Burgholzhausen vor der Höhe

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50.2535305555568.6723555555556184Koordinaten: 50° 15′ 13″ N, 8° 40′ 20″ O

Burgholzhausen vor der Höhe
Wappen von Burgholzhausen vor der Höhe
Höhe: 184 m
Fläche: 6,07 km²
Einwohner: 3622 (30. Jun. 2014)
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 61381
Vorwahl: 06007
Gesamtansicht von Burgholzhausen

Burgholzhausen vor der Höhe ist ein Stadtteil der Stadt Friedrichsdorf im Vordertaunus in Hessen. Der Namenszusatz vor der Höhe bezieht sich auf die historische Bezeichnung des Taunus als „die Höhe“.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Burgholzhausen liegt auf einer Höhe von 190 m über NN etwa 20 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main, 5 km nordöstlich von Bad Homburg und 2,5 km östlich des Ortskerns von Friedrichsdorf. Zu Burgholzhausen gehört auch ein kleines Waldstück nordwestlich von Friedrichsdorf, das als Exklave vom übrigen Ortsgebiet abgeschnitten ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Im Früh- und Hochmittelalter gehörte das Dorf zum Niddagau. Seine älteste erhaltene urkundliche Erwähnung als „castra Holzhusin“ stammt von 1222 und findet sich in einem Schutzbrief des Erzbischofs Siegfried II. von Eppstein. Vom Mittelalter bis zum Reichsdeputationshauptschluss war das damalige Holzhausen als Reichsdorf zu etwa zwei Dritteln im Besitz des Reiches und unterstand im Übrigen einer Vielzahl von Herren. Kirchlich gehörte das Dorf je zur Hälfte zum Kirchspiel von Obereschbach und zum Kirchspiel von Seulberg.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Altes Rathaus

Im 16. Jahrhundert vereinigten die Herren von Eppstein das eine Drittel der Herrschaft über das Dorf in ihrer Hand. 1537 beschreibt das Eppsteiner Weistum (eine Auflistung der Eppsteiner Besitzungen) „Holtzhusen“ als ein Dorf mit 51 Hofstätten und einer Befestigung aus einem Doppelgraben mit zwei Pforten. Ab dem 16. Jahrhundert wurde vor allem die Leineweberei die wirtschaftliche Grundlage Burgholzhausens. Daneben lebte der Ort von der Verarbeitung von Lehm aus eigenen Gruben zu Boden-, Ofen- und Wandfliesen. Ab dem 17. Jahrhundert kam der Obstanbau hinzu.

Nach Aussterben der Eppsteiner erbten die Grafen von Stolberg-Königstein deren Anteil, verkauften ihn aber 1578 an Graf Philipp Ludwig I. von Hanau-Münzenberg weiter. Noch vor 1645 belehnte der Kaiser den Mainzer Kanzler Nikolaus Georg Reigersberg mit den zwei Dritteln Burgholzhausens, über die er verfügen konnte. Das Hanauer Drittel kaufte Nikolaus Georg Reigersberg 1669[1] von Graf Friedrich Casimir von Hanau. Die Nachkommen von Nikolaus Georg Reigersberg verkauften ihre Rechte spätestens 1702 an die Freiherren von Ingelheim.[2]

1716 wurde die katholische Barockkirche, die heute die Kirchengemeinde Heilig Kreuz beherbergt, errichtet.

Die Grafschaft Hanau-Münzenberg fiel nach dem Tod des letzten Grafen von Hanau, Johann Reinhard III., 1736, aufgrund eines Erbvertrages an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. 1741 besetzte Landgraf Wilhelm VIII. Holzhausen militärisch, da er es als Teil seiner Hanauer Erbschaft betrachtete, und ordnete es dem Hanauer Amt Rodheim zu. Um Holzhausen gab es nun einen Rechtsstreit vor dem Reichskammergericht zwischen dem Landgrafen und Freiherr Franz Adolf Dietrich von Ingelheim, selbst Richter am Reichskammergericht. Der Landgraf stützte seine Ansprüche auf den Erwerb des Dorfes im Jahr 1578 durch Hanau, der Freiherr seine Ansprüche auf die das Reichslehen und die Verpfändung von 1649. Das Reichskammergericht sprach dem Freiherren Franz Adolph Dietrich von Ingelheim letztendlich 1765 eine Entschädigung in Geld und dem Landgrafen die Landesherrschaft über das Dorf zu. Es dauerte noch bis 1803 im Reichsdeputationshauptschluss bis auch der Kaiser seine Zustimmung zu dem Vergleich erteilte.[3]

Neuzeit[Bearbeiten]

1806 bis 1810 war Burgholzhausen französisch besetzt und danach Teil des Großherzogtums Hessen. Hier gehörte es folgenden Verwaltungseinheiten an:

Der Ortsname Burgholzhausen vor der Höhe wurde am 19. Juli 1939 vom Reichsstatthalter in Hessen bestimmt. Bis dahin trug die Gemeinde den Namen Holzhausen.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Ort durch den Zuzug von Flüchtlingen erheblich. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. August 1972 die Gemeinde Burgholzhausen vor der Höhe im Landkreis Friedberg mit anderen Gemeinden sowie der Stadt Friedrichsdorf im Obertaunuskreis zu einer Stadt mit dem Namen Friedrichsdorf zusammengeschlossen.[5] Der letzte Bürgermeister von Burgholzhausen war Dietmar Gritzka.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1939: 1038 Einwohner
  • 1961: 1853 Einwohner
  • 1970: 2139 Einwohner

Wappen[Bearbeiten]

Am 30. Juli 1971 wurde der Gemeinde Burgholzhausen vor der Höhe im damaligen Landkreis Friedberg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot ein goldener, von einem roten, dem alten Ortssiegel nachgebildeten Turm belegter Pfahl, beseitet von je zwei goldenen Holzstücken.[6]

Bildung[Bearbeiten]

Sanierte Hofreite aus 1630 (Ortsmitte)

Burgholzhausen hat eine Grundschule mit etwa 220 Schülern, 12 Lehrern, 3 Sonderschullehrern und einem Kirchenbeauftragten. In der Grundschule Burgholzhausen findet eine motopädagogische Förderung und Sprachheilunterricht statt. Die Grundschule verfügt über einen Arbeits- bzw. Medienraum für zwei Schulklassen und einen Computerraum. Ferner besteht ein Schulchor.

Politik[Bearbeiten]

Ortsvorsteher von Burgholzhausen ist Heinz Reinhardt (FWG). Der Ortsbeirat setzt sich wie folgt zusammen:

Alter Ortskern mit ehemaligem Rathaus
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,4 2 33,5 2 33,4 2
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 12,8 1 15,9 1 27,6 2
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 11,9 1 9,6 1 9,3 1
FDP Freie Demokratische Partei 5,9 0 5,8 0 7,3 1
FWG Freie Wählergemeinschaft 43,2 3 35,2 3 4,6 0
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft 17,8 1
Gesamt 100,0 7 100,0 7 100,0 7
Wahlbeteiligung in % 50,6 47,3 52,8

Kulturelles[Bearbeiten]

Mit der Burgspielschar e.V. Burgholzhausen verfügt der Ort seit 1948 über einen Amateurtheaterverein, der jährlich auf der Freilichtbühne „Alte Burg“ (im Sommer) und im Bürgerhaus Köppern (im Winter) aufführt. Im Jahr 2008 feierte der Verein sein 60-jähriges Bestehen und führte sowohl ein Kinderstück als auch ein Erwachsenenstück im Sommer auf der Freilichtbühne auf. Im Jahr 2009 beschränkte man sich wieder auf ein Kinderstück.

Kirchen[Bearbeiten]

In der Reformation war auch in Burgholzhausen die kirchliche Situation kompliziert geworden. Die Vielzahl von Herren führte nach der Einführung des Grundsatzes Cuius regio, eius religio (wessen Land, dessen Religion) durch den Augsburger Religionsfrieden zu einer etwas verworrenen Teilung nach der Konfessionszugehörigkeit. Durch das Kondominium aus dem katholischen Mainz und den protestantischen Münzenbergern lebten verschiedene Konfessionen zusammen. Die Versuche von Franz Adolf Dietrich von Ingelheim Holzhausen zu rekatholisieren waren nicht erfolgreich. In der Folge wurden zeitgleich zwei Kirchen erbaut.

Ab 1716 wurde die katholische Barockkirche, die heute die Kirchengemeinde Heilig Kreuz beherbergt, errichtet. Das Wappen Franz Adolf Dietrich von Ingelheims ist oberhalb der Tür zu sehen. Die erste heilige Messe wurde im Herbst 1718 gefeiert. Die evangelische Kirche wurde im Frühjahr 1719 geweiht. Beide Gotteshäuser wurden vom gleichen Architekten dem Baumeister Johann Wilhelm Detler entworfen.

Sport[Bearbeiten]

Der größte Sportverein am Ort ist der TV 1893 e.V. Burgholzhausen mit seinen Abteilungen für Aikido, Fußball, Leichtathletik, Tischtennis, Turnen und Volleyball. Am 30. März 1977 wurde der örtliche Tennisclub, der TC Burgholzhausen 1977, gegründet. In direkter Nachbarschaft zum Tennisverein befindet sich der Schützenverein 1954 Burgholzhausen e.V. Ferner bestehen mit Holzfäller-Burgholzhausen ein Kegelclub und der Reitverein Westernreitclub City Slickers Burgholzhausen.

Verkehr[Bearbeiten]

Burgholzhausen hat mit dem Haltepunkt Burgholzhausen Anschluss an die 1901 eröffnete Bahnstrecke Friedberg–Friedrichsdorf. Sie ist heute in den Rhein-Main-Verkehrsverbund integriert.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • W.A. Eckhardt: Das Reichsdorf Holzhausen. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 92 (1987), S. 155ff.
  • Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum = Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 72, 76.
  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der Deutschen Länder. 4. Auflage. München 1992, S. 295. ISBN 3-406-35865-9, S. 273.
  • Marianne Peilstöcker: Ein beschlossen Dorf mit zween Pforden… In: Jahrbuch des Hochtaunuskreises 2009. ISBN 978-3-7973-1110-8, S. 220–223
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 68.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burgholzhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Margarete Hinterreicher: Georg Christian von Hessen-Homburg (1626–1677). Offizier, Diplomat und Regent in den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg. In: Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. 58. Darmstadt 1985, S. 179.
  2. Köbler.
  3. Köbler.
  4. Beschluß über Namensänderung der Gemeinde Holzhausen, Kreis Friedberg, vom 19. Juli 1939 (Reg.=Bl. Nr. 16 S. 133) (Seite 137 der PDF-Datei 11,4 MB)
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 374.
  6. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 30. Juli 1971 (StAnz. S. 1350) Seite 14 der tif-Datei 5,44 MB