl. Kerstin Brunner: Rezension zu: Rieder, Katrin: Netzwerke des Konservatismus. Berner Burgergemeinde und Patriziat im 19. und 20. Jahrhundert. Zürich 2008. In: H-Soz-u-Kult, 16. März 2010; und Medienspiegel 14. August 2008. In: reitschule.ch, mit Beiträgen zur Diskussion um das Buch.
  15. Vgl. Christophe von Werdt: Der Ausscheidungsvertrag zwischen Burger- und Einwohnergemeinde Bern von 1852 – Quellenanalyse statt Verschwörungstheorie. In: Berner Zeitschrift für Geschichte 71(2009), H. 3, S. 57-97

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burgergemeinde Bern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien