Burghal Hidage

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Als Burghal Hidage werden sieben Dokumente bezeichnet, in denen die angelsächsischen Befestigungen zur Abwehr der Wikinger an der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert aufgelistet sind.

Geschichtlicher Hintergrund und Inhalt[Bearbeiten]

Alfred der Große besiegte die Wikinger unter Guthrum 878 bei Edington (Wiltshire). Sein geschlagener Gegner, König Guthrum, ließ sich daraufhin taufen und zog sich in sein Königreich East Anglia zurück. Bis 892 unterblieben weitere Angriffe der Wikinger, was Alfred Zeit gab, sein Land durch ein Netzwerk von Festungen zu schützen und so neuen Angriffen der Wikinger entgegenzuwirken.

Im Burghal Hidage, das möglicherweise bereits in den 880er Jahren, spätestens aber 917 entstand, sind 33 burhs („Burgen“) und die zur Versorgung der Soldaten erforderlichen Ländereien aufgeführt. Zugrundegelegt wurde eine Besatzung von einem Mann je 1,25 m der Wallanlage, für dessen Unterhalt ein Hide veranschlagt wurde. Eine solche „Kriegssteuer“ ist urkundlich bereits seit der Mitte des 8. Jahrhunderts belegt.[1] Eine Neuerung stellte hingegen die Schaffung eines stehenden Heeres durch Alfred den Großen für das angelsächsische England dar.[2]

Die Bedeutung des Burghal Hidage zum Verständnis der angelsächsischen Verteidigungsstrategie liegt darin, dass nicht nur Lage und Größe der Befestigungen, sondern auch die Garnisonsstärke erfasst wurden. Die Befestigungen gingen teilweise auf eisenzeitliche (z. B. Pilton) und römische Ursprünge (z. B. Bath) zurück, zum Teil wurden sie neu errichtet.[3]

Keines der sieben als Burghal Hidage bezeichneten Dokumente enthält eine vollständige Liste. Die erhaltenen Exemplare gehen wohl auf zwei ältere Originale zurück und stammen aus der Zeit von Eduard dem Älteren (899–924). Die beiden letzten Einträge (Worcester und Warwick) sind spätere Ergänzungen.[4]

Name des borough zugeordnete Ländereien
(in hide)
Eorþeburnan (Lage unbekannt) 324
Hastings 500
Lewes 1300
Burpham (bei Arundel) 720
Chichester 1500
Portchester (bei Portsmouth) 500
Southampton 150
Winchester 2400
Wilton 1400
Chisbury (bei Hungerford) 700
Shaftesbury 700
Twynam (heute Christchurch) 470
Wareham 1600
Bridport (in Dorset) 760
Exeter 734
Halwell (in Devon) 300
Lydford 140
Pilton (bei Barnstaple) 360
Watchet (bei Bridgwater) 513
Axbridge (in Somerset) 400
Lyng (in Somerset) 100
Langport (in Somerset) 600
Bath 1000
Malmesbury 1200
Cricklade 1500
Oxford 1400
Wallingford 2400
Buckingham 1600
Sashes Island (bei Cookham) 1000
Eashing (bei Godalming) 600
Southwark 1800
Worcester 1200
Warwick 2400

Literatur[Bearbeiten]

  • David Hill, Alexander R. Rumble (Hrsg.):The Defence of Wessex. The Burghal Hidage and Anglo-Saxon Fortifications, Manchester University Press, 1996, ISBN 978-0719032189
  • Simon Keynes: Burghal Hidage; In: Michael Lapidge, John Blair, Simon Keynes, Donald Scragg (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u.a. 2001, ISBN 978-0-631-22492-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Simon Keynes: Burghal Hidage; In: Michael Lapidge, John Blair, Simon Keynes, Donald Scragg (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England, Wiley-Blackwell, 2000, ISBN 978-0-631-22492-1, S. 76
  2. Richard Abels: Army; In: Michael Lapidge, John Blair, Simon Keynes, Donald Scragg (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England, Wiley-Blackwell, 2000, ISBN 978-0-631-22492-1, S. 47
  3. University College London: The Burghal Hidage
  4. David Hill: The Burghal Hidage: The Establishment of a Text